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Bücherberg

Bücher rund ums Frauenbergsteigen

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Ausgewählte Bücher, die besondere Geschichten von besonderen Frauen erzählen. - Frauen in den Bergen: Solche, die schon im 19. Jahrhundert auf Geschlechterschubladen gepfiffen haben oder solche, die im 21. Jahrhundert Außergewöhnliches erreichen. Und ihre Leidenschaft leben. Diese Liste wird immer wieder ergänzt. Außerdem ein Tipp zum Weiterlesen und -hören: "Von den unsichtbaren Frauen" im Jubiläums-Blog zum 150-jährigen Bestehen des Alpenvereins.   (Die Bibliothek ist wegen umfassenden Umbauten des Alpinen Museums bis voraussichtlich Mitte 2023 geschlossen.) 

Berge für alle – Literatur zum Thema Inklusion

Mit Handicap auf den Berg

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Der Sommer naht. Zeit, die Berge im Kopf wieder im echten Leben zu erklimmen.Aber was ist mit Menschen mit Behinderung? Auf welche Berge/Hürden treffen sie im Sport und in unserer Gesellschaft? Blind, amputiert oder im Rollstuhl, gehörlos oder kognitiv beeinträchtigt – im Kleinen wie im Großen zeigen verschiedenste (Lebens-)Geschichten, wie Berge und Behinderungen zusammengehen. Eine Auswahl an Büchern stellen wir hier vor:   

Bärbel Höfflin-Rock: Wildkräuterküche

Kochbuch

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Corona sei Dank könnte man fast sagen. Die Menschen gehen mehr in den Wald, die eigene Umgebung wird plötzlich interessant, Brot backen ist angesagt, Hefe ausverkauft, Wildkräuterbücher schießen aus dem Boden. Selbst Kennern sticht dieses Buch ins Auge mit seinen ungewöhnlichen, fotografisch gekonnt umgesetzten Rezepten. Unkräuter nennt man sie gerne und übersieht, welche Schätze in ihnen schlummern. Brennessel, Bärenklau und Melde weisen ein Vielfaches mehr an Provitamin A auf als zahlreiche Kohlarten. Wiesen-Bärenklau hat sechsmal so viel Magnesium, achtmal so viel Calzium und 20-mal mehr Vitamin C als Kopfsalat. Auch der Vitamin-C-Gehalt in Löwenzahn übertrifft jeden Kultursalat.   Nennen wir sie besser Wildkräuter. Sie wuchern an Wegesrändern und auf Wiesen, im Wald und auf Lichtungen. Viele auch im eigenen Garten. Und anstatt sie zu jäten und dem Kompost zuzuführen, könnte man aus ihnen schmackhafte Gerichte zubereiten. Inspiration dazu findet man in diesem Kochbuch.   Die Kräuterpädagogin Bärbel Höfflin-Rock sammelte die Lieblingsrezepte von 20 erfahrenen Kräuterfrauen aus dem Schwarzwald. Zusammengekommen sind über 60 Rezepte, aufgeteilt in Vorspeisen und Snacks, Suppen, Salate und Beilagen, Hauptspeisen und Desserts. 

Peter Matthiessen: Der Schneeleopard

Reisebericht

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Große Literatur über die Natur und den Menschen im hintersten Winkel Nepals. Rezensiert von Axel Klemmer. Da wandert ein Schriftsteller, der um seine an Krebs gestorbene Frau trauert, im Herbst des Jahres 1973 zusammen mit einem anderen, der Zoologe ist und Blauschafe bei der Brunft beobachten möchte, durch Regen und Kälte und über hohe, schneebedeckte Pässe von Pokhara nach Dolpo, eine der abgelegensten Regionen Nepals. Dabei denkt er an seinen achtjährigen Sohn, dem er versprochen hat, an Thanksgiving wieder zu Hause auf Long Island im US-Bundesstaat New York zu sein – was sich schon bald nach dem Start der Wanderung als illusorisch erweist. Zwei Monate ist er unterwegs.   Der Schriftsteller heißt Peter Matthiessen (1927–2014), sein Buch über diese Reise, „Der Schneeleopard“, wurde 1978 veröffentlicht und in den beiden Folgejahren jeweils mit einem National Book Award ausgezeichnet, neben dem Pulitzer-Preis der wichtigste Literaturpreis der USA. Die deutsche Neuausgabe erschien nun als Band 72 der wunderbaren Reihe „Naturkunden“ des Berliner Verlags Matthes & Seitz, der ersten Adresse für anspruchsvolles „Nature Writing“ im deutschen Sprachraum. Es handelt sich dabei um eine Form der subjektiven Wissenschaft, die Empirie und Ästhetik zu schöner Literatur verbindet und in Deutschland mit Humboldt und Goethe gewissermaßen die Originale hervorbrachte. Das mag der eine Grund für die aktuelle Popularität dieses Genres sein. Der andere Grund: Worte können eine intakte, reiche Natur imaginieren, die im wohlhabenden Deutschland real immer weiter verarmt.   Peter Matthiessen ist hierzulande als „Reiseschriftsteller“ weit weniger bekannt als etwa der Engländer Bruce Chatwin, dessen Bücher über Patagonien oder Australien längst Kultstatus besitzen. Der Vergleich ist interessant. Chatwin liefert brillante Beobachtungen von Menschen und ihren Lebenssituationen, er lässt seine Leserinnen und Leser dabei stets wissen, was er über Kunst und Kultur im Allgemeinen weiß (eine Menge), gibt sich selbst aber auffällig zugeknöpft. Ganz anders der Amerikaner Matthiessen. Die Reise im Jahr 1973, die er im „Schneeleopard“ beschreibt, führte ihn und den Zoologen George Schaller durch die Schluchten des Himalaya, vorbei an Annapurna und Dhaulagiri, nach Norden, bis sich vor ihnen die wüstenhafte Weite Tibets öffnete. Zweieinhalb Wochen verbrachten sie zusammen im „Kristallkloster“ Shey. Damit gehörten sie zu den sehr wenigen Menschen, die diese Region vor dem Trekkingboom besuchen durften. Heute bieten viele Agenturen Gruppentouren nach Dolpo an. Sie versprechen ihren Kunden Einsamkeit und Ursprünglichkeit, und die Kunden wissen schon vorher, dass sie den malerischen Phoksundo-See sehen und fotografieren werden und ebenso die pittoresken Klöster – und dass sie nach Ablauf der gebuchten drei Wochen wieder im Flugzeug nach Hause sitzen. 

