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Plötzlicher Herztod

Der Plötzliche Herztod ist die häufigste nicht verletzungsbedingte Todesursache beim Bergsport. Betroffen sind vor allem Männer mit bestehenden Herzkreislauf-erkrankungen. Wer sein Risiko kennt und entsprechend angepasst unterwegs ist, kann vorbeugen.

Mehr als vierzig Millionen Personen jährlich gehen in den Alpen zum Bergwandern und Skifahren - bei dieser Menge an Bergtouristen ist klar, dass auch die Zahl der Verletzungen und Todesfälle relativ groß ist. Absturzgefährdetes Gelände, Wetterumschwünge, Steinschlag, Lawinen und hohe Fahrgeschwindigkeiten auf Skipisten, aber auch die oft unterschätzten konditionellen Anforderungen machen Bergsport zur Risikosportart. Mehr als ein Drittel aller Todesfälle im Bergsport sind Herztodesfälle! Bei mangelnder Fitness, besonders bei zusätzlich bestehenden Herzkreislauf-, Atemwegs- und/oder Stoffwechselerkrankungen, kann es zu körperlicher und psychischer Überforderung bis hin zum Tod kommen.

 

Risikofaktoren

Etwa 90 Prozent aller Plötzlichen Herztodesfälle erleiden Männer über 34 Jahre, wobei das Risiko mit zunehmendem Alter steil ansteigt. Berechnungen innerhalb dieser Risikogruppe ergaben jeweils einen Plötzlichen Herztodesfall pro etwa 400.000 Skilanglaufstunden, pro etwa 800.000 Bergwanderstunden und pro etwa 1.500.000 Stunden Alpinem Skilauf. Werden allerdings beim Alpinen Skilauf die effektiven Abfahrtszeiten berücksichtigt, dürfte das Risiko mit dem von Skilangläufern vergleichbar sein. Obwohl die Wahrscheinlichkeit, einen Plötzlichen Herztod beim Bergsport zu erleiden, offensichtlich gering ist, ist sie im Vergleich zur Normalbevölkerung dennoch 2- bis 8-fach erhöht. Das Risiko steigt, je mehr sich der Betroffene anstrengt und betrifft besonders Personen mit Vorerkrankungen, die nicht ausreichend an die spezielle Belastung der gewählten Sportart angepasst sind.        

 

  • Vorangegangener Herzinfarkt
  • Unbehandelter Bluthochdruck
  • Bestehende Herzgefäßerkrankung
  • Hoher Blutcholesterinspiegel
  • Diabetes

 

Die unterschiedliche Bedeutung der Risikofaktoren für einen Plötzlichen Herztod bei den verschiedenen Bergsportarten dürfte mit den unterschiedlichen Herzkreislauf- und Stoffwechselreaktionen auf die jeweilige Belastung der Sportart zusammenhängen. Während Skilanglaufen und Bergwandern vorrangig durch dynamische Muskelarbeit (konzentrisch) und aerobe Energiebereitstellung (Aufstieg) charakterisiert sind, arbeiten die Muskeln beim Skifahren Muskeln haltend (exzentrisch) mit teilweise anaerober Energiebereitstellung (Abfahrt). Die daraus resultierenden unterschiedlichen Belastungsreaktionen könnten möglicherweise auch über unterschiedliche Mechanismen zum Plötzlichen Herztod führen.

 

Auslöser

In allen Alpinsportarten scheint das Risiko eines Plötzlichen Herztodes zu Beginn des Bergurlaubs am größten zu sein - rund fünfzig Prozent aller Herztodesfälle am Berg ereigneten sich am ersten Tag. Die ungewohnte physische und psychische Belastung durch den Sport dürfte das Auftreten dieser Notfälle maßgeblich begünstigen. Vor allem in den späten Vormittagsstunden und mit zunehmender Zeit ohne Pause mit Trinken und Essen häuften sich die Notfälle. Auch extreme Umweltbedingungen wie Kälte, Hitze und Höhe (Sauerstoffmangel) können zusätzlich belastend wirken.

Risikofaktoren wie Bluthochdruck, hoher Blutcholesterinspiegel und Zuckerkrankheit erhöhen die Wahrscheinlichkeit für Plötzliche Herztodesfälle.

