Zwei Wanderer mit Rucksäcken gehen bei sonnigem Wetter einen steinigen Bergpfad hinauf.
Insbesondere bei starker UV-Strahlung sind geeignete Kleidung, eine Sonnenbrille und gegebenenfalls ein Sonnenhut wichtig. Foto: Adobe Stock/24K-Production
Ganzheitlicher UV-Schutz am Berg

Mehr als Sonnencreme

Bei schönem Wetter lockt die Freude an der Bewegung in der Natur ganzjährig in die Berge. Ob Wintersport, Wandern, Klettern oder Mountainbiken – der Aufenthalt und die Bewegung im Freien fördern die körperliche Gesundheit und das emotionale Wohlbefinden. Zum Schutz der Haut sollte man auf Tour jedoch einiges beachten – selbst, wenn sich die Sonne hinter Wolken versteckt.

Das Licht und die Wärme der Sonne können wir sehen und fühlen. Für ihre ultraviolette Strahlung (UV-Strahlung) hingegen besitzen wir kein Sinnesorgan. Wir können sie nicht wahrnehmen. Deshalb ist es wichtig zu wissen, wie UV-Strahlung wirkt und wie man sich schützt. Die Intensität der Strahlung steigt in höheren Lagen und je klarer und reiner die Luft ist. Schnee, Eis und das Wasser der Bergseen reflektieren zusätzlich. Deshalb sind gerade beim Bergsport ganzjährig Schutzmaßnahmen erforderlich.

UV-Strahlung ist der externe Hauptrisikofaktor für die Entstehung von Hautkrebs. Dieser tritt häufig erst im höheren Alter auf, doch die Schädigung der Hautzellen geschieht wesentlich früher. Bei jedem Sonnenbrand im Kindes-, Jugend- oder Erwachsenenalter wird das Erbgut der Hautzellen angegriffen. Und schon bevor eine Rötung sichtbar wird, haben die Hautzellen erheblichen Schaden genommen. Um sich vor Hautkrebs zu schützen, ist es wichtig, über die gesamte Lebensspanne hinweg präventiv zu handeln.

Vorbeugen ist besser als Heilen

Steigende Hautkrebszahlen

Innerhalb von zwanzig Jahren ist die Zahl der stationären Hautkrebsbehandlungen in Deutschland laut Statistischem Bundesamt um 87,5 Prozent gestiegen. Während viele sich mit dem Auftragen von Sonnencreme in den Sommermonaten auf der sicheren Seite fühlen, ist die Empfehlung eine andere: Um sich wirksam vor Hautkrebs zu schützen, sollte man generell und insbesondere in der Mittagszeit Schatten aufsuchen und die Haut mit geeigneter Kleidung bedecken. Zusätzlich gilt gerade am Berg: Sonnencreme sollte man zu jeder Jahreszeit ergänzend nutzen!

Meiden, kleiden, cremen

Die sogenannte primäre Prävention betrifft das eigene, entsprechend angepasste Verhalten, um das Auftreten einer Erkrankung zu verhindern oder zu verzögern. Bezogen auf das eigene Verhalten gibt es drei grundlegende Vorgehensweisen, die in Kombination und folgender Reihenfolge anzuwenden sind: Erst Sonne meiden, dann kleiden, dann cremen. Schatten suchen in den Mittagsstunden ist die wirksamste Maßnahme, sich vor starker UV-Strahlung zu schützen. Wenn man dennoch im Freien unterwegs ist, sind geeignete Kleidung, die vor allem Schultern, Dekolleté und Arme schützt, eine Sonnenbrille mit der Kennzeichnung UV 400 und ein Sonnenhut mit breiter Krempe und Nackenschutz wichtig. Auch UV-Schutzkleidung ist sinnvoll. Die Hautstellen, die man nicht mit Kleidung bedecken kann, werden mit Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor (mind. 30, besser 50 oder 50+) eingecremt. Repräsentative Umfragen zeigen, dass viele Menschen in Deutschland Sonnenschutzmittel in der Rangfolge als wichtigste Maßnahme zum UV-Schutz einstufen. Aber: „Sonnenschutzmittel allein bieten keinen ausreichenden Schutz vor UV-Strahlung und ihr schützender Effekt hinsichtlich einiger Hautkrebsarten wie Basalzellkarzinom und malignes Melanom ist weiterhin fraglich“, so Dr. Inga-Marie Hübner von der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention (ADP) e.V. Man muss eine ausreichende Menge wiederholt, alle zwei Stunden, auftragen. Es gibt keine risikofreie Zeit in der Sonne, weshalb man den Aufenthalt so kurz wie möglich halten sollte.