Jürg Meyer: Wie Berge entstehen und vergehen

Sachbuch

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Wie wachsen Berge? Wie hoch können sie noch werden? Wann sind sie verschwunden? Auf Fragen, die er bei Exkursionen immer wieder gehört hat, gibt der Autor Antworten auf aktuellem wissenschaftlichem Niveau. Keine leichte Kost, aber schmackhafte. Nein, Geologie ist kein leichtes Fach – mindestens so schwer wie die lastenden Gesteinmassen, mit denen sie sich beschäftigt. Und deren bewegtes Auf und Ab im Lauf der Erdgeschichte sie nachzuvollziehen sucht. Der Autor versucht auch gar nicht erst, seine Botschaften unzulässig zu vereinfachen: Er mutet seiner Leserschaft einiges zu an Komplexität und Differenzierung, empfiehlt sogar mal mehrfaches Lesen eines Schlüsselkapitels und Zurückblättern zu einer zentral wertvollen Illustration.   Warum also sollte man sich so viel Mühe machen? Vielleicht weil es spannend und anregend ist, sich um Verständnis darum zu bemühen, wie diese Berge entstanden sind, in denen wir unsere Freude finden? Oder weil wir in der Verwöhnung durch allgegenwärtige, allzu leichte Medien-Kost auch mal was Kräftiges zum Kauen vertragen könnten?   Schmackhaft aufbereitet hat der Autor sein Sujet allemal. 30 Gänge serviert er, jeweils abgeschlossene Einzel-Essays, die aufeinander aufbauen und das allmächlich wachsende Verständnis anreichern und vertiefen. Seine Sprache ist dabei klar, er findet immer wieder schöne Metaphern und Sprachbilder, weckt Neugier durch freche Fragen. Beispielfotos und Infografiken helfen der Vorstellung auf die Sprünge – auch wenn wiederholte Schnitte durch Gebirgs-Schichtungen einiges an Gewöhnung fordern. Als kleine Incentives gibt es pfiffige Cartoons zu jedem Kapitel und einen Kasten „Wo sehen und erleben?“, der zu Stellen in den Alpen führt, wo die beschriebenen geologischen Vorgänge optisch nachvollziehbar sind. 

Reinhold Messner: Zwischen Durchkommen und Umkommen

Alpinismus-Geschichte

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Ein literarisches Denkmal für den klassischen Alpinismus aus berufener Hand – lebendig erzählt und zitiert, trotz ein paar Ungenauigkeiten. Reinhold Messner hat die Alpinismusgeschichte beeinflusst wie kaum ein anderer – in Wort und Tat. Ende der 1960er Jahre war er einer der markantesten Protagonisten des klassischen Bergsteigens: Mit bewusster Beschränkung der verwendeten Mittel gehörte er zu denen, die den Weg aus den Sackgassen von Techno-Direttissimas und Großexpeditionen wiesen. Als begabter Schreiber und charismatischer Vortragsredner gelang es ihm aber auch, die Ideen und Werte, für die er sich einsetzte, einem breiten Publikum verständlich nahezubringen. Mit diesem neuen Buch macht er die Geschichte und die Triebkräfte des „Traditionellen Alpinismus“ nachvollziehbar und bricht diesem riskanten „Spiel an der Grenze“ eine Lanze.   Interessanterweise fällt die Erscheinung von Messners Buch zeitlich zusammen mit dem Film „Traditional Alpinism“ seines Sohns Simon. Jener nennt als Faktoren, die diesen „mehr als“-Sport prägen: Schwierigkeit (an der persönlichen Grenze), Gefahr und „Exposition“, also abseits infrastruktureller Rückversicherungen. Und diese Faktoren prägen auch die Marksteine der Alpingeschichte, an denen entlang Reinhold Messner sein Narrativ abwickelt. Dafür stehen Zitate wie „Situationen, in denen man das Leben nicht mehr in der Hand hat“ (Georg Leuchs) oder „Wenn ich zusammenbreche, bedeutet es das Ende für alle“ (Walter Bonatti).   Die Form der Präsentation ist so vielgesichtig wie das Thema: Blitzlichter auf Protagonisten und Höhepunkte fügen sich zu einem facettenreichen Mosaik. Messner kombiniert historische und moderne Fotos, porträtiert große Alpinisten und lässt sie mit längeren Erzählungen selbst zu Wort kommen, schiebt Zitate (auch von sich selbst) und verbindende, erklärende, moderierende Texte dazwischen. So skizziert er eine Entwicklung vom „Eroberungsalpinismus“ über den „Schwierigkeitsalpinismus“ zum „Verzichtsalpinismus“ – zuerst in den Alpen, dann an den Bergen der Welt. Dabei treffen Eingeweihte auf viele alte Bekannte, doch Messner holt auch interessante Personen aus der Vergessenheit ans Licht. Eine anregende Lektüre, durch die man auch häppchenweise hüpfen kann und die vielfältige Inspiration bietet. 

Hans-Joachim Löwer: Flucht über die Alpen

Sachbuch

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In prägnanten Reportagen beleuchtet der Autor ein weitgehend verdrängtes Kapitel der Nachkriegszeit. Er beschreibt die Probleme der gewaltigen Flüchtlingsströme und schildert die gefahrenvolle Flucht jüdischer Holocaust-Überlebender über die Alpen nach Palästina und deren Auswirkung bis heute. Die Alpen sind für Bergsteigerinnen und Bergsteiger längst ein vertrauter und beliebter Sport- und Erholungsort. Seit jeher war das Gebirge auch ein Schauplatz welthistorischer Ereignisse, angefangen von Hannibals Alpenüberquerung bis zur Alpenfront während des 1. Weltkriegs. Hans-Joachim Löwer beleuchtet nun ein bislang weitgehend unbekanntes Geschehen, dessen Auswirkungen gleichwohl bis in die unmittelbare Gegenwart zu spüren sind. Einigermaßen geläufig mag noch sein, dass in der Zeit nach dem 2. Weltkrieg Nazis und Kriegsverbrecher über die sogenannte Rattenlinie Fluchtwege vor allem nach Südamerika fanden. Dass aber auch Juden in der Nachkriegszeit über die Berge geschmuggelt werden mussten, dürfte ziemlich neu sein.   Im besiegten und besetzten Deutschland und Österreich wurden die aus den Konzentrationslagern befreiten und die bislang untergetauchten Juden in Camps für sogenannte displaced persons (DP) interniert. Dazu kamen ehemalige Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter aus ganz Europa, darunter auch Menschen, die vor der Roten Armee geflohen waren. Insgesamt verstopften rund 20 Millionen Migranten die Straßen, unter ihnen viele unbegleitete Kinder. Oft wollten sie nicht in ihre früheren Heimatländer zurückkehren, weil sie dort nicht ganz grundlos Repressalien befürchteten. Wer es schaffte, als Verfolgter anerkannt zu werden, genoss gegenüber der übrigen Bevölkerung gewisse Privilegien, vor allem, was die Verpflegung betraf. Als DP-Camps dienten nicht selten die früheren Konzentrationslager, auch wenn sie jetzt anheimelnde Namen trugen, wie Föhrenwald oder Gnadenwald. Gerne auch fanden sich die DPs in ehemaligen Nazi-Refugien wieder, wie etwa im HJ-Hochlandlager Königsdorf oder in Feldafing am Starnberger See. Allerdings waren die Lager wieder eingezäunt, so dass sich das eigenartige Bild ergab, dass die Besiegten sich frei bewegen durften, die Befreiten aber wieder bewacht wurden. Außerdem vermieden die Siegermächte eine ethnische oder religiöse Kategorisierung, um nicht in den Verdacht zu geraten, die absurde Rassenpolitik der Nazis fortzusetzen. 

