Wolfgang Hugo (Sektion Schweinfurt)
„Ich bin über meinen Bruder Gerhard zum Bergwandern gekommen. Mit Begeisterung haben wir ab dem Jahr 1979 an den Sektionstouren des damaligen Wanderleiters Karl Groha teilgenommen. Karl hat damals schon die Anreisen zu den Wanderungen mit Bus und Bahn geplant“, erzählt Wolfgang Hugo von der Sektion Schweinfurt über seine Anfänge als leidenschaftlicher Öffi-Nutzer. „Seit Einführung der Pauschalangebote (zum Beispiel des Bayerntickets) sind diese jedes Jahr teurer geworden. Zum Glück gibt es jetzt das Deutschlandticket, das nutze ich ausgiebig.“
Zwei- bis dreimal im Monat organisiert Wolfgang Sektionstouren beim DAV Schweinfurt: „Meine Lieblingsregion ist Oberfranken. Bei meinen Wanderungen nehmen rund zehn Leute teil. Wir sind in allen Mittelgebirgen der Region unterwegs. Die Touren führen von der Rhön bis zum Spessart. Unsere Anreise zu den bis zu zwanzig Kilometer langen Touren beträgt dabei maximal zweieinhalb Stunden.“ Wolfgangs Einschätzung nach haben sich die Möglichkeiten für die Anreise mit den öffentlichen Verkehrsmitteln in den letzten Jahren leicht verbessert. Die Vorliebe, mit den Öffis oder mit der Bahn und mit dem Bus unterwegs zu sein, ist dabei keinesfalls auf seine fränkische Heimat beschränkt. Auch die Anreise zu entfernten Zielen legt Wolfgang mit Bahn und Bus zurück. Während seiner fünfzehn Jahre als Wegewart der Sektion, in denen er für das Wegenetz rund um die Schweinfurter Hütte in den Stubaier Alpen verantwortlich war, nutzte er fast immer die Öffis. „Allenfalls wenn es Material zu transportieren gab, setzte ich mich mit in den von Schweinfurt aus fahrenden Sektionsbus“, berichtet er und schmunzelt. „Ansonsten sind wir mit dem ‚Bayernticket‘ bis zur Landesgrenze und in Österreich mit dem ‚Einfach-Raus‘ Ticket weiter gefahren. Wir haben es immer geschafft, vor zwanzig Uhr auf der Hütte anzukommen.“
Wolfgangs Meinung nach ist noch etwas Luft nach oben, was die Bewerbung für Touren mit öffentlicher Anreise angeht: „Viele Wandertipps in den Zeitungen sind Rundwanderungen, da die Redakteure meist selber mit dem Auto anreisen. Ich tüftle aber am liebsten Touren mit unterschiedlichen Ausgangs- und Endpunkten aus.“ Eine seiner liebsten Gebirgsdurchquerungen am Alpenrand führt durch die nördlichen Ammergauer Alpen. Startpunkt ist der Bahnhof Füssen und Endpunkt der Bahnhof Oberau.
"Mein gutes Leben verdanke ich auch der Natur. Nun möchte ich ihr etwas zurückgeben."
Auf die Frage, woher seine Liebe zum Umweltschutz kommt, meint Wolfgang „Ich habe siebzig Jahre ein gutes Leben gehabt. Das habe ich sehr der Natur zu verdanken. Ich möchte etwas tun, damit sie erhalten bleibt. Also der Natur etwas zurückgeben.“ Als Wolfgang im Jahr 2021 den Ehrenamtspreis des Deutschen Alpenvereins für sein Klimaschutz-Engagement verliehen bekam, betonte er: „Diesen Preis beanspruche ich keinesfalls für mich alleine. Ich nehme die Auszeichnung stellvertretend entgegen für alle Menschen, die durch ihr Sozialverhalten und ihr Konsumverhalten zum Schutz unserer Lebensgrundlagen und zum Erhalt der Artenvielfalt beitragen."
Bernhard Angerer (Sektion Landshut)
Passenderweise treffe ich Bernhard im Zug. Wir sind auf dem Weg zum Bahnhof Unterammergau, von wo aus er eine Ski-Überschreitung der drei Hörnle nach Bad Kohlgrub vorgeschlagen hat. Das Umsteigen in Murnau klappt auf die Fahrplanminute, sodass wir auf der Fahrt zum Zielbahnhof gemütlich weiterplaudern können.
Bernhard ist seit 2020 bei der Sektion Landshut zum Thema Bergsport mit öffentlichen Verkehrsmitteln aktiv. „Es war die Zeit, als ich mich wieder verstärkt dem Thema Klimaschutz zugewandt habe. Anstoß waren auch die Friday for Future-Demonstrationen. Ich erkannte, dass auch ich etwas tun muss. Und da ich schon immer mit den Öffis in die Berge gefahren bin, erschien mir das der richtige Ansatz.“
Die Reaktion des Sektionsvorstands war sehr positiv. Bernhard ist seitdem beim DAV Landshut Ansprechpartner für Touren mit klimafreundlicher Anreise. „Egal ob Tourenleiter oder einfaches Sektionsmitglied. Jedem der sich informieren möchte, wie man mit Bahn und Bus am besten in die Berge kommt, helfe ich dabei.“ Seitdem werden mehr Sektionstouren mit öffentlicher Anreise angeboten. Bernhard hatte noch nie ein Auto und war schon immer mit Bus und Bahn oder mit dem Fahrrad unterwegs. Einmal radelte er sogar bis in die Schweiz.
Das Ziel des Deutschen Alpenvereins, bis 2030 klimaneutral zu sein, begrüßt der Öffi-Experte. Und hält es gleichzeitig für ziemlich ehrgeizig. „Ich glaube, man braucht noch mehr Fortbildungen für Tourenleiter. Viele Trainer sind daran gewöhnt, ihr Mobilitätskonzept nur mit dem Auto zu planen. Das ist tief in den Köpfen drinnen. Es braucht also Leute, die gewohnte Pfade verlassen. Der Bundesverband sollte darauf hinweisen, dass die Tourenleiter eine Vorbildfunktion haben. Nicht nur in Bezug auf Schutzgebiete und Sicherheit, sondern besonders auch in Bezug auf die Anreise.“
"Der Stoiker ist der beste Reisebegleiter."
Bernhard, der pro Jahr etwa fünfzig Bergtouren mit öffentlicher Anreise unternimmt, gibt folgenden Tipp: „Ich informiere mich sehr gut und meide bei der Planung zum Beispiel Baustellen. Nur in Einzelfällen musste ich eine Tour auch einmal umplanen.“ Gelassenheit ist dennoch niemals verkehrt: „Wenn die Durchsage kommt ‚Wir haben eine Störung’ löst es bei meinen Leuten oft Stress aus. Der Stoiker ist für mich der beste Reisebegleiter.“
Eine wichtige Ergänzung zu den eigentlichen Touren vor Ort ist Bernhards ehrenamtliche Autorenschaft bei alpenvereinaktiv.com, dem digitalen Portal zur Tourenplanung: „Mir macht es Spaß, meine Touren dort zu präsentieren. Der Leser findet darin auch detaillierte Tipps zur Anreise mit Bus und Bahn. Ich denke mir im Vorfeld eine Tour aus, die gut erreichbar ist und probiere sie dann einfach mal aus.“ Wie beispielsweise die gelungene Skitouren Überschreitung vom Bahnhof Unterammergau über alle drei Hörnle bis zur Bahnhaltestelle Bad Kohlgrub, wohin Bernhard und ich übrigens fast bis auf den Bahnsteig mit Ski abfuhren.