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Anni Albers – diese starke Frau gibt der neuen DAV-Adresse ihren Namen

23.02.2021, 16:47 Uhr

Am 15. Februar 2021 ist die Bundesgeschäftsstelle des Deutschen Alpenvereins innerhalb Münchens umgezogen – in die Anni-Albers-Straße 7. Die namensgebende deutsch-amerikanische Textilkünstlerin, Weberin und Grafikerin gehörte zur weltbekannten Weimarer Kunstschule Bauhaus.

Die neue Adresse befindet sich im Münchner Norden in der Parkstadt Schwabing. In diesem Stadtteil sind einige Straßen nach Bauhaus-Größen benannt, unter anderem nach Walter Gropius und Mies van der Rohe, Lilly Reich und Gunta Stölzl.

 

Pionierin trotz Widerstand

Anni Albers kam als 24-Jährige ans Bauhaus Weimar. Sie wollte ursprünglich Malerin werden, begann dann aber eine Lehre in der Weberei-Werkstatt der Kunstschule. „Ich war ganz und gar nicht begeistert, in die Weberei zu gehen, weil ich echte Männerarbeit machen wollte und nicht so einen weibischen Handarbeitskram“, sagte sie später. Damals stand Bauhaus als erste Kunstschule in Deutschland zwar sowohl Männern als auch Frauen offen, tatsächlich wurden jedoch viele der Studentinnen auf die Seite gedrängt. Anni Albers passte sich den Umständen zwangsweise an und machte das Beste daraus: Sie ließ sich von der Weberei faszinieren, und das Handwerk wurde bald zum Mittelpunkt ihres künstlerischen Lebens. Heute gilt sie als Pionierin in ihrem Bereich, sie vertrat kompromisslos die künstlerische Moderne. Durch Anni Albers veränderte sich das Aussehen von Gebrauchstextilien bald, ihre Wandbehänge wurden eine neue Form abstrakter Kunst.

 

Auf hohe Berge trotz Handicap

Am Bauhaus hatte Anni Albers, die 1899 als Anneliese Fleischmann in einer großbürgerlichen, zum Protestantismus konvertierten jüdischen Familie aus Berlin geboren wurde, auch ihren späteren Mann Josef Albers kennengelernt. Nach ihrer Hochzeit 1925 reisten beide nach Wolkenstein/Südtirol: „Ich wusste von nichts“, schrieb Josef Albers darüber in einem Brief, „Anni hat alle Pläne gemacht … und ich bin mitgenommen worden … einmal sind wir ganz allein sehr hoch geklettert, auf die Grosse Schierspitze.“ Zwar mussten sie kurz unter dem knapp 2.600 m hohen Gipfel umkehren, doch „die Wege sind hier herrlich und man ist so sehr schnell ganz hoch mitten drin.“ Der beherzte Aufbruch zu einer kleinen Klettertour scheint um so bemerkenswerter, denn von Geburt an musste Anni Albers mit einer (erst viel später diagnostizierten) neuromuskulären Erkrankung (CMT) umgehen, die zur Schwächung der Beinmuskeln und zur Deformation der Füße führte. Daher musste ihr Mann sie den Berg hinauf „ziehen“, wie es im Brief weiter heißt; doch sie war fest entschlossen, das Leben voll auszukosten und ihre Behinderung so gut es ging zu ignorieren.

 

Auswanderung in die USA

Nach der Machtergreifung Hitlers emigrierte Anni Albers 1933 gemeinsam mit ihrem Mann in die USA, wo sie am Black Mountain College in North Carolina unterrichtete. An dem legendären Kunstinstitut am Fuße der Appalachen, an das auch andere Größen des Bauhaus fanden, baute sie als Assistenzprofessorin eine Werkstatt für Weberei auf. Später zog das Paar nach New York, wo Anni Albers 1949 als erste Textilkünstlerin überhaupt eine Einzelausstellung im Museum of Modern Art (MoMA) bekam. Über Jahre reiste das Paar immer wieder nach Mittel- und Südamerika, vor allem in die Anden. Aus den Bergen brachten sie viele Textilien aus präkolumbianischer Zeit mit, die auch als Inspiration für die weitere Arbeit dienten. Als Anni Albers im Alter und auch durch ihre fortschreitende Krankheit immer weniger Kraft (für das Bedienen des Webstuhls) hatte, wandte sie sich der Druckgrafik zu – unter anderem entstanden Prägedrucke mit dem Titel „Mountainous“, bei denen sie mit dicken, handgeschöpften Papieren arbeitete.

 

Ausstellungen in München und Düsseldorf

In den folgenden Jahrzehnten erhielt sie diverse Auszeichnungen; letzte Würdigung zu Lebzeiten war eine Ausstellung in der Villa Stuck in München vom Dezember 1989 bis Februar 1990. Anni Albers starb 1994 in Connecticut. Ihr Werk geriet in Vergessenheit, erst in den zurückliegenden Jahren wurde sie wiederentdeckt. In Düsseldorf stellte die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen 2018 ihr komplexes Werk vor.

 

 

Literaturtipps

  • „Anni Albers“ (Ausstellungskatalog der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen), Hirmer Verlag, 2018
  • „Die Bauhaus-Bande. Meister der Moderne“ von Nicholas Fox Weber, DOM Publishers, 2018