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Panorama-Extras

Geschichten, Tipps und Kurioses für Sie gesammelt.

 
und

Wandern und Bergsteigen

  • Auf der Via Alpina vom Pyhrnpass zum Königssee

    In Heft 5/11 berichtete Evamaria Wecker über die Fernwanderung von Spital am Pyhrn zum Königssee auf der Violetten Route der Via Alpina. Hier finden Sie einige weitere Informationen zu den einzelnen Etappen. Ausführliche Beschreibungen des gesamten Violetten Weges bietet übrigens Weckers Buch (s.u.).

  • Alpenregion Tegernsee Schliersee - Von See zu See

    Die Reportage "Von See zu See" in der Ausgabe 5/11 von DAV Panorama schlägt drei Touren vor, die von der Ein-Tageswanderung über die Zwei-Tageswanderung bis zur Drei-Tagewanderung vom Tegernsee zum Schliersee führen. Hier sind die Toureninformationen wie Tourenverlauf, Gehzeit, Höhenmeter und die Hütteninfos für die Einkehr/Übernachtung zusammengestellt.

Panorama Leserreisen

  • Das alte Nepal neu entdecken

    nepal-leser-reise Nepal im Dialog: Muga Dhanpuri aus Kathmandu und Joachim Chwaszcza haben für PANORAMA eine vielschichtige und facettenreiche Nepalreise zusammengestellt, die nicht nur den Erfahrungsschatz aus vier Jahrzehnten Nepal und einer langjährigen Freundschaft birgt, sondern mit dem komplett integrierten CO2-Ausgleich und einem Beitrag für den Nepalfond des DAV Summit Club einen neuen Weg geht.


Panorama Service

  • Hilfsorganisationen in Bergländern

    Hilfsorganisationen im Himalaya - hier können Bergsteiger Gutes tun

    In Panorama Ausgabe 4/2011 fand die Reportage "Hilfsorganisationen in Bergländern" großen Anklang. Wir bekamen aber auch viele Rückmeldungen von Organisationen und Einzelpersonen, die sich ebenfalls in diesen Ländern engagieren, aber in der Reportage nicht erwähnt wurden.
     
    Der Autor Rollo Steffens hatte in seiner Reportage ausdrücklich allen Hilfsorganisationen für ihren Einsatz gedankt und stellvertretend einige Beispiele hervorgehoben.
     
    In der folgenden Liste finden Sie viele weitere kleine und große Helfer, die sich für bessre Lebensbedingungen der Menschen in Nepal und Bhutan einsetzen.
     

Klettern

  • Go West - drei USA-Klassiker

    In DAV Panorama 5/11 berichtet Christian Pfanzelt über drei klassische Klettergebiete im Westen der USA: City of Rocks, Smith Rocks und Yosemite Valley. Hier kommen noch einige nähere Informationen und Webtipps.

  • Klettern auf La Gomera

    In Ausgabe 5/11 berichtete Rüdiger Steuer über die Klettermöglichkeiten auf der Kanareninsel La Gomera. Aus Platzgründen musste der Beitrag gekürzt werden. Hier der komplette Text mit ausführlicheren Informationen zu den Klettergebieten. Konkrete Interessenten berät der Autor auch gerne persönlich - wenden Sie sich zur Kontaktvermittlung an andreas[Punkt]dick[Klammeraffe]alpenverein[Punkt]de

 

Von Fegeweibern und steinernen Nonnen - Wandern und Klettern im Erzgebirge

Adventszeit und Winterzauber, Schwibbögen und Räuchermänner. Daran denken wir beim Stichwort Erzgebirge zuerst. Das sächsische Bergland ist aber auch ein Paradies für Wanderer und Kletterer.
 
