Zwei Personen in grünen Warnwesten und Arbeitshandschuhen reparieren einen Wanderweg in den Bergen, umgeben von grüner Natur.
Ohne das ehrenamtliche Engagement wäre die Instandhaltung der Wanderwege kaum zu stemmen. Foto: DAV/Jasmin Stadler
Was Ehrenamt mit Menschen macht

Gipfelglück ist nicht alles

Unser Herz – unsere Seele. Das sind die Ehrenamtlichen für den DAV. Sie organisieren Jugendgruppen, sitzen in Vorständen, engagieren sich im Naturschutz, leiten Klettergruppen oder pflegen Wanderwege. Bezahlt werden sie dafür nicht. Warum also tun sie das?

Die Suchmaschine spuckt auf diese Frage folgende Erklärung aus: „Menschen arbeiten unbezahlt in ihrer Freizeit, weil sie anderen helfen, die Gemeinschaft stärken und etwas Sinnvolles tun wollen. Das freiwillige Engagement macht oft glücklich, bringt neue Kontakte und vermittelt wichtige Fähigkeiten.“ Stimmt das? Eine Studie der Universitäten Vechta und Bochum zeichnet ein differenzierteres Bild: Die positiven Effekte des ehrenamtlichen Engagements – insbesondere auf das persönliche Glück – seien deutlich geringer als oft angenommen. Eine Vermutung für die Gründe dieser Erkenntnis: Frühere Studien haben Ursache und Wirkung ignoriert, es kann also sein, dass glücklichere Menschen sich häufiger engagieren. Außerdem kann ein Ehrenamt auch Belastungen wie Konflikte, Frust oder Stress mit sich bringen, was sich negativ aufs Wohlbefinden auswirkt.

Gemeinsam unterwegs sein, etwas Sinnvolles tun, sich für Menschen und Umwelt einsetzen – Gründe für ehrenamtliches Engagement gibt es zahlreiche. Quelle: DAV

Wie sieht es nun aber im DAV aus? Was bringt die Mitglieder ins Ehrenamt – und macht es sie glücklich?

Wer werde ich durch mein Ehrenamt?

Verantwortung und Führungsaufgaben übernehmen, sich in Organisation und Kommunikation schulen – Kompetenzen, die im Privaten wie im Beruf wichtig sind. Und die sich Philipp Radtke insbesondere in seiner ehrenamtlichen Tätigkeit als Trainer und Beirat in der Sektion Oberland angeeignet hat: „Ich würde behaupten, dass mir diese Aufgaben um ein Vielfaches mehr für meine Charakterbildung, meine berufliche Karriere und auch mein Privatleben gebracht haben, als endlose Jahre Schule und sonstige ,klassische‘ Ausbildung. Bis heute ist vor allem mein Risikomanagement, im alpinen wie im privaten Bereich, von vielen Jahren des Unterwegsseins mit Gruppen geprägt.“ Wer sich engagiert, kann also fürs ‚echte‘ Leben lernen und dabei – vielleicht sogar über sich selbst hinaus – wachsen. Dies ist jedoch nur ein Aspekt. Viele Ehrenamtliche berichten, dass sie gerade durch ihr Engagement erleben, was sinnvolles Handeln bedeutet.

Was bewirke ich durch mein Ehrenamt?

„Ich bin Pädagogin. Ich mag es einfach, Menschen für das zu begeistern, was ich selbst liebe. Wenn ich dann nach einem Kletterkurs sehe, was die Teilnehmenden erreicht haben, und in glückliche Gesichter blicke, gibt mir das selbst ganz viel“, erzählt Sonja Haug von der Sektion Mainz. Gerade im DAV ist das Ehrenamt häufig Teil der eigenen Identität, man engagiert sich in Bereichen, die einem selbst am Herzen liegen – sei es, sich für die Natur einzusetzen oder die eigene Bergsportbegeisterung an andere weiterzugeben. Dies bestätigt auch Dr. Matthias Lühr, der unter anderen an oben genannter Studie mitgewirkt hat: „Es ist wahrscheinlich, dass ehrenamtliche Arbeit eher als bereichernd erlebt wird, wenn Personen konkrete Resultate ihres Engagements sehen können. Der Grundgedanke ist folgender: Wer mit seinen Tätigkeiten direkt zum Wohle anderer Menschen oder Lebewesen beiträgt, hat das Gefühl, einen Unterschied zu machen und eine sinnstiftende Tätigkeit auszuüben. Dies stärkt auch das eigene Selbstwertgefühl.“

Für jedes Interesse das passende Ehrenamt! Hier: Klimaschutzkoordinator*innen der Sektionen beim Netzwerktreffen. Foto: DAV/Klimateam

Was wäre Ehrenamt ohne Gemeinschaft?

Wer sich engagiert, erlebt häufig noch etwas anderes: Gemeinschaft. Und die hat für viele einen beträchtlichen Anteil am persönlichen Glück. Wer bei einem Ehrenamt im Alpenverein aufeinandertrifft, fühlt sich oft schon durch die Leidenschaft für die Berge verbunden. Gemeinsame Werte wie Freiheit, Respekt und Verantwortung sowie der Einsatz für Bergsport und Naturschutz stärken das Zugehörigkeitsgefühl. „In unserer Forschung haben wir uns explizit die Auswirkungen des ehrenamtlichen Engagements auf Einsamkeitsgefühle angesehen: Ältere Erwachsene berichteten von leicht geringerer Einsamkeit bei stärkerem nicht-politischen Engagement, jüngere Erwachsene nicht. Insofern ließe sich schlussfolgern, dass Ehrenamt mögliche soziale Verluste im Alter kompensieren kann. Gerade der Eintritt in den Ruhestand kann eine Abnahme sozialer Kontakte bedeuten, was mit ehrenamtlichem Engagement eventuell aufgefangen werden kann“, erläutert Matthias Lühr.

Macht Ehrenamt denn nun glücklich?

Ehrenamt muss also nicht automatisch glücklich machen. Es bietet jedoch Dinge, die vielen im Alltag fehlen: das Gefühl, sich weiterzuentwickeln, etwas zu bewirken und Teil einer Gemeinschaft zu sein. Wenn das gewählte Ehrenamt sowohl vom Inhalt als auch vom Aufwand zu den eigenen Werten und zum Alltag passt – in der Forschung spricht man vom ‚person-environment fit‘ –, erhöht das die Chance auf positive Effekte. Und das scheint im DAV bei vielen der Fall zu sein – Begriffe wie Freude, Gemeinschaft oder Motivation fallen überdurchschnittlich häufig in den Gesprächen mit den Ehrenamtlichen.

Engagiert & zufrieden

Ehrenamt sollte …

  • … zu den persönlichen Werten passen

  • … soziale Beziehungen fördern

  • … das Gefühl der Selbstwirksamkeit stärken

  • … individuelle Weiterentwicklung ermöglichen

  • … nicht überlasten

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