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Bücherberg

Peter Brunnert: Bernd Arnold. Barfuß im Sand

Biographie

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Wenige Menschen haben das Klettern so geprägt wie Bernd Arnold – aus seiner Domäne Elbsandstein heraus hat er die Freikletterbewegung weltweit inspiriert. Die wichtigsten Jahre, vom Anfang an, zeichnet Peter Brunnert in dieser einfühlsamen Biografie nach. Bernd Arnold ist so einer, den man eine lebende Legende nennen könnte: Mehrere Jahrzehnte lang hat er das Klettern im Elbsandsteingebirge vorangetrieben, mit Riesentalent und brennender Leidenschaft – obwohl er nebenher noch eine Druckerei führte und eine Familie hatte. Peter Brunnert hat in „Ein Grenzgang“ schon eine der spannendsten Episoden seines Lebens geschildert, die Karakorum-Expedition mit einem nur knapp überlebten Unfall. In „Barfuß im Sand“ schildert er den ersten Teil von Bernds Leben, von der Kindheit bis zur Sachsen-Legende.   So bedächtig, wie der Bernd selber als Erzähler ist, lässt der Autor sich die Geschichte entwickeln – eingepackt in eine Rahmenhandlung der persönlichen Begegnungen, in denen die beiden alten Freunde Bernds Leben zum Gesprächsthema machen. Denn auch wenn seine Leidenschaft und sein Ehrgeiz ihn später an die schwierigsten Wände der Welt führen sollten: Seine Heimat im Elbsandsteingebirge hätte er nie aufgegeben, und dort mit Freunden zu sein, war ihm immer genau so wichtig wie seine sportlichen Erfolge. Erlebnisse zu teilen war ihm so wertvoll wie sie selber zu haben. Und ohne ein Netzwerk verlässlicher Begleiter, Helfer und Sicherer wären seine Erstbegehungen kaum möglich gewesen. So wird man auch als Leser von Anfang an Teil dieser großen Seilschaft, angetrieben von einem Vorsteiger mit unendlicher Begeisterung und Tatkraft. 

Carmen Rohrbach: Mein Blockhaus in Kanada

Reisebericht

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Mit fast siebzig Jahren erfüllt sich Carmen Rohrbach ihren großen Traum: einen Winter lang will sie allein in Kanada überstehen. Einfühlsames Reisebild aus wildschöner Umgebung. Es gibt Träume, die hat fast jeder mal geträumt: eine Wüste oder einen Ozean durchqueren, einen Achttausender besteigen oder natürlich: allein sein in Kanada! Der hohe Norden Nordamerikas ist ein Sehnsuchtsort, wild und fast menschenleer. Die Tiere hier sind nicht alle niedlich und süß, es gibt Wölfe und Grizzlybären – und Romantik ist eben immer noch a bissi romantischer, wenn sie mit ein wenig Risiko gewürzt wird. Das Frontier-Feeling der amerikanischen Siedler ist hier noch lebendig, ohne dass man Ureinwohner behelligen oder verdrängen würde: Hier oben war es eben schon immer sehr einsam.   Carmen Rohrbach wurde 1948 in Bischofswerda in Sachsen geboren, ein Fluchtversuch über die Ostsee endete im Gefängnis. Nach zwei Jahren wurde sie frei gekauft, ihre Freiheitsliebe war damit nicht gestillt. Die promovierte Verhaltensforscherin unternahm Weltreisen, immer allein, machte sich über die Jahrzehnte einen Namen als Reiseautorin. Aber ein ganz großer Traum, der war noch übrig: allein in Kanada einen Winter verbringen. Also sucht sie, als gäbe es nichts Selbstverständlicheres, nach einem geeigneten Blockhaus und bricht auf ins Abenteuer. Dass sie zu diesem Zeitpunkt schon fast siebzig ist: Nebensache. Und das abgenudelte Lied "Seht her, eine FRAU, die wilde Sachen macht " gehörte ohnehin noch nie zu ihrem Repertoire. 

David Lama: Sein Leben für die Berge

Autobiographie

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Am 16. April starb Davd Lama zusammen mit Hansjörg Auer und Jess Roskelley beim Abstieg von einer schweren Mixedroute am Howse Peak in Kanada. Er war 28 Jahre alt. Und hat doch in den Annalen des Bergsteigens einen markanten Platz. Mit der freien Begehung der „Kompressorroute“ am Cerro Torre 2012, live gefilmt von einem Team am Gipfel und aus dem Hubschrauber, brachte er einen Höhepunkt der Alpinismusgeschichte in die Öffentlichkeit der Kinos. Er war ein medientauglicher Star und Sonnyboy, er war ein nahezu autistisch konzentrierter Perfektionist, er war ein romantischer Träumer, der in rustikalen und vogelwilden Eskapaden in den hintersten Tiroler Tälern mindestens so glücklich war wie auf dem Weltcup-Siegerpodium.   Zwei Bücher hat David Lama hinterlassen, aufgeschrieben vom Journalisten Christian Seiler. In „High“ schildert er seinen Werdegang vom hochbegabten Wunderkind, über die Arena der Kletterweltcups hinaus in die freie, gefährliche, begeisternde Welt des Bergsteigens. „Free“ beschreibt sein alpinistisches Erwachsenwerden, seinen Reifungsprozess an der Riesenaufgabe Cerro Torre. Wo er zuerst blauäugig, grünschnäbelig in einen Shitstorm läuft, weil sein Kamerateam zusätzliche Bohrhaken setzt. Und wo er beim dritten Versuch im dritten Jahr sein Traumziel in bestem Stil verwirklicht, obwohl direkt vorher eine andere Seilschaft die seit Jahrzehnten umstrittenen Bohrhaken des Erstbegehers abgeschlagen hat. Einige Artikel und Kolumnen aus der Zeit danach runden den dicken Band ab. 

Tom Dauer: Kurt Albert

Biographie

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Er hat den Rotpunkt erfunden und Marksteine des Freikletterns gesetzt. Was für ein Mensch Kurt Albert war, dem spürt dieses Buch mit Feingefühl und Überblick nach – so weit es geht. Allein wegen des vorletzten Absatzes wäre dieses Buch schon lesenswert: „Kurts Leben steht stellvertretend für alle, die mit Lust und Leidenschaft da sind. Die an jedem Tag etwas erleben wollen, das sie nicht vergessen. Denen das Tun wichtiger ist als das Sein, und das Sein wichtiger als der Schein. Die Sinn im Sinnlosen finden und Nebensachen als Hauptsache betrachten. Die sich frei fühlen. Und deshalb frei sind.“   „Frei denken – frei klettern – frei sein“ hat Tom Dauer als Untertitel gewählt für seine Biografie von Kurt Albert, die zum Teil auf Skizzen für eine Autobiographie beruht, und auf vielen Gesprächen mit Verwandten, Freunden, Weggefährten. Kurt Albert hat den Rotpunkt erfunden und damit der weltweiten Freikletterbewegung in den 1970er Jahren ein bis heute gültiges Symbol geschenkt. Den roten Punkt pinselte er an die Einstiege von Kletterrouten im Frankenjura, die er ohne Haken als Kletterhilfe begangen hatte. Von dort trug er ihn in die Berge der Welt, und hinterließ reihenweise Marksteine dieses aufblühenden Sports: Westliche Zinne „Schweizerweg“ rotpunkt, Schüsselkarspitze „Bayerischer Traum“, „Eternal Flame“ am Trangoturm, „Riders on the storm“ und „Royal Flush“ in Patagonien, und viele weitere wilde Wände in den abgelegensten Winkeln der Erde. 

Berge für die Wand

Kalender

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Wessen Leidenschaft für die Berge und alles, was man dort unternehmen kann, brennt, der lässt sich gerne zuhause daran erinnern. Eine kleine Auswahl aus der Vielfalt von Kalendern fürs nächste Jahr – für die eigene Wohnung und natürlich auch als Geschenk.

