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Bergbericht – So wird’s am Wochenende

20. bis 22. Dezember 2019

19.12.2019, 14:59 Uhr

Leider haben die außergewöhnlich hohen Temperaturen der vergangenen Tage der ohnehin geringen Schneedecke am Alpenrand stark zugesetzt. Und auch am Wochenende wird nur in hohen Lagen Neuschnee hinzukommen.

Schneesituation

Südseitig sind freie Wiesenhänge in den Bayerischen Voralpen meist bis auf 1600 Meter weitgehend aper. Im Waldbereich findet man aber auch darunter noch eine Schneedecke, die aber zum Skitourengehen natürlich lange nicht ausreicht. Ab der Latschenzone muss man sehr wohl mit Schnee rechnen, weshalb Schneeschuhe bei höheren Gipfel sehr sinnvoll sein können. Nicht selten findet man aber, wie zum Beispiel gestern an der Scheinbergspitze (Ammergauer Alpen) auch bereits gespurte Aufstiegsrouten.


Nach wie vor ausreichend für Skitouren ist die Schneelage am Alpenhauptkamm ab etwa 1500 Meter. Allerdings ist die Schneequalität derzeit eher durchwachsen. Der häufig anzutreffende windverpresste Harschdeckel ist nicht immer tragfähig und der ehemaliger Pulver ist natürlich stark umgewandelt.


Die Schneeverteilung ist generell nördlich des Alpenhauptkamms stark vom zurückliegenden Föhnsturm geprägt. Grate sind meist abgeblasen, kammferne Rinnen und Mulden sind stark eingeweht. Am Alpensüdhang ist die Schneeverteilung hingegen regelmäßiger.

 

Lawinensituation

Das vergangene Wochenende war von einer großen Triebschnee-Problematik gekennzeichnet, die eine extreme geografische Ausdehnung hatte. Dies zeigte sich an drei tödlichen Lawinenunfällen am Titlis (Urner Alpen), am Hohen Ifen (Allgäuer Alpen) und an der Seiser Alm (Dolomiten). Auch noch am Dienstag, als in Tirol bereits eine mäßige Lawinengefahr herrschte, wurden in den Kalkkögeln (Stubaier Alpen) zwei Tourengeher von einer Lawine erfasst. Mittlerweile hat sich die Lawinenlage nördlich des Alpenhauptkamms entspannt. So wurde für die bayerischen Alpen, für Vorarlberg, für Tirol und für das Bundesland Salzburg am Donnerstag eine maximal mäßige Gefahr / Stufe 2) ausgegeben.


In weiten Teilen der Schweiz (Wallis, Tessin und Graubünden) sowie in Südtirol herrscht mit Lawinenstufe 3 hingegen weiter eine erhebliche Lawinengefahr. Dort sind Neu- und Triebschnee der letzten Tage sind im Süden in der Höhe noch störanfällig .,


Mit der milden Witterung ist im Norden in mittleren Lagen die Gefahr der Selbstauslösung von Gleitschneelawinen zu beachten. Wegen der geringmächtigen Schneedecke sind Lawinen meist klein, können im Allgäu jedoch mittlere Größe erreichen. Aus felsdurchsetzten Steilflächen können sich auch kleinere, feuchte Lockerschneelawinen lösen.


Zudem weist der Schweizer Warndienst in inneralpinen Gebieten des Wallis und Graubündens auf ein Altschneeproblem hin. Hier sind im mittleren Teil der Schneedecke verbreitet aufbauend umgewandelte, lockere Schichten vorhanden, in den Lawinen ausgelöst werden können.

 

Wochenendwetter

Der Freitag wird in den Ostalpen sehr stürmisch. Am Alpenhauptkamm und südlich davon verläuft der Tag nass mit einer Schneefallgrenze um 1500 bis 1800 Meter. Im Norden ist es trocken und erst sonnig aufgelockert, tagsüber werden die Wolken von Westen her dichter. In der Nacht auf Samstag bricht der Föhn mit Ausnahme des Nordostens zusammen und es breitet sich Niederschlag aus, die Schneefallgrenze sinkt gegen 1200 bis 1500 Meter.


