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Trailrunning in Fontainebleau

Dr. rer. biol. hum. Dr. med. Isabelle Schöffl, Assistenzärztin der Klinik für Kinder und Jugendliche am Klinikum Bamberg, gibt Tipps für laufende Boulderer und bouldernde Läufer.


Obwohl ich auch schon in den Alpen und verschiedenen Mittelgebirgen zahlreiche Trails ausprobiert habe, hat mich Fontainebleau echt geflasht. Der hohe Anspruch der Trails und die absolute Abgeschiedenheit auf beinahe allen Touren haben mich total begeistert. Ich kann es kaum erwarten, wieder dorthin zu fahren. Natürlich bin ich auch eine passionierte Bouldererin und von daher etwas vorbelastet und sicher nicht ganz objektiv, aber ich fand die Anzahl der Möglichkeiten und die Tatsache, dass hier jeder auf seine Kosten kommen kann einfach einmalig. Und als Belohnung gibt’s einen guten Rotwein mit Baguette und leckerem französischem Käse.

In jedem Bouldergebiet im Wald von Fontainebleau wurde ab Mitte des 19. Jahrhunderts ein Weg angelegt, der damals die Entdeckung der Felsmassive erleichtern sollte. Nach dem Initiator Claude-François Denecourt werden die mit blauen Strichen gekennzeichneten Wege in Insider-Kreisen nur Denecourt-Wege genannt. Das Hauptziel dieser Wege war nicht primär das Wandern, sondern die Entdeckung der Gebiete, deshalb folgen sie nicht dem einfachsten, sondern oft dem schwierigsten Terrain: Sie bieten kleine Kletterpassagen, steile Auf- und Abstiege, schmale Wege, Tunnel und andere Überraschungen. Die gut markierten Trails sind meist 8 - 10 Kilometer lang. Wer mehr Strecke will, kann die meisten Einzel-Trails entweder verbinden, oder man nutzt einen der vier gut beschilderten GR-Wanderwege, die sich durch den Wald ziehen, um von einem zum nächsten zu kommen. Höhenmeter, wie in den Alpen kann man hier natürlich nicht sammeln, aber das Terrain ist so anspruchsvoll und die Anstiege so zahlreich, dass man trotz allem auf seine Kosten kommt. Hinzu kommt, dass man hier nicht an den Sommer gebunden ist. Trail-Running in Fontainebleau geht mit großer Wahrscheinlichkeit schneefrei das ganze Jahr hindurch.

Vier Trails habe ich für euch getestet; sie bieten schon ein volles Spektrum an Möglichkeiten.

 

Trail Nr. 11 mit Kombinationsmöglichkeit zur Nr. 17

Dieser Trail im Süden des Waldes liegt abseits der westlich gelegenen Hauptgebiete. Auf etwa acht Kilometer Länge besteht er aus extrem anspruchsvollen Single-Trails, die sich teils durch tiefen Wald, teils durch wilde Felsenlabyrinthe schlängeln. Belohnt wird man mit vier wunderschönen Aussichtspunkten, von denen aus man eine Vorstellung von den Dimensionen des Waldes bekommt. An zwei Stellen ist der Weg zwischen den Felsen so schmal, dass klar wird, warum die Denecourt-Wege für Mountainbiker gesperrt sind: Sie würden mit dem Lenker stecken bleiben. Die Anstiege sind zwar kurz, aber knackig, ebene Meter gibt es nur auf den letzten zwei Kilometern. Diese bieten eine gute Auslauf-Möglichkeit in lichtem Wald auf weichem Sandboden. Den gesamten Trail prägen teils extreme und sehr plötzliche Richtungswechsel. Man muss sich also gut konzentrieren, um den Weg nicht zu verlieren. Der nächste blaue Strich ist aber immer vom letzten aus zu sehen – wenn man einmal mehr als hundert Meter ohne Markierung gelaufen ist, weiß man, dass man eine Abzweigung verpasst hat. Nach 2/3 der Strecke ist ein Abbiegen auf die Nr. 17 möglich.