 

Prävention

Regelmäßiger Sport kann dem Plötzlichen Herztod vorbeugen. Dabei geht es nicht nur um eine verbesserte allgemeine Ausdauer, auch die Gewöhnung und Anpassung des Körpers an eine für die jeweilige Sportart typische Belastung sind wichtig. Das bedeutet beispielsweise für Skilangläufer, neben dem Ausdauertraining der Beinmuskulatur auch die Armmuskulatur zu stärken - etwa am Handkurbel- oder Ruderergometer. Statische und dynamische Trainingsinhalte wie die Abfahrtshocke und Sprungübungen erhöhen die Belastbarkeit des Alpinskifahrers, auch kurze intensive Intervalle wie Sprints sind besonders geeignet. Die Intensität sollte dabei allerdings nur allmählich und angemessen gesteigert werden. Als grober Richtwert für die allgemeine Ausdauerleistung sollten eine maximale Sauerstoffaufnahme von mindestens 25 ml/min/kg und/oder eine maximale Leistung von 2 Watt/kg am Fahrradergometer erreicht werden. Ein sportmedizinischer Belastungstest gibt Aufschluss über diese und weitere Werte wie Herzfrequenz, Herzrhythmus, Blutdruck, Atemfrequenz und Blutlaktatkonzentration.     

 

Basierend auf den oben erwähnten Auslösern von Plötzlichen Herztodesfällen beim Bergsport lassen sich folgende Empfehlungen ableiten:

  • Ruhe oder nur geringe Belastungen am ersten beziehungsweise den ersten Tagen des Bergaufenthaltes und langsame Steigerung
  • Anpassen der Anstrengung an das eigene Risikoprofil und Belastungsempfinden (normales Unterhalten sollte möglich sein).
  • Regelmäßige Pausen mit Flüssigkeits- und Nahrungszufuhr (alle 30 bis 60 Minuten).
 

Präventions-Checkliste

  • Abklärung vorhandener Risikofaktoren
  • Ärztliche Belastungsuntersuchung
  • Individuell abgestimmtes Aufbautraining
  • Vernünftiges Verhalten/Meiden
  • Möglicher Auslöser beim Sport
 

Optimaler Wanderpuls

  • Faustregel Maximalpuls: 220 minus Lebensalter
  • Wenig Trainierte und / oder Vorerkrankung: 60 bis 75%
  • Geübte Bergwanderer ohne Vorerkrankungen: 70 bis 90% 

 

Weitere Infos im DAV Panorama-Artikel:  Pumperlgesund in die Berge.pdf [539 kb] .

 

Weitere Informationen

Detaillierte Infos zum Thema bieten folgende PDFs und Webseiten:

 

Herz_Kreislauf_RL_22071.pdf [1,1 MB]

Herz-Kreislauf und Wandern.pdf [226 kb]

Sport-bei-Herzerkrankungen.pdf [164 kb]

Konditionstraining.pdf [154 kb]

Senioren Skifahren.pdf [389 kb]

Senioren Wandern.pdf [568 kb]

 

www.herzstiftung.de

www.maennergesundheitsportal.de

 

 

Autor: Univ.-Prof. Mag. DDr. Martin Burtscher leitet das Institut für Sportwissenschaft der Universität Innsbruck und Innsbruck. Einer der Forschungsschwerpunkte des ausgebildeten Bergführers ist die Alpine Unfall- und Notfallforschung und Erarbeitung präventiver Maßnahmen.

 

 

Ihre Gesundheit liegt uns am Herzen

Für eine erste Einschätzung Ihres individuellen gesundheitlichen Risikos beim Sport nutzen Sie unseren so genannten „Persönlichen Aktivitäts- und Präventions-Screening-Test“ (PAPS-Test). Diese „Online-Vorsorgeuntersuchung“ hilft Ihnen, in 2 - 3 Minuten wichtige Anhaltspunkte für Ihren nächsten Arztbesuch oder Check-up zu erhalten. Eine Auswertung erhalten Sie am Schluss des Fragebogens. Der Test wird vom Deutschen Leichtathletikverband und Deutschen Alpenverein sowie in vergleichbarer Form auch von der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention als wichtiges präventives Instrument empfohlen.

 

 

 

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