Marie G. Rohde: Unheimliche Umweltmonster

Umweltbuch

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Der Kampf um die Rettung der Welt als Fantasy Game gegen fiese Monster, die oft im Teamwork Menschen, Tiere und Landschaften zerstören. Eine pfiffige Idee, die auch grafisch ansprechend umgesetzt wurde. „SOS. Unter uns leben Monster … sie verursachen Stürme, lassen Seen austrocknen und vertreiben Tiere.“ Im Fantasy-Stil beginnt dieses Buch: Die Exzesse unseres Wirtschafts- und Lebensstils werden verkörpert durch Gruselgestalten aus den Sagen und Horrorfilmen der Welt. Da gibt es den rüpelhaften Rodungsriesen, die würgende Straßenviper, den breichreizerregenden Smogosaurus, den müffelnden Müll Kong oder die verhängnisvolle Algenplage.   Jedes dieser fiesen Viecher wird auf einer fantasievoll illustrierten Doppelseite vorgestellt: mit einem kurzen Text dazu, woraus das Monster seine Stärke zieht, wie es sich mit anderen verbünden kann und wie es auf uns und die weitere Umwelt einwirkt. Eine kleine Abbildung zeigt das namensgebende Original-Ungetüm, und eine Karte im Videospiel-Look zeigt Icons dazu, wie man das Monster stärken kann – oder auch schwächen. 

Corinna Wieja: Mein grünes Tagebuch

Umweltbuch

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Die (Um)Welt ist bedroht – ja. Man sollte was tun – ja. Dass aus Einsicht auch Taten werden, dazu kann vielleicht dieses Buch beitragen. Einsicht in die Bedrohung unserer Lebensgrundlagen ist das eine. Bereitschaft, selber aktiv zu werden, das nächste. Endlich anfangen, darauf kommt es an. Zum Glück ist das gar nicht so schwer, wie man vor dem Ziel „Rettung der Welt“ fürchten könnte. Schon mit Kleinigkeiten kann man einen Unterschied machen – und viele Kleinigkeiten summieren sich.   Unter dem Motto „Mein grünes Jahr“ hat die Autorin ihr „grünes Tagebuch“ nach Monaten gegliedert und gibt jeweils, passend zur Jahreszeit, Hintergrundinfos, Tipps zu Nachhaltigkeit und Reduktion des Fußabdrucks oder auch ressourcensparende Bastelideen. So geht es im dunklen Januar um Tipps zum Stromsparen, im März (22. März = Weltwassertag) wird Wasser gespart, der Mai bringt Bastelanleitungen für Insektenhotels, im September wird Müll vermieden, getrennt und zu Drachen, Laterne oder Windspiel verbastelt. 

Rachel Ignotofsky: Unser verblüffender Planet Erde

Umweltbuch

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So hätten wir es in der Schule gerne gelernt: Ausgewählte Ökosysteme der Erde und ihre Zusammenhänge, mit klugen Texten und hübschen Illustrationen dargestellt – wer die Erde nicht schon liebt, könnte hier Feuer fangen. Biologieunterricht auf begeisternde Art oder eine Hymne auf die Schönheit der Welt? Dieses Buch ist beides. Welch einzigartige, vielfältige Heimat unser blauer Planet bietet, zeigt die Autorin in sympathischen, fein gearbeiteten Zeichnungen und kundigen Texten.   Im ersten Teil macht sie bio-ökologische Zusammenhänge greifbar und verständlich: Ökosystem, Energiefluss, Taxonomie – wissenschaftliche Fachbegriffe verlieren ihre Sperrigkeit, wenn man eine Stechmücke bei der Arbeit sieht. Das ganz große Herzstück des Buchs sind 33 Doppelseiten zu verschiedenen Ökosystemen der Erde: Redwoodwälder, Great Barrier Reef, die Sahara oder auch die Alpen. Zu jedem sind in einem Einmachglas die Lebensräume und ihre Tierpopulation illustriert, ein Text erklärt die Besonderheiten und Zusammenhänge, und weitere Kästen stellen einzelne Tierarten, Besonderheiten und die „größte Bedrohung“ und „größte Leistung“ dar. In den letzten zehn Kapiteln skizziert die Autorin die Stoffkreisläufe der Erde und den Einfluss des Menschen; dann gibt es noch Glossar und Quellennachweis. 

Esther Gonstalla: Das Klimabuch

Umweltbuch

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Allen Leugnern des Klimawandels möchte man dieses Buch schenken – aber auch denen, die vor der drohenden Katastrophe den Kopf in den Sand stecken möchten. Es zeigt mit gelungenen Infografiken die Zusammenhänge, und dass Rettung möglich ist. „Ich hoffe, das Buch wirkt wie ein Blasebalg, der die legitime Empörung in der Gesellschaft weiter anfeuert und die Allianz mit der Wissenschaft befeuert“, schreibt Prof. Hans Joachim Schellnhuber, einer der anerkanntesten Klimaforscher weltweit und ein engagierter Kämpfer für eine Wende weg von der ungebremsten Klimakatastrophe hin zu einer Welt, in der ein gutes Leben für alle Menschen langfristig möglich ist.   Wer eine Wende will, braucht Informationen. Dieses Buch stellt sie bereit: kompetent ausgewählt, verständlich formuliert, mit attraktiven Grafiken leicht verdaulich und ansprechend präsentiert. In vier Kapitel gliedern sich die 50 Grafik-Doppelseiten: In „Klima und CO2“ gibt es allgemeine Hintergründe: Über Sonnenstrahlung, den Treibhauseffekt, Emissionen und Senken, Kippunkte des Klimasystems… „Klimatreiber Mensch“ klärt über Emissionen von Staaten und Gesellschaftsbereichen auf (etwa dass der weltweite E-Mail-Verkehr sieben Millionen Autos entspricht), über ihre Reduktionsziele und die großen Sünden wie Regenwaldabholzung. Die „Weltweiten Auswirkungen“ sind eigentlich bekannt, hier überzeugend zusammengestellt, von Gletscherschmelze über Wetterextreme und Rückgang der Artenvielfalt bis zu Massenflucht-Bewegungen. Doch es gibt auch „Lösungsansätze“, um die Katastrophen einzudämmen – von den großen politischen Linien bis zu den persönlichen ersten Schritten reichen die vorgestellten Visionen für eine gerettete Zukunft. 

Hagn/Patschorke: Vom kleinen Eisbären …

Umweltbuch

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Die Kinder von heute werden die Folgen des Klimawandels wesentlich härter zu spüren bekommen als wir. Ein hübsches Vorlesebuch bringt ihnen die Zusammenhänge und möglichen Gegenmaßnahmen auf nette Art näher. Der kleine Eisbär lebt am Nordpol und spielt für sein Leben gern Fußball auf dem Eis. Aber in diesem Winter gefriert es nicht richtig, so dass der Tormann einbricht und ins Wasser fällt. Auch das Abendessen schmeckt nicht toll: nur Seetang, denn die Robben erwischt man nicht, wenn es kein Eis hat. Was tun?   Der kleine Eisbär schreibt Briefe an die Tiere in aller Welt: Den Koala, dessen Eukalyptusblätter zu trocken sind, weil er ständig das Licht brennen lässt. Den Truthahn in Kanada, der sich Erdbeeren einfliegen lässt. Den Tiger im Urwald mit seinem stinkenden Motorrad. Den Elefanten, den Hasen, den Pinguin, den Ara – und jedes Tier hat eine Idee, wie es zu weniger warmer Luft beitragen kann. Ob es reicht, damit die nächste Fußball-Wintersaison gerettet ist? 

Neue Kletterführer

Stoff zum Greifen

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Wieder einmal haben sich einige Kletterführer in der Redaktion des Bücherbergs angesammelt – Neuauflagen, teils mit neuem Zuschnitt, und komplett Neues. Ein Überblick.

David Wallace-Wells: Die unbewohnbare Erde

Sachbuch

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"Armageddon kommt, oder ist in vollem Gange…" Akribisch recherchiert und drastisch geschildert macht dieses Buch klar, warum es täglich höhere Zeit wird, endlich weltweit und energisch gegen den Klimawandel aktiv zu werden. "Es ist schlimmer, viel schlimmer, als Sie denken."   David Wallace-Wells, stellvertretender Chefredakteur des New York Magazine, erreichte 2017 mit einer Titelgeschichte über die Folgen des Klimawandels Millionen Leser. Denn er scheut sich nicht, nach gründlicher Recherche die Fakten schonungslos zu präsentieren und dafür markige Worte zu wählen, wie etwa, wir seien "eine Zivilisation, die sich in eine selbstmörderische Gaswolke hüllt, ähnlich einem laufenden Motor in einer verschlossenen Garage."   In diesem Buch breitet er seine Erkenntnisse ausführlicher aus, mit fast 700 Fußnoten geradezu wissenschaftlich exakt dokumentiert. Er belegt die "Elemente des Chaos", die verschiedenen Auswirkungen der Klimakatastrophe: Hitze, Hunger, Ertrinken, Flächenbrand, Wassermangel, sterbende Meere, Seuchen und ähnliches – eine apokalyptisch-bedrohliche Auflistung. Man mag ihm vorwerfen, dass in der Anhäufung von Zahlen und journalistisch geschilderten Schicksalen der Gesamtzusammenhang verlorenzugehen droht. Wenn sein Ziel ist, seine Leser spüren zu lassen, wie vielfältig, umfassend und massiv die Konsequenzen unseres Verhaltens sein werden, erreicht er es gerade dadurch. 

