Kinder schlafen auf Hütte in Matratzenlager
Bettwanzen können dem ungetrübten Hüttenaufenthalt ein Ende setzen. Foto: DAV/Thilo Brunner
Bettwanzen auf Alpenvereinshütten

Auf der Mauer auf der Lauer

...sitzt 'ne kleine Wanze. Und ihre liebste Mauer in den Bergen ist die Holzverschalung auf Hütten. Hier fühlen sich die kleinen Tierchen erstaunlich wohl. Die Insekten scheinen für das Leben in den Bergen geschaffen zu sein. Sie sind nur drei bis sechs Millimeter groß, können Kälte ertragen und sind monatelanges Fasten gewohnt. Durchaus erstaunliche „Bergbewohner“, wenn da nicht ihr unstillbarer Durst nach Blut wäre.

Sie galten lange vielerorts als nahezu ausgerottet, seit einigen Jahren sind Bettwanzen weltweit jedoch wieder auf dem Vormarsch – und machen auch vor den Bergen nicht halt.

Durch die zunehmenden, globalisierten Reiseaktivitäten, auch unter Bergwandernden, können die kleinen Insekten einfach und unbemerkt im Gepäck oder in der Kleidung von einem Ort zum anderen gelangen. Ein Befall hat also nichts mit mangelnder Hygiene zu tun, er ist überall möglich. Dennoch bieten Berghütten mit viel Holz, verwinkelten Räumen und schwer zugänglichen Bereichen einen besonders günstigen Lebensraum und Rückzugsort für Bettwanzen.

Ausmaß des Bettwanzenbefalls – allgemein und auf DAV-Hütten

Da es keine gesetzliche Meldepflicht für Bettwanzenbefall gibt, ist es schwierig, ihre Verbreitung konkret zu beziffern. Ein Anhaltspunkt ist aber die in den vergangenen Jahren steigende Anfrage bei Schädlingsbekämpfer*innen. Beim Deutschen Alpenverein sind jährlich etwa 15 bis 20 Hütten, also etwa 5 Prozent, von Bettwanzen betroffen. – Tendenz steigend, ähnlich wie bei Unterkünften im Tal.

Sobald auf einer Hütte ein Befall bestätigt wird, beginnt eine professionelle Bekämpfung. Danach folgt eine Monitoring-Phase, um sicherzustellen, dass sich keine Bettwanzen mehr im Gebäude befinden.

Gründe für die Zunahme der Fälle

Der Hauptgrund ist die weltweit steigende Mobilität: Bettwanzen reisen im Gepäck, in Schlafsäcken, Kleidung, anderen Textilien oder in Gegenständen mit – und erreichen so Unterkünfte und Verkehrsmittel unterschiedlichster Art (z. B. Hotels, Pensionen, Jugendherbergen, Bahn, Bus oder auch Flugzeuge). Die Entwicklung betrifft nicht nur Hütten, sondern Übernachtungsbetriebe weltweit.

Auch durch den globalen Handel haben Bettwanzen ein leichtes Reisen um die Welt. Hinzu kommt: Gegenüber viele Jahrzehnte sehr wirksamen chemischen Schädlingsbekämpfungsmitteln haben Bettwanzen zunehmend Resistenzen entwickelt.

Bettwanze: der ungebetene Gast. Foto: Umweltbundesamt

Warum Bettwanzen Berghütten lieben

Berghütten weisen einige Besonderheiten auf, die sie etwas anfälliger für Bettwanzen machen als klassische Unterkünfte im Tal:

  • Hoher Holzanteil in Schlaf- und Aufenthaltsräumen (Bettwanzen finden in Holzritzen bessere Verstecke als in glatten Oberflächen).

  • Verwinkelte, schwer zugängliche Bereiche (z. B. unter Dachschrägen oder in alten Gemäuern).

  • Eingeschränkte bauliche Präventionsmöglichkeiten (z. B. schwierigere Abdichtung von Ritzen oder regelmäßige Kontrollen in abgelegenen Lagen).

Dadurch gestalten sich Erkennen und Bekämpfung anspruchsvoller – doch mit gezielten Maßnahmen lässt sich das Risiko deutlich reduzieren.

Bettwanzen erkennen: Anzeichen und Sofortmaßnahmen

Bettwanzen sind nachtaktiv und verstecken sich tagsüber in kleinen Ritzen oder Spalten. Zu ihren bevorzugten Gemeinschaftsverstecken gehören: Bettgestell, Lattenrost und Wandverkleidungen, aber auch Lichtschalter, Steckdosen oder Scheuerleisten.

Eine frühzeitige Erkennung ist wichtig, um eine Ausbreitung zu verhindern. Achte daher auf folgende Hinweise:

  • kleine schwarze Punkte (Kotspuren) auf Matratzen, Bettgestellen oder Holzverkleidungen

  • winzige Blutflecken auf Bettwäsche oder Schlafsäcken (durch das Zerdrücken der Tiere)

  • Häutungsreste oder (tote) Tiere in Ritzen

  • sichtbare Wanzen: etwa stecknadelgroß und größer, rotbraun, oval

  • juckende Stiche in Reihen oder Gruppen (können, müssen aber kein sicherer Hinweis sein – auch Mücken oder Flohstiche ähneln diesen Spuren).

Wichtig: Bei Verdacht oder sichtbarem Befall sofort das Hüttenteam informieren damit umgehend kontrolliert und – falls nötig – gehandelt werden kann.

Was Bettwanzen mit uns machen – und was nicht

Das Gute: Bettwanzen übertragen keine Krankheiten, ihre Stiche sind schmerzfrei. Der Speichel der Bettwanzen kann allerdings starken Juckreiz auslösen, manchmal auch mit roten Quaddeln oder Blasen. Die unangenehmen Symptome können bis zu zehn Tage und mitunter länger anhalten, die Beschwerden lassen sich aber mit kühlenden Gels oder juckreizmindernden Cremes behandeln. Zu starken Reaktionen, die ärztliche Begutachtung brauchen, kommt es nur sehr selten.  

Zudem stellt das Umweltbundesamt umfangreiche Materialien zum Thema zur Verfügung:

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