Zwei Frauen tragen Kletterausrüstung und Helme, eine überprüft den Gurt der anderen, im felsigen Gebirge.
Klettersteigset, Helm und Gurt gehören zur Grundausrüstung beim Klettersteiggehen. Foto: DAV/Julian Rohn
Materialkunde Klettersteigsets

Ausrüstung für den Klettersteig

Langjährige Klettererfahrung? – Nicht nötig! Klettersteige ermöglichen einem breiten Publikum Erlebnisse in der Vertikalen. Doch leider kommt es auch bei dieser Spielform des Bergsports häufig zu Notfällen aufgrund mangelnder Ausrüstung.

Was gehört zur Standardausrüstung auf Klettersteigen?

  • Helm: Einen Unterschied zwischen Kletterhelm und Klettersteighelm gibt es nicht. Kopfverletzung ergeben sich nicht nur durch herabfallende Gegenstände, sondern vor allem durch das Anprallen am Fels oder an der Steiganlage. Deshalb lohnt sich die Anschaffung eines Inmold-Helms, der komplett aus geschäumtem Kunststoff besteht.

  • Gurt: Alle Hüftgurte, die beim Sport- oder Alpinklettern verwendet werden, können auch auf Klettersteigen benutzt werden. Da ein langes Sitzen im Gurt und der Transport vieler Sicherungsmittel nicht vorgesehen ist, beschränken sich die von den Herstellern als Klettersteiggurte ausgewiesenen Modelle auf simple Polsterungen und wenige Materialschlaufen. Infolgedessen ergibt sich ein kleines Packmaß und ein relativ günstiger Preis. Kindern und allen anderen Personen mit einem hohen Körperschwerpunkt (Übergewicht) ist ein Brustgurt als Ergänzung zum Hüftgurt anzuraten.

  • Klettersteigset: Tödliche Unfälle auf Klettersteigen ereignen sich besonders dann, wenn das Klettersteigset nicht verwendet wird. Auch wenn dem Klettersteigset eine zentrale Rolle zukommt, ist es doch immer nur als Notfallausrüstung zu betrachten – ähnlich einem Airbag beim Auto. Anders als beim Sportklettern sind Stürze am Klettersteig in das Klettersteigset nicht kalkulierbar. Denn die Sturzumgebung ist denkbar ungünstig. Stahlseil, Verankerungen sowie Griff- und Trittelemente machen massive Verletzungen sehr wahrscheinlich.

Der Bandfalldämpfer eines Klettersteigsets nimmt im Falle eines Sturzes einen Großteil der Energie auf. Trotzdem ist das Set ein reines Notfallsystem. Stürze sind – anders als beim Sportklettern – tabu! Illustration: Georg Sojer

Wie funktioniert ein Bandfalldämpfer?

Der Bandfalldämpfer besteht meist aus zwei mehrfach gefalteten Bändern, die mit Bindfäden zu einem Schlaufenpaket vernäht sind. Kommt es zum Sturz, reißen die Bindfäden kontrolliert auf. Dadurch wird Energie abgebaut und der Sturz gedämpft.

Wichtig

Alle zulässigen Klettersteigsets sind ausgelegt für ein Gesamtgewicht aus Körpergewicht und Ausrüstung von 40 bis 120 kg. Sie müssen damit der Norm EN958:2017 entsprechen. Sets für Kinder haben kleinere Karabiner und kürzere Lastarme.

Wann macht die zusätzliche Seilsicherung am Klettersteig Sinn?

  • Eine zusätzliche Seilsicherung reduziert das Sturzrisiko in technisch anspruchsvollen oder sehr steilen Passagen. Menschen, die zum ersten Mal auf einem Klettersteig unterwegs sind, aber auch Kinder fühlen sich damit deutlich wohler.

  • Personen unter 40 Kilogramm sind konsequent mit Seil nachzusichern. Dafür muss die notwendige Sicherungstechnik beherrscht werden. Erleichterung beim Nachsichern schaffen hier spezielle Kits bestehend unter anderem aus einem 15-20 Meter langen Seil, einem Stopfsack und einer Rücklaufsperre.

Bestandteile eines Klettersteigsets. Illustration: Georg Sojer

Aus welchen Bauteilen besteht ein zeitgemäßes Klettersteigset?

  • Klettersteigkarabiner mit großer Schnapperöffnung und Verschlusssicherung gegen versehentliches Aushängen: Ideal sind intuitive Konzepte wie z.B. der Handballenverschluss. Klettersteigkarabiner halten den Belastungen am Klettersteig stand, sie sind getestet auf Längs-, Quer- und Knickbelastung.

  • Lastarme aus elastischen Bandkonstruktionen für körpernahes Handling: Die Klettersteigkarabiner sind in die Lastarme eingenäht.

  • Drehgelenk am Ansatz der Lastarme: Durch das Gelenk soll verhindert werden, dass sich die beiden Lastarme ineinander verdrehen.