Hartmut Rosa: Unverfügbarkeit

Sachbuch

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"Die Welt ist mir stumm und taub." Depression und Burnout, die Seelenkrankheiten unserer Zeit, drohen ausgerechnet dann, wenn alles erreichbar, beherrschbar, nutzbar ist. Unverfügbarkeit ist der Schlüssel zu heilsamer "Resonanz" – diese These entfaltet der Soziologe Hartmut Rosa in diesem Buch. "Unablässig versucht der moderne Mensch, die Welt in Reichweite zu bringen: Dabei droht sie uns jedoch stumm und fremd zu werden: Lebendigkeit entsteht nur aus der Akzeptanz des Unverfügten." Hartmut Rosa ist einer der inspirierendsten Denker unserer Zeit. Sein Konzept der "Resonanz", des Einswerdens mit einem größeren Ganzen, ist ein heilsames Gegenmodell zum "immer mehr" der Wachstumsgesellschaft.   In diesem "Versuch", wie er das dünne, aber mit Ideen vollgepackte Taschenbuch nennt, analysiert er eine weitere Kehrseite unserer kapitalistischen Gesellschaft: ihre aggressive Grundhaltung zur Welt. "Alles, was erscheint, muss gewusst, beherrscht, erobert, nutzbar gemacht werden." Der Körper muss optimiert funktionieren, die Karriere muss passen, selbst Freizeit und Liebe werden (oft digital) gesteuert, kontrolliert und maximiert. Als Maxime der Wachstumsgesellschaft führt dieser Drang der "Verfügbarmachung" zu den Bedrohungen und Katastrophen, denen wir uns derzeit gegenübersehen.   Den Prozess des Verfügbarmachens unterteilt Rosa in vier "Dimensionen", man könnte auch Schritte sagen: sichtbar machen – zugänglich machen – beherrschbar machen – nutzbar machen. Ziel dieser ständigen Umwandlung von Dingen und Wissen in Mittel zum Zweck sei eine ständig zu steigernde "Weltreichweite". Doch dieses Programm mache uns nicht glücklich, formuliert er dann als Hauptthese – im Gegenteil: "Die … verfügbar gemachte Welt scheint sich uns auf geheimnisvolle Weise zu entziehen und zu versperren … erweist sich als bedroht und bedrohlich gleichermaßen." Frustration und Daseinsangst seien Folgen dieses "Weltverlustes". 

Manfred Folkers, Niko Paech: All you need is less

Sachbuch

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Eine Kultur des „Genug“ – das bedeutet nicht Verzicht, sondern Gewinn an Entspanntheit und Lebensqualität. Und eine Überlebenschance für die überheizte Menschheit. Ein Buddhist und ein Ökonomieprofessor beleuchten diese Vision aus zwei Perspektiven. „Es entspräche einem überfälligen Verständnis von Gerechtigkeit, nicht die Armen durch eine ökologisch ruinöse Aufholjagd an die Reichen heranzuführen, sondern umgekehrt die Reichen auf ein verantwortbares Maß zurückzuführen.“ Niko Paech, Professor an der Uni Siegen, liebt provokante Formulierungen. Mit seiner „Postwachstumsökonomie“ hat er viele begeisterte Anhänger gefunden. Für sein neues Buch hat er sich mit dem Dharma-Lehrer Manfred Folkers zusammengetan – gemeinsam zeichnen sie eine Utopie, die nicht nur als Chance gegen die Klimakatastrophe zu verstehen ist, sondern vor allem als Hoffnung auf ein gelingendes Leben.   „Für Niko ist Suffizienz eine ökonomische Theorie der Genügsamkeit. Für mich besteht das praktische Ergebnis eines achtsamen Lebens in einer Kultur des Genug, die gekennzeichnet ist von Mitgefühl, Zufriedenheit, Integrität und Engagement. Auch in der Betonung der Wichtigkeit des einzelnen Menschen stimmen wir überein, ebenso in der Analyse, dass die Lage der Menschheit brisant ist.“ So skizziert Manfred Folkers in einem einleitenden, moderierten Gespräch die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu seinem langjährigen Freund und Weggefährten. In seinem Beitrag zum Buch macht er klar, dass es ihm vor allem um den Menschen geht – der natürlich in einer überlebensfähigen Welt stehen sollte. „Die Suche nach behutsamen Formen des sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Miteinanders sollte allerdings nicht aus Furcht vor dem Crash, sondern aus der Attraktivität der neuen Perspektive entstehen.“ Die Haltung „genug“ drückt für ihn kein Nein aus, sondern ein Ja.   Folkers verweist auf die „Drei Wege zum Leiden“, die Buddha umschrieben habe mit den Begriffen Gier, Hass und Täuschung. In unserer kapitalistisch-konkurrenzbasierten Wirtschaft findet er diese Phänomene wieder als Wachstum, Wettbewerb und Folgenleugnung. Gegen diese „drei Peitschen des Mehrungssystems“ skizziert er seine Strategien.   Gier macht nicht glücklich, sondern hält gefangen im Hamsterrad des immer-mehr-Wollens. Eine Haltung des „genug“ befreit von diesen gesellschaftlichen Zwängen; der Weg dazu ist vor allem Suffizienz. Konkurrenz sieht den Mitmenschen als Gegner und verhindert Gemeinschaft. Wer in grundsätzlicher Zufriedenheit mit seiner Situation leben kann, hat die Chance, durch Kooperation in Solidarität und Toleranz gute Beziehungen mit seinen Mitmenschen zu genießen. Verblendung entsteht durch Werbung und medialen Druck und entfremdet den Menschen von seinen eigenen Bedürfnissen; durch Achtsamkeit dagegen könne man ein gutes Leben in Bewusstheit und Integrität erreichen.   Für den Weg zum Glück benannte Buddha vier wertvolle Eigenschaften: liebende Güte, Mitgefühl, Freude und Gleichmut. Sie helfen zu einer „persönlichen Balance des Strebens nach Glück und der Einsicht, Teil des Ganzen zu sein“. Und daraus ergibt sich die Antwort auf die Frage nach der Suffizienz: Wer ein „genug“ findet, befreit sich aus Druck und Getriebenheit. 

Marcel Hänggi, Null Öl. Null Gas. Null Kohle

Sachbuch

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Um menschliches Überleben langfristig möglich zu halten, müssen die Staaten das 1,5-Grad-Klimaziel von Paris zu erreichen. Dieses Buch erklärt, warum das so ist, und wie ein politischer Weg dorthin aussehen könnte – den der Autor selber zu bahnen versucht. Viele reden vom Klimawandel (wenn Corona nicht wäre), aber wer tut wirklich etwas ausreichend Wirksames dagegen? Der Schweizer Journalist Marcel Hänggi hat sich engagiert – obwohl er damit gegen den journalistische Leitsatz verstößt, ein Journalist solle sich mit keiner Sache gemein machen, auch nicht mit einer guten. Mit einer einleuchtenden Begründung: „Um es pathetisch zu sagen: Wenn die Sache die Rettung der Welt ist, will ich mich mit dieser Sache nicht nicht gemein machen.“   Sein Weg ist ein Volksbegehren, für das er in der Schweiz bis Anfang 2020 schon über 110.000 Stimmen gesammelt hatte. Die Forderung: Ab 2050 wird in der Schweiz kein fossiler Kohlenstoff mehr in Verkehr gebracht, null Öl, null Gas, null Kohle verbrannt. Der Weg zu diesem Ziel ist nicht festgelegt, da haben Forschung, Technik und Sozialwesen freie Hand für kreative Lösungen. Zur Vermeidung extremer wirtschaftlicher Nachteile sollen Ausgleichsmaßnahmen bestehen.   Weltfremd? Übertrieben? Unzumutbar? Hänggi argumentiert bestens recherchiert und dokumentiert, mit vielen Fußnoten und langem Literaturverzeichnis. Und macht klar, dass die Forderung sogar noch als gemäßigt gelten könnte. Denn der WWF Schweiz hat ausgerechnet, dass die Schweiz schon bis 2038 von Öl, Gas und Kohle wegkommen müsste, um das 1,5-Grad-Ziel des Pariser Klimaabkommens einhalten zu können. Was nichts anderes wäre, als ein völkerrechtlich verbindliches Versprechen einzuhalten.   Dass dies vielleicht nicht zur Rettung der Welt, aber zum Erhalt der menschlichen Zivilisation wie wir sie kennen, eine Mindestanforderung ist, stellt Hänggi im ersten Teil des Buches dar. Darin schildert er den Stand der Klimaforschung und die Konsequenzen von Nichtstun und Zögern. Interessant ist der Einblick in die Hintergründe: Wie etwa die Berichte des wissenschaftlichen Weltklimarates IPCC aus politischen Rücksichten sogar eher zurückhaltend formuliert wurden. Und welche politischen Machtspiele und Leugnungslobbys zu verhindern suchen, dass unsere globale Menschengemeinschaft auf einen Pfad einschwenkt, der ihr gutes Weiterleben ermöglichen würde. 

