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Wie geht Waldbaden? Manuela Goerlich im Interview

08.04.2022, 11:10 Uhr

Manuela Goerlich ist Waldbademeisterin, Kräuterpädagogin, Wald-Gesundheitstrainerin und ganzheitliche Entspannungstherapeutin. Ihr Wissen gibt sie in Führungen und Kursen weiter.

Wie bist du denn zum Waldbaden gekommen?

Ich bin über meine Kräuterpädagogikausbildung zum Waldbaden gekommen. Damals ist das unter Shinrin Yoku erstmals aufgetaucht und wurde von vielen erstmal belächelt und in die esoterische Ecke geschoben.

 

Wie kann man sich Waldbaden vorstellen?

Wir machen viele Übungen zur Sinneswahrnehmung, um die Achtsamkeit zu fördern. Ich biete auch Atemübungen und Gehmeditationen an. Man ist ganz bewusst langsam unterwegs.

 

Du legt großen Wert darauf, deine Kurse naturverträglich zu gestalten.

Als Privatperson darf man die Wege im Wald nicht verlassen. Ich kann als Kursleiterin meine Gruppe aber auch mal abseits ins Gelände schicken und achte dann darauf, dass sie zum Beispiel nicht versehentlich junge Baumschösslinge zertrampeln.

 

Was ist das Beste an deinem Job?

Waldbademeisterin zu sein, ist eine extrem abwechslungsreiche Aufgabe. Es sind immer andere Menschen dabei und ich finde es toll zu sehen, was die Zeit im Wald in Menschen bewirken kann.

 

An welches Erlebnis wirst du dich immer erinnern?
Eine Dame hat mich mal angerufen und gesagt, sie hält überhaupt nichts von diesem Trend des Waldbadens. Sie gehe in dem Waldstück, wo ich das Waldbaden anbiete, seit Jahren täglich spazieren und kenne das Gebiet. Sie hat also nicht geglaubt, dass ich ihr etwas Neues bieten könnte. Aber sie war trotz ihrer Skepsis neugierig und ist dann in einer meiner Gruppen zum Waldbaden mitgekommen. Zuerst meinte sie, sie würde im Nachhinein gar nicht über ihre Erfahrung sprechen wollen. Aber hinterher hat sie mir gestanden, dass sie noch nie so in diesem Wald unterwegs war und es für sie ein wertvolles Erlebnis war.

 

Sind wir mittlerweile zu entfremdet von der Natur?

Ja, das nehme ich erschreckenderweise so wahr, besonders bei meiner Arbeit mit Kindern. Manche haben noch nie einen Tannenzapfen in der Hand gehabt. Besonders Stadtkinder wachsen einfach anders auf und dadurch bilden sich oft große Wissenslücken.

 

Was hast du vom Wald gelernt?

Dass man mit der Natur leben muss. Wenn ein Gewitter aufzieht, kann ich meinen Kurs eben nicht abhalten. Man ist einerseits von vielen Faktoren abhängig, auf der anderen Seite bietet uns der Wald auch einiges. Und die Natur ist wahnsinnig widerstandsfähig und für mich daher ganz klar ein Vorbild. Ich denke, wir könnten uns da ganz viel abschauen, wenn wir näher hinschauen.

 

Überrascht dich dein Waldgebiet noch, wenn du es schon so gut kennst?

Ja, und das überrascht mich auch immer wieder selbst. Aber durch den Jahreszeitenwechsel verändert sich die Natur permanent und kann immer wieder ein bisschen anders erlebt werden.

 

Umarmt man beim Waldbaden auch Bäume?

(Lacht) Ja, wenn man möchte. Da gibt es öfter mal Berührungsängste. Der Vorteil dabei ist, dass man näher an der Rinde ist und die ätherischen Öle und Terpene intensiver riechen kann.

 

Warum ist das Umarmen von Bäumen für viele so absurd?

Ich denke, das ist eine Hemmung des Nicht-Kennens, weil nicht alle von Klein auf mit der Natur aufwachsen. Und dadurch entstehen dann Berührungsängste. Für manche Menschen ist es sogar befremdlich, sich auf den Waldboden zu setzen. Dabei hat das Waldbaden ja wirklich ausschließlich positive Effekte und das kann die Medizin inzwischen auch gut belegen. Und allen, die sich dem gegenüber nicht öffnen, denen entgeht eigentlich etwas.

 

Waldbaden ist gesund

Wer jetzt Lust aufs Waldbaden bekommen hat, kann sich bei Manuela Goerlich für einen ihrer Kurse anmelden. 

 

Das Waldbaden und seine vielen positiven Effekte sind übrigens wissenschaftlich belegt. Mehr dazu könnt ihr in unserem ausführlichen Hintergrundartikel zum Thema Waldbaden lesen. Zeit im Grünen zu verbringen hat so viele Vorteile! Grund genug, um öfter mal im Wald abzutauchen. 

 

Waldbaden: was ist so gesund daran?

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Einfach Zeit im Wald verbringen – das ist Waldbaden. Aber was ist so gesund daran und wie kann ich am besten in den Wald eintauchen? Shinrin Yoku, zu Deutsch "das bewusste Eintauchen in die Waldatmosphäre", stammt aus Japan und ist dort eine anerkannte Therapieform. Der Wald als Ruheort und Gegenpol zur Alltagshektik verspricht viele positive und wissenschaftlich belegte Effekte. Die Verbundenheit zur Natur ist in der japanischen Kultur tief verwurzelt. Das Waldbaden ist dort schon lange üblich, aber keine klassische Tradition. Als Reaktion auf den Stress in der Bevölkerung lud das Forstministerium in den 1980er Jahren dazu ein, Zeit im Wald zu verbringen. Das Waldbaden sollte nicht nur heilen, sondern auch die Wertschätzung gegenüber dem Wald stärken. Nur so würde der Mensch spüren, warum die Natur so schützenswert ist.