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Tipps: Wandern in Corona-Zeiten

20.05.2020, 15:35 Uhr

Dieser Saisonstart ist nicht wie jeder andere. Für die meisten von uns liegt die letzte Bergtour schon ein wenig zurück, viele haben während des Lockdowns auch weniger Sport gemacht als sonst. Doch mit ein wenig Vorbereitung und bei Beachtung einiger Regeln steht uns eine tolle Bergsaison bevor.

Selbsterkenntnis ist der goldene Weg zur Sicherheit: Kenne und beachte deine Kompetenzen und Grenzen! Wie gut sind deine Kenntnisse in Tourenplanung und Orientierung, deine Trittsicherheit im alpinen (Steil-)Gelände? Wie schwer war deine schwerste, wie lang die längste Tour, die du noch mit Reserven souverän beendet hast? Bleibe zumindest bei den ersten Unternehmungen deutlich unterhalb dieser Grenzen.

 

 

Faktor Mensch – ich + wir

  • Adaption und Tagesform: Bei den ersten Touren des Jahrs ist „Reinkommen“ das Ziel, nicht Höchstleistung. Muskeln, Gelenke und Koordination müssen sich erst wieder ans sommerliche alpine Gelände gewöhnen. Und auch wenn Du dann wieder in Schwung bist: Stress im Job, schlechter Schlaf, Gesundheitsprobleme können die Tagesform in den Keller drücken. Lerne dich einzuschätzen und höre auf die Signale deines Körpers – er setzt dir die natürlichen Grenzen.
  • Gemeinsam stark oder schwach? Eine Kette ist so stark wie ihr schwächstes Glied – für ein Team am Berg sind Kompetenz und Tagesform des schwächsten Partners die selbstverständliche Grenze. Um über Schwächen und Ängste zu reden, braucht es Vertrauen, kein „sei ein Kerl und zieh schon mit!". Falls unerwartete Probleme auftreten, zeigt sich die Stärke einer Gruppe in der Hilfe für eine schwierige Passage – oder in der Bereitschaft zu gemeinsamer Umkehr. Die Atmosphäre in einem guten Team ist entspannt und trotzdem aufmerksam.
  • Ausrüstung: Ein zu schwerer Rucksack stresst Kondition und Gelenke. Aber was man braucht, sollte drin sein. Sonnenschutz (Creme, Brille, Mütze), warme Klamotten (inklusive trockener Unterwäsche), genügend zu Essen und Trinken. Die Notfallausrüstung wird in Coronazeiten ergänzt durch Mund-Nasen-Bedeckung (z.B. Schal oder Buff), Plastikhandschuhe und Desinfektionsmittel.
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Schwierigkeit

  • Das DAV-Wegekonzept erlaubt eine gute Einschätzung, welche Art und Häufigkeit von Schwierigkeiten ein Bergweg bietet – bei guten Verhältnissen. Achtung: In vielen gedruckten Führern und Internetquellen (auch bei alpenvereinaktiv.com) werden teils abweichende Schwierigkeitsskalen verwendet. Unbedingt das „Kleingedruckte“ lesen.
  • „Blaue“ Bergwege sind schon koordinativ anspruchsvoll und können steile, steinige oder wurzelige Passagen enthalten. Für erfahrene Berggänger sind sie zum Wiedereinstieg geeignet; Einsteiger sollten sich auf kurze Touren mit wenig Höhenunterschied beschränken.
  • „Rote“ und „schwarze“ Bergwege enthalten ausgesetzte Passagen, manchmal sogar Kletterstellen im Absturzgelände; Erfahrung und gute Adaption sind dafür nötig – also besser nicht als Saisonauftakttouren. Oft haben sie auch enge Passagen im Steilgelände, so dass ein Ausweichen mit dem durch Corona gebotenen Abstand heikel werden und Zeit kosten kann.
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Konditionelle Anforderung

  • Neben den technischen Schwierigkeiten des Geländes spielt auch der Höhenunterschied und die Gehstrecke eine Rolle, welche Gesamtanforderungen die Tour stellt. Versuche zum Saisonanfang nicht, an die Bestleistung vom letzten Sommer anzuknüpfen, sondern bleib beim Wiedereinsteigen deutlich drunter.
  • Gut zu wissen wäre auch, ob schwierige (Schlüssel-)Stellen gleich zu Beginn oder eher am Ende der Tour zu erwarten sind, denn Müdigkeit macht’s schwerer. Hier zeigt sich die Qualität einer Führerbeschreibung.
  • Gib dir für den Zeitbedarf einen Extrapuffer mit großem Abstand zur Dunkelheit. So hast du keinen Stress, auch wenn du mal eine Stunde in der Wiese liegen und das Dasein oder die Aussicht genießen magst. Und Unerwartetes wie schmerzhafte Blasen im neuen Schuh oder ein Umknackser bedeuten nicht automatisch, dass du in die Nacht gerätst, wo Orientierungsprobleme, Kälte und womöglich ein unangenehmes Biwak drohen. Denn die Bergwacht zu belästigen, weil man zu spät los oder zu langsam gegangen ist, wäre doch beschämend.
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Höhenlage und Exposition