Michael Kopatz: Schluss mit der Ökomoral

Sachbuch

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Wenn die richtige Entscheidung die leichtere ist – dann öffnen sich Wege in eine enkeltaugliche Zukunft. Dieses Buch bietet dazu viele inspirierende Beispiele und macht klar: Nur politisches Engagement führt dorthin. „Arsch hoch! Du bist das Volk.“ Michael Kopatz hat keine Scheu vor klaren Worten. Der promovierte Politikwissenschaftler und Projektleiter am Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie ist überzeugt: „Unpolitische Ökos werden die Welt nicht retten.“ Viele Menschen wissen, wie sie sich besser verhalten könnten/sollten, um die Menschheit vor der selbstverursachten Klimakatastrophe zu retten. Viele wären sogar bereit, es zu tun. Doch „bei sich selbst anfangen, das möchten nur wenige“. Deshalb hält er politisches Engagement für wichtiger als privaten Konsumverzicht; es gehe darum, „die Verhältnisse zu ändern, nicht das Verhalten“.   Ziel dieser Veränderung ist sein politisches Konzept der „Ökoroutine“ – in seinen Worten: „Öko wird erst dann zum Normalfall, zur Routine, wenn sich die Strukturen ändern und sich nachhaltiges Verhalten besser anfühlt, cleverer.“ Wenn etwa Städte so umgebaut werden, dass man mit Fahrrad und Bus+Bahn besser, effizienter und angenehmer zurechtkommt als mit dem Auto: dann kann sich das durchsetzen – und die zunehmende Zahl von Radfahrern bestärkt die Politiker in ihren Entscheidungen.   Kopatz‘ Ökoroutine funktioniert über Standards und Limits. Standards müssen angehoben werden: transparent kommuniziert und in einem realistischen Zeitraum. Dazu gehören auch Beschränkungen etwa für Gifteinsatz in der Landwirtschaft oder Treibhausgas-Emissionen. Und es braucht Limits: etwa keine zusätzlichen Lizenzen für Flüge, Einfrieren auf Status Quo. Oder kein weiterer Straßenausbau, womöglich Umbau zugunsten von Rad und ÖV. Die Einschränkung unbegrenzter persönlicher Freiheit zum Wohle der Gemeinschaft ist Wesen und Aufgabe des Staates. Erfolgsbeispiele gibt es zuhauf: Hühnerhaltung, Katalysator, Standbyverluste von Elektrogeräten, Rauchverbot.   Nach der Vorstellung dieser Idee analysiert der Autor gesellschaftliche Strukturen, die enkeltaugliches Handeln behindern: etwa die von der Werbung getriebene Illusion, durch Konsum Anerkennung zu finden. Die „Erzählung“ von der „Macht des Verbrauchers“. Fake News und Lobbyismus. Oder den reflexhaften Verweis auf Arbeitsplätze – die aber theoretisch auch in sinnvolle Branchen verlagert werden könnten. So verdienen in der Braunkohleindustrie noch 20.000 Menschen ihren Lebensunterhalt, mit erneuerbaren Energien dagegen schon 360.000 – und trotzdem geht der Ausstieg so langsam? 

Christian Berg: Ist Nachhaltigkeit utopisch?

Sachbuch

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„Ein Leben im Einklang von Mensch und Natur“ – ist das fromme Märchenlyrik oder eine Vision, die wir zu Realität machen könnten? Dieses Buch zeigt auf, welche Barrieren der Utopie Nachhaltigkeit im Weg stehen, und mit welchen Handlungsprinzipien wir sie überwinden könnten. Der erste Bericht an den Club of Rome, „Die Grenzen des Wachstums“, war 1972 ein Weltbestseller: Über 12 Millionen Exemplare in über 30 Sprachen wurden verkauft. Das Buch stellte klar, dass auf dem begrenzten System Erde kein unbegrenztes Wachstum möglich ist (was viele Betriebswirtschaftler bis heute nicht kapiert haben) und kündigte an, dass die Menschheit die Grenzen des Planeten zwischen 2000 und 2100 überschreiten würde. Daraus entwickelte sich die politische Vision der „Nachhaltigkeit“, also nicht mehr Ressourcen zu verbrauchen, als im gleichen Zeitraum neu entstehen. Der Begriff wird heute oft wahllos missbraucht zur Schönfärbung von Greenwashing und oberflächlichen Maßnahmen. Die 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen von 2016 wirklich weltweit umzusetzen, ist dagegen die große Aufgabe der Menschheit, gerade im Blick auf die Klimakatastrophe und daraus entstehende Kriege. Dieses Buch – ein neuer „Bericht an den Club of Rome“ – will zeigen, wie die Aufgabe gelingen könnte. Damit eine Weltordnung, die auch unseren Enkeln ein gutes Leben erlaubt, nicht Utopie bleibt, sondern Möglichkeit wird.     Der Autor Christian Berg ist Professor für Nachhaltigkeit an der TU Clausthal und Präsidiumsmitglied im deutschen Club of Rome. In einem nach seinen Worten nie dagewesenen Ansatz bringt er Sichtweisen aus vielen Wissenschaftsfeldern zusammen für einen ganzheitlichen Ansatz – mit dem Ziel, diese Transformation wirklich zu machen. Dabei geht er davon aus, dass es nicht reicht, zu wissen, was zu tun wäre (Energie sparen, regenerative Energien nutzen) – es fehle uns an Konzepten zur Umsetzung dieser Erkenntnis; an Wegen in die neue Realität. Dazu sei ein Blick auf die systemischen Strukturen nötig, die oft Barrieren für den Übergang in ein Zeitalter der Nachhaltigkeit darstellen. Mit diesen befasst er sich in der ersten Hälfte des Buches. Denn Hindernisse (oder Widersprüche zwischen den „17 Nachhaltigkeitszielen“) sind leichter zu beschreiben als Lösungen. Zu diesen Barrieren, die nachhaltigem Handeln im Weg stehen, gehören "intrisische", also menschlich bedingte wie Verständnismangel, Kluft zwischen Werten und Handeln, Egoismus und Populismus. Und "extrinsische", also institutionell oder systembedingte in Wirtschaft, Politik, Recht und Technik. 

Franz Alt: Unsere einzige Erde

Sachbuch

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Die Erde ist schön – lasst uns sie erhalten, für Mensch und Tier. Diese Botschaft vermitteln der Journalist Franz Alt und der Fotograf Helfried Weyer mit ihrem Buch, einem Hymnus auf die Erde. Und sie zeigen auch: Es geht! "Gott, der Herr, brachte also den Menschen in den Garten Eden. Er übertrug ihm die Aufgabe, den Garten zu pflegen und zu schützen. Von Zerstörung war nicht die Rede!" Dieses ergänzte Zitat aus dem Buch Genesis stellt Franz Alt seinem Buch voran. Es ist eine auf christlichen Werten fundamentierende Hymne an die Schönheit der Schöpfung – und ein engagierter Aufschrei der Menschheit gegenüber, ihrer Verantwortung für diesen Lebensraum gerecht zu werden.   Als am meisten ausgezeichneter deutscher Fernsehjournalist ("Report") trägt Franz Alt im ersten Teil des Buchs Fakten zusammen, den Stand unseres wissenschaftlich belegten Verständnisses über den Zustand der Welt. Die, das macht Alt klar, von uns auf eine Zukunft hingetrieben wird, in der die Überlebensgrundlagen der Menschheit in Frage gestellt sind und tausende Arten ausgerottet. Als engagierter Christ stellt er diesen Fakten die ethische Bewertung entgegen, mit einem Hauptgebot in Zeiten der Globalisierung: "Kooperiere zum Wohle aller Menschen und aller Lebewesen." Liebe zur Schöpfung und Dankbarkeit sind für ihn Triebkräfte, um das Massensterben zu verhindern. 

