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David Wallace-Wells: Die unbewohnbare Erde

Sachbuch

06.05.2020, 14:47 Uhr

"Armageddon kommt, oder ist in vollem Gange…" Akribisch recherchiert und drastisch geschildert macht dieses Buch klar, warum es täglich höhere Zeit wird, endlich weltweit und energisch gegen den Klimawandel aktiv zu werden.

"Es ist schlimmer, viel schlimmer, als Sie denken."

 

David Wallace-Wells, stellvertretender Chefredakteur des New York Magazine, erreichte 2017 mit einer Titelgeschichte über die Folgen des Klimawandels Millionen Leser. Denn er scheut sich nicht, nach gründlicher Recherche die Fakten schonungslos zu präsentieren und dafür markige Worte zu wählen, wie etwa, wir seien "eine Zivilisation, die sich in eine selbstmörderische Gaswolke hüllt, ähnlich einem laufenden Motor in einer verschlossenen Garage."

 

In diesem Buch breitet er seine Erkenntnisse ausführlicher aus, mit fast 700 Fußnoten geradezu wissenschaftlich exakt dokumentiert. Er belegt die "Elemente des Chaos", die verschiedenen Auswirkungen der Klimakatastrophe: Hitze, Hunger, Ertrinken, Flächenbrand, Wassermangel, sterbende Meere, Seuchen und ähnliches – eine apokalyptisch-bedrohliche Auflistung. Man mag ihm vorwerfen, dass in der Anhäufung von Zahlen und journalistisch geschilderten Schicksalen der Gesamtzusammenhang verlorenzugehen droht. Wenn sein Ziel ist, seine Leser spüren zu lassen, wie vielfältig, umfassend und massiv die Konsequenzen unseres Verhaltens sein werden, erreicht er es gerade dadurch.

 

Die Kurve kriegen, statt auszusterben

In einem fast schon poetischen bis philosophischen Abschnitt skizziert er, welche Zusammenhänge uns blind oder ignorant machen und das Handeln verzögern, etwa Wirtschaft, Technologiegläubigkeit oder Konsum. Zuletzt stellt er in "Das anthropische Prinzip" klar, dass es "das Handeln der Menschen ((ist)), das über das Klima der Zukunft entscheidet, nicht irgendwelche Systeme, die sich unserer Kontrolle entziehen." Welche Handlungen zielführend wären, um die menschheitsbedrohenden Folgen der Klimakatastrophe abzuwenden, deutet er nur an, dazu gibt es genug andere Literatur. Dieses Buch will aufrütteln, uns aus Lethargie, Ignoranz, Selbstgefälligkeit herausschrecken und unsere Verantwortung klar machen: "Wenn wir zulassen, dass die Erde sich weiter aufheizt und uns mit all der Kraft bestraft, mit der wir sie gefüttert haben, liegt das daran, dass wir uns dafür entschieden haben – und gemeinsam den Pfad in Richtung Selbstmord beschreiten."

 

Kurzcheck

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Besonders geeignet für … Leute, die immer noch behaupten, "den Klimawandel" gebe es nicht, die Menschheit sei nicht dran schuld, werde schon ein Gegenmittel finden und eh sei alles halb so schlimm.

 

David Wallace-Wells: Die unbewohnbare Erde, Ludwig Verlag, 2018, 336 S., 18,- Euro

 

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