Östlich der Linie Watzmann-Großglockner bleibt es am Samstag unbeständig bei lebhaftem Wind. Westlich davon wird es zunehmend sonnig und nachlassender Wind. In der Nacht folgen von Südwesten die nächsten Niederschläge und der Wind legt deutlich zu.


Am Sonntag gibt es im Norden und Westen vormittags Auflockerungen. Nachmittags trübt es wieder ein und bis zum Abend wieder Regen und Schneefall mit erneut stürmischem Bergwind. Wetterbegünstigt ist am Sonntag die Alpensüdseite.


Auch in den Westalpen steht ein unbeständiges und stürmisches Wochenende bevor. Hier verläuft der Samstag besser als in den Ostalpen. Dafür trübt es am Sonntag bereits am Vormittag ein.

 

Fazit

Die Wochenendaussichten sind sowohl von der Schneelage als auch vom Wetter her ziemlich durchwachsen. Andererseits sind bis etwa 1600 Meter Bergwanderungen wieder weitgehend schneefrei möglich. Da die Schneefallgrenze am Wochenende um die 1200 Meter liegt, empfehlen wir als Tour der Woche den Taubenstein, dessen Besteigung am 1100 Meter hoch gelegenen Spitzingsee beginnt. Somit wird man wohl nur wenige Regentropfen abbekommen.


Wer unbedingt ein vorweihnachtliches Skitourenwochenende unternehmen möchte, findet am Tiroler Alpenhauptkamm in höheren Lagen genug Schnee. Allerdings muss man sich auf stürmische Wetterverhältnisse einstellen und sich am Samstag und Sonntag gut über die Lawinengefahr informieren. Es ist zu erwarten, dass mit Neuschnee und starkem Wind nur lawinensichere Skitouren zu verantworten sind.

 

Tour der Woche: Taubenstein

Tour zum 20. bis 23. Dezember 2019

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Da die Schneefallgrenze am Wochenende vergleichsweise hoch liegt (siehe Bergbericht), bietet sich einmal mehr der auf 1200 Meter über dem Meeresspiegel gelegene Spitzingsee als Touren-Ausgangspunkt an, damit man nicht im Regen unterwegs ist.   Weil die warme Witterung der ohnehin nicht üppigen Schneedecke stark zugesetzt hat, sind aber auch dort Skitouren abseits beschneiter Piste nicht mehr möglich. Deshalb empfehlen wir eine Winterwanderung auf den Taubenstein, die sich vom Wetter her vor allem am Freitag und Samstag anbietet.   Die Tour folgt nicht der ehemaligen Skipiste sondern führt weiter südlich über die Obere Maxlrainer Alm zu dem 1693 Meter hoch gelegenen Gipfelkreuz, dass sich auf einem nach Norden steil abfallenden Gipfelfelsen befindet. Schneeschuhe wird man wegen der geringen Schneelage wohl nicht brauchen, sehr wohl aber feste Winterwanderstiefel mit gutem Profil und Teleskopstöcke, da man schon mit Schneekontakt rechnen sollte.   Den Ausgangspunkt Bushaltestelle "Spitzingsee-Kirche" erreicht man übrigens von München Hbf. mit nur einmal Umsteigen in 1:20 Stunden, reduziert dabei die eigene CO2-Bilanz und kann im Zug auch noch gemütlich Zeitung lesen.   Gerade jetzt wäre es wieder interessant für die Touren-Community, welche Bedingungen Sie vorgefunden haben. Lassen Sie die Community daran teilhaben und posten Sie eine aktuelle Bedingung – am besten direkt zur Tour. Dauert nicht lange und viele Tourenfreunde freuen sich über die Information!