Michael Mertel: Bayerische Voralpen

Führer

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Ein klassisches Konzept feiert Renaissance: Sämtliche Gipfel zwischen Loisach und Inn mit ihren Normalwegen in einem Buch. Wer kennt die Gipfel, nennt die Namen? Moderne Wanderführer sicher nicht: Das Konzept der Auswahl-Rezeptbücher hat die bewährten „Alpenvereinsführer“ abgelöst, die jeden Gipfel und alle bekannten Aufstiege verzeichneten – alpiner Geschichtsverlust. Michael Mertel setzt dieser Knowhow-Erosion seine Fleißarbeit entgegen: Wanderer, die gerne selbständig ihre Touren planen, auch um den kanalisierten Massen zu entgehen, finden hier „381 Berge zwischen Loisach und Inn“ mit ihren Wanderwegen und Pfaden. 

Thoma/Ducke: Tirol

Reiseführer

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Man muss ja nicht immer Bergsteigen. Für die Tage abseits der hohen Ziele haben zwei Reisejournalistinnen jede Menge Tipps für gute Zeiten in Tirol gesammelt. Tiroler sind grantige Sepplhutträger, die lästige Piefkes mit überteuerten Germknödeln und Jagatee abzocken? Vorurteile können täuschen. Empathisch geschriebene Wander- und Reiseführer helfen, damit aufzuräumen und mehr von Land und Leuten wahrzunehmen als nur die Oberfläche. Natascha Thoma und Isa Ducke liefern mit ihrem Reiseführer für Tirol nicht wirklich Bergtouren-Infos, eher Anregungen zum Kulturprogramm für Ruhetage. Doch man könnte sich glatt wünschen, dass der Urlaub genug solche beinhaltet – denn dem Buch ist anzumerken, mit wie viel Liebe, Akribie und Begeisterung die Autorinnen ihre Informationen recherchiert und zusammengetragen haben. 

Alean/Felber: Geologische Wanderungen

geologischer Führer

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Am Anfang war alles flach. Dann stießen die Kontinente Afrika und Europa aufeinander. Gesteinspakete wurden zusammengestaucht und übereinandergestapelt. Die Alpen entstanden. Wer sich mit den Details beschäftigen will, kann das mit Hilfe dieses Buchs vor Ort. Muschelschalen schimmern weiß im Schrattenkalk. Dunkle Fraßspuren von Meeresbewohnern ziehen sich durch den Untergrund. Und das auf rund 2000 Metern Höhe, am Pilatus, dem Luzerner Hausberg. Der aufmerksame Wanderer stößt aber nicht nur auf Fossilien. Gesteinsschichten haben sich übereinander geschoben und bizarre Felsformationen geschaffen. Wer die Berge der Alpen genau betrachtet, dem erzählen sie, wie sie entstanden sind. Wenn man weiß, worauf man achten muss. Den Unwissenden hilft dieses Buch. Der Geograph Jürg Alean und der Geologe Paul Felber sprechen von einer kontinentalen Knautschzone. In ihrem Führer „Geologische Wanderungen“ stellen sie 15 Routen in der Schweiz vor, auf denen interessante geologische Besonderheiten liegen, vom Tal der Verzasca bis zum Matterhorn-Gebiet. In ihren Texten beschreiben sie die Phänomene und erklären, was hier vor Jahrmillionen passiert ist. Warum manche Gesteine rot sind, welche Schichten in einer Bergflanke aus welcher Zeit stammen und vieles mehr. Der Leser lernt die drei Obergruppen Sedimentgesteine, magmatische Gesteine und metamorphe Gesteine kennen und erfährt, in welche Gruppen Gneis, Kalk und Marmor gehören. 

Rolf. K.F. Meyer: Wanderungen in die Erdgeschichte

geologischer Führer

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Wanderungen durch die Erdgeschichte: Schon 36 Bände zu diesem Thema hat der Pfeil Verlag herausgegeben. Diesmal führen die Touren entlang dem Bayerischen Alpenrand. Die Alpen sind das Ergebnis eines furchtbaren Zusammenstoßes: Seit sich die afrikanische Kontinentalplatte in die europäische bohrt, werden sie nach oben gequetscht. Verbogene, gefaltete, zerrissene Felspakete künden von diesem Vorgang – wenn man sie zu lesen weiß. Dem Bayerischen Alpenrand entlang führt dieses Buch seine Leser zu geologisch spannenden Zielen und schafft Verständnis mit Grafiken und Beispielfotos. 

Peter Rölke: Das nördlichste Böhmen

Führer

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Im Grenzland von Sachsen und Tschechien stellt dieser Führer 20 Touren vor – und schafft mit fundierten Hintergrundinformationen auch Verständnis für die Region. Den Hauptteil des Taschenbuches bildet eine Sammlung von 20 Tourenvorschlägen für leichte bis anstrengende Wanderungen im böhmischen Teil des Lausitzer Berglandes und des Lausitzer Gebirges. Die einzelnen Tourenvorschläge beginnen jeweils mit einer Übersicht: kurzer Einführungstext; Liste der wichtigsten Weg- und Aussichtspunkte; Angaben zu Schwierigkeit, Länge und Dauer der Wanderung; Hinweise zu Anreise, Einkehrmöglichkeiten, alternativen Wegverläufen usw.; detaillierte Übersichtskarte mit eingezeichnetem Wegverlauf.   Es folgt eine ausführliche Beschreibung des Wegverlaufs mit Sehenswürdigkeiten, Aussichten und sonstigen Besonderheiten. Der Text wird aufgelockert mit Einschüben zur Historie, zu Flora und Fauna sowie zu geologischen Besonderheiten. Umfangreiches Bildmaterial unterlegt die im Text beschriebenen Gegebenheiten.   Vor den Hauptteil ist eine längere Einführung gestellt. Diese geht zunächst auf Geschichte und Kultur sowie auf die touristische Entwicklung der Gegend ein und beschreibt Besonderheiten der Landschaft sowie der Tier- und Pflanzenwelt. 

Reiner Knizia: L.A.M.A.

Kartenspiel

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Die eigenen Chancen richtig einschätzen aber auch die Mitspieler, etwas Glück, etwas zocken, das alles macht aus L.A.M.A. mehr als ein reines Ablagespiel. So ein Lama kann ganz schön lästig sein. So lästig, dass man es schnell wieder los sein möchte. Es spuckt nicht nur, es bringt auch Minuspunkte. Viele Minuspunkte. Und die will keiner haben. Lamas können aber auch Retter sein. Und sie tummeln sich nicht nur in der Bergwelt der Anden oder in einigen Gehegen an Alpenhängen, sondern auch auf Spieleabenden, beispielsweise auf einer Hütte. Im Prinzip ist alles ganz einfach: Jeder bekommt zum Start sechs Karten. Wer keine mehr hat, gewinnt die Partie. Die Gegner erhalten Minuspunkte in Form von Chips. Wer zuerst 40 Punkte hat, verliert.   Die Karten zeigen die Zahlen eins bis sechs oder ein Lama. Legen darf man nur den gleichen oder den um eins höheren Wert. Liegt eine sechs oben, dann bringt das Lama die Rettung, denn das darf da drauf. Und auf ein Lama darf noch ein Lama oder eine eins. Wer nicht ablegen kann, zieht nach.   Minuspunkte bringen am Ende die Werte auf den Karten auf der Hand. Aber jeder Wert nur einmal. Das heißt, wer eine Vier hat, erhält vier Minuspunkte. Wer drei Vierer hat, auch. Und der Sieger darf einen der Chips, mit denen die Punkte gezählt werden, zurück geben. Das kann ein Einer-Chip sein. Oder auch ein Zehner-Chip. 