Die Schwarze Pockau entspringt in den kargen Kammlagen des Erzgebirges. Einige Kilometer bildet sie die Grenze zu Tschechien, dann wendet sie sich nahe der Ortschaft Kühnhaide nach Norden. Hier beginnt - anfangs als sanfte, von dunklen Fichtenwäldern gesäumte Wiesenlandschaft - das malerische Schwarzwassertal. Hinter den letzten Häusern zweigt ein schmaler, von Menschenhand geschaffener Kanal vom Flusslauf ab: der Grüne Graben, ein beeindruckendes Zeugnis alter Bergbaukunst.
Bis zum zwölften Jahrhundert war das Erzgebirge kaum besiedelt. Es galt als abweisender Urwald, Miriquidi genannt. Mit ersten Silberfunden im heutigen Freiberg setzte seinerzeit das große "Berggeschrey" ein. Goldgräberstimmung herrschte, mächtige Bergstädte schossen wie Pilze aus dem Boden. Der Bergbau änderte das Landschaftsbild radikal, gab der Region ihren Namen und prägt sie bis heute. Der Grüne Graben ist eine technische Meisterleistung jener Epoche. Er versorgte die Stollen des Pobershauer Reviers mit Wasserkraft. Mit minimalem Gefälle schlängelt sich das Bauwerk parallel zum Talverlauf acht Kilometer durchs Gebirge.
Wanderer haben die Qual der Wahl. Der alte Fahrweg im Tal, der in früheren Zeiten als Handelsstrasse zwischen Böhmen und Sachsen diente, ist idyllisch und bequem. Der schmale Pfad entlang des historischen Wassergrabens hingegen führt gut befestigt durch teils abschüssige Bergflanken. Bis zur alten Steinbrücke, die im sonnigen Wiesengrund zum Picknick einlädt, ist zwischen Fluss und Graben zunächst kaum ein Höhenunterschied erkennbar. Doch das ändert sich bald. Das Tal wird nun wildromantisch: die Schwarze Pockau fließt an steilen Klippen vorbei, das Gestein ist moosbewachsen, sattgrüne Fichten säumen den Fluss. Der Kunstgraben verläuft hier bereits hoch über dem Tal am Hang entlang. Stellenweise musste der Wasserlauf als Tunnel durch den harten Fels getrieben werden. Welche Mühsal das mit den technischen Mitteln jener Zeit gewesen sein muss!
Ein felsiges Bollwerk im Talgrund zwingt den ungestümen Fluss durch eine enge Schikane. Steil ragt die mächtige Talseite des Nonnenfelsens sechzig Meter hoch auf. Hier und an der grazilen Katzensteinnadel haben Kletterer das Sagen. Lange Genusstouren dominieren das Geschehen. Das ist Kletterei für alle Sinne: Der dunkle, sonnenwarme Gneis ist griffig und rau. Es duftet nach Harz. Tief unten rauscht die Schwarze Pockau. Im Spätsommer strahlen die reifen Vogelbeeren mit den Kletterern um die Wette. Erfahrung im Umgang mit Klemmkeilen ist für einen unbeschwerten Vorstieg allerdings Voraussetzung. Nur in schwierigen Wegen sorgen einige Bohrhaken für zusätzliche Sicherheit.
Der Westgrat (2 SL, III+) bietet homogene Genusskletterei und ist so etwas wie der Stüdlgrat des Erzgebirges: ein abwechslungsreicher Klassiker und zugleich die längste Grattour weit und breit. Luftige Kanten und schmale Absätze prägen die Route. Vom Gipfel fällt der Blick auf eine kleinere Wand jenseits des Flusses. Die sagenumwobene Teufelsmauer ist besonders bei Kindern beliebt. Eine ebene Wiese und das nahe Flussufer verlocken zum Spielen. Einen Steinwurf entfernt wachsen Blaubeeren. Die Klettereien, allen voran der Mittelweg (IV), bieten Vergnügen für Groß und Klein.
Zwei abseits gelegene Massive, Goldkrone und Silberwand, runden das Angebot mit einer Vielzahl seriöser Routen jenseits des fünften Schwierigkeitsgrades ab. Wanderer am Grünen Graben genießen den Blick auf das Kletterrevier aus der Vogelperspektive. Von oben gleichen die Felsen einem bunten Ameisenhaufen, wenn an sonnigen Tagen dutzende Seilschaften unterwegs sind.
Weiter talabwärts werden die Wanderer auf der kühnen Felskanzel des Katzensteins mit einer erhabenen Aussicht belohnt. Vom gefürchteten Raubschloss auf der anderen Talseite aber ist nichts mehr zu sehen. Der Sage nach half den belagerten Raubrittern ein Fegeweib mit einem verhexten Besen, den Kanonenbeschuss der Angreifer abzuwehren. Erst die Segnung der Kugeln mit Weihwasser setzte dem diabolischen Treiben ein jähes Ende.
Raubritter und Kletterer sucht man an der langgestreckten Ringmauer vergebens. Stattdessen hoffen Naturschützer, in dem abweisenden Felsriegel bald wieder Wanderfalken anzutreffen. Die Schwarze Pockau weicht dem Hindernis in großem Bogen aus. Die Szenerie ist hier besonders wild und ursprünglich.
Den Abschluss des Schwarzwassertales bildet der Hintere Grund, ein Ortsteil der Gemeinde Pobershau. Die in unseren Breiten exotisch anmutende Lamafarm zieht Kinder sofort in ihren Bann. Eine Naturschutzstation vermittelt Wissenswertes über die einheimische Fauna und Flora sowie über geologische Eigenheiten des Naturschutzgebietes.
Dank des Grünen Grabens bieten sich Touren im Schwarzwassertal perfekt als Rundwanderung an. Mehrere Verbindungswege - kurz und bequem an der Steinernen Brücke, schweißtreibend auf dem Karrenweg nahe den Kletterfelsen und fast schon alpin anmutend unter dem Katzenstein – gestatten viele Varianten. Gleich, welchen Ausgangspunkt man wählt: Am Ende eines erlebnisreichen Tages lädt immer  ein gemütliches Wirtshaus zur Einkehr ein. Bei sächsischem Linseneintopf kehren die Kräfte schnell zurück und Pläne für die nächste Wanderung durchs Erzgebirge nehmen Gestalt an.
 