Klaus Kaschuba, Hermann Gies: Unterwegs durch Jahrmillionen

Sachbuch

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Ein Sachbuch? Oder doch eher ein Wanderführer mit Mehrwert? Die Autoren sind begeistert von den Dolomiten und der Geologie – und liefern eine Anleitung, wie beides zu erleben ist. Die Dolomiten: Unesco-Weltnaturerbe, Traumland für Kletter- wie Wanderbegeisterte gleichermaßen: Gelbe oder weiße Kalkstöcke wie Märchenschlösser über blumenprächtigen Almwiesen. Urmeer-Riffe, überschoben auf ältere Gesteinsschichten, aus geologischer Perspektive.   Die Autoren verbinden in diesem Buch ihre Begeisterung für die Südtiroler Berge mit ihrer geologischen Leidenschaft und wollen ihre Leserschaft beides nachempfinden lassen: durch eine Auswahl an Wandervorschlägen, die zu geologisch aufschlussreichen Regionen der Dolomiten führen und so neben Bergerlebnis auch Verständnis vermitteln können. 

Katrin und Frank Hecker: Heilsame Wildpflanzen

Sachbuch

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Kein Bestimmungsbuch oder Lexikon der Heilkräuter, sondern eine Fibel für den Hausgebrauch zu einer Auswahl der gängisten Wildpflanzen und was man daraus alles machen kann für die Hausapotheke, Küche und Kosmetik. Eine Hommage an die Vielfalt der Natur und Jahreszeiten. Das Autorenduo Katrin und Frank Hecker aus Schleswig-Holstein, beide Diplom-Biologen, sind mit Leib und Seele der Natur verbunden. Seit über 20 Jahren veröffentlichen sie Natur-Ratgeber – sie als freie Autorin, er als Naturfotograf. Mit ihren Kindern leben sie im Rhythmus der Jahreszeiten und vermitteln nun sehr einfühlsam ihre Praxiserfahrungen. Dabei sensibilisieren sie für einen achtsamen Umgang mit der Natur und schaffen es obendrein durch die gekonnte Bebilderung, ein Gefühl für die jeweilige Pflanze zu entwickeln. 

Paolo Cognetti: Gehen, ohne je den Gipfel zu besteigen

Reisebericht

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Ein Romanautor und Bergsteiger auf den Spuren einer Legende im tibetischen Grenzland – ein kleines feines Stück Reiseliteratur. Zu seinem 40. Geburtstag möchte sich der italienische Autor Paolo Cognetti einen Wunsch erfüllen: einen Monat lang durch die Berge des Himalaya trekken, im Dolpo, einem aus der Zeit gefallenen Grenzgebiet zwischen Nepal und Tibet. Mit in seinem Rucksack ist „Der Schneeleopard“, ein berühmtes Stück Reiseliteratur, geschrieben von Peter Matthiessen zur Zeit von Cognettis Geburt über seine eigene Reise im Dolpo.   Zwei verwandte Seelen sind da unterwegs – sensible Geschöpfe mit wachen Augen und Seelen auf der Suche nach Resonanz. Wo Matthiessen geschrieben hatte: „Ich klinge vor Leben, und die Berge klingen, und wenn ich es zu hören vermag, dann ist da ein Klang, der uns gemeinsam ist“, klingt es bei Cognetti: „Ich pflückte eine harte, unreife Frucht und kaute darauf herum, doch sie war sehr sauer, und als ich sie ausspuckte, hatte ich das Bedürfnis, den Baum um Vergebung zu bitten.“   Mit zwei engen Freunden und einigen weiteren Begleitern wandert der Reisende über fünftausend Meter hohe Pässe zurück in der Zeit. Zu Menschen, die in Einklang mit der Natur leben, weil anders kein Leben möglich ist. Cognetti schildert die Begegnungen ohne romantisches Pathos, mit zartem Strich – so wie auf den Zeichnungen, die er unterwegs gemacht hat. Und er nimmt auch wahr, wie er in seiner Rolle als Tourist zur Bedrohung für sein Shangri-La werden könnte. Davon erzählt sein Freund Remigio, der in einem italienischen Alpendorf aufwuchs, das bis zu den Siebzigerjahren nur zu Fuß erreichbar gewesen war. „Dann war die Straße gebaut worden, und er hatte mit ansehen müssen, wie es sich im Lauf seines Lebens völlig entvölkerte.“ Remigios Aussage ließe sich aufs Dolpo übertragen: „Wenn die Straße kommt, glaubt man jedes Mal, dass sie etwas bringen wird – nur um dann festzustellen, dass sie einem ausschließlich etwas nimmt.“ 

Thomas Käsbohrer: Der Einsatz meines Lebens

Sachbuch

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Es ist schon das zweite Buch, mit dem der Autor packend die Einsatzwelt der Männer und Frauen bei der Bergwacht miterleben lässt. Und es bringt wieder viel spannenden Lesestoff.