Trevor Benjamin, Brett J. Gilbert: High Risk

Brettspiel

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Der Kampf ist gnadenlos. Alle wollen zum Gipfel, und wer im Weg ist – naja, Verluste gibt es überall. Das einfache Würfelspiel High Risk thematisiert das Rennen auf den höchsten Punkt der Erde. Der Wettlauf ist eröffnet. Bis zu vier Teams wollen als erste den höchsten Berg der Erde erklimmen. Der Wettbewerb ist hart. Rücksicht oder gar Kameradschaft am Berg sind hier Fremdwörter. Hängt der Gegner gerade in einer Felswand, die man selbst betreten möchte, schmeißt ihn der ambitionierte Bergsteiger einfach den Abhang runter. Je nach dem, wie viel Betrieb in der Bergflanke gerade herrscht, fällt das Opfer nur ein kleines Stück hinab oder gleich bis ins Biwak im Tal. Wer zuerst sein Team auf dem Gipfel hat, gewinnt. Dort dürfen sich übrigens – ebenso wie in den Biwaks – beliebig viele Alpinisten aufhalten.   Um nach oben zu kommen, brauchen die Spieler als Teamleiter vor allem Glück. Sie werfen sechs Würfel. Verschiedene Symbole geben an, ob die eigenen Kletterer weiter kommen und wenn ja, wie weit. Würfel mit Gefahrensymbolen darf man erneut werfen. Aber Vorsicht: Wer in seinem Wurf nur Gefahrensymbole hat, stürzt ab. 

Christiane und Uli Schrempp: Memento Mori

Kartenspiel

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Gletscher zur Erinnerung. „Memento Mori“ macht sie zum Merkspiel – und setzt ihnen gleichzeitig ein Denkmal. Erinnerung ist das Wichtigste bei Memory-Spielen – ist es dann zynisch, dass diese Variante namentlich an den Tod erinnert: und Gletscher zeigt? Vielleicht spielen wir dieses Spiel in 30 Jahren mit Wehmut. Doch schon heute zeigen viele Motive deutlich, wie die Gletscher schwinden, dokumentieren aber auch ihre Schönheit und Größe. Auch sonst kann man dank des Begleitheftes einiges Hintergründige über Gletscher lernen – und beim Spielen gibt es, wie für ein gutes Memory nötig, auch etliche Motive, die sich ähneln und so das Merken der 24 Bildpaare zur echten Aufgabe machen.   Nebeneffekt: Der Erlös geht vollständig in Aufforstungsprojekte von primaklima.org. 

Ziva Novljan, Nathalie Morelle, Leentje Ann Sourbron: ClimCards

Kartenspiel

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Mit einem Kartenspiel will die Alpenkonvention das Thema Klimawandel, dessen Bedeutung für die Alpen und mögliche Schutzmaßnahmen für die Bergwelt in der Öffentlichkeit breiter bekannt machen. Die Alpen leiden stärker unter dem Klimawandel als der Rest Europas. Um zwei Grad haben sie sich bereits erwärmt im Vergleich zum späten 19. Jahrhundert. Höchste Zeit, die Bergregion zu schützen. Anfang April haben die Alpenstaaten die Deklaration von Innsbruck unterzeichnet, mit dem Ziel, die Alpen bis 2050 klimaneutral zu gestalten. Wie das gehen könnte, bringt das Spiel ClimCards den Spielern näher.   Als politische Organisationen geben sie eines von zahlreichen Klimazielen vor und versuchen, dieses zu erreichen. Dazu können sie individuelle Aktionen ausspielen, wie die Reduktion des Strombedarfs des Privathaushalts. Oder politische Aktionen, die für alle Spieler gelten, wie die Berücksichtigung der Biodiversität in der Landwirtschaft. Es gewinnt, wer zuerst die Bedingungen des Klimaziels erreicht hat. Das kann sich allerdings im Laufe einer Partie mehrmals ändern, so dass hier eine hohe Flexibilität erforderlich ist. 

Reinhold Messner: Der Eispapst

Biographie

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„Wie im richtigen Leben“: Ein Drama um „Eifersucht, Neid und Rivalität“ unter Bergsteigern. Wieder einmal steigt Reinhold Messner tief ein in die Frühgeschichte des Himalaya-Bergsteigens und verrät dabei viel über sich selbst. „Das Narrativ zum Bergsteigen ist ebenso wichtig wie das Bergsteigen selbst“, mit dieser steilen Behauptung beschließt Reinhold Messner sein jüngstes Buch. Tatsächlich hat die Menge der Publikationen, in denen der inzwischen Fünfundsiebzigjährige selbst vom Bergsteigen erzählt, längst die Höhe eines respektablen Bücherberges angenommen, den er nun mit dem „Eispapst“ um eine weitere Erzählung vergrößert.   Rund um die Person des Münchner Bergsteigers Willo Welzenbach, der 1934 am Nanga Parbat umkam und in dem Messner, nicht ganz zu Unrecht, einen Vorgänger und Gleichgesinnten sieht, entfaltet der Südtiroler ein Schauspiel von nahezu shakespearschen Ausmaßen. In diesem stehen sich Welzenbach und Paul Bauer gegenüber, beide zunächst Seilpartner bei schwierigen alpinen Unternehmungen und Mitglieder im elitären Akademischen Alpenverein München.   Durch die Erstbegehung zahlreicher eisgepanzerter Nordwände in den Alpen hatte sich Welzenbach zum „größten deutschen Bergsteiger der Zwischenkriegszeit“ entwickelt. Seine Veröffentlichungen, 1935 gesammelt und herausgegeben vom AAVM, gestaltet Messner über lange Strecken des Buches und mit einigen schriftstellerischen Freiheiten um zu lebhaften Vortragsreden. Bauer indes, der den 1. Weltkrieg als Offizier miterlebt hat, sieht im alpinistischen Tun einen „Kampf für Deutschlands Ehre“, dem er seine ganze Energie widmet. Die Bergfreundschaft zwischen den beiden Männern wird schließlich überrollt von einer tödlichen Lawine aus „Eifersucht, Neid und Rivalität“. Auf dem Höhepunkt des Dramas droht Bauer gar damit, Welzenbach zu vernichten bzw., ganz im Stil der Zeit, ihn „an die Wand zu quetschen“. Etwas geschraubt stellt Messner fest: „Liberaler Humanismus und evolutionäres Übermenschengehabe stehen sich also auch im Himalaya diametral gegenüber.“   Wie konnte es dazu kommen? Wesentlichen Anteil daran haben die Zeitläufte, deren Spuren bis in das ferne Berlin reichen und die Messner seitenlang in aller Breite, darin liegt der besondere Reiz des Buches, dokumentiert. Heutige Zeitgenossen können darüber wohl nur den Kopf schütteln. Angeregt durch die Aktivitäten der Briten am Everest, wollten auch die deutschen Bergsteiger der Zwanziger am Ringen um die Achttausender teilhaben. Einige von ihnen glaubten gar, auf diese Weise die Sieger des Weltkrieges auf dem bergsteigerischen Felde übertrumpfen zu können. Zu ihnen zählte Paul Bauer, der 1929 eine leidlich erfolgreiche Expedition zum Kantsch geführt hatte und diese zwei Jahre später fortsetzen wollte.   Demgegenüber verfolgte Welzenbach ganz andere Ziele. Sein Können und seine Erfahrungen im Eis verrieten ihm, der eher sportlich als national dachte, dass der Nanga Parbat das lohnendere und aussichtsreichere Ziel sei. Wenn man nicht auf die finanzielle Unterstützung des Alpenvereins verzichten wollte oder konnte, die im Angesicht einer Weltwirtschaftskrise sowieso nur zögernd und spärlich floss, so waren zwei gleichzeitige Expeditionen zu verschiedenen Bergen völlig ausgeschlossen. Außerdem blockierte das Auswärtige Amt die Unternehmungen, weil man bei den Verhandlungen um die Reduzierung der Reparationsforderungen auf die Zahlungsunfähigkeit der Deutschen setzte und diesen Eindruck nicht durch kostspielige Reisen gefährden wollte. Nicht zuletzt sahen es wohl auch einige britische Kolonialherren nicht ein, warum sie auf ihre Jagdausflüge und Regierungsreisen in die Himalayaberge nur deshalb verzichten sollten, weil ihnen deutsche Bergsteiger wieder einmal die besten Träger und auch die raren Lebensmittel wegschnappten.   So musste Welzenbach, der das große Intrigentheater, das Bauer gegen seine Pläne in Szene setzte, erst spät durchschaute, mehrfach in den sauren Apfel beißen, sich im Kampf um das Geld geschlagen geben und auf eine eigene Expedition verzichten. Erst 1934 gelangte er dann endlich an sein Traumziel, den Nanga Parbat. Allerdings musste er sich dafür der Führerschaft des wenig geeigneten Willy Merkl unterwerfen und eine von ihm eher abgelehnte Aufstiegsroute sowie einen ungünstigen Zeitplan akzeptieren. Diese misslichen Umstände macht Messner für die Katastrophe am langen Grat des Nanga Parbat verantwortlich, wo Merkl, Welzenbach und sieben weitere Bergsteiger starben. Eigentlich ist es müßig, zu fragen, wie Messner es am Ende tut, was passiert wäre, wenn der Alpenverein sofort die Qualitäten Welzenbachs erkannt und ihm alleine, wie zunächst vereinbart, ohne die Zeit mit Querelen zu vergeuden, den Diamir-Zugang zum „Schicksalsberg der Deutschen“ ermöglicht hätte, anstatt opportunistisch auf Bauer und dessen Kantsch-Pläne zu setzen. Immerhin machen die Dokumente das Dilemma der Verantwortlichen deutlich. Messner will daher auch nicht von der Schuld des Vereins sprechen, sondern das Bewusstsein wecken „für diese seine Verantwortung, das ihn stark macht.“   Viele der Dokumente, die Messner heranzieht, sind bekannt. In einigen Teilen kann er jedoch auf eine „Akte Welzenbach“ zurückgreifen, die aus dem Nachlass von Welzenbachs Mutter (1876-1970) stammt und über Anton Schwembauer an den Autor gelangt ist. Was über persönliche Beileidsbekundigungen hinaus aus dieser „Akte“ stammt, bleibt unklar, weil Messner, wie er betont, „keine wissenschaftliche Arbeit“ schreiben wollte und daher konsequent die Herkunft all seiner Quellen verschweigt. Auf dieser etwas heiklen Quellenlage, überwiegend mit Datum versehenen, mehr oder weniger offiziellen Schreiben, beruhen allerdings die Täterprofile, die Messner erstellt.   Während die Äußerungen des umtriebigen Bauer eindeutig seine verschrobene, nationalsozialistische (Beitritt zur NSDAP 1933), denunziatorische, ja antisemitische Gesinnung enttarnen, bleiben echte Charaktermerkmale Welzenbachs eher unscharf und oberflächlich: „Welzenbach war in erster Linie Bergsteiger, kein Vereinsmeier. Seine Freunde waren Alpinisten, keine Intriganten.“ „Gerechtigkeit ist ihm heilig.“ Oder etwas moderner: „Neben großem Kletterkönnen bei den technischen Schwierigkeiten waren Erfahrung und Risikomanagement Voraussetzungen für seinen Erfolg sowie ein außergewöhnliches körperliches Leistungsvermögen.“ Und wenn man liest: Welzenbach „möchte Ideen umsetzen, bergsteigen, davon erzählen, darüber schreiben. Ihm geht es nicht um Macht, er sucht das Abenteuer“, dann meint man, Messner über sich selbst reden zu hören. Wir wissen nicht, was die Zuhörer dachten, als man dem toten „Eispapst“ nachrief: „Er starb für Deutschlands Geltung und Ruhm.“ Heute wissen wir allerdings, dass sie diese und ähnliche Phrasen noch bis zum Überdruss vernehmen mussten, und sind damit gewarnt vor der Vereinnahmung für falsche Ziele. 

