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Berge und Yoga - Ein Interview mit Yogalehrerin Petra Zink

Petra Zink ist nicht nur Yogalehrerin sondern auch Sportwissenschaftlerin und ehemalige Mountainbike-Leistungssportlerin. Yoga probierte sie während ihrer aktiven MTB-Zeit erstmals eher zufällig und zum Dehnen aus. Erst im beruflichen Alltag fand sie vor allem einen mentalen Ausgleich in den Übungen und der Philosophie. Seit fünf Jahren ist Petra selbständig, sie bietet Yoga-Retreats in den Alpen in Kombination mit Bouldern und Wandern an, außerdem hat sie ein Yogabuch zu den Themen Bergsport und Klettern veröffentlicht.

Man spielt mit dem Gedanken, Yoga mal auszuprobieren. Womit hadern dennoch viele?

Es gibt einen Satz, der im Gespräch fast immer kommt: „… dafür bin ich viel zu unbeweglich!“ – Das ist schon interessant, denn genau darum geht es ja beim Yoga auch: sich im eigenen Körper wohler zu fühlen und vielleicht auch flexibler. Die fehlende Beweglichkeit ist also gar kein Hindernis fürs Yoga, sondern vielmehr der Grund.

Also „einfach mal machen!“?

Irgendwie schon. Jeder ist beim Yoga gut aufgehoben. Viele Anfänger fühlen sich wohl mit Yoga, sie haben eine Menge Spaß, sie erkennen neue Seiten an sich oder werden bewusster. Auch sehr viele ältere Leute fühlen sich angesprochen. Ich erlebe aber auch viele Ängste; vielleicht weil die Menschen oft Bilder von komplexen Posen sehen. Man braucht jedoch wirklich keine Angst haben, denn es gibt heute so viele verschiedene Angebote vom sanften bis hin zu therapeutischem Yoga. Die Physiotherapie und die Spiraldynamik haben momentan einen sehr großen Einfluss aufs Yoga und das finde ich ganz super.

Gibt es in dem riesigen Angebot einen Yoga-Stil, den du Anfänger*innen besonders empfiehlst?

Die Entscheidung für den einen oder anderen Stil ist ein bisschen eine Suche, was einem persönlich gefällt und guttut. Es hängt nach meiner Erfahrung häufig vom Lehrer ab, der durch seine Erfahrung eine ihm ganz eigene Yoga-Mischung findet, die er dann weitergibt. Aber auch eine besonders angenehme Stimme kann ein Grund sein, um zu einer bestimmten Lehrerin zu gehen, zum Beispiel wenn jemand beim Yoga eher den ruhigen Ausgleich zum turbulenten Alltag sucht.

Mit anderen Worten: ein bisschen ausprobieren hilft, genauso wie Freunde nach ihren Yoga-Erfahrungen zu fragen.

 

Was genau macht Yoga für Bergsportler*innen interessant?

Recht oft erleben Bergmenschen die Situation, dass sie ihr Leben lang nicht sonderlich viel gedehnt haben. Sie sind sehr kräftig, wohnen aber – verglichen mit einer Turnerin oder Tänzerin – in einem unbeweglichen Körper. Wenn der Körper dann Grenzen aufzeigt, kommt ganz zu Recht Yoga ins Spiel.

Und dann ist da noch etwas: Am Berg hat man die äußere Weite, beim Yoga die innere Weite und Freiheit. Beim Yoga kann man also in sich ein Gefühl erzeugen, das man sonst nur am Berg erlebt. Wenn ich also auch mal nicht die Möglichkeit habe, auf den Berg zu gehen, kann ich diese Weite dennoch in mir selbst entstehen lassen.

 

Statt „Yoga für den Berg“ auch „Yoga am Berg“. – Welche zusätzlichen Vorteile bringt das Praktizieren an der frischen Luft?

Erst einmal: Ich finde, dass beides – das Üben draußen und drinnen – seine Qualitäten und schöne Seiten hat. Drinnen kann man recht einfach Dinge zur Hilfe nehmen; wie eine Wand. Draußen wiederum kann es passieren, dass Insekten auf dir herumkrabbeln und dich ablenken. Man spürt aber auch die Elemente, wie den Wind – das macht Yoga an der frischen Luft besonders. 