  • Einbindeschlaufe für die Verbindung zum Klettergurt: Die Einbindeschlaufe wird mittels Ankerstich in den Ring des Klettergurtes eingelegt.

  • Bandfalldämpfer als Herzstück des Klettersteigsets: Ohne Bandfalldämpfer käme es zu Materialversagen bzw. schweren Verletzungen an der Wirbelsäule.

Welche Ausrüstungsgegenstände erleichtern das Begehen von Klettersteigen zusätzlich?

Rastschlinge:

Vor kraftraubenden Passagen macht es Sinn, sich in eine Rastschlinge zu setzen, um Schlüsselstellen zu erkennen und sich mental zu sammeln. Auch wer andere mit einem Seil nachsichert, ist meist froh um die Rastschlinge:

  • Wenige Sets haben eine statische Rastschlinge fix installiert zwischen den beiden längeren, elastischen Lastarmen.

  • Einige Modelle haben dagegen zumindest eine Öse am Bandfalldämpfer, an der man eine kurze, 30 Zentimeter lange Bandschlinge mit Karabiner einhängen kann. Der Vorteil beider Varianten liegt darin, dass der Bandfalldämpfer funktionstüchtig bleibt.

  • Anders die weithin gebräuchlichste Variante: Eine 60 Zentimeter lange Bandschlinge direkt eingebunden mittels Ankerstich in den Ring des Klettergurtes, am anderen Ende ein großer Karabiner, der in die Verankerung der Steiganlage geklippt wird.

  • Eine Sonderform stellen Sets mit Stahlseilklemme dar. Diese Klemmen ermöglichen es nicht nur zu rasten, sondern verhindern sogar allzu weite Stürze. Die Bedienung ist aber etwas gewöhnungsbedürftig.

Klettersteighandschuhe:

Eng anliegende Handschuhe mit festem Handgelenksabschluss verrutschen nicht und schützen die Hände z.B. vor ausgefransten Litzen am Stahlseil. Spezielle Klettersteighandschuhe haben zusätzlich eine Oberflächenstruktur auf der Handinnenseite, die für bessere Reibung sorgen soll. Es gibt verschiedene Ausführungen, darunter Fingerhandschuhe und fingerlose Varianten, hergestellt aus Leder, Synthetik oder einem Materialmix.

Geeignete Schuhe:

Die Palette der Bergschuhe, die sich besonders für Klettersteige eignen, reicht vom soliden Approach-Halbschuh bis hin zum bedingt steigeisenfesten Leichtbergschuh. Bei der Wahl des richtigen Schuhs sind neben der Schwierigkeit des Klettersteigs auch der Zustieg, der Abstieg, die Jahreszeit und die aktuellen Witterungsverhältnisse zu berücksichtigen. Personen mit hohem Körpergewicht greifen lieber zu Schuhen, die über den Knöchel reichen. Das sorgt für mehr Stabilität.

Welche Situationen musst du unbedingt vermeiden?

  • Zu geringer Abstand zwischen den einzelnen Kletternden: Im Sturzfall kommt es sonst zu einem Dominoeffekt.

  • Kurzschließen des Bandfalldämpfers: Am besten immer beide Lastarme ins Stahlseil einhängen! Auf keinen Fall darf der zweite Lastarm in den Ring des Klettergurts eingehängt werden. Die Mechanik des Bandfalldämpfers ist sonst außer Kraft gesetzt. Somit ergeben sich schwere Verletzungen bei einem Sturz.

  • Klettern mit eingehängter Rastschlinge: Ist die Rastschlinge am Ring des Klettergurts angebracht, wird bei einem Sturz ebenfalls der Bandfalldämpfer ausgeschaltet. Die Folgen wären fatal. Rastschlinge daher immer straff und unter Last halten.

  • Instabiles Wetter: Noch schlimmer als Vereisung und Regen sind Gewitter. Mit dem Drahtseil am Klettersteig hältst du einen Blitzableiter in der Hand.

  • Herabfallendes Material: Trinkflaschen, die wie beim Wandern in der seitlichen Netztasche des Rucksacks verstaut sind, können herausfallen.

  • Psychische Blockaden: Weniger ist mehr! Bist du die nicht gewohnt, solltest du langsam anfangen. Es gibt auch kurze, leichte Klettersteige in Talnähe!

  • Körperliche Überforderung: Weniger ist mehr! Hast du viel Gewicht und im Verhältnis dazu wenig starke Arme, wähle lieber einen kurzen Klettersteig ohne athletische Passagen.

Was kostet eine Klettersteigausrüstung ungefähr?

Helm (Inmold)

80,00 €

Gurt

60,00 €

Klettersteigset

120,00 €

Bandschlinge (30cm)

7,00 €

Verschlusskarabiner

15,00 €

Handschuhe

28,00 €

gesamt

310,00 €

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