Leander Carmanns (041)und Sebastian Lucke (008) beim Speed Weltcup Madrid 2026.
Leander Carmanns (041)und Sebastian Lucke (008) beim Speed Weltcup Madrid 2026. Foto: Philipp Abels / DAV
Wettkampfsport

Was ist Speedklettern?

Wie es der Name sagt: beim Speed geht es um Schnelligkeit. Also darum, eine weltweit genormte Route, bei der die Länge und Neigung der Wand sowie die Größe, Form und Position der Griffe und Tritte immer identisch sind, schnellstmöglich nach oben zu klettern. Gesichert wird beim Speed mit Seilsicherung von oben, also im Toprope. Die Athletinnen und Athleten müssen am Ende der Route auf einen Buzzer schlagen, dann wird die Zeit gestoppt.

Die Speedtour ist bei Wettkämpfen 15 Meter hoch, hängt fünf Grad über und befindet sich im siebten UIAA Schwierigkeitsgrad. Da es sich immer um die gleiche Griffabfolge handelt, können sich die Kletter*innen optimal vorbereiten. Sie prägen sich bei unzähligen Gos den Bewegungsablauf so ein, dass sie ihn verinnerlicht haben und genau wissen, welchen Griff sie wie nehmen beziehungsweise wohin sie ihren Fuß setzen müssen. Beim Speedklettern ist neben einer hohen Schnell- und Maximalkraft deshalb auch eine große Greif- und Trittpräzision notwendig. Außerdem sind im Wettkampf, der über mehrere Runden geht, bei höchster Geschwindigkeit Schnellkraftausdauer und Nervenstärke erforderlich.

Speedklettern in Deutschland und der Welt

Das Speedklettern hat in Deutschland noch keine so lange Tradition wie in Russland, Asien, Osteuropa oder dem Nahen Osten. Aber es ist kontinuierlich auf dem Vormarsch und findet mittlerweile mehr Beachtung. Das liegt daran, dass das Klettern als Dreikampf aus Lead, Bouldern und Speed bei den Sommerspielen in Tokio 2020 erstmals olympisch wurde. Seit den olympischen Spielen in Paris 2024 hat Speed auch seinen eigenen olympischen Medaillensatz.

Zusätzlich wurde auch die Team-Relay offiziell eingeführt: ein Staffelmodus, der Spannung bringt. Zwei Teams mit je zwei Athlet*innen gehen gleichzeitig an den Start. Die zweite Person darf erst starten, sobald die ersten Person oben angeschlagen hat.

Inzwischen findet sich in immer mehr DAV-Kletterhallen in Deutschland die genormte Speedtour: Die Trainingsmöglichkeiten haben sich deutlich verbessert, was man auch deutlich an den schnelleren Zeiten sieht.

Die aktuellen deutschen Bestzeiten stehen am Ende der Seite. Die internationalen Speedrekorde zeichnet der Kletter-Weltverband Word Climbing hier auf. An der Weltspitze steht derzeit Emma Hunt (USA) mit 5,99s (Krakau, POL, 206) bei den Damen und Zhao Yicheng (CHN) mit 4,54s (Wujiang, CHN, 2026) bei den Herren.

Mina Josephine Schultz beim Speed Weltcup Madrid 2026. Foto: Philipp Abels / DAV

Ablauf eines Wettkampfs

Im Wettkampf wird gleichzeitig an zwei parallelen Routen geklettert, der Bahn A und der Bahn B. Vor dem Start gibt es ein „Practice“. Dort haben die Starter*innen die Möglichkeit, die Tour nochmals zu klettern und sich mit der Wand vertraut zu machen. Insgesamt hat jede*r Teilnehmer*in zwei Gos: einen auf Bahn A und einen auf Bahn B. Diese sind aber nicht verpflichtend und müssen von den Startern nicht wahrgenommen werden. Vor dem Start müssen die Finalist*innen in die Isolation und werden vor dem Go aus der Zwischenisolation aufgerufen. Sie haben dann nur wenige Sekunden Zeit, um ihre Startpads zu richten, sich die Hände zu chalken und sich mental vorzubereiten. Ertönt das Kommando „At your marks“, müssen sie die Startposition einnehmen. Bei dieser müssen beide Hände und ein Fuß an der Wand sein, der andere muss sicher und ruhig auf dem Startpad stehen. Kurz darauf ertönt das Signal „Ready“, gefolgt von drei kurzen Pieptönen. Direkt nach dem letzten Ton starten die Athleten, die Zeitmessung wird ausgelöst. Bei einem Fehlstart scheidet der*die Teilnehmer*in aus dem Wettkampf aus. Es darf keinen weiterer Versuch unternommen werden und der*die Athlet*in belegt den letzten Platz. Ein Fehlstart wird ausgelöst, indem der Boden – beziehungsweise das Startpad – zu früh, also vor dem endgültigen Startsignal, verlassen wird.