J. Christian Rainer: Meister der Vertikale

Alpinismus-Geschichte

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Die Geschichte der Südtiroler Bergführer gleicht einem Gang durch oft schwieriges Gelände. Das Buch dazu enthält viele Fakten und beeindruckende Fotos. Rezensiert von Eberhard Neubronner. Dem Bozener Verlag Edition Raetia sind seit seiner Gründung vor 30 Jahren zahlreiche Publikationen gelungen, die eine meist sehr positive Resonanz erzielt haben. Einen gewissen Schwerpunkt des Programms bilden kulturhistorische Themen, zu denen auch das vom Verband der Südtiroler Berg- und Skiführer herausgegebene, buchstäblich gewichtige Werk über dessen Mitglieder zählt. Es beginnt im Umfeld einheimischer Bauern, für die das Milieu zwischen Gipfel und Hochtal einst keinen Sportplatz verkörperte, sondern letztlich Ressource war (von objektiver Gefahr ganz zu schweigen) und endet heute.   Erst wohlhabende britische Alpinisten, unter ihnen diverse Geistliche, änderten während des 19. Jahrhunderts den seit langer Zeit gültigen Pakt mit der Natur. Mancher Gentleman suchte als stadtmüder Mensch einen Kontrast zum Alltag der Ebene, verpflichtete Gamsjäger oder Lasten buckelnde Hirten und heftete seinen Erfolg nach gelungener Tour gern an die eigene Brust. Kein Wunder also, dass Führer damals nur selten genannt wurden. Wenn aber doch, dann standen sie nach außen hin eher im Schatten der „Herren“.   Indes war schon 1821 in Chamonix das weltweit erste Bergführer-Reglement erlassen worden, um 1850 folgte die Schweiz und 1863 Salzburg; Tirol sowie Vorarlberg zogen nach. Offizielle Führerbücher kamen hinzu, ihre Inhaber sollten sich gegen Gäste „anständig, artig, freundlich und zuvorkommend … benehmen“ und „alle thunliche Beihilfe“ bieten. Aber auch Träger profitierten vom Wandel. So erhielt ein Tagelöhner für das Schleppen eines Gästerucksacks zum Hotel am Karersee in den Dolomiten stolze 5 Kronen Lohn, wofür er beim Bauern mehr als neun Tage Schwerstarbeit hätte leisten müssen.   Zurück zu den Bergführern Südtirols. 23 farbige Kurzbiografien enthält J. Christian Rainers Dokumentation, vier Porträts seien herausgegriffen: Da ist Johann Pinggera aus Außersulden am Ortler, der dem k. & k. Offizier und Kartografen Julius Payer unschätzbare Dienste erwies. 50 Gipfel wurden von dieser kongenialen Seilschaft bestiegen, 43 sind als Erstbegehung vermerkt. 1869 überredete Payer den starken Mann zu seiner Arktis-Expedition, doch schon in Bozen kehrte Pinggera heimwehkrank um. Michl Innerkofler aus Sexten kletterte rund 300 Mal auf den Monte Cristallo, wo er 1888 beim Abstieg rutschte und in einem Bergschrund starb. Er hinterließ ein Vermögen von mehreren Tausend Gulden. Peter Dangl (1844 – 1908) aus Pfunds/Oberinntal galt als besonders unerschrockener Führer. Man rühmte stets „seine Ruhe, seine nie versagende Sicherheit und Kaltblütigkeit“. Solche Eigenschaften brachten ihn mit englischen Teams bis in den Himalaja. Ähnlich weitgereist war Franz Kostner aus Corvara, der den Münchner Geografen und Alpinisten Dr. Gottfried Merzbacher im Tienschan-Gebirge begleitete. Sie scheiterten dort am knapp 7000 m hohen Khan Tengri, dem Matterhorn Kirgistans.   Kein Wunder, dass sich bei vielen Kollegen allmählich ein solides Selbstwertgefühl entwickelte. Resultat: Sie gingen in Distanz zu den 1862 und 1869 gegründeten Alpenvereinen OeAV und DAV (seit 1873 DuOeAV). Ihre schließlich 1908 formierte Organisation hieß Bergführerverein Ortlergebiet. Von da an bis zum 1945 ins Leben gerufenen Alpenverein Südtirol vergingen noch 37 Jahre mit stetigem Auf und ab bis zur Gegenwart. 

Andreas Jäger: Die Alpen im Fieber

Sachbuch

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So klar und verständlich sind die wissenschaftlichen Fakten zum Klimawandel noch selten zusammengetragen und präsentiert worden. Eine erhellende Lektüre für alle, denen mit den Alpen auch der Schutz unserer Lebensgrundlagen am Herzen liegt. Ein Buch mit einer Botschaft – und einer Leidenschaft. Drei Schritte weit will der Autor die Leserschaft führen: Die Spuren der Eiszeit in den Alpen verständlich machen – zeigen, welche Rolle das Klima für unser Überleben in dieser Region spielt – und damit klarmachen, wie wichtig es ist, eine weitere Überhitzung der Atmosphäre zu stoppen.   Zuerst widmet er sich kritischen Anmerkungen gegenüber den Fakten des Klimawandels, die er bei Vorträgen zu hören bekommt: Klimawandel gab’s schon immer; die Wärme schadet uns doch nicht; das bisschen CO2 kann doch nicht so viel bewirken. Auf wissenschaftlicher Grundlage erklärt er dann, warum diese vermeintlich überzeugenden Aussagen nicht stimmen – mit großem Hintergrundwissen, in klarer Sprache und erhellend visualisiert.   Im gleichen Stil führt er dann durch seine drei großen Blöcke. „Das Erbe der Eiszeit im Alpenraum“ schildert den wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn über die Klimageschichte der Alpen. Eine zentrale Rolle spielen dabei die Gletscher, deren einstiges Vorrücken durch Findlinge und Moränen nachvollziehbar ist, die die Alpentäler geschliffen und geformt haben und fruchtbaren Löss im Vorland ablagerten. So entstand „Das Paradies im Alpenraum“: In der Warmphase des „Holozän“ herrschten oft ideale Bedingungen für Leben und Landwirtschaft – unterbrochen von kurzen Kaltzeiten, die an Völkerwanderung, Hungersnöten und der Verschickung der „Schwabenkinder“ einen Anteil hatten. Doch mit der Industrialisierung entwickelte sich das „Holozän“: eine Welt, die durch die Gattung Homo Sapiens geprägt und gezeichnet ist. In „Die Welt in unseren Händen“ skizziert der Autor Zukunftsszenarien eines ungebremsten Klimawandels, die nach Horrorfilm klingen, aber leider auf realistischen Berechnungen beruhen. Er zeigt aber auch in knapper Form Möglichkeiten auf, wie wir die Emission des Haupt-Treibhausgases CO2 beenden und seinen Anteil in der Atmosphäre wieder in Richtung früherer Werte reduzieren könnten. Mit der Hoffnung „Wir können noch etwas tun“, die von der deutschen Klimaforschung geteilt wird, setzt er ein optimistisches Ziel ans Ende seines Buches – aber sagt auch klar, dass wir dafür ernst machen müssen mit der Transformation unserer Gesellschaft und unseres persönlichen Handelns. 

Denken erlaubt

div. Leseempfehlungen

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Bücher können Zeitvertreib sein, Lernquelle oder Planungshilfe für die nächste Bergtour. Sie können aber auch einladen und mitnehmen zu einer Reise ins Jenseits des eigenen Horizontes.

Winter voraus

Skitourenführer

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Für viele ist der Winter die schönste Jahreszeit, weil man auf Berge steigen kann und per Abfahrt statt Knieschnackler noch einen Bonus bekommt. Drei Führer listen besondere Ziele auf – und das neue Lawinen-Standardwerk liefert das nötige Hintergrundwissen.

Die Zukunft ist grün

Wissenschaft

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Man könnte so weiterleben wie komfortabel gewohnt, auf die Politik und innovative Wundertechnologien hoffen. Man könnte aber auch lesen, wie die Wissenschaft derzeitige Zusammenhänge und Entwicklungen analysiert, und wie man sich für eine gute Zukunft für Menschheit samt Mitwelt einsetzen könnte. Zum Beispiel in diesen Büchern.

