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No Risk, no Fun?

Risikomanagement beim Mountainbiken

Größtmögliche Sicherheit vs. Erfolg und Adrenalinkick. Zwei Bedürfnisse, die häufig nicht leicht in Einklang zu bringen sind. So auch beim Mountainbiken. Es gilt, die richtige Balance zu finden, denn ein Restrisiko bleibt am Berg eigentlich immer. Gerade Mountainbiken ist einfach eine Sportart mit Risikopotenzial.

Und doch lässt sich das Restrisiko mit einfachen Maßnahmen reduzieren. Knapp zusammengefasst: Immer Reserven lassen, nicht ans Limit gehen. Tagesverfassung beachten. Aktiv fahren. Sich mit der Strecke vertraut machen. Gewartetes Bike und Ausrüstung. Umwelteinflüsse im Blick behalten. Wer dies beachtet, hat schon einen guten Schritt in Richtung Risikominimierung gemacht. Noch zu unsicher? Dann beschäftigt euch im Folgenden mal mit den verschiedenen Phasen des Risikomanagements und den drei großen Risikofaktoren.

 

Phasen des Risikomanagements

Um sich des eigenen Umgangs und Verhaltens mit und in Risikosituationen bewusst zu werden, solltet ihr euch folgende vier Fragen bei jeder Tour stellen:

  1. Was kann passieren?
  2. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass es passiert?
  3. Was bedeutet das für mich/uns?
  4. Welche Konsequenzen ziehe ich daraus?

 

Daraus ergeben sich vier Phasen des Risikomanagements:

  1. Risiken erkennen: Zu Beginn solltet ihr die einzelnen Streckenabschnitte chronologisch auf Gefahren prüfen. Ihr solltet sicher sein, dass ihr zu jeder Zeit bestmöglich informiert seid.
  2. Risiken analysieren: Um das Risiko zu bewerten, kombiniert ihr in diesem Schritt die Schadensgröße mit der Eintreffenswahrscheinlichkeit.
  3. Risiken anpassen: Um das Risiko anzupassen, könnt ihr aktiv Maßnahmen ergreifen, wie eure Tour und die Wege gut zu planen, Gefahrenhinweise unterwegs ernst zu nehmen, Sicherheitspuffer einzubauen etc. Zusätzlich helfen euch ein hoher Ausbildungsstand, eine gute Bewegungstechnik und Taktik sowie die entsprechende Ausrüstung.
  4. Risiken überwachen: Selbstverständlich solltet ihr zu jeder Zeit im Blick behalten, ob eure Maßnahmen auch wirksam sind und wie es um das Restrisiko bestellt ist.
 

Risikofaktoren Ausrüstung, Umwelt, Mensch

Risikofaktoren ergeben sich aus den Aspekten, die wir bereits im 3x3 Schema kennengelernt haben – Ausrüstung, Umwelt, Mensch. Diese geben eine gute Struktur der Aspekte, die ihr berücksichtigen solltet, um das Risiko klein und den Spaß groß zu halten.

 

 

Eine regelmäßige Inspektion der Ausrüstung zum Beispiel trägt dazu bei, unangenehme Überraschungen auf Tour zu vermeiden. Dazu gehört selbstverständlich das Bike – Inspektion je nach persönlicher technischer Versiertheit im Fachgeschäft – aber auch Werkzeug, Rucksack, Helm, Kleidung etc. solltet ihr mindestens einmal pro Jahr checken. Beim Bike gehören Steuerzentrale, Bremssystem, Federungen, Laufräder und Antrieb zu den Komponenten, die besondere Aufmerksamkeit benötigen. Der Alpin-Lehrplan Mountainbiken gibt im 10-Punkte-Check einen guten Überblick über die wichtigsten Maßnahmen.

 

Schlagartige Änderungen in der Umwelt sind besonders im Gebirge an der Tagesordnung. Darauf habt ihr keinen Einfluss, auf eure Ausrüstung und euer Verhalten jedoch schon. Phänomene, auf die ihr immer vorbereitet sein solltet, sind zum Beispiel Hitze und Kälte, Nässe, Eis und Schnee, Nebel, starker Wind und Gewitter. Gerade letzteres kann in den Bergen schnell richtig gefährlich für euch werden, daher haben wir euch die wichtigsten Verhaltenstipps bei Gewitter separat zusammengefasst. Nässe, Eis, Schnee und Nebel haben nicht nur Einfluss auf den*die Fahrer*in, sondern auch auf Wegverhältnisse und Orientierung. Ihr solltet unbedingt berücksichtigen, dass Anspruch an Fahrtechnik und Sturzrisiko je nach Witterung rapide steigen können. Zum Risikofaktor Umwelt gehören aber nicht nur Wetterphänomene, auch Steinschlag, Muren, der Straßenverkehr oder absturzgefährliches Gelände können Biker*innen vor Herausforderungen stellen.

 

Können und Handeln regelmäßig hinterfragen! Das gilt für Neulinge wie Profis gleichermaßen. Denn der Mensch ist der Risikofaktor, auf den ihr den größten Einfluss nehmen könnt. Dazu gehört zum Beispiel, dass ihr an besonders absturzgefährlichen Stellen auch mal absteigt und schiebt, oder die Sucht nach Geschwindigkeit im Griff habt. Denn Geschwindigkeit und die daraus resultierende Länge des Anhaltewegs wird selbst von Profis häufig unterschätzt. Selbst Top-Mountainbiker*innen kommen auf einen Anhalteweg von rund 19,4 Metern – bei einer bergab nicht unüblichen Geschwindigkeit von 40 km/h auf einer Schotterstraße.

 

In Seminaren und Schulungen könnt ihr euer persönliches Risikobewusstsein trainieren und bekommt Verhaltenstipps für (potenziell) gefährliche Situationen auf dem Mountainbike. Ein breites Angebot findet ihr bei den Alpenvereinssektionen. Jedes Jahr veranstalten die Sektionen mehr als 5.000 Radsportkurse – von einfachen Einstiegskursen bis hin zu anspruchsvollen Alpenüberquerungen.