 
Ein Yeti im Erzgebirge
 
"Ein Stein, der bis in die Wolken ragt", gab dem Schloss Wolkenstein, das majestätisch über dem Zschopautal thront, seinen Namen. Das gleichnamige Städtchen mit schönen Renaissancegebäuden ist ein einladender Ort und idealer Ausgangspunkt für abwechslungsreiche Wanderungen.
Ein kurzer Spaziergang führt an mehreren Aussichtspunkten vorbei 80 Meter hinab zur Zschopau. Eng geht es dabei in der düsteren Wolfsschlucht zu. Nur Augenblicke später steht man im gleißenden Sonnenlicht unter mächtigen Gneisfelsen. Diese sind nicht nur schön anzusehen, sie laden auch zum Klettern ein. Kein Wunder, dass viele lange Routen hinauf Richtung Burg führen. Die Klettereien sind oft jüngeren Datums und Bohrhaken sind häufiger anzutreffen als im Pockautal, aber ganz ohne mobile Sicherungsmittel geht es auch hier meist nicht. Besonders lohnend ist die Verschneidungskletterei des Mittelweges (2 SL, VI-) an der Zentralwand.
Eine halbe Stunde Fußweg talabwärts ragen an den bewaldeten Hängen entlang des Flusses viele eindrucksvolle Felsen auf. Ein spannender Weg durchquert das steinerne Labyrinth, das als Wolkensteiner Schweiz bekannt ist. Am schönsten Aussichtspunkt, dem Dreibrückenblick, lassen sich bereits die vielfältigen Klettermöglichkeiten erahnen. Dank solider Absicherung wurden Sportklettereien wie die Startrampe (VI-) an der Dachwand, Südafrika (VII-) an der Brückenwand oder Herbst in Peking (VIII) am Aussichtsfels schnell beliebt.
Einen Popularitätsschub erhielt das Gebiet, als der DAV Chemnitz nicht nur die Massive rund um die Dachwand mit gut gesicherten Kletterrouten - besonders in gemäßigten Graden - erschloss, sondern auch fünf Übungsklettersteige einrichtete. Damit wurde ein ideales Ausbildungsareal geschaffen. Vereinsneulinge erleben hier ihre erste Abseilfahrt und lernen das Einmaleins der Knotenkunde.
Absolute Favoriten sind allerdings die jüngsten Eisenwege. Artist und Gratweg sind luftige Steige mit herrlicher Kraxelei in alpinem Ambiente. Der ungewöhnlichste Klettersteig ist zugleich der anspruchsvollste: An seiner Länge liegt es nicht, dass schon mancher Aspirant am Yeti verzweifelt ist. Beginnend mit einem plattigen Abstieg führt das Stahlseil durch eine kompakte Wand neben einem Wassergraben. Nach einer delikaten Querung direkt über dem kühlen Nass folgt der steile Abschlussüberhang mit kräftigen Zügen.
Für Wanderer ist die Wolkensteiner Schweiz nur ein erstes Etappenziel. Wunderbare Wege führen im Zschopautal in anderthalb Stunden zur romantischen Burg Scharfenstein. Vom Bergfried öffnet sich ein freier Blick über das Tal. Ein liebevoll eingerichtetes Museum erzählt von der Entstehungsgeschichte erzgebirgischer Holzspielwaren. Im zeitigen Frühjahr ist der Abstecher durch das Heidelbachtal eine gute Wahl. Dann bilden für kurze Zeit die Krokuswiesen von Drebach ein beeindruckendes Blütenmeer, das alljährlich viele Naturliebhaber anlockt.
Ende Juni herrscht in der Wolkensteiner Schweiz garantiert Hochbetrieb. Der DAV Chemnitz feiert hier traditionell die Sommersonnenwende. Ausdauernde Wanderer nehmen dann den weiten Weg von Chemnitz unter ihre Sohlen und Kletterer bevölkern jeden Felsen. Am Abend finden sich alle gemeinsam auf einer idyllischen Lichtung ein. Am Lagerfeuer wird die Gitarre ausgepackt und Geschichten über wilde Klettertouren machen die Runde.
 
