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Smartphones in den Bergen

Ein schnelles Foto hier, ein Video-Call da, ein bisschen Musik für unterwegs. Unser Handy haben wir ständig dabei und in Benutzung. Auch am Berg. Doch gerade dort sollte, zum Schutz der eigenen Sicherheit, einiges in Sachen Smartphonenutzung beachtet werden.

 

 

Ständiger Begleiter ...

Unser Smartphone ist unser ständiger Begleiter. Egal, ob zu Hause, in der Arbeit oder unterwegs – es ist immer dabei. Kein Wunder, wenn man sich da gerade in den Bergen nach Ruhe und Abgeschiedenheit sehnt und das Handy ausschaltet oder gar nicht erst einpackt.

 

Doch das ist keine gute Idee! „Für mich ist das Smartphone unersetzlich im Gebirge“, sagt Florian Abt von der Allgäuer Bergwacht, denn vor allem in Notlagen kann das Mobiltelefon für die Rettungskräfte enorm hilfreich sein.

 

... auch in den Bergen

Ständige Erreichbarkeit kann nervig sein – keine Frage. Dennoch ist es wichtig, das Handy auf Bergtouren mitzunehmen: um die eigene Position bestimmen und um im Notfall einen Hilferuf absetzen zu können oder um eine Ortung durch Rettungskräfte einfacher zu machen. 

 

Größtes Problem der heutigen Smartphones ist die Akkulaufzeit. "Das Wichtigste ist: Das Handy vor der Tour voll aufzuladen. Dann sollte ein modernes Handy bei normaler Nutzung auch über den Tag mit seinem Akku auskommen. Man muss allerdings beachten, dass die Akkuleistung mit den Jahren nachlässt", so Markus Jodl, Unternehmenssprecher der Telekom.

 

Besonders wenn es kalt ist, entlädt sich der Akku schneller. Um dem entgegen zu wirken, sollte das Gerät dann nah am wärmenden Körper getragen werden. Auch Florian Abt weiß um das Akku-Problem und rät, nicht zwingend notwendige Hintergrundaktionen des Geräts auszuschalten und in den Energiesparmodus zu schalten, um Reserven zu schützen. Zudem sei es empfehlenswert, eine Powerbank einzupacken, um für den Notfall gerüstet zu sein. Eine solarbetriebene Powerbank ist gerade bei längeren Touren hilfreich: einfach auf den Rucksack schnallen und schon lädt sie sich durch das Tageslicht auf.

 

 

Fortschritt durch Technik

Seit Herbst 2019 läuft das Pilotprojekt AML bei Notrufleitstellen. AML – "Advanced mobile location" – ermöglicht es, automatisch die Standortdaten von Notrufen zu ermitteln. Das heißt: sobald die 112 gewählt wird, sendet das Mobiltelefon GPS-Daten an die Leitstelle, welche dann den Standort auf zehn bis 20 Meter genau bestimmen kann. 

 

Besonders praktisch an AML ist, dass keine extra App installiert werden muss. Allein das Wählen des Notrufs ist ausreichend. 

 

Stichwort Datenschutz: bereits eine Stunde nach dem Anruf werden sämtliche Daten automatisch wieder gelöscht, da zu diesem Zeitpunkt die Rettungskräfte in vielen Fällen schon zum Unfallort gelangt sind oder sie zumindest einen genauen Lageüberblick haben. AML funktioniert bisher in ganz Deutschland. Roaminganrufe können, so Stand 2020, noch nicht derartig verarbeitet werden.

 

Ganz ähnlich aufgebaut ist die App SOS-EU-ALP. Durch das Drücken eines SOS-Buttons werden die genauen Standortdaten, der Stand des Handyakkus sowie Höhen- und Kontaktdaten an die Leitstelle übermittelt. Gibt es keine Internetverbindung, versendet die App automatisch eine SMS mit denselben Daten. In Tirol und Südtirol ruft dann die Leitstelle zurück, um offene Fragen zu klären. Gerade eine direkte Sprechverbindung ist ausschlaggebend für  effiziente Abläufe in der Rettungskette. In Deutschland ist diese über die App noch nicht flächendeckend gewährleistetet. Deshalb sollte, laut Bergwacht Bayern, favorisiert die 112 gewählt werden.

 

 

 

 

 

"Immer die 112"

Dazu muss man wissen: selbst, wenn sich das Gerät nicht mit dem "heimischen" oder einem anderen Netz verbinden kann (also grundsätzlich keine Telefonate möglich sind), funktionieren Anrufe an die 112. Das liegt daran, dass die Nummer eine höhere Priorisierung im Handynetz hat und einfach das stärkste vorhandene Netz wählt, um sich zu verbinden.

