Rennrad im Dunklen, Lichtermeer im Hintergrund
Nachts auf dem Rennrad die Passstraße hoch und runter, immer wieder - Faszination Everesting Foto: Sepp Hell
Knotenpunkt Thema Leistung

Ever-rest-in-peace!?

8848 Höhenmeter Everesting – wieso gibt man sich der Qual hin, den gleichen Buckel so oft hintereinander zu erklimmen, bis man einen vertikalen Höhenunterschied schafft, der der Höhe des Mount Everests entspricht!? Sepp Hell wagt einen Erklärungs-Versuch und berichtet von seiner persönlichen Erfahrung und Faszination dahinter.

Ever-rest-in-peace!? 

8848 Höhenmeter Everesting – wieso gibt man sich der Qual hin, den gleichen Buckel so oft hintereinander zu erklimmen, bis man einen vertikalen Höhenunterschied schafft, der der Höhe des Mount Everests entspricht!? Sepp Hell wagt einen Erklärungs-Versuch und berichtet von seiner persönlichen Erfahrung und Faszination dahinter. 

Erst einmal kurz zu den Regeln gemäß der Website „everesting.cc“: jeder Aufstieg muss immer gleich und vollständig innerhalb einer Aktivität (ohne Schlafen und ohne Zeitlimit) absolviert werden, bis man 8848 Gesamthöhenmeter im Aufstieg erreicht. Das geht mit dem Rad, mit Tourenskiern oder zu Fuß, wo in einer Variante ein Shuttle-service für den Abstieg erlaubt ist. Möglich sind auch Halb- oder Viertel-Everestings. Lädt man die aufgezeichnete Aktivität auf der Website hoch, wird sie geprüft, bestätigt und man wird in der dortigen Hall of Fame gelistet. 

Anstrengung und Geselligkeit. Verpflegungsstelle beim Everesting Foto: Sepp Hell

Einen Hype erlebte der Trend vor allem zu Corona-Zeiten - vermutlich, weil keine Touren mehr außerhalb Deutschlands möglich waren, keine Wettkämpfe mehr stattfinden konnten und oft mehr Zeit zum Trainieren war. 

Doch findet dieser verrückte Wahnsinn jetzt sogar noch mehr Zulauf? Der DAV listet Anfang dieses Jahres das erste organisierte deutsche Everesting Skimo-Event am Fichtelberg im Erzgebirge. Gut 35 Starter*innen wagen sich an die nicht mehr aufhören wollenden Aufstiege mit je 230 Höhenmetern im Skigebiet. 15 schaffen das „Basecamp“ mit 4424hm, fünf packen am Ende alle 38 Aufstiege in 24 Stunden. 

Ich selbst habe 2024 mit dem Rennrad an der Everesting-Veranstaltung an der Panorama-Rossfeldstraße bei Berchtesgaden teilgenommen: Hier waren 11 Auffahrten mit 800hm zu bewältigen. Gegen Spende für die Kinderkrebshilfe oder Bergwacht Ramsau wurde prima Verpflegung am Gipfel gereicht und viele fuhren auch nur ein/zweimal hoch. Als jemand, der lieber einen Schritt langsamer, dafür gerne zwei drei mehr macht, konnte ich den Großteil des Tags tatsächlich genießen. Ich konnte mit Spezln ratschen, hatte endlich einmal ausgiebig Zeit zum Hörbuch hören und durfte guten Gewissens den ganzen Tag über gemütlich aus der Trikottasche vor mich hin schnabulieren. Sicherlich plagte mich auch einmal eine Durststrecke, die aber nach einer Pause wieder überstanden war. 

Wiederholungspotential? Jain – vielleicht reicht auch das Half-Everesting. Als jemand, der sich gerne neue Herausforderungen sucht, soll es bald den ersten noch anspruchsvolleren Skimo-Versuch geben. Denn bei dem nahe Innsbruck im Skigebiet Patscherkofel organisierten Event kann ich mich bei der Ski-Abfahrt dann nicht mehr hinunterrollend erholen. Vielleicht lasse ich danach meinen Körper und die Everesting-Ambitionen doch endlich einmal ruhen…