„Für mich ergibt sich der Wert einer Besteigung aus der Summe dreier untrennbarer Elemente, die alle gleichermaßen wichtig sind: Ästhetik, Geschichte und Ethik“, fasste die italienische Bergsteigerlegende Walter Bonatti seine Touren-Ethik zusammen. Unsere Devise war schlichter: „Immer weiter!” Kennengelernt haben wir uns im Jugendprogramm des DAV, besonders in einem Hochtourengrundkurs auf der Tierberglihütte. Aus ersten Schritten am Seil wurden regelmäßige Touren, aus einer Kursgruppe Freundschaft.
Die 7 höchsten Gipfel der Alpenländer – by fair means
2025 wollen wir die höchsten Gipfel der Alpenländer verbinden – aus eigener Muskelkraft. Vier von uns nehmen sich den August komplett frei, der Rest begleitet einzelne Etappen. Der Auftakt gelingt am Gran Paradiso. Statt des überlaufenen Normalwegs wählen wir einen ruhigen Klettersteig – perfekte Einstimmung auf den Mont Blanc. Nur am felsigen Gipfelgrat wird es eng; wer die Madonna meidet und die kurze, aber ungesicherte Kletterstelle zum Hauptgipfel wählt, findet dort ein ruhigeres Plätzchen.
Danach rollen wir ins Aostatal und weiter nach Courmayeur. Wir versuchen den Mont Blanc über die Cosmique-Route, weil wir das Steinschlag-Roulette im Grand Couloir, insbesondere so spät im Jahr, nicht mitspielen wollen. Um 0:30 Uhr steigen wir bereits die rund sechshundert Meter hohe Flanke des Mont Blanc de Tacul hinauf. Über einige Spalten und durch Gletscherbrüche hindurch, erreichen wir die Schlüsselstelle der Tour: eine Eis-Passage am Mont Maudit. Die Situation spitzt sich zu, zwei von uns drehen um. Der Rest steht um 7:30 Uhr erschöpft und glücklich auf dem Gipfel und nach zwölf Stunden wieder an der Hütte.
Wichtig: Realistische Selbsteinschätzung
Bei anspruchsvollen Unternehmungen wie den beschriebenen sind Erfahrung, technisches Können und eine sehr gute Kondition zwingende Voraussetzung.
Wichtig außerdem: Vor Tourantritt immer die aktuellen Verhältnisse erfragen.
In den folgenden Tagen strampeln wir über den Sankt-Bernhard-Pass nach Zermatt – mitten in einer Hitzewelle, was unsere Gruppe um eine Person reduziert. Auch beim Rest macht sich Erschöpfung breit und wir quälen uns das Monte-Rosa-Massiv hoch, obwohl die Tour selbst wirklich lohnend ist. Auch der Gipfelgrat der Dufourspitze auf 4500 Meter ist ein Genuss. Wieder unten geht es direkt weiter; Zeit für eine Pause lässt uns das Wetter nicht. Dank einer gastfreundlichen Alm dürfen wir am Fuß des niedrigsten Gipfels unserer Unternehmung, der Vorder Grauspitz in Liechtenstein, zelten. Nach so vielen überlaufenen Bergen tut die Stille gut und erinnert uns daran, warum wir in die Berge gehen. Zum höchsten Gipfel Deutschlands brechen wir aufgrund eines passenden Wetterfensters direkt nach der Grauspitz-Besteigung auf. Beim Zwischenstopp im Allgäu werden wir von einem Mitglied der örtlichen DAV-Sektion zum Familienessen im Garten eingeladen und verbringen dort eine ruhige Nacht. Den bebauten Gipfel der Zugspitze erreichen wir dann recht zügig über Wiener-Neustädter-Hütte und Stopselzieher.