  • Ein langer Anstieg oder gar eine schwierige Stelle fühlt sich auf 2800 Metern Höhe ganz anders an als auf 1800. Gönne dem Körper einige Vorbereitungstouren zur Akklimatisation, bevor du zu hohen Zielen aufbrichst. Auch die Himmelsrichtung spielt eine Rolle: Sonnseitig (und in niedrigen Lagen) ist’s im Sommer brütend heiß, im Herbst angenehm; schattseitig (und hoch oben) im Frühsommer eisig, im Sommer grade recht.
  • Zu Saisonbeginn sind Höhenlage und Exposition vor allem wegen der Schneesituation wichtig. Der wichtigste Grundsatz zur Risikoreduktion heißt dabei: Bleib im Trockenen! Derzeit (Mitte Juni 2020) ist in den Bayerischen Alpen schattseitig oberhalb von 2000 m, sonnseitig spätestens ab 2500 m Höhe mit Altschneefeldern zu rechnen, die vor allem vormittags hartgefroren und glatt sein können. Webcams erlauben eine ungefähre Einschätzung, wo in welchen Bergregionen momentan die Schneegrenze liegt – falls man das abgebildete Gelände kennt. Ein Vergleich mit einer guten Karte (amtliche oder AV/BY-Karte) zeigt, ob der anvisierte Weg durch Schattenzonen verläuft. In Foren wie alpenvereinaktiv.com, alpine-auskunft.at oder gipfelbuch.ch findet man Informationen zu aktuellen Bedingungen.
  • Frühmorgens ist der Schnee meist noch hartgefroren und rutschig. Im Lauf des Tages und bei Sonne taut er auf und wird griffiger, nachmittags kann dann Durchfeuchtung und Matsch schon wieder mehr Rutschgefahr bedeuten – außerdem steigt die Gefahr von Gewittern.
 

Orientierung

  • Um nicht in die Irre zu gehen und in heiklem Gelände zu landen, ist der beste Tipp: Gehe (vor allem am Saisonanfang) Touren, die du kennst. Also nicht solche, die du vor zehn Jahren mal gemacht hast, sondern letztes Jahr oder gar öfter.
  • Da aber Abwechslung das Leben schön macht, hilft bei unbekannten Tourenzielen die Maxime, vielbegangene Touren auszuwählen. Das sind solche, die in beliebten Auswahlführern stehen, in aktuellen Zeitschriftenausgaben und die in Foren oft genannt werden. Aber Achtung: wo viele Leute sind, ist auch die Infektionsgefahr höher!
  • Das Internet ist eine kostenlose, reichhaltige Quelle für Tourenideen. Aber die Qualität der Information ist sehr unterschiedlich; das Spektrum reicht von professionell bis schlampig. Ein gedruckter Führer aus einem etablierten Verlag bietet zumindest die Garantie eines professionellen Autors und Lektorats. Im Gelände spielen amtliche oder Alpenvereinskarten ihre Vorteile aus – vor allem, wenn der Akku des GPS-Geräts oder des Smartphones mit dem Touren-Download in die Knie geht…
  • Auf- und Abstieg auf dem gleichen Weg ist die risikoärmere Alternative zu Überschreitungen. Denn was ist, wenn auf halber Abstiegsstrecke plötzlich ein Wegstück weggebrochen ist?
 

Sicherung/alpine Gefahren

  • Die Klassifikation der DAV-Bergewege (blau – rot – schwarz) informiert über die zu erwartenden gehtechnischen Schwierigkeiten. Vor allem bei roten und schwarzen Wegen können ausgesetzte Schrofen- oder Kletterpassagen mit Drahtseilen oder Ketten gesichert sein. Dort wird das corona-gerechte Ausweichen schnell heikel. Zu Saisonbeginn ist auch damit zu rechnen, dass Sicherungen durch Lawinen weggerissen sind; ganzjährig können sie durch Steinschlag beschädigt werden. Die rasche Reparatur solcher Stellen ist wegen der Corona-Reisebeschränkungen derzeit nicht immer möglich.
  • Das gleiche gilt für Wegeschäden durch Lawinen im Winter oder Erosion bei Starkregen. Gerade in diesem Sommer sollte man also bei der Entscheidung für anspruchsvollere Wege besonders viel Sicherheitspuffer zu den persönlichen Fähigkeiten lassen.
  • Im Frühsommer besteht erhöhte Gefahr für kleine Lawinen und Schneerutsche aus Schneeresten, vor allem aus Gräben, Rinnen und Bachläufen. Und für Steinschlag nach Frostsprengung oder wenn steindurchsetzte Schneefelder abschmelzen. Angesagt ist Zurückhaltung gegenüber Tourenzielen in höheren Lagen. Und besondere Aufmerksamkeit, wenn man schrofiges oder felsiges Gelände begeht oder darunter durchqueren muss.
 

