logo-dav-116x55px

Heilige Berge der Südalpen

Berge haben oft eine mythische Bedeutung für die Menschen, die dort wohnen. Das gilt auch für drei große Gipfel der südlichen Alpen: Monte Viso, Mont Bégo und Rocciamelone. Wer sie wie unser Autor Stefan Neuhauser besuchen möchte, erfährt hier alles Wichtige.

Mehr Infos zum Artikel in DAV Panorama 2/2021

 

Mont Bégo: Anreise

Von Nizza über Ventimiglia nach Tende am Fuß des Tendepasses. Die Anreise ist mit Auto oder Zug möglich. Auch von Cuneo (nördlich) gibt es eine Zugverbindung und eine Straße durch den Tendetunnel. Von Tende wenige Kilometer nach Westen zum Lac de Mesches (1390 m) oder nach Casterino (1577 m), den Ausgangspunkten der Ostseite des Mercantour Nationalparks.

 

Mont Bégo: Hütten

Es gibt mehrere Hütten im Mercantour Nationalpark, in dem der Mont Bégo liegt. Der schnellste und einfachste Aufstieg führt vom Lac des Mesches durch das Vallon de la Minière und über die Südflanke des Mont Bégo, an dessen Fuß das Refuge des Merveilles (2111 m) liegt. Die Hütte ist ein Funktionsbau wie viele andere französische Hütten. Zum Übernachten ist sie in Ordnung, jedoch kein solches Juwel wie die umliegende Landschaft. Zwischen Juli und August ist ein Besuch nicht empfohlen, da es dort von Besuchern wimmelt. Die Hütte und das Vallée des Merveilles sind der Brennpunkt der Region für Wanderer. Sobald man sich jedoch von der Hütte entfernt wird es einsam. Der Gipfelanstieg ist ein Wanderweg, am Gipfelgrat etwas felsig (blau/rot).

 

Wer nicht unbedingt auf den Gipfel des Mont Bégo möchte, sondern lieber eine Rundwanderung machen oder nur gut zugängliche Felszeichungen begutachten möchte, dem sei die Privathütte Refuge de Fontanalbe (2018 m) empfohlen, zugänglich von Casterino. Von hier aus gelangt man am einfachsten zu den Felszeichnungen der „Voie Sacre“, einer der wichtigsten Stellen für Felszeichnungen im Nationalpark. Ein anwesender Parkwächter überwacht und berät die Wanderer, wie in einer Art Freilichtmuseum, damit die Felsbilder nicht beschädigt werden. Man muss z.B. die Wanderstöcke wegpacken, wenn sie keine Gummispitzen haben.

 

Eine schöne Rundwanderung durch den Mercantour Nationalpark, vorbei an den unzähligen versteckten Felsbildern des Gebiets, geht vom Refuge de Fontanalbe über die Baisse de Fontanalbe (2560 m) zur wunderschön an einem Stausee gelegenen Hütte Refuge de la Valmasque (2230 m) und durch das Valmasque zurück nach Casterino. In dem Örtchen gibt es ein paar Unterkünfte und Parkmöglichkeiten; die Tour kann an einem Tag begangen werden. Es ist aber wesentlich entspannter, in einer der beiden Hütten zu übernachten.

 

Mont Bégo: Zelten oder Biwakieren im Nationalpark Mercantour

Wer die Landschaft in Ruhe genießen will, kann sein eigenes Zelt mitnehmen und abseits der Hütten schlafen. Im Mercantour Nationalpark gelten die üblichen Einschränkungen der französischen Nationalparks: Das Zelten ist nur eine Stunde von der Nationalparksgrenze entfernt erlaubt. Auch darf das Zelt nicht so hoch sein, dass man darin stehen kann, und es darf nur zwischen 19 und 9 Uhr aufgebaut sein. Der Übernachtungsplatz darf nur für eine Nacht verwendet werden. In der ausgewiesenen Kernzone des Nationalparkes ist das Zelten und Biwakieren nicht erlaubt! Der Grund sind die unter freiem Himmel liegenden Felsbilder. Diese Regelung gilt in anderen Nationalparks in Frankreich nicht.

