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"Downunder war ein großes Erlebnis"

Australien und die Great Walks of Australia im Intensiv-Paket. Joachim Chwaszcza war für den DAV Summit Club auf Spurensuche. Hier sind seine Gedanken zu einem höchst intensiven Australienerlebnis aus dem Blog www.followtheguide.de.

 

 
26.4.Sydney Arrival
… nach rund 30 Stunden geht die Sonne auf. Wie viel Bordkino verträgt der Mensch? Ich hab mir insgesamt 4 Filme auf diesem Flug genehmigt. Immerhin alle aus der Kategorie oskarprämiert. Einer war saugut, bei den andren drei hätte ich zuhause ausgeschalten. Aber – man sollte auch an den Rückflug denken und da besteht ja nochmal eine Chance. Umso stärker war die Ankunft in Sidney. Fast Vollmond über dem Hafen um 5 Uhr mrogens und aus dem Hotel im 32. Stock eine erste Impression von australischer Sonne und Sidney. Und etwas Nostalgie mit dem Blick auf eine victorianische Arkadenkuppel.
 
27.4. Von der Leuchtreklame…
…zum Lagerfeuer. Nach dem heutigen Messetag in Sydney geht´s jetzt raus ins Outback. Dutzende Gespräche über Nachhaltigkeit und ökologisches Bewusstsein. Natürlich, für uns ist erst einmal bei einem Flug nach Australien unsere gesamte CO2-Bilanz auf mehrere Generationen hin verbraucht. Aber das ist nur eine Seite der Medaille und die Kompensation der letzte Schritt in einem längeren Verständnis von Nachhaltigkeit. Die Lösung “nicht mehr zu Reisen und nur in der Nähe zu verweilen” ist ein zu kurz gefasster Gedanke und erinnert an die hochbewegte Zeit des langweiligen Biedermeier. Ich, mir, meiner, mich – das ist dann doch ein bisschen zu wenig. Und ehrlich gesagt denke ich, dass uns bei diesem Thema andere Länder etwas voraus haben. Aber wir sagen auch, das Glas ist halb leer. Hier ist es halbvoll. Und auf die Frage, wie man geschlafen hat, sagt man einfach “great” – muss ja nicht jeder gleich wissen, wie oft man den Vollmond angeblinzelt hat. Und bei us, was würde man von sich geben? Die Klimaanlage war …, das Bett war…, die Decke war… und überhaupt, doch, doch, ging schon, eigentlich wars ok. Ja so sind wir eben, ein bisserl open mind täte uns ganz gut. Für mich, mit mir und wegen mir. Deswegen hab ich jetz auch Zeit zum Nachdenken am Lagerfeuer…
 
1.5. Alice Springs: So kann ein Tag im Outback gerne…
…gerne beginnen. Eine Fahrt gegen den Sonnenaufgang, roter Staub, ein lässiges “Hey man, great” und dann ab in den Busch. Die Gamaschen gegen das stachelige Spinifex-Gras hochgezogen und dann kann es losgehen. Drei, vier Liter Wasser sind einfach das Minimum und wen es am ersten Tag mit der Hitze beutelt – es wird besser. Aber wirklich gut wird es auch nicht. Also unbedingt die 50er Creme nutzen und verschiedene Kopfbedeckungsmodelle mitnehmen. Aber dann packt es einen. Der erste Tag ist Schweiß und Hitze, der zweite Tag ist Staunen und ein offener Mund, der dritte Tag ist schon Sehnsucht und die Angst, dass es schon bald wieder vorbei ist mit dem Outback. Einfach, simple life, abends ein BBQ und ein, zwei Bier. Starke Sache und so kann der Tag dann langsam ausklingen.
 
1.5. Passt also alles und auch das Wandern…
…kann sich sehen lassen. Es sind zwar nicht die ganz ausgesetzten Trails, aber immerhin durchaus anstrengende und anspruchsvolle Wanderungen die wir unternehmen. Addiert man die Hitze dazu, dürfte jeder Outdoorfreak auf seine Kosten kommen. Was einem aber beim Wandern immer wieder durch den Kopf geht – es ist heiliges Land, durch das man streift. Wie weit weg sind wir vom Verständnis und von der Intensität, mit der die Aboriginals hier unterwegs waren. Und wie traurig ist das Bild, das man in der Stadt erlebt. Da bleibt man manchmal einfach nur an der Klippe stehen und staunt und grübelt.
 
