Mann mit alpenvereinaktiv-App am Berg
Tourenportale wie alpenvereinaktiv.com sind praktische Helfer auf Tour. Foto: alpenvereinaktiv.com/Wolfgang Warmuth
Digitale Tourenplanung

Smart unterwegs

Projekte wie Open Street Map und Community-getriebene Tourenportale bieten gegenüber klassischer Führerliteratur einen viel umfassenderen Zugriff auf den alpinen Raum – bequeme GPS-Navigation inklusive. Welche Chancen und Risiken birgt das? Und wie gelingt die Übertragung der digitalen Informationen in die reale Bergwelt?

Outdoor-Apps machen Tourenplanung einfach: Start- und Zielpunkt festlegen, Tourentyp auswählen und die App schlägt eine passende Route vor. Dazu gibt es vielfältiges Kartenmaterial, aktuelle Wetterprognosen, Lawinenlage oder Infos zur Wegbeschaffenheit. Neben selbständig geplanten Touren gibt es darüber hinaus jede Menge Tourenvorschläge, gezielt gesucht werden kann nach Bergsportdisziplinen, Schwierigkeitsgraden und Regionen. Damit Tourenplanung unter Naturschutz- wie Sicherheitsaspekten gut gelingt, gilt es ein paar Dinge zu beachten. Wir haben am Beispiel unseres Portals alpenvereinaktiv.com einige Fragen und Antworten zusammengestellt.

In den Bergen gibt es viele sensible Naturräume. Wie lassen sie sich erkennen?

Alpenvereinaktiv.com und viele weitere Apps erleichtern die Planung, indem Wegpunkte automatisch entlang des bestehenden Wegenetzes zu einer Route verbunden werden. Informationen über lokale Gegebenheiten und aktuelle Wegsperrungen (Artenschutzsperrung, Wegearbeiten etc.) lassen sich über die Funktion „Hinweise & Sperrungen“ anzeigen. Auf alpenvereinaktiv.com sind, wie in den klassischen Papierkarten des Alpenvereins, Naturschutzgebiete, Wald-Wild-Schongebiete oder auch Wildschutzgebiete ausgewiesen, damit Nutzer*innen ihre Touren naturverträglich planen können. Wichtig ist das vor allem bei Skitouren, die teilweise abseits eingezeichneter Wege verlaufen (off-grid). Im Rahmen der Kampagne „Natürlich auf Tour“ stehen auch zahlreiche passende Ski- und Schneeschuhtouren zur Verfügung. Die speziell ausgewiesenen alpenvereinaktiv-Qualitätstouren – zu erkennen am gelben alpenvereinaktiv-Logo – berücksichtigen allesamt die „Natürlich auf Tour“-Kriterien.

Wie gewährleistet alpenvereinaktiv.com, dass Touren solide beschrieben sind?

Zum einen gibt es die Touren von ausgewiesenen alpenvereinaktiv-Autor*innen, größtenteils Mitglieder, die in ihrer Sektion aktiv sind. Sie werden speziell geschult und müssen sich an vorgegebene Qualitätsstandards halten. Sie müssen die Touren selbst gegangen sein und genaue Kenntnis der örtlichen Gegebenheiten besitzen, insbesondere über Gefahrenstellen, Schwierigkeiten und Länge der Tour. Sehr wichtig sind außerdem die Aspekte Naturverträglichkeit und Legalität: Zu den Standards gehört, dass Touren die Naturräume nicht über Gebühr belasten und lokale Gegebenheiten oder Lenkungsmaßnahmen respektiert werden sollen. Touren, die diese Ansprüche nicht erfüllen, werden nach Rücksprache abgeändert, angepasst oder ausgeblendet. Das Portal ermutigt darüber hinaus die gesamte Community, sich an diesen Standards zu orientieren. Bei der Anzeige von Community-Touren – Touren ohne alpenvereinaktiv-Logo – gibt es für den Alpenraum ein Punktesystem, das bestimmte Qualitätskriterien widerspiegelt. Damit Touren auf alpenvereinaktiv.com überhaupt angezeigt werden, braucht es eine Mindestpunktzahl.

Apps können praktische Begleiter sein. Erfahrung und Wissen über Bedingungen in der realen Bergwelt und ggf. Backup wie GPS-Gerät und Karte ersetzen sie jedoch nicht. alpenvereinaktiv/Marisa Koch

Wer am Berg „blind“ dem Navi folgt, kann schnell in eine Notlage geraten. Wie lässt sich das vermeiden?

Kartenlesen und Orientierung bleiben essenzielle Fähigkeiten am Berg. Lernen kann man das in Basiskursen, die viele Sektionen anbieten. Grundsätzlich sollte immer eine Papierkarte als Backup im Rucksack sein. Unerlässlich ist darüber hinaus, sich über aktuelle Wetterbedingungen im Vorfeld zu informieren und auch während der Tour im Auge zu behalten. Die eigenen Fähigkeiten und mögliche schwierige Stellen, die es unterwegs zu meistern gilt, muss man einschätzen können. Vor Ort also nicht nur der Navigation folgen, sondern die Umgebung aufmerksam wahrnehmen und bei ersten Schwierigkeiten alternative Wegführungen oder auch die Umkehr in Betracht ziehen.

Themen dieses Artikels