Am Brenner erwarten uns die schönsten Radwege der gesamten Tour. Unser Leitspruch „Immer weiter“ gilt auch für die Ernährung: essen, fahren, schlafen, wieder essen. Bei der Besteigung des Großglockners in Österreich sind wir wieder fast vollzählig und stellen uns nach einer Nacht in der Erzherzog-Johann-Hütte in die Gipfelschlange. Pro-Tipp: Wer von hier als Letzter startet, hat trotzdem ein Zeitfenster vor den ersten Seilschaften der Stüdlhütte!
Eine Wohlfühltour als würdiger Abschluss
Für den letzten Gipfel verabschieden wir uns wieder von der Gruppe. Wir genießen das wunderbare Slowenien, die guten Fahrradwege und unsere erste wetterbedingte Pause. Die Besteigung des Triglav über den Bamberger Weg, den anspruchsvollsten der vielen Klettersteige, ist eine Wohlfühl-Tour bei bestem Wetter und ein würdiger Abschluss unserer Unternehmung. Bergtouren per Rad lassen ein altes Pathos aufleben; dem Berg auf ehrliche und faire Weise zu begegnen. Highlights sind die Gipfel, genauso wie die Pässe, die Schlafplätze, die Menschen und die Abwechslung. Und man muss nicht zwingend „die höchsten“ sammeln – genauso gut kann man sich ruhige Bergziele aussuchen. Oder man wählt vier Gipfel im fahrradfreundlichen Südtirol, packt seine Sachen und fährt einfach los; immer nach dem Motto Ästhetik, Geschichte und Ethik.
Etappen
Gran Paradiso
Tag 1, zu Fuß: Le Pont - Rifugio Vittorio Emanuele II: 5,18 km, 759 Hm ↗, 4 Hm ↘
Tag 2, zu Fuß: Rifugio Vittorio Emanuele II - Ferrata al Gran Paradiso - Gran Paradiso (4061 m) - Rifugio Vittorio Emanuele II - Le Pont: 15,43 km, 2134 Hm ↗, 2900 Hm ↘
Mont Blanc
Tag 3, Fahrrad: Le Pont - Camping du Parc: 42,13 km, 315 Hm ↗, 1306 Hm ↘
Tag 4.1, Fahrrad: Camping du Parc - Entrèves: 9,83 km, 384 Hm ↗, 4 Hm ↘
Tag 4.2, zu Fuß: Entrèves - Rifugio Torino: 7,96 km, 2015 Hm ↗, 23 Hm ↘
Tag 5, zu Fuß: Rifugio Torino - Refuge des Cosmiques: 5,92 km, 566 Hm ↗, 339 Hm ↘
Tag 6, zu Fuß: Refuge des Cosmiques - Mont Blanc (4805 m) - Refuge des Cosmiques: 13,61 km, 2108 Hm ↗, 2104 Hm ↘
Tag 7.1, zu Fuß: Refuge des Cosmiques - Rifugio Torino - Entrèves: 12,77 km, 313 Hm ↗, 2509 Hm ↘
Dufourspitze
Tag 7.2, Fahrrad: Entrèves - Aosta - Camping Tunnel International: 51,87 km, 738 Hm ↗, 666 Hm ↘
Tag 8, Fahrrad: Camping Tunnel International - Sankt-Bernhard-Pass - TCS Camping Sion: 86,28 km, 1257 Hm ↗, 2043 Hm ↘
Tag 9, Fahrrad: TCS Camping Sion - Visp - Camping Attermenzen: 79,41 km, 1091 Hm ↗, 215 Hm ↘