Gesundes Verhalten fördern

Verhältnispräventive Maßnahmen zielen darauf ab, eine Umwelt zu gestalten, die gesundheitsförderndes Verhalten unterstützt und ermöglicht. Mit Blick auf den UV-Schutz können vom Klimawandel geschädigte Waldregionen klimaresilient aufgeforstet, Rastplätze an Wanderwegen überdacht, Hütten mit Sonnensegeln und Verschattungssystemen ausgestattet und der UV-Index sichtbar gemacht werden (Infos zum Aufstellen von UV-Indexwarntafeln unter hautkrebspraevention.de). Der UV-Index zeigt auf einer Skala von 1 (niedrig) bis 11+ (extrem) an, wie hoch die Gefahr für einen Sonnenbrand ist. Und man kann Berg- und Tagestouren so planen, dass man in der Mittagszeit eine Pause im Schatten im Wald oder einer Berghütte genießt.

Um sich wirksam vor Hautkrebs zu schützen, sind auch verhältnispräventive Maßnahmen gefragt. Dazu gehören die Überdachung von Rastplätzen oder das Aufstellen von UV-Warntafeln. Foto: DAV/Julian Rohn

Die A-B-C-D-E-Regel

Auch zuhause im Alltag kann man etwas für die Sicherheit und Gesundheit der Haut tun. Die sogenannte sekundäre Prävention strebt eine frühzeitige Erkennung vielleicht bestehender Erkrankungen an. Es lohnt sich, regelmäßig einen Selbstcheck der Haut durchzuführen – am besten einmal im Monat. Denn frühzeitig erkannte Erkrankungen der Haut lassen sich besser und erfolgreicher behandeln.

Und: „Hautkrebs, insbesondere ein Melanom, entsteht nicht nur an Stellen, die der Sonne ausgesetzt sind!“, erklärt Dr. Inga-Marie Hübner. Deshalb prüft man bei gutem Licht die gesamte Haut auf Auffälligkeiten. Für besonders uneinsichtige Stellen kann man einen zusätzlichen Handspiegel nutzen oder eine zweite Person um Hilfe bitten. Man prüft die Pigmentmale nach der A-B-C-D-E-Regel:

  • A – Asymmetrie: Ist das Mal unregelmäßig geformt, nicht mehr rund oder oval?

  • B – Begrenzung: Sind die Ränder unscharf, ausgefranzt oder ungleichmäßig?

  • C – Color/Farbe: Gibt es mehrere Farbtöne oder hat sich die Farbe verändert?

  • D – Durchmesser: Ist das Mal größer als 5 mm oder wächst es sichtbar?

  • E – Entwicklung: Hat sich das Mal im Lauf der Zeit verändert in Form, Größe, Farbe oder Oberfläche?

Besonders Muttermale und Leberflecken, die neu entstehen, sich verändern, jucken, nässen oder gar bluten, sind dabei zu beachten. Im Zweifelsfall ist es immer richtig, hautärztlichen Rat einzuholen. Dort oder in hausärztlichen Praxen kann man auch das Hautkrebsscreening durchführen lassen. Ab dem 35. Lebensjahr zahlt diese Untersuchung die Krankenkasse alle zwei Jahre. Bei der Ganzkörperuntersuchung wird die gesamte Haut von der Kopfhaut bis zu den Zehenzwischenräumen kontrolliert. Dazu gehören auch die Mundschleimhaut und die After- und Dammregion mit den äußeren Genitalien bei Männern und Frauen.

Die Selbstuntersuchung und die regelmäßige Teilnahme am Hautkrebsscreening vermitteln das gute und sichere Gefühl, die Gesundheit der eigenen Haut im Blick zu haben. Gemeinsam mit den alltäglichen Maßnahmen Meiden, Kleiden, Cremen schützt man die Haut rundherum und effektiv und kann so langfristig den Aufenthalt in der freien Natur und den Bergen als das genießen, was es ist: eine Wohltat für Körper und Geist.

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