Schöne Bilder

Bildbände

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Das Auge liest mit? Manchmal ist das Auge das wichtigste Genuss-Organ. Zumindest wenn es so viel feines Futter vorgesetzt bekommt wie bei diesen unterschiedlichen Büchern, die alle von der Optik leben. Bonusnutzen – Tourentipps, Information, Unterhaltung – muss ja deswegen nicht ausgeschlossen sein.

Kalender für 2022

Gutes für jeden Tag

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Wer Berge und Bergsport liebt, lässt sich gerne täglich daran erinnern. Zum Beispiel durch einen Kalender an der Wand; neben den Klassikern vom DAV gibt es da viele schöne Angebote.

Gerald Aichner: Die TuXa

Monographie

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Die Hommage eines Bergfreundes und Alpensvereinsmenschen an seine Heimatberge zeigt in überbordender Vielfalt, wie viele Facetten diese Leidenschaft haben kann. Ein illustrer Kreis von Grußwortgebern eröffnet dieses Buch: Dr. Andreas Ermacora, Präsident des ÖAV; Robert Renzler, sein Ex-Generalsekretär; Dr. Franz Fischer, ehemaliger österreichischer Landwirtschaftsminister. Sie belegen die Bedeutung des Autors und seines Anliegens. Gerald Aichner ist Journalist, Bergsteiger und leitete lange die ÖAV-Sektion Hall in Tirol, der die Lizumer und die Glungezer Hütten in den Tuxer Alpen gehören. Jahrzehntelang war er in diesem Gebirgsstock über seiner Haustür unterwegs, hat den Inntaler Höhenweg, die „seven Tuxer summits“ oder die „Via Venezia Alpina“ mit entwickelt – und widmet diesen Bergen, deren Schutz ihm am Herzen liegt, nun ein 384 Seiten starkes Porträt.   Die fast voralpin wirkenden Tuxer Alpen enthalten die größte und wichtigste Almregion von Tirol (neben den Kitzbühelern), sind jenseits der Almen aber weitgehend unerschlossen und eignen sich so als Rollenmodell für sanften Tourismus. Von den Innsbrucker Olympia-Skistätten einmal über den nächsten Grat geschaut: Schon ist man in nahezu ursprünglichen Naturlandschaften, wo die „Glockenblume vom Mont Cenis“ ihr östlichstes alpines Vorkommen hat und die „Anemone vom Monte Baldo“ ein nördliches. In 32 Kapitel ist das Buch unterteilt; jedes davon ist seinerseits ein Sammelsurium von Erlebnissen, Wissenwertem, Amüsantem – und alle zusammen zeichnen sie ein umfassendes Bild dieser alpinen Landschaft wie das eines Menschen, der von ihr begeistert ist. 

Werner Bätzing: Das Landleben und „Bibliographie Alm- und Alpwirtschaft“

Sachbuch

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„Geschichte und Zukunft einer gefährdeten Lebensform“, so untertitelt der renommierte Alpenforscher sein neuestes Buch – und entwirft ein vitales Zukunftsbild für das Leben außerhalb der Städte. Das Land – die Klischees sind schnell zur Hand: abgehängte Peripherie, übernutzte Agrarindustriefläche oder romantischer Sehnsuchtsort. Werner Bätzing, Geograph und Alpenforscher, stellt dem seine Forderung entgegen: „Für mich sind Stadt und Land zwei unterschiedliche, jedoch gleichwertige Lebens- und Wirtschaftsräume, die jeweils unterschiedliche Vor- und Nachteile besitzen, die voneinander abhängig sind und sich wechelseitig ergänzen und die nur gemeinsam ein „gutes Leben“ ermöglichen.“ Das Land solle nicht verstädtern und nicht auf die Funktionen Naturschutz und Erholung reduziert werden, sondern langfristig ein lebenswerter Lebens- und Wirtschaftsraum mit dezentralen Strukturen bleiben.   Um diese Ideen abseits von Vorurteilen und Verklärung auszubreiten, skizziert er zunächst die Geschichte des „Landlebens“: beginnend mit dem Wandel von der Jäger- und Sammlerkultur hin zu Sesshaftigkeit und Ackerbau. Die anschließende Entstehung von Städten und Hochkulturen habe dann das Land grundsätzlich entwertet, „obwohl es die Grundlage allen städtischen Lebens darstellt“. Da das Buch eine hauptsächlich europäische Perspektive einnimmt, untersucht er dann die hier gegebene Sonderentwicklung im Mittelalter, die das Landleben aufwertete – bis die Industrielle Revolution ein „Ende der Fläche“ brachte: Kohlebeheizte Dampfmaschinen konnten auf relativ kleinem Raum extrem viel Arbeit leisten und Wertschöpfung erzeugen. Nach dem Zweiten Weltkrieg konstatiert Bätzing für die BRD eine „forcierte Modernisierung (Verstädterung)“ des ländlichen Raumes – gefolgt von einem „großen Trendbruch“ der 1980er Jahre, bei dem noch offen sei, ob die Veränderungen „das Landleben wirklich aufwerten oder ob sie lediglich ein Idyll auf dem Land inszenieren“. 

Edition Hubatschek: Das alte Tux

Bildband

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Dass ein Bergbauernleben kein Geißenpeter-Idyll ist, sollte bekannt sein. Wie genau es ausgesehen hat, vor noch gar nicht allzulanger Zeit, das hat die Fotografin Erika Hubatschek dokumentiert. „Das Leben, wie es früher war. Nicht lange ist’s her, aber so weit weg.“ So zitiert Irmtraud Hubatschek im Einleitungstext zu diesem Buch einen Kärntner Bauern. Seit 1939 fotografierte ihre Mutter Erika (1917-2010), promovierte Geografin, das Leben von Bergbauernfamilien in den österreichischen Alpen. 1942 kam sie erstmals, vom heutigen Bergsteigerdorf Schmirn über das Tuxerjoch, nach Hintertux – und dann immer wieder. Auch die Tochter (*1960), die heute das fotografische Vermächtnis hütet, war später oft dabei und schloss Freundschaften mit den Kindern im Tal; vielleicht ein Grund, in diesem großformatigen Bildband jenen Menschen ein Denkmal zu widmen.   „Möge dieses Buch nicht als nostalgisches Eintauchen in „die gute alte Zeit“ verstanden werden, sondern als flammendes Plädoyer für eine fortdauernde – oder auch neue – Wertschätzung von Arbeit und Leben der Tuxer und Tuxerinnen vergangener Zeiten!“ Unter diesem Motto porträtieren die Fotos die Orte im Tal: Hintertux, Juns, Lanersbach – und die Arbeit auf den Berghöfen. Etwa das Heumachen, damit das Vieh im Winter sein Essen hatte: Das Heu – mit der Schneide der Sense gemäht, nicht mit Kraft … – musste abends zu Häufen geschoben werden, damit es nicht vom Tau nass wurde, und morgens wieder zum Trocknen ausgebreitet. In „Heutristen“ fermentierte es und verlor an Gewicht, dann wurde es auf Holzschlitten gepackt und den Hang hinabgebremst; an Gegensteigungen nahmen die Männer den 100 Kilo schweren Heubock auf die Schultern. Oder die Flachsarbeit: Zuerst wurden die Flachsstengel über einem Feuer vorsichtig geröstet, dann trennten die Bäuerinnen auf der „Bregglbank“ Fasern und Holziges, schlugen mit der „Pritsche“ die letzten Holzteile aus und kämmten beim „Hacheln“ die kurzen „Werch“-Fasern aus, dann konnte der Flachs zu Leinen versponnen werden. Abends hatte man immerhin Zeit für einen „Huagachtn“, den Ratsch beim Nachbarn, bevor man ins kalte Bett kroch – und „wia a Regnwurm bische zommgschloffn“. 