Das "Dicke Ende" naht
 
Zwischen Zwönitz und Ehrenfriedersdorf erstrecken sich in 700 Metern Höhe ausgedehnte Wälder, die im Winter als Langlaufrevier beliebt sind. Darin eingebettet liegt der Greifenbachstauweiher, der an heißen Sommertagen zum Baden einlädt.
Unweit davon ragen die Greifensteine (732 m) über die Baumwipfel empor. Sechs der ehemals 13 Granitfelsen fielen in alten Zeiten Steinbrechern zum Opfer. Eine der verbliebenen Felsnadeln ist touristisch erschlossen. Von der Aussichtsplattform reicht der Blick zum böhmischen Keilberg (1244 m) und zum sächsischen Fichtelberg (1214 m), den höchsten Erhebungen des Erzgebirges. Weitere Berge fallen ins Auge: Hirtstein (891 m) und Scheibenberg (807 m) sind vulkanischen Ursprungs, weisen interessante Basaltstrukturen in Form von Fächern und Säulen auf und sind aussichtsreiche Wanderziele.
Die übrigen Greifensteine bilden die romantische Kulisse für eine Naturbühne, die im Sommer Schauplatz für Theatervorstellungen ist. Um 1910 begann die klettersportliche Erschließung der bis zu 25 Meter hohen Felstürme. Das Granitgestein ist sehr fest. Bauchige Felsstrukturen sind durch die sogenannte Wollsackverwitterung entstanden und geben den Greifensteinen ihre unverwechselbare Silhouette. Die Absicherung ist vergleichbar mit jener im Schwarzwassertal. Viele der mehr als 100 Kletterwege sind bereits Klassiker, so auch das Dicke Ende (V) am Seekofel: eine Rissreihe zieht hier durch eine kompakte Wand. Der Name verrät es: die Crux kommt zum Schluss - in Form eines feinen Fingerrisses. Nichts für klaustrophobisch Veranlagte ist das Schneiderloch (III-) am Turnerfels: Spätestens wenn der Brustkorb festklemmt, verflucht man, dort eingestiegen zu sein.
Nach dem Klettern lohnt ein kurzer Abstecher zur Stülpnerhöhle. Auch die Binge in Geyer, der Krater eines eingestürzten Zinnbergwerks, ist einen Besuch wert. Sogar in erzgebirgische Redensarten haben die Felsen schon Einzug gehalten, wenn es heißt: "Das ist ja älter als die Greifensteine".
 
 
Informationen
Die vorgestellten Wander- und Klettergebiete liegen maximal eine Fahrstunde voneinander entfernt und befinden sich in der Nähe der sehenswerten Bergstädte Annaberg-Buchholz und Marienberg, etwa 30 bis 40 Kilometer südlich von Chemnitz. Chemnitz liegt an den BAB 4 und 72. Von dort bestehen ins Zschopau- und ins Pockautal Zugverbindungen mit der Erzgebirgsbahn. Fahrzeit ab Chemnitz circa eine Stunde. Der kürzeste Zustieg zu den Felsen im Schwarzwassertal erfolgt vom Parkplatz am Katzenstein über den Grünen Graben und den Karrenweg.
Im Herbst 2009 eröffnete der CVJM die erste Kletterhalle im Pockautal. 600 m2 Kletterfläche bietet die "Kletterwelt Erzgebirge" in der Strobelmühle.
Die Greifensteine befinden sich zum großen Teil im Gelände der Naturbühne, bei Veranstaltungen ist das Klettern nur eingeschränkt (Rufen und Lärm vermeiden) an zwei von sechs Felsen möglich. Gaststätte und Parkplatz befinden sich in unmittelbarer Nähe. Am Greifenbachstauweiher gibt es einen Campingplatz.
Die Benutzung von Magnesia ist in den genannten Gebieten nicht gestattet. Steinbrüche im oberen Schwarzwassertal und unterhalb der Wolkensteiner Schweiz (gegenüber vom Bahnhof Warmbad) ermöglichen im Winter das Eisklettern.
Ein aktueller Kletterführer für Westsachsen:
Frank R. Richter
Sportklettergebiete in Sachsen
Teil 2 – Westteil
Verlag Jäger
Erschienen 2007, 22 €, 360 Seiten