DAV-Logo-freigestellt

Brauchen wir noch Blattkarten?

Die Welt der Kartenapps und -anbieter wird immer größer. Brauchen wir da überhaupt noch analoge Karten in den Bergen? Diese Frage stellte sich Katja aus der Kartographie und für sie ist die Antwort klar – JA.

Freitag, das Wetter fürs Wochenende schaut gut aus.

Ich bin auf der Suche nach einer Tour in den Bayrischen Alpen. Natürlich gehe ich dafür an den Computer und suche im Internet. Immer wieder ploppen neue Tourenportale auf, von denen ich noch nie zuvor gehört habe. Kann ich diesen Portalen vertrauen? Wer pflegt die Touren hier ein? Und was für Karten dienen als Grundlage? Fragen über Fragen. Ich bin verunsichert, welches Tourenportal ich nutzen soll und welche Kartenbasis ich eigentlich brauche.

Am Abend bin ich bei meinen Eltern eingeladen. Wichtigstes Thema: Wochenendplanung. Meine Mama fragt mich, was ich am Wochenende vor hab und ob ich in die Berge fahren will. Ich berichte von meinen Plänen und der schwierigen Wahl des passenden Ziels. Meine Eltern, beide große Bergfreunde, ziehen einige Wanderkarten raus und legen sie vor mich hin: „Früher gab es kein Internet, da mussten wir uns auch mit den Karten orientieren.“ Ich schlage die Karte von Garmisch auf und schaue mir die Berge und Wanderwege an. Klar, ich könnte mir auch aus den Karten eine Tour raussuchen. Aber was ist besser: Bilder und Höhenprofile im Internet zu begutachten oder einfach mal eine Karte von dem Gebiet seiner Wahl aufzuschlagen und so eine Entscheidung zu treffen.

 

Warum sollte man so sperrige Blattkarten mit in die Berge nehmen, auf der Straße funktioniert das Navi doch auch super, oder?

In der heutigen Zeit, in der einem das Navi sagt: „In 500 Metern bitte rechts abbiegen“, tun sich viele schwer, eine normale Karte zu lesen und verlassen sich zu hundert Prozent auf ihr Handy. Mit der Orientierung wird’s dann schon schwierig, wenn auf der Karte nicht der eigene Standort mit Blickrichtung angezeigt wird. Zum Glück haben wir ja Handys mit GPS-Signal. Aber was passiert, wenn das Handy keinen Akku oder keinen Empfang mehr hat und es einen nicht mehr durch die Straßen und Berge navigiert? Gut, wenn dann jemand eine Karte im Rucksack hat.

 

Und doch sind Kartenapps und Tourenportale bequem, die Vorteile nicht von der Hand zu weisen: Das Handy ist auch in den Bergen normalerweise immer dabei und somit auch die App mit der Beschreibung der Tour und dem zugehörigen Kartenausschnitt. Die Richtung und der Standort werden angezeigt, die momentane Höhe, die Blickrichtung und noch vieles mehr. Probleme treten jedoch dann auf, wenn die Tour nicht offline gespeichert ist. Es gibt in den Alpen immer noch viele Gebiete, die keine oder kaum Netzabdeckung haben. Also: Tour und Kartenausschnitt speichern und schon ist die App eigentlich doch perfekt für die Berge, oder etwa nicht?

Naja, die ersten Probleme fangen schon bei der Planung zuhause am Handy oder Computer an. Der Bildschirm kann noch so groß sein, die gesamte Wanderung mit allen Details will einfach nicht ganz drauf passen. Es fehlt der Überblick über die Tour, ständig muss man zoomen, um die Details des Geländes zu erkennen oder dann wieder die gesamte Wanderung auf einen Blick zu sehen. Auch auf Tour wird schnell klar: das Smartphone ist vielleicht doch nicht der Weisheit letzter Schluss. Gehen wir mal davon aus, die Karte ist offline gespeichert, der Akku hat gehalten. Nach einem langen Aufstieg stehen wir auf dem Gipfel und erfreuen uns am Panorama. Und jetzt? „Was für einen Berg ist denn das?“, „Und der markante da hinten, ist das nicht der Guffert?“ Mit einer Papierkarte wären diese Fragen schnell geklärt: Blickrichtung und          -winkel auf die Karte projizieren und schon muss man nur noch den Gipfelnamen ablesen. Am Handy gestaltet es sich schon schwieriger, da man schnell die Orientierung auf dem kleinen Display verliert oder der heruntergeladene Kartenausschnitt nicht reicht. Klar gibt es auch hier Apps zur Gipfelbestimmung, die gut funktionieren. Jedenfalls solange Akku und Speicher reichen und Netz vorhanden ist...