Qualifikation: Zu Beginn wird die Startreihenfolge ausgelost. In der Qualifikation starten Frauen und Männer getrennt voneinander. Jede*r Teilnehmer*in hat auf jeder Bahn einen Go. Dadurch hat jede*r Starter*in die gleichen Chancen. Die Athlet*innen treten nicht gegeneinander an, es geht nur darum, eine möglichst schnelle Zeit zu erzielen. Von den zwei Runs wird lediglich der mit der besseren Zeit gewertet. Die besten 16 aus der Qualifikation kommen dann weiter in das Finale. Die Platzierungen der restlichen Teilnehmer*innen werden durch deren Zeiten festgelegt: Das heißt, dass der*die Schnellste aus dieser Gruppe den 17. Platz belegt.

Nele Thomas beim Speed Weltcup Madrid 2026. Foto: Philipp Abels / DAV

Finale: Vor dem Start müssen die Finalist*innen in die Call Zone. Das Finale findet im sogenannten KO-System statt. Der*die Schnellere gewinnt, der*die andere Teilnehmer*in scheidet aus. Gesamtsieger wird, wer sich bis am Ende im KO-System durchsetzt, was nicht immer heißt, dass er*sie auch insgesamt der*die Schnellste war.
Wenn ein*e Athlet*in im Finale aus der Route fällt („Fall“), muss der*die andere Starter*in dennoch die Route bis ganz oben klettern, die Zeit spielt für ihn*sie dann aber keine Rolle mehr. Fallen beide Starter*innen in der gleichen Runde aus der Tour, wird dieser Run nochmals wiederholt. Im Finale treten immer zwei Athlet*innen parallel gegeneinander an, also eine*r auf Bahn A, der*die andere*r auf Bahn B. Das Finale unterteilt sich in verschiedene Runden.

Es beginnt mit dem Achtelfinale: Dort tritt der*die Erstplatzierte gegen den 16. nach der Qualifikation an. Der*die Gewinner*in dieser Runde kommt weiter, für den*die andere*n Finalist*in ist der Wettkampf beendet. Die acht Verlierer*innen des Achtelfinales verteilen sich dann auf die Plätze 9 bis 16. Der*die Schnellste unter ihnen belegt also den neunten Platz.

Im Viertelfinale tritt der*die Gewinner*in aus Race 1 gegen den Gewinner aus Race 2 an. Danach Gewinner*in aus Race 3 gegen Gewinner*in aus Race 4. Die Abfolge zieht sich durch das Achtelfinale, bis alle Starter*innen ihr Race hatten. Die Gewinner*innen aus jedem Run in dieser Runde kommen ins Halbfinale weiter. Die Verlierer*innen verteilen sich auf die Plätze 5 bis 8.

Im Halbfinale entscheidet sich dann wieder im KO-System, welche der vier Athlet*innen ins kleine Finale einziehen und welche in das große Finale.

Im kleinen Finale treten die beiden Verlierer*innen aus dem Halbfinale gegeneinander an: Hier geht es um die Bronzemedaille, also um den dritten Platz. Die Gewinner*innen des Halbfinales treten im großen Finale gegeneinander an. Der*die Schnellere aus diesem Finale gewinnt Gold, der*die „Verlierer*in“ Silber.

Speed 4

Seit dem Debüt bei den World Games 2025 in Chengdu wird international immer häufiger das Speed 4-Format angewendet. Statt zwei gibt es hier vier identische Bahnen nebeneinander. Die Top-8 aus der Qualifikation ziehen direkt ins Viertelfinale ein, Plätze 9-24 bekommen in Vierergruppen eine zweite Chance. Am Ende stehen 16 Athlet*innen im Viertelfinale, gefolgt von Halbfinals und einem Finale auf allen vier Bahnen. 2026 wird die World Climbing Series erstmals drei eigenständige Speed-Wettbewerbe auf Wänden mit vier Bahnen austragen, bei denen sowohl Einzel- als auch Staffelmedaillen vergeben werden.

Amtierende Deutsche Meister sind bei den Damen Julia Koch (DAV Rheinland-Köln) und bei den Herren Leander Carmanns (DAV Rheinland-Köln). Die diesjährige Deutsche Meisterschaft wird am 24.-26 Juli im Rahmen der Finals in Hannover ausgetragen.

Deutsche Rekorde - alle Wertungsklassen

Altersklasse

w

m

Erwachsene

Franziska Ritter: 6,84s

(Lublin, POL, 2024)

Leander Carmanns: 4,86s

(Seoul, KOR, 2025)

U21

Franziska Ritter: 7,32s

(Birmingham, GB, 2022)

Leander Carmanns: 5,06s

(Briançon, FRA, 2024)

U19

Mina Schultz: 7,45s

(Krakau, POL, 2026)

Aodhán Umlauf: 5,24s

(Zakopane, POL, 2025)

U17

Nuria Brockfeld: 8,18s

(Hamburg, GER, 2020)

Moritz Müller: 5,87s

(Zakopane, POL, 2026)

U15*

Rosalie Gieser: 8,35s

(Kaiserslautern, GER, 2026)

Lukas Ebner: 6,50s

(Offenburg, GER, 2025)

U13*

Nele Hartmann: 5,52s

(Kaiserslautern, GER, 2026)

Matti Müller: 6,06s

(Mannheim, GER, 2025)

* mit Zusatzgriffen

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