Tag 10.1, Fahrrad: Camping Attermenzen - Zermatt: 6,50 km, 189 Hm ↗, 14 Hm ↘
Tag 10.2, zu Fuß: Zermatt - Monte Rosa Hütte: 16,14 km, 1747 Hm ↗, 502 Hm ↘
Tag 11, zu Fuß: Monte Rosa Hütte - Dufourspitze (4634 m) - Monte Rosa Hütte: 11,74 km, 1719 Hm ↗, 1773 Hm ↘
Tag 12.1, zu Fuß: Monte Rosa Hütte - Zermatt: 16,41 km, 498 Hm ↗, 1743 Hm ↘
Vorder Grauspitz
Tag 12.2, Fahrrad: Zermatt - Visp - Brigga Camping: 74,22 km, 845 Hm ↗, 1204 Hm ↘
Tag 13, Fahrrad: Brigga Camping - Furkapass - Andermatt - Oberalppass - TCS Camping Disentis: 86,75 km, 1876 Hm ↗, 2134 Hm ↘
Tag 14, Fahrrad: TCS Camping Disentis - Chur - Camping Mittagsspitze AG: 99,66 km, 601 Hm ↗, 1085 Hm ↘
Tag 15, Fahrrad: TCS Camping Disentis - Sparta Bouldering - Alp Valüna: 28,72 km, 996 Hm ↗, 95 Hm ↘
Tag 16.1, zu Fuß: Alp Valüna - Hinter Grauspitz - Vorder Grauspitz (2599 m) - Alp Valüna: 11,81 km, 1479 Hm ↗, 1471 Hm ↘
Zugspitze
Tag 16.2, Fahrrad: Alp Valüna - Bregenz - Weiler-Simmerberg: 87,79 km, 473 Hm ↗, 1221 Hm ↘
Tag 17, Fahrrad: Weiler-Simmerberg - Immenstadt - Reutte - Camping Dr. Lauth: 105,3 km, 1458 Hm ↗, 1044 Hm ↘
Tag 18, zu Fuß: Camping Dr. Lauth - Wiener Neustädter Hütte - Zugspitze (2962 m) - Wiener Neustädter Hütte: 10,82 km, 1950 Hm ↗, 789 Hm ↘
Tag 19.1, zu Fuß: Wiener Neustädter Hütte - Camping Dr. Lauth: 6,65 km, 0 Hm ↗, 1156 Hm ↘
Großglockner
Tag 19.2, Fahrrad: Camping Dr. Lauth - Telfs - Innsbruck: 74,63 km, 604 Hm ↗, 1030 Hm ↘
Tag 20, Fahrrad: Innsbruck - Sterzing - Camping Vahrner See: 82,79 km, 1201 Hm ↗, 1098 Hm ↘
Tag 21, Fahrrad: Camping Vahrner See - Bruneck - Dolomiten Camping Amlacherhof: 109,7 km, 1000 Hm ↗, 980 Hm ↘
Tag 22, Fahrrad: Dolomiten Camping Amlacherhof - Kals am Großglockner - Alpengasthof Lucknerhaus: 44,42 km, 1248 Hm ↗, 77 Hm ↘
Tag 23, zu Fuß: Alpengasthof Lucknerhaus - Erzherzog Johann Hütte: 7,62 km, 1548 Hm ↗, 16Hm ↘
Tag 23.1, zu Fuß: Erzherzog Johann Hütte - Großglockner (3798 m) - Erzherzog Johann Hütte - Alpengasthof Lucknerhaus: 10,07 km, 605 Hm ↗, 2141 Hm ↘
Tag 23.2, Fahrrad: Alpengasthof Lucknerhaus - Kals am Großglockner - Dolomiten Camping Amlacherhof: 42,23 km, 60 Hm ↗, 1247 Hm ↘
Triglav
Tag 24, Fahrrad: Dolomiten Camping Amlacherhof - Camping Knaller Weissensee: 51,94 km, 564 Hm ↗, 262 Hm ↘
Tag 25, Fahrrad: Camping Knaller Weissensee - Camping Kamne: 93,18 km, 708 Hm ↗, 988 Hm ↘
Tag 26, Fahrrad: Camping Kamne - Aljažev dom: 12,85 km, 390 Hm ↗, 64 Hm ↘
Tag 27, zu Fuß: Aljažev dom - Triglav (2864 m) - Aljažev dom: 13,89 km, 2008 Hm ↗, 1993 Hm ↘