 

Wer eine Papierkarte mal komplett vor sich ausbreitet, erkennt die weiteren Vorteile schnell.

Und damit ist nicht nur das Gefühl gemeint, eine Wanderkarte aufzufalten und in den Händen zu halten. Die Informationsdichte auf einer topographischen Wanderkarte ist enorm groß, auch wenn es anfangs oft nicht so wirkt: Felswände, die teilweise im Wald versteckt sind, Quellen und kleine Bachläufe, Wiesen und Wälder, Hütten und Unterstände, Seilbahnen und Hochspannungsleitungen, Gipfel- und Wegkreuze, und noch vieles mehr findet sich bei einer genauen Betrachtung der Karte. Alle Straßen, Wege, Steige und Spuren, ob markiert oder unmarkiert, werden genau wie in der Natur wiedergegeben. Diese detaillierte Darstellung macht eine Orientierung im Gelände wesentlich einfacher.

Und auch die Höhenlinien auf dem Ausschnitt geben zahlreiche Hinweise auf die Gegebenheiten vor Ort. Bergsattel, Gipfel, Täler, Schluchten und einige andere Geländeformen werden so definiert. Umso näher die Höhenlinien aneinander liegen, umso steiler und abschüssiger ist das Gelände. Dort sollte man also besser nicht vom Weg abkommen. Und dann gibt es noch diejenigen, die sich gern mit Kompass oder Planzeiger orientieren. Dies ist tatsächlich nur mit einer Karte in der Hand möglich.

 

Samstagabend komme ich glücklich und erschöpft von meiner Wanderung nach Hause.

Ich packe meine Sachen aus, unter anderem die Wanderkarte von Papa. Die Auswahl des Ziels ist mir dann doch leichtgefallen. Ich habe die Karte vor mich gelegt und das Gebiet genau angeschaut. Ein Berg hat mir besonders gut gefallen, da der Aufstieg entlang eines Kammes verläuft. Kurz die Tour gegoogelt und entschieden: Das ist sie! Die Karte im Rucksack dabei zu haben, war ein gutes Gefühl. Endlich konnte ich mal einen Tag ohne elektronisches Gerät verbringen, so richtig abschalten. Für mich ist klar: in Zukunft werde ich immer erst eine Karte in die Hand nehmen, bevor ich gezielt nach einem Berg im Internet suche. Und so die Vorteile beider Herangehensweisen miteinander verbinden.

 

Auf einen Blick

Vorteile App

 

  • Handy ist immer dabei
  • Touren sind offline speicherbar
  • Standort und Höhe wird meist durch GPS-Signal dargestellt
  • Eigener Track kann aufgezeichnet werden

Vorteile Karte

 

  • Besserer Überblick über die Wanderung und das Gebiet
  • Einfache Bestimmung von Gipfeln und Tälern
  • Einfache Orientierung durch detaillierte Darstellung der Wege und des Geländes
  • Ausführlichere Informationen in den Karten
  • Kein Internet oder Akku nötig
  • Orientierung mit Kompass und Planzeiger
 

Bezugsquelle für Alpenvereinskarten

Die Alpenvereinskarten gibt es hier.

 

 

 

 

 

Die Karten des Alpenvereins

Hintergründe, Entwicklung, Besonderheiten

Mehr erfahren
Trotz der Fülle an Tourenplanungs- und Kartenapps – Blattkarten erfreuen sich ungebrochener Beliebtheit. Allein die Auflage der Alpenvereinskarten spricht für sich, 2019 lag sie im Durchschnitt bei über 4700 Exemplaren. Doch woher kommt die Begeisterung für das ja doch recht große und sperrige Kartenmaterial? Und was genau ist eigentlich eine Karte?