Birgit Lutz: Heute gehen wir Wale fangen

Biographie

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Grönland ist ein Land zwischen zwei Welten – dem alten Leben und der digitalen Moderne. Birgit Lutz besucht das faszinierende Land und seine Menschen. In ihrem Buch nimmt sie den Leser mit auf ihre Reise in eine andere Welt. „Wie kann ein Mensch, der hier aufwächst, je anderswo glücklich und eins mit sich sein? In einem Büro? In einer Stadt? Und nicht deshalb, weil es in einem Büro in einer Stadt nun einmal nicht so schön ist. Sondern weil man hier so nah an der Erde lebt. Hier spielt nichts Künstliches mehr eine Rolle, alles ist echt, der Wind, die See, das Eis, das Blut das nach der Robbenjagd über die Felsen läuft.“   Als Birgit Lutz bei einer Expedition das erste Mal nach Grönland kommt, ist sie fasziniert. Sie kehrt mehrere Male zurück in den kalten Norden. Grönland ist ein Land, in dem viele Bewohner noch in Erdhäusern aufgewachsen sind. Doch die Insel hat sich in den letzten Jahren rasant verändert. Auf ihrer Reise begegnet sie Jugendlichen, die zwischen Tradition und Moderne schweben und keinen Platz im Leben finden. Ihr wird deutlich, welche Auswirkungen die schnelle Modernisierung auf das stille Volk hat – das nie gelernt hat, sich zu wehren. Überall sind die Probleme der Insel präsent: Alkohol, Gewalt und Selbstmorde. Birgit Lutz lässt sich tief auf die Grönländer ein. Sie redet mit ihnen über das besondere Leben am entlegensten Ort der Welt. Macht aber auch eigene Erfahrungen mit dem Land. Mit ebenso mitreißenden wie einfühlsamen Beschreibungen und vielen Fotografien vermittelt sie dem Leser die Faszination des Ortes. Das Buch ist nicht nur ein Buch über Grönland, es schildert auch Menschen, die ihre Identität suchen. 

Bernadette McDonald: Die Kunst der Freiheit

Biographie

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„Leben und Berge“ von Voytek Kurtyka verspricht der Untertitel dieses Buches. Geliefert werden faszinierende Geschichten aus einer goldenen Zeit des Superalpinismus – und Zugang zu einer außergewöhnlichen Persönlichkeit. „Ich glaube aus tiefstem Herzen, dass das Klettern den Kletterer zu körperlichem und geistigem Wohlbefinden, ja zu Weisheit erheben kann, dass aber Preise und Ehrungen den Kletterer zu Eitelkeit und Egozentrik verführen. Wo Preise und Ehrungen regieren, endet die wahre Kunst.“ Mit diesen Worten lehnte Voytek Kurtyka die Einladung in die Jury des Alpinismus-Oscars „piolet d’or“ ab. Schließlich sei der Versuch, Leistungen im großen Alpinismus zu vergleichen, so sinnlos wie die Frage, ob Sex oder Weihnachten besser sei.   Als ihm später der Preis selbst angetragen wurde, zur Würdigung seiner alpinen Lebensleistung, schrieb er: „Unsere Erlebnisse grenzen manchmal an eine Art Erleuchtung, die unser Leben zutiefst prägt … Ich möchte diese kostbaren Momente unberührt belassen.“ Irgendwann gab er dann doch nach, akzeptierte die Auszeichnung und freute sich, bei der Zeremonie alte Freunde und Partner wiederzusehen.   Verdient hatte der charismatische Pole den Preis wie wenige andere: Seine Touren – unter anderem am Changabang, an der „Shining Wall“ des Gasherbrum IV, am Trango Tower, in Seilschaft an Achttausender-Neurouten – sind noch heute bewunderte Marksteine der Alpingeschichte. Seinen Lebensweg von Kindheit und Jugend bis zum (fast) ruhigen Alter (er wurde 1947 geboren) zeichnet Bernadette McDonald mit Empathie und Feingefühl nach; kongenial übersetzt von Robert Steiner, lektoriert von Daniel Anker – ein Dreamteam für eine der inspirerenderen Biographien der letzten Jahre. Die neben packenden Action-Schilderungen vom Berg und philosophischem Tiefgang auch amüsante Zeitgeschichte bietet, etwa zur polnisch-nepalischen Korruptions-Kooperation. 

