Am eindrucksvollsten zeigt sich die mächtige Nordwand des Clariden, auch wenn der einstige Eispanzer durch den Gletscherrückgang mittlerweile stark geschrumpft ist. Noch kann man jedoch erahnen, wie der Berg zu seinem Namen kam: So dürfte sich Clariden vom lateinischen „clarus“ für hell oder leuchtend ableiten – was in Zeiten von meterdickem Gletschereis durchaus Sinn ergeben haben dürfte.
Vom Gipfel ist besonders der Tödi ein Blickfang im prächtigen Panorama über die Urner und Glarner Alpen. Der hoch gelegene Klausenpass (1948 m) ermöglicht es, den Clariden bei guter Kondition als Tagestour zu besteigen. Das macht ihn entsprechend beliebt. Der hier beschriebene, viel begangene Anstieg führt vom Pass über das kleine, als Iswändli bekannte Firn- und Eisfeld zum Vorgipfel und von dort über einen ausgesetzten, mit Ketten gesicherten Felsgrat zum Hauptgipfel des Clariden. Je nach Verhältnissen kann dieser Übergang einfach bis durchaus anspruchsvoll sein und verlangt Trittsicherheit und alpine Erfahrung. Der Clariden eignet sich auch hervorragend als Eingeh- oder Akklimatisationstour für ein Hochtourenwochenende oder in Kombination mit weiteren Gipfelzielen in den Glarner Alpen für eine komplette Tourenwoche. Mit der Claridenhütte, der Planurahütte oder der Hüfihütte bieten sich dafür verschiedene Ausgangspunkte und Kombinationsmöglichkeiten an. Die Claridenhütte ist dank Klettergarten und gut geeigneter Stellen auf dem Gletscher für Spaltenrettungsübungen auch ideal, um die persönlichen Hochtourenfähigkeiten zu trainieren. Im Winter ist der Clariden zudem ein beliebtes Skitourenziel.
Clariden – Stück für Stück
Klausenpass – Clariden 5 Std., 1380 Hm ↗
Vom Klausenpass (1948 m) führt ein Ziehweg direkt von der Passhöhe hinter dem Bistro zunächst über die südseitigen Hänge zu einer höher gelegenen Alphütte. Weiter geht es auf einem Wanderweg durch zunehmend karger werdendes Gelände, zwischen dem Rau Stöckli und dem Chammlihöreli. Ab etwa 2400 Metern wandelt sich die Landschaft in eine weitläufige Schuttund Steinhalde. Oberhalb von etwa 2550 Metern verengt sich die Flanke und geht in einen schmaler werdenden Gratrücken über, der direkt auf das Iswändli zuführt. Hier gibt es einen Pausenplatz, an dem bequem die Steigeisen angelegt werden können.
Die ehemalige Schlüsselstelle der Tour, einst eine steile Eiswand, hat durch den Gletscherrückgang viel von ihrer Ernsthaftigkeit verloren. Dennoch bleibt das Iswändli eine anspruchsvolle Passage: Die etwa vierzig Grad steile, von wenigen Spalten durchzogene Stufe wird mit Steigeisen und Pickel überwunden. Je nach Bedingungen sollte auch angeseilt werden. Oberhalb flacht der Gletscher rasch wieder ab und führt zum Chammlijoch.
Hier wendet man sich nach Osten und steigt über kleinschottriges Gelände, teilweise weglos, zum Claridenvorgipfel auf. Das Gelände wirkt wild und brüchig, die Spur ist nicht immer eindeutig, sodass man sich den besten Weg selbst sucht. Einzelne Kraxelstellen erfordern kurz den Einsatz der Hände, meist bleibt die Schwierigkeit aber im Bereich des alpinen Bergwanderns. Ein kurzer, unschwieriger Abstieg führt anschließend in den Sattel zwischen Vor- und Hauptgipfel. Blockige Felsen kennzeichnen den letzten Abschnitt auf dem Westgrat zum Hauptgipfel.
Die Kletterei bewegt sich meist im II. UIAA-Grad und wird an den kurzen schwierigeren Stellen durch grobgliedrige, gut greifbare Ketten und eiserne Trittbügel erleichtert. Schließlich ist der Gipfel des Clariden auf 3267 Metern erreicht, der recht geräumig ist und somit zu einer ausgiebigen Pause einlädt – mit traumhaftem Blick auf den Tödi, das Gross Schärhorn und den Claridenfirn.
Clariden – Klausenpass 4 Std., 1380 Hm ↘
Der Abstieg erfolgt über den Aufstiegsweg zurück zum Klausenpass. Die Ketten und eisernen Trittbügel erleichtern dabei auch im Abstieg die kurzen Kletterstellen am Westgrat deutlich. Da man die Schlüsselstellen bereits im Aufstieg kennengelernt hat, lässt sich der Abstieg in der Regel gut einschätzen. Wer eine Überschreitung plant, kann alternativ auf der anderen Seite absteigen und die Tour mit einer Übernachtung in der Planurahütte oder einer anderen umliegenden Hütte verbinden.
Varianten
Statt über das Iswändli kann der Clariden auch von der Planurahütte aus über den spaltenreichen Claridenfirn bestiegen werden. Zudem bieten sich beide Varianten bei guten Bedingungen auch als spannende Skihochtour an.