 

Trail Nr. 17 mit Kombinationsmöglichkeit zur Nr. 11

Ein Lauf auf der Nr. 17 ist vor allem als Kombination mit der Nr. 11 zu empfehlen. Der Trail ist insgesamt eher einfach und bisweilen auch recht breit. Die meiste Zeit läuft man auf weichem Sand- oder Waldboden. Die Anstiege sind sanfter, aber deutlich länger: Insgesamt hat man nur wenige flache Meter, so dass man irgendwann keinen weiteren Anstieg mehr sehen möchte. Mit neun Kilometern ist er ein bisschen länger als die 11, aber nicht so hart, was sich schnell an den Kilometerzeiten bemerkbar macht. Auch hier kommt man an zahlreichen Aussichtspunkten vorbei und es tut auch einfach mal gut, nicht die ganze Zeit nach dem richtigen Weg Ausschau halten zu müssen, sondern einfach mal drauflos laufen zu können.

 

Trail Nr. 19

Das berühmte Bouldergebiet: L’éléphant ist der Ausgangspunkt für diesen nicht extrem schwierigen Trail von zehn Kilometern Länge. Obgleich der Großteil der Strecke aus Single-Trails besteht, ist er meist relativ eben und wenig durch Fels oder Wurzelwerk erschwert. Der Boden besteht meist aus Wald- oder Sandboden und man macht nicht allzu viele Höhenmeter. Nach zwei Dritteln der Strecke überquert man eine Straße und durchquert noch ein zweites Bouldergebiet, und da man hier für zwei Kilometer parallel zum GR 13 läuft (dieser würde einem eine Kombination mit den Trails Nr. 11 und Nr. 17 erlauben, Distanz bis dorthin etwa 15 km) ist er breit, bequem und bei den Aufstiegen gibt es Treppenstufen. Ein Super-Trainings-Trail, vor allem weil die Treppen einen schon auf halber Strecke japsen lassen, aber sicher nichts für die Hardcore-Schwierigkeits-Fanatiker. Dieser Trail bleibt auch nach einem weiteren Überqueren der Straße und einem Abstecher in das Haupt-Bouldergebiet relativ leicht. Trotzdem machen ihn die Schönheit der Landschaft, die vielen Sandpassagen und die Abgeschiedenheit zu einem einmaligen Erlebnis. Überraschend steht man auf einmal auf einem Riesen-Sandplatz inmitten des Waldes oder wird mit einem fabelhaften Ausblick am Gipfel des Bouldergebietes Dame Jouanne belohnt.

 

Trail Nr. 16

Dieses Schmuckstück liegt im Bouldergebiet La Canche aux Merciers. Der rund acht Kilometer lange Trail hat es wirklich in sich. Zunächst einmal läuft man drei Kilometer durch extrem unwegsames Felsterrain bis zu einem Plateau hinauf; immer entweder steil bergauf oder steil bergab, ebene Meter sucht man vergebens. Dabei muss man fast ununterbrochen über Felsbrocken klettern oder unter ihnen durch, wenn sie wie Tunnel aufeinander liegen. Obgleich man den Eindruck hat, man würde sich im Zick-Zack-Muster nicht von der Stelle bewegen, erreicht man dann ein wunderschönes Hochplateau aus Fels, auf dem man zwei Kilometer lang ein zwar relativ flaches, aber dennoch schwieriges Gelände überquert. Das Wort Singletrail erreicht hier bisweilen neue Dimensionen, da man zwischen den Erikabüschen wirklich nicht mehr als einen Fuß vor den anderen setzen kann. Dazwischen springt man von Fels zu Fels und genießt absolute Abgeschiedenheit. Danach kommen weitere zwei Kilometer in anspruchsvollem Gelände mit ständigem Auf und Ab und unwegsamen Trails, wie zu Beginn. Nur der letzte Kilometer bietet Erholung mit etwas breiteren Trails und ebenerem Gelände, bis man dann glücklich und platt am Bouldergebiet einläuft.

 

Weitere Möglichkeiten

Im Norden von Fontainebleau ergibt sich ein ganzes Netzwerk aus Trails. Hier kann man bis zu 10 Denecourt-Wege miteinander verbinden und so etliche Kilometer sammeln. Die Orientierung ist einfach, da sie zum einen alle die gleiche Markierung tragen, die Verbindungen und die Nummern aber auch immer wieder ersichtlich sind.

4 GR-Wanderwege durchziehen den Wald und sind ebenfalls gut markiert. Die Wege sind allerdings deutlich breiter und führen durch Dörfer und Städte mit diversen Sehenswürdigkeiten. Das Trail-Erlebnis ist hier sicher deutlich weniger „wild“, aber als Verbindungen zwischen den Singletrails oder für die eisernen Kilometerfresser rentieren sie sich bestimmt.