Wandern für jeden Geschmack

div. Wanderführer

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Unermüdlich sind die Autor*innen und Verlage mit ihren Vorschlagsbüchern für Wanderungen jeglicher Schwierigkeit – und noch selten waren die alpinen Ziele so begehrt wie heute. Wir stellen vor, was sich in den letzten Monaten auf dem Redaktionstisch gesammelt hat.

Wandern ohne Ende

div. Wanderführer

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Losgehen – und einfach weitergehen. So weit die Füße tragen, vielleicht bis über die Alpen, bis ans Meer. Zumindest für ein paar Tage auf der Höhe. Weitwandern kann viel bedeuten – diese Führer zeigen die Vielfalt dieser Leidenschaft und geben ihr alpine Ziele.

Von Block bis Bigwall

div. Kletterführer

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Gerade bei Kletterführern sind auch Neuauflagen oft wertvolle und sehnlich erwartete Infoquellen. Denn Fels gibt es auf der Welt in Mengen, und mit oder ohne Bohrhaken lassen sich daran immer wieder neue, lohnende Ziele finden.

Iris Kürschner: Oberwalliser Südtäler

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Walliser Südtäler – klingt das nach abgelegenen Zweite-Reihe-Destinationen für Wildnisfans? Gemeint sind aber die zentralen Täler mit den sattsam überlaufenen Hotspots Zermatt und Saas Fee. Doch unweit des Massentourismus findet sich auch dort große Natur – mit viel Hintergrund. Die Alpinjournalistin Iris Kürschner ist eine Überzeugungstäterin. Ihre Magazin-Beiträge (auch in DAV Panorama) und Führer werden von Leidenschaft für die Berglandschaft getrieben. Im Wallis fällt das besonders leicht, denn auch wenn das Matterhorn als Werbe-Ikone missbraucht und abgegriffen erscheint: Seiner Aura kann man sich schlecht verweigern. Und nebendran stehen elegante Traumgipfel wie Weißhorn, Dom, die Monte-Rosa-Kette. Zigtausende Besucher in den autofreien Bergdörfern Zermatt und Saas Fee sind die logische Folge – kann man bei solchem Trubel die Landschaft noch genießen? Man kann, davon ist die Autorin überzeugt. Denn selbst auf berühmten Wegen wie dem Matterhorntrek oder dem Europaweg, die von Touristikern konzipiert wurden, ist kein Gänsemarsch-Erlebnis zu befürchten, und neben diesen hat sie auch Touren in den weniger überlaufenen Teilen des Gebiets aufgenommen. Denn enger wird’s nur in den Zentren; die vielfältigen Landschaften zwischen den Weinhängen des Rhonetals und den Viertausendern bieten genug Einsamkeit und Abwechslung. 

Claudio Locatelli: MTB zwischen Comer See, Valsassina und Val Brembana

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Eine in unseren Breiten wenig bekannte Ecke des oberitalienischen Alpenbogens zwischen Veltlin, Comer See und Poebene beleuchtet der in den Bergamasker Alpen beheimatete Bikeautor Claudio Locatelli. Der italienische Verlag Versantesud hat sich in Fachkreisen einen Ruf für ausgesprochen akribisch recherchierte Tourenführer erworben. Die alpinen Reihen decken Wintersport, Klettern, aber auch Mountainbiken ab. Allen gemeinsam ist, dass als Autoren ausnahmslos ortsansässige Locals zum Zuge kommen, die ihre Heimat wie ihre Westentasche kennen. Manche Führer werden von Autorenteams erarbeitet, immer aber illustrieren eine Fülle guter Fotos die detaillierten Tourenaufzeichnungen und Beschreibungen. Anfangs wurden die Bände noch zweisprachig herausgegeben, mittlerweile sind sie auf italienisch, englisch oder deutsch auf dem Buchmarkt. Beim Lesen wird man geradezu erschlagen von Wissenswertem rund um einen Tourenvorschlag: Infokästen, Textbeschreibungen, GPS-Tracks, Höhenprofile, Fotos, gezeichnete Landkarten. Es ists förmlich zu spüren, wie viel Arbeit im Zusammentragen dieser Infofülle steckt.   Bei all dem einheitlichen Gerüst aller Bände spürt man aber auch die persönliche Handschrift des Autors. Claudio Locatelli, Jahrgang 1958, der in oberitalienischen Bikerkreisen als bekannter Tourentüftler, Bikeguide und Crack Wertschätzung genießt, läst es sich nicht nehmen, seinen Band mit persönlichen Zugaben anzureichern. So stößt man zwischen den einzelnen Tourenbeschreibungen immer wieder einmal auf Lesestücke, die schon in den Rang kürzerer Feuilletons kommen. Einige schreibt Locatelli selbst, andere steuern ihm befreundete Biker aus der lombardischen Szene bei, wie beispielsweise die Bikejournalistin Marzia Fioroni. Locatelli lässt es sich auch nicht nehmen, seinen Band mit einem doppelseitigen Foto zu eröffenen, eine Hommage an den befreundeten und mit 56 Jahren viel zu früh an Krebs verstorbenen Freund Giovanni Giacobazzi, den alle nur Jag nannten und der sich in der über die sozialen Medien eng vernetzten Szene einen Ruf als „verrückter Hund“ gemacht hatte. 

