Spätestens wenn das Rotwandhaus in Sicht kommt, geht einem auf dieser Tour das Herz auf. Fast schon kitschig thront die Hütte auf einem kleinen Buckel zu Füßen der Rotwand. Beim richtigen Blickwinkel (und entsprechender Fernsicht) wird das Haus von gleich zwei der wohl bekanntesten Gipfel der Ostalpen eingerahmt: rechts der Großvenediger, links der Großglockner. Die Rotwand- Reib’n ist der Prototyp eines Skitourenklassikers in den Bayerischen Alpen. Die Zutaten: viel Panorama, tolle Skihänge und alpines Ambiente, besonders zu spüren beim Passieren der Felsgipfel der Ruchenköpfe. Ein großes Plus ist zudem das Rotwandhaus, das auch zur Skitourensaison geöffnet ist und zur Einkehr einlädt. Wer möchte, kann die Tour auch auf zwei Tage aufteilen und so nicht nur die Aussicht, sondern auch den Sonnenuntergang dort oben in aller Ruhe erleben.
Die Reib’n (bayerisch für „Runde“) bietet zahlreiche Variationsmöglichkeiten. Expert*innen werden sich die Nebelrinne unterhalb des Rotwandgipfels nicht entgehen lassen und Konditionsstarke nehmen noch den Abstecher zum Hochmiesing mit. Ein weiterer Vorteil dieser Tour: Sie ist perfekt mit öffentlichen Verkehrsmitteln durchführbar. Die Runde startet und endet direkt an Bushaltestellen, eine kurze Fahrt bringt einen dann zum Bahnhof Fischhausen-Neuhaus. Die Saison für die Tour kann extrem variieren. Bei frühem Winterstart kann sie schon im November möglich sein, nach schneereichen Wintern findet man hier bis weit ins Frühjahr hinein brauchbare Verhältnisse. Wichtig: Die Rotwand-Reib’n ist nur bei sicheren Lawinenverhältnissen zu empfehlen, es müssen Passagen über 35 Grad bewältigt und Hänge in fast allen Expositionen begangen werden.
Infos
Talort: Spitzingsee, 1084 m
Startpunkt: Bushaltestelle Spitzingsee Kirche
Endpunkt: Bushaltestelle Taubensteinbahn
Anreise: mit dem Zug bis zum Bahnhof Fischhausen-Neuhaus und weiter mit dem Bus 362
Hütte: Rotwandhaus, 1737 m
Führer: Bayerische Alpen, Skitourenführer, Panico Alpinverlag
Karte: Alpenvereinskarte BY 15 „Mangfallgebirge Mitte, Spitzingsee, Rotwand“ 1:25.000
Beste Zeit: Dezember bis April (je nach Schnee- und Lawinenlage)
Ausrüstung: Skitourenausrüstung (inkl. Notfallausrüstung)
Frequentierung: hoch
Skitour Rotwand-Reib’n – Stück für Stück
Spitzing – Rotwand – Rotwandhaus
2 ½ Std., 800 Hm ↗, 150 Hm ↘, 7,5 km
Die Bushaltestelle „Kirche“ am Spitzingsee, bzw. der Parkplatz dort, ist Ausgangspunkt der Tour. Man verlässt den Ort in Richtung Valepp und folgt kurz darauf der Abzweigung links (Wegweiser Rotwand), die Forststraße ist nicht zu verfehlen. Beim Bergwachthaus die Abzweigung rechts über die Brücke nehmen und weiter der Forststraße folgen, weiter oben kann man bei guter Schneelage links über den Sommerweg und bald wieder rechts über eine freie Lichtung aufsteigen, bis die lange Querung zum Rotwandhaus und der Rotwandgipfel links oberhalb in Sicht kommen. Bei der Querung ist besonders auf die Lawinensituation zu achten. Über den breiten Gipfelhang geht es bis zum Gipfelkreuz und in der Abfahrt leicht links haltend zum Rotwandhaus – winters wie sommers ein beliebtes Ausflugsziel.
Taktiktipp: Der erste Teil der Tour bekommt sehr viel Sonne, oft ist hier der Schnee knapp. Dann macht es Sinn, die Ski an den Rucksack zu schnallen.
Rotwandhaus – Auerspitz – Großtiefentalalm
1 Std., 320 Hm ↘, 150 Hm ↗, 1,6 km
Direkt nördlich der Hütte führt eine kurze, aber steile Abfahrt in einen flachen Boden. Hier auffellen und zum Auerspitz aufsteigen. Wer möchte, nimmt den Gipfel mit. Man kann aber auch bereits vom Sattel darunter die Abfahrt über schöne, kupierte Hänge zur Großtiefentalalm starten. Die Alm ist eingerahmt von Miesingstock, Rotwand und den Ruchenköpfen.
Taktiktipp: Sehr gute Skifahrer*innen können bei absolut sicheren Verhältnissen die „Nebelrinne“ östlich des Gipfelhangs fahren. Die Einfahrt findet man in dessen unterem Drittel. So spart man sich den Aufstieg zum Auerspitz und kann schon höher in den Aufstieg zum Miesingsattel queren, was die Tour deutlich verkürzt.
Großtiefentalalm – Miesingsattel – Kleintiefentalalm – Bergstation Taubenstein
2 Std., 280 Hm ↗, 200 Hm ↘, 2,3 km
Nach erneutem Auffellen geht es über weite Hänge hinauf zum Miesingsattel. Je nach Verhältnissen kann man weiter links unterhalb der steilen Wände der Rotwand aufsteigen, wenn man deren Auslaufbereiche meiden möchte, kann man sich mehr rechts halten. Vom Miesingsattel sieht man schon den weiteren Routenverlauf zum Taubensteinhaus, eine schöne Abfahrt führt hinunter in Richtung Kleintiefentalalm. Man passiert diese leicht rechts oberhalb, durchquert ein kleines Waldstück (kurzes Schiebestück) und fellt abermals an zum letzten Aufstieg der Runde. Am Taubensteinhaus vorbei geht es in einer langen, flachen Querung hinüber zum Sattel unterhalb der Seilbahn-Bergstation.
Taktiktipp: Vom Miesingsattel kann man auch noch den Gipfel des Hochmiesing mitnehmen. Von dort erwarten gute Skifahrer*innen interessante Abfahrtsvarianten direkt hinunter zur Kleintiefentalalm, oder (steil und spektakulär) durch die Miesingrinne nach Nordosten, was dann einen längeren Aufstieg zum Taubensteinhaus bedeutet.
Taubensteinsattel – Spitzing
½ Std., 510 Hm↘, 2,5 km
Vom Sattel führt die Abfahrt durchs aufgelassene ehemalige Skigebiet hinunter zur Talstation der Taubensteinbahn (im Winter geschlossen). Ein kurzes Flachstück im Mittelteil erfordert nochmal etwas Schiebearbeit. Von der Talstation in den Bus und nach Hause, oder das kurze Stück an der Straße (und durch einen Tunnel) zurück zum Parkplatz „Kirche“.