 

Mont Bégo: Tipps und Karten

Tourismusinformation

 

Museum

Im Musee des Merveilles in Tende sind viele Felszeichungen nachgebildet. Ein Besuch lohnt sich, der Eintritt ist frei.

 

Verpflegung

Wer sich nicht in den Hütten verpflegt, sollte im Haupttal bei Tende einkaufen. In Casterino gibt es keinen Laden, einige Unterkünfte verkaufen auf Anfrage Käse und Brot.

 

Karten

  • IGN TOP 25, Nr. 3841 OT – Vallée de la Roya & Vallée des Merveilles (PN du Mercantour)
  • IGC 1:50.000, Nr. 8 – Alpi marittime e liguri
  • IGC 1:25.000, Nr. 114 – Limone Piemonte, Valle delle Meraviglie

 

Veranstalter/Bergführer

 

Monte Viso: Anreise

Mit dem Auto von Turin über Crissolo (1398 m) zum Pian del Re (2020 m) auf der Ostseite des Monte Viso oder nach Castello (1603 m) auf der Südseite des Monte Viso. Beide Zustiege verlaufen im Gipfelaufbau dann über die die gleiche Normalroute.

Eine schöne Unterkunft im Anfahrtsgebiet ist das Hotel La Colletta in Paesana.

 

Monte Viso: Hütten

Vom Pian del Re an der Quelle des Po oberhalb von Crissolo steigt man zur bewirtschafteten Quintino-Sella-Hütte.

Von Castello steigt man zum großräumigen Bivacco Boarelli (2810 m). Bei dieser Variante muss man sich selbst verpflegen. Wasser zum Kochen kann man aus den Seen um die Biwakhütte holen. Ob dieses auch unabgekocht 100% Trinkwasserqualität hat, ist schwierig zu sagen. Der Autor hat es im Oktober 2019 ohne Probleme getrunken. Decken sind vorhanden, Vorsichtige nehmen einen eigenen Schlafsack und Kocher mit.

Zelten und Biwakieren ist überall erlaubt, das Bivacco Andreotti (3225 m) 600 Meter unter dem Gipfel wird anscheinend von einem Felsturm bedroht, der sich bewegt. Man sollte nur im Notfall dort biwakieren.

 

Monte Viso: Schwierigkeit

Der Gipfelaufbau hat rund 600 Meter Höhendifferenz. Leichte Kletterstellen bis max. UIAA Grad III wechseln sich ab mit Gehgelände („wenig schwierige“ Hochtour, PD). Bis Ende Juli braucht man in der Regel Steigeisen. Ab etwa Mitte August bis Anfang Oktober ist der Normalweg schneefrei und man kann mit leichten Schuhen gehen – außer nach Unwettern mit Temperatursturz. Der Gipfel ist 3841 Meter hoch und trotz südlicher Lage ein hochalpiner Berg. Die letzten Meter auf der Ostseite kurz unter dem Gipfel brauchen oft länger um auszuapern. Im Spätsommer bleibt der Neuschnee oft auf den letzten Metern ostseitig liegen und schmilzt nicht mehr komplett weg. Auf- und vor allem Abstiegszeit (gleiche Route!) sind abhängig vom Sicherungsbedarf.

 

Monte Viso: Tipps und Karten

Tourismusinformation

 

Karten

  • IGC 1:25.000, Nr. 106 –Monviso – Valle Varaita – Valle Po – Valle Pellice
  • IGC 1:50.000, Nr. 6 – Monviso

 

Veranstalter/Bergführer

 

Rocciamelone: Anreise

Per Auto oder Zug nach Susa und dort der Beschilderung Rocciamelone folgen. Eine sehr enge Straße führt etwa 20 km hinauf zum Rifugio la Riposa. Besser etwa einen Kilometer vor der Hütte auf einem kleinen Parkplatz rechts der Straße parken. Dort gibt es Wasser für Camper und Zeltende.

 

Rocciamelone: Hütten

Beide Hütten sind in den Sommermonaten geöffnet, in der Vor- und Nachsaison meist nur an Wochenenden und Feiertagen.

 

Rocciamelone: Tipps und Karten

Tourismusinformation

 

Karte

  • IGC 1:50.000, Nr. 2 – Valli di Lanzo e Moncenisio

 

Veranstalter/Bergfüher