Frank Wippermann: Bergführer Hamburg

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Bergstadt Hamburg? Was ein gestandener Berchtesgadener als Anmaßung empfinden mag, belegt der Autor auf unterhaltsame Weise – und liefert seinen Nordlicht-Kolleg*innen jede Menge Tourentipps an der Waterkant. Es gibt Berge in Hamburg! Mit diesem selbstbewussten Satz beginnt dieser spezielle Wanderführer – und zitiert das Motto der örtlichen DAV-Sektion: "Wir bringen die Berge nach Hamburg". Was gar nicht nötig sei, denn „Berg“ sei ein relativer Begriff, und Hamburg die „steilste deutsche Millionenstadt“ – nirgends ist die gedachte Verbindungslinie vom niedrigsten zum höchsten Punkt so steil.   Nach den üblichen Führerkapiteln zur Geologie und Ausrüstung, Führergebrauch und Naturschutz – durchaus schon mit einer gewissen Selbstironie verfasst – wird es ernst: 80 Tourentipps, die zu 89 Gipfeln führen, sind ausführlich dargestellt. Am Rand des Elbtals finden sich tatsächlich nennenswerte Erhebungen, teilweise aber auch künstlich gebaute Berge, aus Müll oder gar Sand. Spezielle Highlights sind etwa die Überschreitung zweier Rutschen-Brocken auf einem Spielplatz, Bouldern an einem Findling, ein Treppenlabyrinth im Villenviertel oder eine Radrenn-Strecke, die steiler ist als die berüchtigte Auffahrt nach Alpe d’Huez. An der Reeperbahn diagnostiziert der Autor ernsthafte Absturzgefahr, er verzeichnet aber auch den DAV-Kletterturm als echtes alpinistisches Ziel.   Die kürzeste Tour führt zum Hügelgrab Taterberg, mit ganzen zwei Höhenmetern, 100 Metern Strecke und fünf Minuten Gehzeit; die längste Tour dauert auch gerade mal etwa zwei Stunden. Deshalb ist es gut, dass Kombinationsmöglichkeiten angegeben sind, bis hin zur ultimativen Challenge: den „Seven Elb Summits“. Die jeweils höchsten Punkte der sieben Hamburger Verwaltungsbezirke lassen sich „by fair means“, also nur mit Öffis, als Tagestour in 16 Stunden erstürmen (die Hälfte davon Gehzeit) – ein tatsächlich strammes Programm, für das ein ausgetüftelter Zeitplan inklusive ÖV-Verbindungen angeboten wird. Den Abschluss des Buchs bilden ein Gipfel-Gesamtverzeichnis, sortiert nach Höhe, und eine alphabetische Touren-Übersicht mit Eintragungsmöglichkeit für „Bezwingungs“-Datum, Begleitung, Wetter und Stimmung. 

Frank Gerbert: Alpenüberquerungen

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Auf zehn verschiedenen, selbst entwickelten Routen hat Frank Gerbert die Alpen überquert. Wer sich von seiner Begeisterung anstecken lassen will, erhält mit diesem „Handbuch“ sehr gute Planungsgrundlagen. Alpenüberquerungen sind mit das Anstrengendste, was an Wandern denkbar ist“, warnt der Autor gleich im Eingangskapitel. Trotzdem hat er sich immer wieder darauf eingelassen, ja, bezeichnet es als „Spleen“: als „Mittelwert zwischen Marotte und Leidenschaft“. Seit 2003 sind es zehn Routen geworden, die der studierte Geograf selber zusammengestellt und begangen hat und die er in diesem Buch, einer Art Fazit dieser Faszination, beschreibt.   Beim Aushecken dieser Linienführungen war ihm eines wichtig: „Ein Weitwanderweg muss eine einleuchtende Wegführung und außerdem eine Art Seele haben“. Diesen Anspruch lösen seine Kreationen oft überzeugend ein, auch wenn immer wieder Zug-, Bus- oder Bergbahnfahrten nötig sind, um uninteressante oder langwierige Verbindungen zu vereinfachen. Von den Berner und Walliser Alpen im Westen (Thun-Biella) bis zu Ötscher und Hochschwab im Osten (Scheibbs-Graz) decken seine Linien die große Vielfalt der Alpen ab. Sie durchstreifen weniger bekannte Regionen wie Alpstein, Glarner und Tessiner Alpen (Rorschach-Mendrisio) oder Niedere Tauern und Gurktaler Alpen (Mondsee-Bled). Aber der Autor hat auch bekannte Klassiker teils mit eigenen Varianten bereichert: etwa die Linie Neuschwanstein-Garda mit Teilen des E5, oder eine spannende Linie durch Wetterstein, Stubaier, Sarntaler und Dolomiten (Oberammergau-Vittorio Veneto). 

Lois Hechenblaikner: Ischgl

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Tourismus als kapitalisierte Triebabfuhr: Der Tiroler Fotograf Lois Hechenblaikner zeigt Menschen und Berge unter dem Druck des Geldes. Ist das Wohlstand? Im März 2020 machte eine Après-Ski-Bar den Tiroler Spaßindustriepark Ischgl zum „Super Spreader“ des Corona-Virus in Europa. Die Fotografien im neuen Bildband von Lois Hechenblaikner reichen aber viel weiter zurück. Als der Fotograf seine Langzeitbeobachtung des hiesigen Tourismusbetriebs aufnahm, in der Mitte der 1990er-Jahre, lebten die ehemals armen Bergbauernkinder längst im Wohlstand – oder was man so nennt. In der monströsen Architektur des Ortes war ein Monster entstanden: vielgliedrig, vielgesichtig, Täter und Opfer in einem, maßlos, exzessiv und, man muss es sagen, außerordentlich erfolgreich. Getrieben wird es von Geld und Alkohol. Von sehr viel Geld und sehr viel Alkohol. Der gelenkte Kontrollverlust der einen ist dabei der Gewinn der anderen, die die Kontrolle behalten.   Hechenblaikners Fotos zeigen nicht nur eine Rechnung in der „Champagnerhütte“ – drei Flaschen (0,75) Montrachet, zusammen 8770 Euro –, sie zeigen, wie man sich den Sekt auch über nackte Hinterteile schüttet, wie man im Schnee mit Sexpuppen spielt und wie die lokale Geistlichkeit die neue Seilbahn segnet. Scharf und unverpixelt dokumentiert der Fotograf auch die hochkapitalisierte, vollgestellte Berglandschaft. Seit ihrer Gründung im Jahr 1961 zahlt die Silvrettaseilbahn AG keine Dividenden aus. Alle Gewinne werden in die technische Infrastruktur reinvestiert, und so sieht es auf den Bergen aus.   Das Buch von vorn bis hinten anzuschauen, fällt nicht leicht. Ob es den Ischgler Tourismusbetrieb verändern wird? Wozu denn, werden die Ischgler zurückfragen.   Am 18. Mai 2020 meldete die Tiroler Tageszeitung: „Während die Zillertaler Seilbahner heuer Corona-bedingt die Investitionsbremse ziehen, gibt Ischgl trotz internationaler Kritik Gas: Mit 35 Millionen Euro will die Silvrettaseilbahn AG auch ein Zeichen setzen.“ Wofür das Zeichen steht, bleibt angesichts der Bilder in diesem Buch rätselhaft. 

