Zwei Rucksäcke auf einer Bank vor einer Hütte
Alpinrucksäcke bieten vielfältigen Stauraum. Foto: DAV/Wolfgang Ehn
Alpinrucksäcke

Die 30-Liter-Klasse

Verbandspäckchen, Friends, Regenschutz, Wechselwäsche, Helm, Seil, Eispickel, Brotzeit. Damit mit kann, was mit muss, braucht es einen Rucksack. Wer kompromissbereit ist, findet sogar ein Exemplar, das für beinahe jede Tour taugt.

Wie groß soll ein Alpinrucksack sein?

Vielseitige Alpinrucksäcke liegen am Rücken an und haben ein Fassungsvermögen von 28 bis 35 Litern. Die Rückenlänge und der Schnitt (Frauenmodelle?) müssen zur persönlichen Anatomie passen. Ausführungen für kleinere Menschen mit kurzem Rücken haben oft ein bisschen weniger Volumen. Das ist aber kein Problem: Denn auch die zu verstauende Kleidung oder der Klettergurt sind dann ja kleiner. Die nötige oder er-tragbare Größe hängt außerdem von weiteren Faktoren ab, die abzuwägen sind. Dazu gehören die Körpergröße, die Schwierigkeit des Geländes, die Tourendauer und ob man Verantwortung für eine Gruppe trägt und deshalb besondere Ausrüstung mitnehmen muss (s. Abbildung).

Das Mensch-Tour-Verhältnis bestimmt die Rucksackgröße, persönlicher Anspruch und Geschmack die Ausstattung. Ripstop-Gewebe (Lupe) ist besonders robust. Illustration: Georg Sojer

Welche Bestandteile hat ein Alpinrucksack?

  1. Deckelklappe oder Rollverschluss

  2. Deckelfach

  3. Seilbefestigung

  4. Hauptfach, Zugang je nach Modell verschieden

  5. Kompressionsriemen, evtl. auch zur Skibefestigung

  6. Rückenteil, meistens gepolstert

  7. Schulterriemen, meistens gepolstert

  8. Brustgurt

  9. Pickelhalter

  10. Hüftgurt, bei manchen Modellen abnehmbar

Aus welchem Material besteht ein Alpinrucksack?

  • Hauptsächlich aus Kunstfasern wie Polyamid (Nylon, abriebfest) oder dem leichteren, UV-beständigeren Polyester. Die Garnstärke wird in Denier (D) angegeben: Ein Nylonfaden mit 650 D wiegt bei 9000 Metern Länge 650 Gramm.

  • Starke Garne bringen nicht zwangsläufig Robustheit; auch die Webtechnik spielt eine Rolle. Oft werden Ripstop-Gewebe verwendet, bei denen in regelmäßigen Abständen von 4 bis 8 Millimeter stärkere Fäden eingewebt sind, z.B. aus Aramid. Das erhöht die Reißfestigkeit. Solche Mischgewebe finden sich auch bei Ultraleichtrucksäcken (s. Abbildung).

  • Mittlerweile werden auch Verfahren aus der Verbundstofftechnik angewendet. Damit kann man sehr leichte Laminate erzeugen, etwa aus Polyester und Dyneema-Gittern; teilweise sogar wasserdicht.

  • Die meisten Materialien sind dank Polyurethanbeschichtung auf der Innenseite zumindest wasserabweisend. Die Nähte werden bei vielen Modellen verklebt. Für die Polsterung verwendet man oft EVA (Ethylen-Vinylacetat).

  • Recycelte Materialien bedeuten keine Funktionalitätsdefizite; einige Hersteller haben das erkannt.

Worauf sollte man beim Kauf achten?

  • Klärung des Einsatzbereichs: Hochtour, Alpinklettern, Wandern, Skitour, Eisklettern?

  • Anprobe im Geschäft mit Beladung (Seil, Kleidung, Wassersack): Passt die Rückenlänge?

  • Anprobe mit Regenschutzbekleidung/Hardshell: Rutscht der Träger?

  • Bei Bedarf Anprobe mit Klettergurt: Wie ist der Zugang zum Gurt? Konflikte mit dem Hüftgurt?

Wie viel wiegt ein Alpinrucksack und was kostet er?

Ein Alpinrucksack mit 30 Liter Volumen kostet etwa 100 bis 350 € und wiegt zwischen 500 g und 1500 g – je nach Material und Ausstattung. Modelle, bei denen man bestimmte Ausstattungselemente entfernen kann (Tragegestell, Hüftgurte, Polster), ermöglichen eine Gewichtsreduktion. Ultraleichte Rucksäcke verzichten ganz bewusst auf zusätzliche Extras.

Welche Ausstattungsextras gibt es?

  • Lageverstellriemen (s. Abb. Nr. 11) zur Regulierung der Lastverteilung zwischen Schulter- und Hüftgurt

  • Tragegestell für schwere Lasten: Alu-, Carbon- oder Kunststoffstreben im Rückenteil

  • Extrafach für Trinkblase + Ausgang für Trinkschlauch

  • Laschen zur Verwendung als Haulbag (= Materialsack zum Nachziehen bei schweren Klettertouren)

  • Materialschlaufen am Hüftgurt, geeignet für Hochtouren

  • Helmnetz

  • Externes Steigeisenfach

  • Befestigungsvorrichtungen für Wanderstöcke, Steileisgeräte, Schneeschuhe, Snowboard

  • Hüftgurtpolster, evtl. mit Reißverschlusstasche

  • Diagonale oder seitliche Skibefestigung

  • Regenschutzhülle

Was ist nach dem Kauf zu tun?

Bänder: Zu lange Bänder kürzen: Enden umschlagen und abnähen oder mit Sekundenkleber abkleben.

Packen: Längere Lebensdauer durch ordentliches Packen! Packlisten verwenden, Überflüssiges vermeiden, vor anspruchsvollen Touren Ausrüstung evtl. abwiegen (vgl. DAV Panorama 6/2018).

Reinigung:

  • Keine Waschmaschine!

  • Innenseite ausschütteln, aussaugen und mit einem feuchten Mikrofasertuch auswischen.

  • Außenseite mit lauwarmem Wasser abduschen, danach in Waschbottich oder Badewanne mit etwas chlorfreiem Feinwaschmittel einweichen. Bei starker Verunreinigung weiche Bürste verwenden.

  • Danach ausspülen, Schaumstoffteile ausdrücken, Hauptfach öffnen, Rucksack kopfüber aufhängen, ohne direkte Sonneneinstrahlung trocknen lassen.

  • Reißverschlüsse mit Silikonspray behandeln, ggf. Rucksack imprägnieren.

Ausbesserung:

  • Selbstklebende Flicken (z.B. Tear Aid Typ A) für kleine Löcher.

  • Bei größeren Schäden: Änderungsschneiderei oder Instandsetzung vom Hersteller.

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