3.5. Flinders Range: A nice Hiking-day…
…anders kann man es schwer bezeichnen. Durch den Busch streifen und ein Sandwich knabbern, ein bisserl am Aussichtspunkt die Blicke schweifen lassen und dann in netter Begleitung gen Camp wandern, wo man mit einem Bier erwartet wird. Alles gemütlich, ohne Stress und Hektik. Vielleicht ist genau das der Punkt, der uns von den Australiern unterscheidet. Die leben wirklich im Lande Oz und nachdem jeder mit Geld gesegnet ist, spielt es keine Rolle. Also lässt es sich bestens leben und man kann das Leben auch genießen. Uns bleibt da manchmal die Spucke weg. Die Ruhe, es so intensiv zu genießen wie die Kollegen von Downunder, haben wir sowieso nicht. Ich zumindest, denn ich werde ja schon unruhig, wenn das Wasser aus der Leitung zu langsam läuft. Also lerne ich von meinen geldgesegneten Freunden, wie man ruhig wird und bleibt. Und trinke abends auf der Arkaba Homestead nach zwei Glas australischen Riesling noch ein großes Glas “filtered rainwater” – hat auch Stil.
 
3.5. Launceston/Tasmanien: Ein grauer Tassie-Morgen…
… in Launceston und angesichts der Temperaturen ist das ja schon fast wie zu Hause. Vom Winter in den Winter. Immerhin soll es heute bis auf 400 Meter runterschneien, gut also dass wir an der Küste unterwegs sind. Bay of Fires klingt angesichts des Kälteschocks ja auch ziemlich vielversprechend. Also starte ich heute die Tassie-Expierience und hoffe mal, dass die Sonne es schafft, über die Berge zu klettern, um zumindest ein bisserl Wärme runter zuschicken. Übrigens ein irres Phänomen hier in Land of Oz – der Mond scheint bedeutend heller als daheim. Klar, denn von Luftverschmutzung und Lichtverschmutzung kann in den Outbacks keine Rede sein und da in Tasmanien nur rund 400 000 Leute leben sollen und die Insel so groß wie Bayern ist ( ich hab´s noch nicht nachgeprüft – man hat es mir stolz im Taxi erzählt), ist ja fast überall Outback. Und da gibt es eben nur dunkel und hell. Und nachts ist der Mond so hell, dass man bei Vollmond eigentlich ein Buch lesen kann. Hat was für sich.
 
6.5. Bay of Fires: Wenn jetzt noch…
..zufällig ein Wal an diesem Wahnsinnsstrand vorbeischwimmen sollte, würde ich sofort unter Protest “wegen übermäßiger Ungleichheit an landschaftlichen Schönheiten” das Land verlassen. “Too much” – anders kann man es wohl kaum beschreiben, was hier in Tasmanien so geboten wird. Heute geht es entlang der Bay of Fires zur gleichnamigen Lodge und außer entlang am Strand und etwas auf und ab in den Dünen und unendlich lange Blicke über einen astreinen, weißen Strand ist nicht viel mehr zu tun als zu Staunen. Als ob das nicht genügen würde. Trotzdem, nach der Ankunft in der Superlodge, erlaube ich mir nochmal einen Spaziergang durch die Dünen und treffe auf diesen mehr als friedlich gesinnten Beobachter, der mir bei meinen fotografischen Arbeiten interessiert zusieht, ob alles mit rechten Dingen vor sich geht. Ich wandre noch etwas rum, fotografiere und treffe auf die beiden älteren Herren, die mir in extrem nasalen Ton und ohne die Lippen zu bewegen zu erklären versuchen, welche Art von Fisch sie fangen. Ich nehme mal an, “blksämn” soll black salmon bedeuten. Ok – nach gut zehn Tagen hab ich den Slang immer noch nicht drauf. Aber hier in Tassie klingt alles noch etwas relaxter. Wenn jetzt noch ein Wal vorbeiziehen würde, dann…
 
6.5. Einsamkeit als gediegener…
… Luxus, anders kann man es nicht bezeichnen. Und nachdem hier alles doppelt und vielleicht dreimal so kostenintensiv ist wie bei uns, mag man sich vorstellen, in welchen Preiskategorien man sich hier bewegt. Also was bleibt anderes übrig, als es zu Genießen – tasmanisch relaxed. Und das bedeutet, Gitarre spielen zum Sonnenuntergang am Deck, abends ein gepflegtes Abendessen und einen netten Talk mit total entspannten und coolen Guides und einfach “alle vier gerade sein lassen”. Schlechtes Gewissen. Etwas, denn wie gesagt, wenn jetzt noch ein Wal…
 
7.5. Victoria: The Great Ocean Walk…
…ist einer der Great Walks of Australia – und deswegen bin ich ja hier. Und wirklich, es ist eine fantastische Route und das Finale an den 12 Aposteln mehr als grandios. Strände, Hinterland, Farnwälder – alles vom Feinsten. Erheiternd, dass die Zwölf Apostel nur noch zu acht sind, also würde besser Schneewittchen und die Sieben Zwerge als Name für die Kalksteintürme passen, die anderen sind ja eingestürzt. Oder man lässt es doch beim ursprünglichen, touristisch vielleicht nicht so passenden Namen – die Sau und ihre Ferkel. Irgendwie sind sie schon gut drauf die Aussies.
 