Wetter/Verhältnisse

  • Die technische Schwierigkeit und Höhenunterschied/Exposition sind Fixpunkte der Tourenplanung – der Faktor „Gelände“ im Sinne des 3x3 beim Risikomanagement. Zum variablen Faktor „Gelände“ gehört die Schneesituation, die bei den Punkten „Höhenlage/Exposition“ und „Sicherung“ angesprochen wurde.
  • Den anderen wesentlichen Einfluss auf die Verhältnisse hat das Wetter. Vor allem Niederschlag (Regen, Schnee) macht das Gelände schwerer begehbar und kann Steinschlag auslösen. Nebel erschwert die Orientierung. Wind und Kälte tragen zusammen mit Niederschlag zur körperlichen Schwächung und mentalen Belastung bei.
  • Deshalb ist die Beachtung eines guten Wetterberichts absolut fundamentale Sorgfaltspflicht für jede bergsportliche Unternehmung. Je unklarer oder unstabiler die Wettersituation ist, desto zurückhaltender muss die Tourenplanung sein mit Alternativen (Plan B) und klaren Umkehrbedingungen – oder womöglich gleich zuhause bleiben.
  • Der dritte – und übrigens wichtigste – Punkt beim bergsportlichen Risikomanagement ist der Faktor „Mensch“. Er stand deshalb am Anfang dieser Tipps.
  • Das Bergwetter findet ihr hier
 

Infektionspotenzial

  • Je breiter der Weg und je flacher das Gelände, desto leichter kann man ausweichen. Das heißt: Forststraßen, Almwege und viele Hüttenzustiege haben geringeres Risiko; heikler wird’s bei Kontakten (Gegenverkehr, Überholen) auf schmalen Wegen im Steilgelände oder gar auf Klettersteigen. Dort ist es sinnvoll, in der Tourenplanung etwas mehr Zeit zum Warten einzuplanen.
  • Bei Gegenverkehr gilt: Bergauf hat Vorrang. Nette Mitmenschen nutzen gute Ausweichpositionen, um dort abzuwarten.
  • Am Gipfel gilt: Wenn der nötige Abstand nicht eingehalten werden kann, weil der Gipfel zu spitz ist oder zu viele Menschen da sind, macht man die Gipfelpause etwas unterhalb. Vielleicht kann man ja etwas später raufsteigen, wenn weniger Leute dort sind. Oder schnell Maske aufziehen, Gipfelselfie und retour. Ist man selbst als erster oben, könnte es ja auch ein schöner Zug sein, nicht zu lange den höchsten Punkt zu blockieren…
  • Und generell gilt, wie immer, wenn Menschen miteinander auskommen müssen: Miteinander reden und abstimmen! Das macht das Leben oft einfacher.
 

Tipps: Klettern in Corona-Zeiten

Tipps zur Risikoreduktion in der Praxis

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In einigen Bundesländern war Felsklettern erlaubt, in anderen nicht. Die Kletterhallen waren überall geschlossen. Kein Wunder, dass viele jetzt heiß aufs Klettern sind. Doch diese Saison gibt es neben den normalen Regeln noch ein paar weitere zu beachten. Die Lockerung der Corona-Beschränkungen wird in den Bundesländern unterschiedlich gehandhabt. An Felsen in der Natur zu gehen, ist natürlich nur erlaubt, wenn solche Regelungen dem nicht im Weg stehen. Ebenfalls selbstverständlich, wenn auch nicht risikorelevant, ist es, dass man Sperrungen aus Naturschutzgründen und am Fels die DAV-Empfehlungen zu naturverträglichem Klettern beachtet. Aktuelle Infos zu Kletterregionen findet ihr hier. 

Vernunft statt volles Risiko

Tipps für einen erfolgreichen und sicheren Bergsommer

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Mehrere Wochen lang haben der DAV und die Bergwacht an die Bergsportcommunity appelliert, auf Touren zu verzichten. Was bei Kaiserwetter sicher nicht immer leicht gefallen ist. Jetzt kommt die Zeit, auf die wir uns seit Mitte März gefreut haben: Die Rückkehr in die Berge. Wer ein paar Regeln beachtet, kann sich auf einen schönen Saisonauftakt freuen. Bergwandern (und Bergsport) ist möglich – wenn man einige Regeln beachtet. Das meldete der DAV Anfang Mai, zur Freude vieler Aktiver, die in der Zeit des Corona-Lockdowns der Bitte gefolgt waren, auf Bergsport weitestgehend zu verzichten. Doch der Virus, gegen den immer noch kein Heilmittel existiert, fordert von uns in diesem Sommer besonders sorgsames Verhalten bei jeder Art von Bergsport. Dabei gilt es zwei grundsätzliche Ziele zu beachten:   Planung und Durchführung von Wanderungen, Radtouren, Klettern und anderem mit reduziertem Risiko und besonders aufmerksamem Risikomanagement, Bei Organisation und Verhalten an den Schutz vor Infektionen denken, für sich selbst und für andere.