Eine ganz entscheidende Qualität: Allein schon das reine In-der-Natur-Sein hat positive Auswirkungen auf das Wohlbefinden; man kennt das ja vom einfachen Spazierengehen im Wald. Für mich persönlich ist Yoga in der Natur auf der emotionalen und auf der mentalen Ebene noch befreiender als in Innenräumen. Da ist dieses Gefühl der Verbundenheit von mir mit allem noch größer. Das Gefühl loszulassen, der Freude. 

 

Endlich starten: Allein oder unter Anleitung?

Ich würde empfehlen, dass man unter Anleitung startet. Allein oder online hat man den Blick auf den eigenen Körper nicht so. Es ist günstig, wenn einfach jemand drüber schaut und zumindest bei den Grundpositionen nachjustieren kann. Wer unbedingt online starten will oder auch muss – gerade im letzten Jahr haben wir ja gesehen, was da alles geht: da würde ich ruhige Videos und Yoga-Sequenzen empfehlen.

Ganz wichtig: Nicht zu viel wollen! Nicht zu viel Ehrgeiz haben! Sondern mehr in das bewusste Spüren hineingehen, den eigenen Körper kennenlernen, die eigenen Grenzen respektieren, die Art zu atmen erkunden.

 

Wie wichtig ist die (Qualität der) Yoga-Ausstattung? Und wie lässt sich (unterwegs) improvisieren?

Am Allerwichtigsten: die Yogamatte. Sie ist wie ein guter Bergschuh! Da ein bisschen Geld zu investieren lohnt sich. Die Matte sollte nicht auf dem Boden rutschen und der Yogi nicht auf der Matte.

Der Rest ist Geschmackssache: Ob das dann eine dickere Matte ist, wo die Knie besser gepolstert sind oder eine dünnere Matte oder ein Yoga-Handtuch, die leichter zu transportieren und somit auch für unterwegs besser geeignet sind. Und selbst, wenn man das alles nicht dabeihat, kann man Yoga auch einfach auf der Wiese machen – im Zweifel einfach ein paar stehende Posen. Auch mit einer Bierbank oder einer Hüttenwand kann man hervorragend improvisieren.

 

Wann bietet sich statt Yoga vielleicht eher Pilates, Feldenkrais oder ähnliches an?

Am besten, man probiert das einfach für sich aus. Was sich sagen lässt: Anders als Pilates oder Feldenkrais ist Yoga nicht nur eine Trainingsform des Körpers, sondern auch eine Trainingsform des Geistes. Es kommen hier spirituelle Aspekte zum Tragen, die man sonst nicht so hat. Anders gesagt: Yoga ist ganzheitlicher.  

Wie ist Yoga am nachhaltigsten?

Ich glaub, das allerwichtigste ist, dass man Yoga mag. Den nachhaltigsten Effekt hast du, wenn du Yoga so sehr magst, dass es dir fehlt, wenn du es nicht machst.

Meiner Meinung nach ist es der falsche Weg, Yoga nur zu machen, weil man sich Benefits erhofft. Wenn du merkst, dass es deinem Körper guttut, dann schaffst du dir auch die Zeit immer wieder. Mehrere kleine Einheiten pro Woche sind dabei nachhaltiger als einmal lang zu praktizieren.

Wo ist die Grenze von Yoga?

Ganz wichtig: Yoga ist kein Allheilmittel. Wenn man gewisse Verletzungen hat, dann ist es viel wichtiger, dass man mal zur Physiotherapie geht und das Problem abklärt. Überhaupt muss man den Beschwerden entsprechend schauen, ob es passt, die eine oder andere Form des Yogas zu machen. Wenn Beschwerden ein gewisses Maß übersteigen, können Yogaübungen sie auch verschlimmern; darauf muss man sehr achten.

Andererseits: natürlich lässt sich auch mit Einschränkungen Yoga machen. Nur sollte das ganze immer mit Augenmaß angegangen und Übungen bei Bedarf angepasst werden.

 

 

 

 

 

Gemeinsam mit unserem Partner Bergader setzt sich der DAV im Rahmen der Kampagne Spüre Dich selbst für einen gesundheitsorientierten Lebensstil und Achtsamkeit für das eigene Körpergefühl ein – in den Bergen wie auch Zuhause. 

Yoga und Meditatio sind dabei ein wesentlicher Baustein.

 

Weitere Informationen zu unserem Partner Bergader gibt es hier.