Alpenvereinskarten Bayerische Alpen

Kartenserie BY in Kooperation mit dem LDBV

Mehr erfahren
Mit den Wander- und Skitourenkarten des DAV im Maßstab 1:25.000 für den bayerischen Alpenraum wurde eine große Lücke in der "Karten-Landschaft" geschlossen.  Mit dem Kartenwerk der BY-Karten hat der DAV ab 2007 eine große Lücke im Alpenvereins-Kartenwerk geschlossen. Die 23 Kartenblätter enthalten Wanderwege, Ski- und Schneeschuhrouten.   Auf Grundlage des DAV-Projekts Skibergsteigen umweltfreundlich und der Untersuchung „Wildtiere und Skilauf im Gebirge“ des Bayerischen Landesamts für Umwelt (LfU) werden nur naturverträgliche Skirouten in die Karten aufgenommen. Zudem sind Naturschutz- und Wildschutzgebiete sowie die auf Freiwilligkeit basierenden Wald-Wild-Schongebiete verzeichnet. In den neueren Ausgaben (ab 2015) sind auch gebräuchliche Schneeschuhrouten eingetragen. Das LDBV (Landesamt für Digitalisierung, Breitband und Vermessung) und die Kartografie des DAV bündeln mit dieser Kartenserie ihr Knowhow: Kartenmaterial von hoher Qualität auf der einen, und Wissen in den Bereichen alpine Sicherheit und Naturverträglichkeit auf der anderen Seite. Das LDBV liefert die topographischen Grunddaten und die Wanderwege, der DAV die Skirouten, Skipisten, Schongebiete sowie weitere Informationen zu Wanderwegen, Alpenvereinshütten, Parkplätzen usw. Das Erscheinungsbild des Karteninhalts ist das der topographischen Karte 1:25.000, nur leicht abgewandelt. Der Druck erfolgt beim LDBV. In digitaler Form gibt es die Karten auf USB-Stick. Im September 2007 unterzeichneten die Präsidenten von LDBV und DAV eine Erklärung zur Public Private Partnership (ppp; Partnerschaft zwischen öffentlicher Hand und privaten Institutionen), mit der das gemeinsame Kartenprojekt gestartet wurde. Das Bayerische Landesamt für Umwelt trat als ideeller Partner dem Abkommen bei.   

Der Planzeiger

nützliches Hilfsmittel beim Kartenlesen

Mehr erfahren
Der AV-Planzeiger dient als Hilfsmittel bei verschiedenen Orientierungsaufgaben mit Topographischen Karten, insbesondere in den Maßstäben 1 : 25.000 und 1 : 50.000, sowohl im Gelände, als auch bei der Tourenvorbereitung. Er ist auf ein transparentes Kunst Neben verschiedenen Maßstabsleisten zur einfachen Ermittlung der Entfernung ist auch ein Neigungsmaßstab zur Bestimmung der Hangneigung aus der Karte vorhanden (Einheit: Grad). Durch den Vergleich der Skalenabstände mit dem Abstand zweier benachbarter Höhenlinien läßt sich die Hangneigung zwischen 10° und 60° ermitteln (bei Höhenlinien-Äquidistanz 20 Meter). Dies ist vor allem bei der Beurteilung der Lawinengefahr eine wichtige Information.   Zur genauen Ortsangabe mit Koordinaten (z.B. UTM) in Topographischen Karten stehen dem Benutzer zwei unterschiedliche „Planzeiger-Felder“ zur Verfügung. Auch mit GPS gemessene Punkte lassen sich mit der neuen Ausgabe des AV- Planzeigers leicht in die Karte übertragen.   Mit dem Kartenwinkelmesser (360°) lassen sich Richtungswinkel, die z. B. per Kompass ermittelt wurden, durch die im Kreismittelpunkt angebrachte Peilschnur in topographische Karten übertragen. Ebenso lassen sich auch Richtungen aus der Karte für die Einstellung am Kompass herauslesen. Das Ablesen des Winkels erfolgt mit Hilfe des dünnen Nylonfaden (Peilschnur) auf ein Grad genau. Gegenüber dem herkömmlichen Verfahren, die Richtungswinkel nur mit Kompass zu übertragen oder abzulesen, bietet der AV-Planzeiger mit der größeren Gradskala höhere Genauigkeit und bessere Übersicht.   Die Länge der Anlegekante eines gängigen Marschkompass liegt bei ca. 10 cm. Die Peilschnur des AV-Planzeigers ist ca. 60 cm lang. So lassen sich Gipfelbestimmungen und Peilvorgänge auch über größere Entfernungen im Kartenblatt problemlos durchführen.   Der AV-Planzeiger mit ausführlicher Gebrauchsanweisung ist im DAV-Shop erhältlich.