 

Ingo Hofer von der Leitstelle Allgäu rät dazu, immer die 112 zu wählen, da dies in Verbindung mit AML der sicherste und schnellste Weg sei und zusätzlich zum Standort eine Sprechverbindung zur Verfügung stehe. So lasse sich ein Meldebild erstellen und die geeigneten Einsatzkräfte würden informiert und Erste-Hilfe-Maßnahmen könnten eingeleitet werden.

 

Die Leitstelle gibt die Informationen und Daten dann an die jeweiligen Einsatzkräfte weiter. Das ist gerade dann, wenn man sich nicht so gut in dem jeweiligen Berggebiet auskennt, ein großer Vorteil. Zudem rät die Bergwacht, das Handy nach dem Absetzen eines Notrufs für mögliche Rückfragen frei zu halten, also keine weiteren Anrufe oder Akku zehrenden Aktivitäten zu tätigen.

 

Trotz der neuen technischen Möglichkeiten ersetzen AML und SOS-EU-ALP nicht das persönliche Wissen um den eigenen Standort oder die Fähigkeit, analoge oder Offline-Karten lesen zu können. Aktuelles Material und Sicherheit im Umgang damit bleiben ein wichtiges Mittel, um im Notfall gut Hilfe rufen zu können, bestätigt auch Florian Abt.

 

Ist das Smartphone abgeschaltet, im Flugmodus oder wurden die Standortdienste manuell ausgestellt, kann nicht mehr geortet werden. Davon rät Markus Jodl daher ab: "Weil man gegebenenfalls den letzten Punkt erfassen kann, wo das Handy noch ein Signal gesendet hat, um dort mit der Suche zubeginnen."

 

Kein Empfang was nun?

Funklöcher sind mittlerweile glücklicherweise eine Seltenheit, doch gerade in engen Tälern, im Wald oder in Schluchten kommen sie noch vor.

 

Was also tun, ohne Netz?

  • Wenn möglich, versuchen den Standort zu ändern, ohne sich oder andere zu gefährden
  • Ein Notsignal (manuell) absetzen: akustisch oder visuell sechs Mal pro Minute ein Signal geben mit je zehn Sekunden Pause dazwischen, dann eine Minute warten und das Signal solange wiederholen, bis Antwort kommt. Wichtig: Das Signal immer in die selbe Richtung absetzen, sonst kann es zu Fehlinterpretationen kommen! 
  • Das Handy aus- und wieder einschalten – vor der PIN-Eingabe direkt den Notruf wählen. Dann wählt sich das Telefon direkt in das stärkste Netz ein und nicht in das des Anbieters.
  • Vor der Tour einer Kontaktperson den Zeitplan und die Route weiterleiten, die im Zweifel die Rettung informieren kann
  • Bluetooth ausschalten
  • Stromsparmodus aktivieren
  • Helligkeit reduzieren
  • Grundsätzlich: Offline-Karten im Smartphone verwenden oder (zusätzlich) aktuelles, analoges Material mitnehmen

 

Wichtig: Wenn ihr einen Bergunfall beobachtet oder selbst verunfallt, ruft zuerst die Rettung, nehmt keine Umwege über Dritte und bringt euch nicht selbst in Gefahr! Zudem ist es nie verkehrt, die Grundlagen der Ersten-Hilfe zu beherrschen und auch im Notfall anwenden zu können.

 

 

 

 

Lebensrettende Sofortmaßnahmen

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Die Natur auf sich wirken lassen, ganz in sich selbst ruhen – ohne Ablenkung, ohne Alltag, ohne Verbindung zur Außenwelt. Die Berge so erleben, wie es sich richtig anfühlt. Darum geht es in der Kampagne "Spüre dich selbst". So wie es sich richtig anfühlt. Da steckt viel Eigenverantwortung dahinter: Wie ist es für mich richtig? Was tut mir gut? Vielleicht hilft es, am Berg einfach mal abzuschalten ... Spätestens, seitdem Kameras nicht mehr ganze Monatsgehälter kosten, gehören "Gipfel" und "Foto" für uns fest zusammen. Denn das Gipfelfoto zeigt das „Ich“ und das „Hier“. Das „Ich war hier“. Mal liegt die Betonung mehr auf dem "Ich", mal mehr auf dem "Hier". Wir zeigen, dass wir wirklich dort waren, oben auf dem Gipfel. Glücklich. Geschafft. Bei strahlendem Sonnenschein. Im feinsten Pulverschnee. Mit Kletterausrüstung. Oder ohne. Für uns bedeutet das für einen Moment vielleicht alles. Für den Rest der Welt ist unser Gipfelselfie indes ziemlich unerheblich.