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Weltgrößte Arktis-Expedition auf den Spuren des Klimawandels abgeschlossen

12.10.2020, 08:45 Uhr

Zwölf Monate lang driftete der Deutsche Forschungseisbrecher „Polarstern“ mit dem Eis durch die unendlichen Weiten der Arktis und war das Herzstück der größten Wissenschaftsexpedition aller Zeiten – MOSAiC. Wissenschaftler aus 17 Nationen erforschten – eingefroren im arktischen Meereis – das Epizentrum des Klimawandels. Nun ist die „Polarstern“ zurück in Bremerhaven.

 

Gefangen im Eis - dem Klimawandel auf der Spur

Nicht für möglich gehaltene Herausforderungen an alle Expeditionsteilnehmer machen diese Mission im Rückblick zu einem echten Jahrhundertereignis. Mehr als einmal stand die Fortführung der Expedition auf des Messers Schneide und führte Leitung und Teilnehmer an organisatorische und mentale Grenzen.

 

Das erste Mal im Februar als es phasenweise unmöglich erschien, sich mit dem russischen Eisbrecher Kapitan Dranitsyn zu der bereits seit Monaten im Eis eingeschlossenen Polarstern vorzukämpfen, um den Austausch von Expeditions-Teilnehmern und die Versorgung der „Polarstern“ sicherzustellen. In buchstäblich letzter Minute und mit gerade noch ausreichenden Spritreserven gelang das äußerst anspruchsvolle Unterfangen. Nur noch 90 Seemeilen vom geografischen Nordpol entfernt, kam es mitten im arktischen Winter zum Rendezvous beider Schiffe – ein „Weltrekord“ in der arktischen Seefahrt.

 

Corona-Folgen für eine systemrelevante Expedition

Der weltweite Corona-Lockdown im Frühjahr stellte dann völlig unerwartet die Expeditionsleitung vor eine nahezu unlösbare Aufgabe. Wie sollte der nächste Austausch von Crew Mitgliedern und Wissenschaftlern bewerkstelligt und die weitere Versorgung der Expedition sichergestellt werden?

 

Der gesamte internationale Flug- und Schiffsverkehr war zum Erliegen gekommen, massive Reisebeschränkungen und Quarantänebestimmungen verschärften die Lage. Es erschien auf den ersten Blick ausgeschlossen, eine derartige Mammut-Expedition mit rund 600 Teilnehmern aus 19 Nationen weiterzuführen.

 

Doch MOSAiC wurde international als systemrelevant eingestuft. Expeditionsleitung und alle Verantwortlichen arbeiteten in dieser kritischen Phase Tag und Nacht an Alternativplänen und schafften schließlich, mit politischer Unterstützung, das Unmögliche.

 

Wichtige Daten für unser Klima

Die Expeditionsteilnehmer hatten in den Wintermonaten mit Schneestürmen und gefühlten Temperaturen bis -58° C zu kämpfen, im Sommer hingegen sahen sie sich mit einer der geringsten Eisbedeckungen, die jemals in der Arktis gemessen wurden, konfrontiert.

 

Warum sind die wissenschaftlichen Erkenntnisse von MOSAiC für uns alle so wichtig? Laut Expeditionsleiter Prof. Markus Rex vom Alfred-Wegener-Institut hat sich keine andere Region der Erde in den vergangenen Jahrzehnten so schnell erwärmt wie die Arktis. Sie ist damit zum Epizentrum der globalen Erwärmung geworden. Die Arktis ist eng gekoppelt an das Wettergeschehen in unseren Breiten. Unser Wetter und Klima werden schon heute von den Klimaveränderungen in der Arktis beeinflusst.

 

Eine korrekte Vorhersage für unser Klima ist nur dann möglich, wenn wir zuverlässige Prognosen für die Arktis bekommen. Hierzu fehlten bisher die Messdaten, doch die MOSAiC-Expedition konnte diese Lücke schließen. Die Auswertung und Modellierung der Expeditionsergebnisse wird Jahre in Anspruch nehmen aber zu einem Durchbruch im Verständnis des globalen Klimasystems führen.

 

Text und Fotos: Michael Gutsche, Expeditionsteilnehmer, Fotograf und DAV-Trainer Skibergsteigen