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Skitouren in den Kitzbüheler Alpen

Kelchsau, Windau und Spertental heißen die drei Seitentäler des Brixentals, die zu den schönsten Skitourengebieten der Ostalpen zählen. Hier beginnt die Saison oft schon vor Weihnachten und endet bei der Neuen Bamberger Hütte erst im April.

 

Von Stefan Herbke

 

Der Himmel tiefblau, die Bäume frisch verschneit, die Schneekristalle glitzern geradezu verführerisch in der Sonne. Ideale Voraussetzungen für einen wunderschönen Skitourentag am Feldalphorn in den Kitzbüheler Alpen. Und das Beste: Wir sind allein unterwegs. Nur am verlockenden Nordhang des Schwaigberghorns, auf den wir geradewegs zulaufen, ist eine einzelne Spur zu sehen, während wir als Erste hinüber zur Trockenbachalm spuren. Eine Alm wie aus dem Bilderbuch mit dunklen, von der Sonne verbrannten Holzbalken und blassgrünen Fensterläden. Obwohl das Feldalphorn zu den leichtesten Kitzbüheler Skitourenzielen zählt, hält sich der Andrang in Grenzen.

 

Zum einen wählen die meisten den Anstieg aus der Wildschönau, zum anderen verteilen sich die Skitourengeher auf ein riesiges Gebiet. Und so kann es durchaus passieren, dass man an einem sonnigen Neuschneetag beim Anstieg aus der stillen Kelchsau alleine unterwegs ist. Und das, obwohl man die ersten Meter ganz bequem mit einer Sesselbahn zurücklegen kann. 51 Millionen Euro investierte allein die Skiwelt Wilder Kaiser-Brixental im Sommer 2015 in neue Liftanlagen – in der Kelchsau, zu der man in Hopfgarten rechts abbiegt, fährt lediglich eine betagte Doppelsesselbahn, die an die Anfänge des Pistenskifahrens erinnert.

 

In dem kleinen Familienskigebiet ist die Zeit stehen geblieben. Hektik und Gedrängel gibt es hier nicht. Allerdings ist der Dorfwirt seit 2012 geschlossen, der Neuwirt seit 20 Jahren. Nur den Fuchswirt gibt es noch. Ein urgemütlicher Gasthof in einem Ensemble besonders prachtvoller Holzhäuser – und den ganzen Winter über gut gebucht, wobei längst die Tourengeher den Pistenskifahrern den Rang abgelaufen haben. „Gut zwei Drittel meiner Gäste sind Tourengeher“, schätzt der Wirt Reinhard Brugger. 

 

Einige Ziele wie den Klassiker Lodron, seinen Nachbarn Steinbergstein oder eben das Feldalphorn kann man sogar vom Ort aus angehen, viele weitere vom Kurzen und Langen Grund. Die beiden Täler verzweigen sich südlich der Kelchsau und führen mitten hinein ins weiße Skiwunderland der Kitzbüheler Alpen. Die Möglichkeiten sind selbst in zwei Wochen nicht abzuarbeiten, je nach Schneelage und Jahreszeit kann man sich die richtige Exposition aussuchen, die ideal geneigten Skiwiesen stellen selbst Einsteiger vor keine großen Probleme.

 

Entsprechend groß ist der Andrang an Tourengehern, zumindest an Wochenenden. Damit es keine Konflikte mit Jägern gibt, stehen bei den Ausgangspunkten große Übersichtstafeln mit den Aufstiegs- und Abfahrtsrouten und Sperrgebieten. Bei dieser Fülle an Skitourenzielen steht man vor der Qual der Wahl – und entscheidet sich dann doch wieder für einen der Klassiker wie das Feldalphorn. Eine gute Entscheidung, vor allem, wenn man die Tour ausbaut und etwa weiter läuft zum benachbarten Schwaigberghorn. 

 

 

Für unsere Durchquerung der Kitzbüheler Alpen nach Aschau nehmen wir am zweiten Tag frühmorgens ein Taxi in den Langen Grund. Der Parkplatz bei der Erlauer Hütte ist gut gefüllt, doch die Leute verteilen sich gleichmäßig auf die vielen Ziele. Beim Westanstieg zum Schafsiedel ist man in der Regel sogar alleine unterwegs. Was nicht heißt, dass man spuren muss – eine Aufstiegsspur ist meist vorhanden. Oberhalb des Waldbereichs, auf dem Westrücken des Schafsiedels, zeigt sich die alpine Seite der Kitzbüheler Alpen. Das Gelände wird felsdurchsetzt, die Spur am Kamm immer steiler – eine gute Spitzkehrentechnik ist hier von Vorteil. Zuletzt geht es flach über den Grat auf einen der bekanntesten und beliebtesten Kitzbüheler Skigipfel.

 

Schon beim Aufstieg begeisterte der Blick auf all die umstehenden Skiziele und die verlockenden Spuren Richtung Bärentalkopf und Frommgrund. Die gehören zu den eher einfachen Tourenmöglichkeiten, während der benachbarte Fünfmandling mit seinen steilen Nordosthängen für die sportliche Seite steht – die Steilabfahrten dort erfordern ganz sichere Schneeverhältnisse. Vielfalt bietet auch der Schafsiedel: Sanfte und weite Hänge ziehen direkt hinunter zur Neuen Bamberger Hütte, etwas steiler sind kurze Varianten auf der benachbarten Aleitenspitze, während die Abfahrt ins Manzenkar je nach Routenwahl richtig sportlich ist.

 

Der großartige Skitag klingt im Fuchswirt aus, dem Treffpunkt für Tourengeher. Wer den Erzählungen an den Nachbartischen auf der Sonnenterrasse oder in der holzgetäfelten Stube mit Kachelofen lauscht, der erfährt im Grunde alles über mögliche Ziele und die aktuellen Tourenbedingungen – und über spannende Erlebnisse auf den Mautstraßen in den Kurzen und Langen Grund. Die sind zwar bestens geräumt, aber oft spiegelglatt – Schneeketten sind hier definitiv kein Luxus.

 

 
Den kompletten Artikel lesen Sie in DAV Panorama 1/2016
 

Mit Ski durch die Kitzbüheler Alpen - Infos

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Wir bieten Ihnen alle Infos für eine kurzweilige Skitour durch die Kitzbüheler Alpen, bei der es unzählige Möglichkeiten für Varianten gibt. Kurzweilige Skitour durch die Kitzbüheler Alpen, bei der es unzählige Möglichkeiten für Varianten gibt. Neben den typischen Kitzbüheler Genussskihängen, die geradezu ideal für Toureneinsteiger sind, finden sportlich ambitionierte Tourengeher bei sicheren Schneeverhältnissen und etwas Ortskenntnis interessante Alternativen.