7.5. Melbourne: Mit dem Bike und FC Bayern…
…durch Melbourne ist ein ganz besonderes Erlebnis. Am Vormittag ging es auf der geführten Biketour durch Melbourne und es war wirklich ausgesprochen gut. Ecken und Gassen einer Stadt, an die man sonst vielleicht in zwei, drei Tagen nicht hinkommt. Abseits vom Trubel, immer wieder eine kleine Pause mit einem Stückchen Kuchen, einem Espresso oder eben einer German Bratwurst. Unser Bikeguide Mari (der mich doch irgendwie die ganze Zeit an den amerikanischen Krimikommissar dargestellt von Karl Malden erinnerte) wusste viel zu erzählen und zählt man alle seine Lieblingsplätze zusammen, die er heute als “secret spot” gezeigt hat, sind es sicherlich fast 100 Top-Locations. Aber es war wirklich gut und hat Spaß gemacht. Und als wir vor dem Melbourne Stadium standen, kam natürlich das Gespräch auf Fussball: “socker sucks… ” und ist irgendwie doch ein Frauensport und… und dann auf den FC. Bayern. Ich muss zugeben, der Guide fing an, und alles was er wusste, war Uli und seine Liebe zur Schweiz. Vom großen Finale keine Spur. Wie gesagt, „socker sucks“. Aber nach der Biketour war ich noch beim Barber und der schottisch-stämmige Friseur wusste bestens Bescheid. Eine Wohltat: “no spanish, no britisch…all the best for the german final.” Das war dann wieder eine Wohltat. Soviel zum FC Bayern. Und weil Deutschland hier gleich Bratwurst ist gibt´s gleich noch eine echte australische "German Bratwurst". 100% kein Krokodilfleisch – das hätte es auch gegeben, aber da hatte ich keine Lust drauf.
 
10.5. Australia Showdown…
… so schnell geht´s und so schnell ist es dann vorbei. Noch einmal zeigt in Wilsons Promontery Australien seine starke Seite – viel Natur, ein gigantischer Strand und abends krabbeln die Wombats am Zelt vorbei und die Wallabys hüfen rum und ein Eisvogel trillert wie ein Signalhorn am Morgen. Der Busch lebt und erzählt die alten Sagen und Legenden der Aboriginals und so ganz nebenbei wären wir dann am Morgenspaziergang noch auf eine Tiger Snake getreten, die es dann doch vorzog, hinter uns etwas benommen von der Kälte sich langsam von dannen zu ringeln. Wäre Ina nicht mit einem gewaltigen Satz nach vorne gesprungen – ich hätte es wohl gar nicht bemerkt. Dabei hatten wir kurz vorher noch über Schlangen gesprochen und dass ich bis dato keine gesehen habe. Gottseidank ging alles gut, denn das wäre dann doch ein ziemlich bissiger Schluss geworden. Also nochmal Dankeschön an alle, die diese Tage mitgewirkt haben in Sidney, Melbourne und Deutschland. Vieles war anders als ich es erwartet hatte und das meiste war super gut. Vielseitiger, tiefer, interessanter, als so mancher denken mag. Eine starke Sache und schöne Hikes – passt!
 
11.5. Ein letztes Bier…
…in der Lounge und dann ist Schluss. Alle, die am Anfang meinten, mir würde es wohl nicht so gefallen – zu wenig Geschichte, die Leute so anders und… und… – die muss ich leider enttäuschen. Mir hat es richtig gut gefallen und ich fand viele Dinge auch sehr spannend und auch sehr lehrreich. Nicht nur die work-life-balance, die hier sehr intensiv gepflegt wird. Wenn Schluss ist mit “work” dann ist auch Schluss und “life” hat seine absolute Berechtigung und steht nicht nur immer hinten an. Und auch meinen Ökofreunden zur Kunde getragen: Nicht nur, dass es in Oz eine Carbon-Steuer gibt, sondern auch das Selbstverständnis von Natur und Naturschutz ist hier etwas anders als bei uns. Tut mir leid, aber so verschiss… und verdreckte Trails wie bei uns hab ich hier nicht gesehen. Downunder war also ein großes Erlebnis und eine gute Erfahrung und ganz so selbstherrlich sollten wir uns in good old Germany nicht immer darstellen. Auch wir kochen nur mit Wasser und oft ist dieses nur lauwarm.

 

Der DAV Summit Club wird die Great Walks aufnehmen und bietet im Herbst 2014 eine große Australien-Tasmanien-Reise an – geführt von Gerhard Wiesenbauer.

www.dav-summit-club.de