Andy Kirkpatrick: Ungekannte Freuden

Biographisches Lesebuch

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„Über das Leben, den Tod, das Klettern und alles dazwischen“ verspricht der Untertitel: die besten Blogs des Extrem-Menschen Andy Kirkpatrick. Tough stuff, vor allem aus dem Dazwischen. Andy Kirkpatrick ist einer der stärksten alpinen Schreiber unserer Zeit. Das wurde bei seinem Erstling „Psychovertical“ deutlich, in dem er seinen persönlichen Gang zum Extremalpinismus und vom Legastheniker zum Autor mit einer haarsträubenden Schilderung eines Bigwall-Solos am El Capitan verschränkte. In seinem dritten Band versammelt er ausgewählte Geschichten, die teilweise in Magazinen, teils in seinem Blog erschienen sind. Die Erlebnisse am Berg sind manchmal (scheinbar) primäres Thema, manchmal nur unterschwelliges Fundament – es geht ihm hier vor allem um Menschliches: Angst und Überwindung, Liebe und Scheitern, Tod und Gesellschaft. In prägnanter Offenheit erzählt er von privaten Emotionen, von seinen Kindern und Beziehungen, von Lebensentwürfen und gesellschaftlichen Abwegen.   Natürlich finden Berg-Aficionados auch Hardcore Erlebnisschilderungen, etwa ein typisches Kirkpatrick-Epic am Frendopfeiler, frostige Freuden in der Trollwand, bedrückende Betrachtungen über unzuverlässige Abseilstände oder vom Vater-Tochter-Ausflug am El Capitan. Immer aber geht es ihm um die Begegnungen mit Menschen, mit ihren Werten und Problemen, und oft stehen sie im Vordergrund seiner Texte, wie etwa Chongo, die Slackline-Legende aus dem Yosemite Valley, der sein Leben an der Grenze zwischen (sozialem) Absturz und Berühmtheit tanzt. 

Holzer/Haselböck: Berg und Sinn

Biographie

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Dass Berge eine Metapher fürs Leben sind, ist eine alte Weisheit. Der Psychotherapeut Viktor Frankl hat seine Erfahrungen aus Berg und Leben in eine weltweit bedeutende Theorie verarbeitet – dieses Buch macht alles lebendig nachvollziehbar. „Man muss sich ja nicht alles von sich gefallen lassen. Man kann auch stärker sein als die Angst“, schrieb Prof. Dr. Viktor Frankl, Psychologe und Erfinder der Logotherapie. Was er als „Trotzmacht des Geistes“ als eine der stärksten Ressourcen der Persönlichkeit definierte, hatte er beim Klettern kennengelernt – es half ihm, vier Konzentrationslager samt Fleckfieber zu überleben.   Obwohl ihn die Höhenangst schüttelte, als er als siebzehnjähriger Gymnasiast erstmals am oberen Rand der Mizzi-Langer-Wand stand, eines Trainingsfelsens bei Wien, sagte er Ja zum Klettern. Es wurde ihm tragende Lebensleidenschaft. Mit Erinnerungen an vergangene und Träumen von künftigen Klettereien überstand er die Tage und Nächte im KZ, wo seine ganze Familie ermordet wurde. Und diese Freiheit: die Perspektive auf das, was einem das Leben vorsetzt, selbst zu wählen, machte er zur zentralen Botschaft seiner Psychotherapie-Methode. 

Mario Casella: Die Last der Schatten

Lesebuch

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Darf man Alpinisten glauben? Soll oder muss man es tun? Was, wenn ihre Angaben sich als unwahr herausstellen? Aber was, wenn sie als Lügner gelten, aber die Wahrheit gesagt haben? Ein Buch aus der Schattenwelt der Bergesherrlichkeit. „Die Geschichte des Bergsteigens ist und muss in jeder Hinsicht „rein“ bleiben, vor allem insofern, jedem einen guten Willen zu unterstellen; sonst wird die Gefahr, dass jedes Unternehmen in den Dreck gezogen wird, unvermeidbar.“ Diese Sätze stammen ausgerechnet von Cesare Maestri, der heute von der Mehrheit der Experten als Lügner eingeschätzt wird. Was aber, wenn er damals, 1959, tatsächlich zusammen mit Toni Egger den Cerro Torre erstbestiegen hätte? „Es bleiben die Schatten, die … immer länger werden – wie eine Gefängnisstraße ohne Urteil, gegen das man Revision einlegen könnte.“ Das schreibt der italienische Journalist und Extrembergsteiger Mario Casella über einen anderen Fall, über Tomo Cesens Solo-Erstdurchsteigung der Lhotse-Südwand 1991, die mittlerweile auch von weiten Kreisen angezweifelt wird. Eine ähnlich faszinierende Großtat war Ueli Stecks Alleingang in der Südwand der Annapurna 2013, an dem ebenso Zweifel geäußert wurden.   Je inspirierender die Leistung, desto schmerzlicher der Verdacht, sie könne nur „Fake News“ sein. Der Luftballon der Bewunderung platzt, wenn Christian Stangl zugibt, er habe seine K2-Besteigung nur „visionalisiert“. Seit jenem Fall sind die Ansprüche an Dokumentation bergsteigerischer Spitzenleistungen gestiegen – Kamera und GPS-Plot machen’s möglich. Und dennnoch ist der Glaube an die Aussagen von Bergsteigern eine Basis der alpinistischen Gemeinschaft, vergleichbar der Verlässlichkeit des Seilpartners. Lügen rauben der Alpingeschichte ihr Fundament. Trotzdem gab es sie immer wieder. Manche sind belegt, um andere Fragen wird immer der Zweifel kreisen, der mit dem Tod der Akteure (wie im Fall von Ueli Steck) unsterblich wird. Es hat etwas von inquisitorischer Logik: Nur durch das Geständnis der Lüge könnte sich der Beschuldigte freisprechen – was aber, wenn er wirklich oben war? 

Ruhland/Jorda: Bergmenschen

Interviews

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Bergmenschen: Das müssen nicht nur alpine Spitzensportler*innen sein. Dieser Band sammelt Interviews aus dem „Bergsteiger“ – auch mit Politikern, Künstlern und Wissenschaftlern; eine bunte, anregende Mischung. „Natürlich habe ich Ängste. Natürlich habe ich Zweifel. Es gib die Angst vor dem Fallen und die vor dem Scheitern, mit der wir alle im normalen Leben zu tun haben. Sie ist es, die uns davon abhält, großartige Dinge zu tun. … Aber es ist so wichtig, … Gründe zu finden, warum es möglich ist.“ Wenn Adam Ondra ganz freimütig über seine Ängste redet, dann ist das genau so geistreich wie sein gesamtes Auftreten. Nur: Die Frage danach muss man erst mal stellen, damit der Interviewpartner die Möglichkeit bekommt, auszupacken.   „Die Interviews gehen ans Eingemachte, an das, was Menschen in ihrem Innersten ausmacht“, schreibt der Autor Michael Ruhland im Vorwort zu seinem Buch, das Interviews sammelt, die er als Chefredakteur für den „Bergsteiger“ gemacht hat – manchmal stellten auch Kollegen die Fragen. Nicht jeder Interviewpartner lässt richtig viel raus, erzwingen kann man das auch nicht. Dennoch sind die Unterhaltungen meistens deutlich mehr als nur ein Nachvollziehen aktueller Spitzenleistungen, fragen nach Hintergründen, Einstellungen, persönlichen Wertungen. Und oft kommen tatsächlich inspirierende Aussagen, wie etwa von Ines Papert: „Ich sehe es mittlerweile nicht mehr als Scheitern, sondern als Stärke, wenn ich es schaffe, nicht einzusteigen. Ein „vielleicht geht’s gut“ ist zu wenig. Ich muss mir sicher sein.“   Die Interviews entstanden im Lauf mehrerer Jahre. Es liegt in der Natur der Welt und des Sports, dass nicht mehr alle Gesprächspartner am Leben sind. Heiner Geißler starb einen natürlichen Tod, David Lama, Hansjörg Auer und Ueli Steck kamen nicht mehr von ihren Bergzielen zurück. Das gibt manchen Antworten eine ganz neue Dimension, etwa wenn Auer sagte: „Ich hoffe, dass ich mit 50, 60 nicht unbedingt noch vom Alpinismus leben muss, dass ich dann nicht mehr von Sponsoren abhängig bin und vielleicht auch ruhiger werde. Nicht mehr so extreme Sachen mache. Denn es ist ja immer Risiko dabei. Aufhören geht aber nicht, weil es deine Leidenschaft ist; das, was dich zum Leben motiviert.“ Oder bei Ueli Steck: „Irgendwann reicht es einfach nicht mehr, man will mehr. Und mehr, und mehr. Und das endet – wie bei einer Droge – tödlich. Da muss man rechtzeitig den Absprung schaffen.“ 

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