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Auf dem Tauernhöhenweg: Klimawandel sehen und verstehen

Von der Duisburger Hütte bis zum Zittelhaus

05.07.2022, 16:29 Uhr

Der Tauernhöhenweg weist mehrere Etappen auf: Einen der spektakulärsten Abschnitte, den Wegteil von der Duisburger Hütte über die Fraganter Scharte bis zum Zittelhaus, wollen wir Euch gerne vorstellen. Neben zwei schönen Hütten erwartet Wandernde die höchste dauerhafte Wetterstation Europas, das Sonnblickobservatorium.

Die Duisburger Hütte

Ausgangspunkt der 8,6 km langen Etappe stellt die Duisburger Hütte dar. Das ganzjährig bewirtschaftete Schutzhaus liegt auf 2572 m am Ende des Fraganter Tals. Die Hütte ist als Stützpunkt zum Wandern und Mountainbiken sowie fürs Skitourengehen sehr beliebt. Direkt im Umfeld befindet sich der künstlich angelegte Wurtenspeicher. Ideal geeignet auch für einen Familienbesuch.

 

Wegbeschreibung der Etappe, ges. Gehzeit 5:30 h

  • Möchte man von der Duisburger Hütte auf das Zittelhaus folgt man dem Fahrweg bergab in Richtung Hochwurtenspeicher.
  • Am Ufer angelangt, führt die Strecke anschließend in nördliche Richtung bis zur Talstation Klühspieß.
  • Es folgt eine Bachüberquerung und ein Aufstieg durch die Seitenmoräne des Wurtenkees (Mölltaler Gletscher).
  • Der weitere Wegverlauf führt über den Goldbergkopf zur Niederen Scharte.
  • Von dort aus geht es wieder talabwärts in den Talschluss des Hüttwinkeltals. Die Wanderer erwartet ein kleiner Gletschersee samt beeindruckenden Gletschertor, dem Ende des Goldbergkees.
 

  • Im Anschluss geht es wieder bergauf bis zur Rojacher Hütte.
  • Der letzte Wegabschnitt beginnt: Ein beeindruckender Gratweg bis hinauf zum Gipfel des hohen Sonnblicks.
  • Ein wuchtiges Massiv mit einer charakteristischen Felspyramide und mächtigen Nordwand über Kolm-Saigurn. 
 

Das Zittelhaus auf dem Hohen Sonnblick

Hütten, die direkt auf einem Berggipfel stehen, noch dazu auf einem Dreitausender, gibt es nur wenige in den Alpen. Das Zittelhaus auf dem Hohen Sonnblick auf 3106 m gehört zu diesen besonderen und exponierten Schutzhütten. Erreichbar ist die Hütte von Kolm Saigurn "Talschluss des Raurisertals" oder vom Alten Pocher "kleines Fleißtal/Heiligenblut" aus. Das Zittelhaus hat zwei gemütliche Gaststuben, welche Platz für etwa 100 Gäste bieten.

Entstanden ist das heutige Schutzhaus in den Jahren 1885/86 zusammen mit dem Sonnenblickobservatorium, dem bis heute höchstgelegensten Observatorium ganz Österreichs.

 

Auswirkungen des Klimawandels

Seit der Hüttenerrichtung hat sich Einiges verändert: Die Folgen des Klimawandels sind zu spüren.

Nicht nur Daten wie Langzeitbeobachtungen seit 1886 belegen einen Temperaturanstieg um 3 Grad in Gipfelnähe, sondern auch optisch sind die Auswirkungen des Klimawandels deutlich sichtbar.  Steigende Temperaturen und der damit verbundene Rückgang des Permafrosts haben das natürliche Felsenfundament unterhalb des Hohen Sonnblicks sehr brüchig werden lassen. Zur Absicherung des instabilen Gesteins am Gipfel wurde 2003/2004 der gesamte Felsunterbau mit Beton verankert.

 

Umso besser, dass sich genau hier das älteste und höchstgelegenste Observatorium Österreichs befindet. Trotz langer Geschichte und Tradition agiert das Sonnblick Observatorium zukunftsorientiert und vereint historische Zeitreihen mit neuester Messtechnik. Es zählt zu den weltweit 40 Stationen des „Global Atmosphere Watch Program“ (GWA) und damit zu den modernsten Stellen der Atmosphärenforschung. Auch dieses Jahr meldete das Observatorium wieder die aktuellen Wetterdaten der vergangenen Wintersaison 2021/22: Seit Aufzeichnungsbeginn verzeichneten die Wissenschaftler*innen im vergangenen Winter den geringsten Schneezuwachs. Besonders durch den warmen und niederschlagsarmen März wurde mit nur 7 cm Neuschnee ein neuer Negativrekord aufgestellt.

Nicht nur Wissenschaftler*innen steht der Zugang für Forschungszwecke offen, sondern auch interessierte Wandernde haben die Möglichkeit die Höhenforschungsstation im Rahmen einer Führung kennenzulernen. Um den laufenden Betrieb nicht zu stören, empfiehlt sich eine Vorabanmeldung. Meistens finden die Führungen abends statt, wodurch sich perfekt eine Übernachtung auf dem angrenzenden Zittelhaus anbietet.

 

 

Wandern über den Tauernhauptkamm

Der Tauernhöhenweg

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Im Schatten von Dreitausendern wie Säuleck, Hochalmspitze, Ankogel, Hoher Sonnblick und Großglockner verläuft am Tauernhauptkamm der Tauernhöhenweg. Entlang des Weitwanderweges liegen zahlreiche Hütten, welche zur Einkehr und Übernachtung einladen. Der Tauernhöhenweg gilt als das "Kronjuwel" unter den Höhenwegen in der Nationalpark Region Hohe Tauern. Zudem stellt er ein Teilstück des Zentralalpenweges "02" dar. Auf einer Gesamtlänge von 60 Kilometern führt der Weitwanderweg in sechs Etappen über den Tauernhauptkamm.   "Weg" ist allerdings eine irreführende Bezeichnung. Vielmehr handelt es sich um eine hochalpine und anspruchsvolle Tour, welche Können, Materialbeherrschung und Kondition erfordert. Der Weitwanderweg führt über den Tauernhauptkamm, wobei die 3000-Meter-Marke und vergletschertes Gelände überschritten werden. Mit Sicherheit also keine Route für Trekking-Neulinge, sondern nur an geübte Alpinist*innen mit langjähriger Erfahrung gerichtet. Falls man weniger geübt im Bergsteigen ist, empfiehlt sich der Tauernhöhenweg in Begleitung eines staatlich geprüften Bergführers.  

Interessenverband Tauernhöhenweg nimmt Arbeit auf

Nachhaltiger Bergsport in den Hohen Tauern

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14 Alpenvereinssektionen aus Österreich und Deutschland haben gemeinsam mit Talgemeinden aus dem Tourengebiet zwischen Großglockner und Hochalmspitze den Interessenverband Tauernhöhenweg e.V. gegründet. Ziel ist ein naturorientierter Bergsport in der Region.