Sebastian Schels/Olaf Unverzart: Été

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Berge ohne Menschen, zum Ersten: Architektur und Landschaft in französischen Skistationen – und wie sie im Sommer aussehen. War es ein Virus? Jedenfalls sind die Wesen, die diese seltsamen Bauwerke in die Landschaft gestellt haben, verschwunden. Was sie zurückgelassen haben, gibt den Aliens, die auf der Erde gelandet sind, Rätsel auf: Was ist hier passiert? Welchen Zweck hat es? Vielleicht nähert man sich dem Bildband „Été“ der Fotokünstler Sebastian Schels und Olaf Unverzart am besten aus dieser Perspektive, gleichsam als Außerirdischer.   Die Aufnahmen, alle entstanden vor der Corona-Pandemie, zeigen Berglandschaften, die vom Wintervirus befallen sind. Mit ihren analogen Plattenkameras reisten die Fotografen im Sommer (frz. Été) durch den Westbogen der Alpen, wo in den 1960er- und 1970er-Jahren eine große Vision von „liberté” und égalité” verwirklicht wurde: Skisport für alle! Hierzulande als „Retortenskiorte” für ihre „Monstrosität” geschmäht, standen die gigantischen Bettenburgen (hier passt der Begriff) in Tignes, Les Menuires, Arc 2000 oder La Plagne für die vom Staat zentral gesteuerte Demokratisierung des Winterurlaubs. Schels und Unverzart zeigen sie im spannenden Wechsel von Totalen und Nahansichten: Architektur, die einmal modern war, entworfen in einer Zeit, als die Eroberung des Weltraums noch ein Traum und die Zukunft ein großes Versprechen war, was Dietrich Erben in seinem sehr lesenswerten Essay erzählt. Man sieht bizarre Gebäude aus Beton, mancherorts mit längst verwittertem Holz verschalt und gebaut für den einen Zweck, große Mengen an Menschen in kleinen (und, wer sie kennt, wirklich nicht luxuriösen) Appartments zu beherbergen. Man sieht Science-fiction von gestern, die ihr Verfallsdatum längst überschritten hat.   Wo der Mensch selbst auf den Bildern fehlt, ist er in seinen Werken umso präsenter. Homo Sapiens überformt die Natur mit seinen Ideen und Ansprüchen und schafft eine Kulturlandschaft, die anregt, über die ihr zugrunde liegende Kultur nachzudenken. Und über die Frage, was mit den bizarren Architekturparks einmal passiert, wenn der Winter in Zukunft einmal so ähnlich aussieht wie der Sommer. 

Matthias Heise/Christoph Schuck: Letzte Bergfahrt

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Berge ohne Menschen, zum Zweiten: Wenn Skigebiete zumachen, geht das Leben in den Alpen trotzdem weiter. Skifahren ist kein Volkssport mehr. Der knallharte Verdrängungswettbewerb schafft einige (fast immer große bis sehr große) Gewinner und viele (fast immer kleine) Verlierer. In letztere Kategorie fallen die sogenannten LSAP, Lost Ski Area Projects: Skigebiete, die den Betrieb eingestellt haben und die sich nun zwischen Abbau, Verfall und touristischen Alternativen neu (er-)finden müssen. Einige Dutzend solcher LSAP gibt es in der Schweiz, für das vorliegende Buch wurden vier ausgewählt; sie liegen in den Kantonen Wallis, Uri und Graubünden und wurden zwischen 2014 und 2018 eingehend untersucht. Hinter dieser „wissenschaftlichen Pionierstudie“ steht die Technische Universität Dortmund, was nur auf den ersten Blick seltsam erscheint. Auch im Ruhrgebiet ist eine Industrie zu Ende gegangen, und warum sollte der Strukturwandel vor den Berggebieten haltmachen?   Drei Hauptgründe nennen die Autoren für den Niedergang: den abnehmenden Stellenwert des alpinen Wintersports zugunsten anderer Freizeitaktivitäten, Probleme der Topografie und des Klimas sowie betriebswirtschaftliche Fehlkalkulationen auf der Basis unrealistischer Erwartungen. Etwas geht zu Ende, etwas anderes kommt. Aber was? Soll man auf kapitalextensive „sanfte” Aktivitäten wie Langlauf, Rodeln und Winterwandern setzen? Investoren von auswärts suchen? Selbst noch mehr Geld reinstecken? Der laufende Betrieb und die ständigen Modernisierungen verschlingen gewaltige Summen, die Ertragslage ist angesichts des Klimawandels und der gesellschaftlichen Veränderungen schon vor Corona mehr als unsicher gewesen.   Die „Letzte Bergfahrt” erklärt Zusammenhänge, Entwicklungen, Abhängigkeiten und Chancen, die sich auch auf andere Alpenländer übertragen lassen: wissenschaftlich-empirisch, in einer klaren Sprache, die sich Emotionalität nicht verbietet. Viele Menschen – Urlaubsgäste, Einheimische und auch die Autoren selbst – erinnern sich ja gern an ihre Schwünge auf den nun aufgelassenen Pisten. Die Fotos illustrieren die Studie kongenial: Sie sind sachlich, schön und frei von jener schicken „Lost Places”-Romantik, die sich in der zeitgenössischen Fine-Arts-Fotografie längst als eigenes Genre etabliert hat. 

Markus Rex: Eingefroren am Nordpol

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Schon vor über 20 Jahren war der Atmosphärenforscher Markus Rex das erste Mal in der Arktis. Damals konnte er im Winter noch über Fjorde spazieren, heute frieren sie nicht mehr zu. Sein Logbuch über die spektakuläre MOSAiC-Expedition erzählt eindringlich vom Klimasystem der Arktis. Der Klimawandel ist mittlerweile in unseren Köpfen angekommen. Nur noch wenige weigern sich, die Anzeichen der Erderwärmung anzuerkennen. Während wir im Kleinen versuchen, unseren Alltag so schonend wie möglich zu gestalten, weniger mit dem Auto zu fahren, mehr auf Mehrweg statt auf Einweg zu setzen, brachen am 20. September 2019 Forscherinnen und Forscher aus 20 Nationen Richtung Nordpol auf, um die großen Zusammenhänge zu verstehen. Denn obwohl der Mensch schon fast jeden Fleck der Erde erforscht und untersucht hat, war die Arktis bisher wie ein blinder Fleck, vom dem wir noch nicht viel wissen. Dabei beeinflusst sie den Klimawandel sehr stark mit – und leidet besonders darunter.   Markus Rex ist Familienvater, Professor für Atmospährenphysik, Leiter der Atmosphärenforschung des Alfred-Wegener-Instituts und leitete die MOSAiC-Exepdition. Er war schon oft in entlegenen Orten der Welt, um unser Klima und seine Prozesse zu erforschen. Bereits einige Male besuchte er die Arktis, aber nie zuvor mit einem solchen Vorhaben wie der MOSAiC-Expedition. Ein Jahr lang ließen sich Rex und sein Team im Eis einschließen, um durch die natürliche Strömung von Eis und Meer Richtung Nordpol zu driften. Ein Jahr lang wurden das Forschungsschiff Polarstern und die Eisscholle, an die sich das Schiff „hängte“, ein Zuhause für hunderte Forscherinnen und Forscher, die das Eis, die Atmosphäre und den Ozean der Arktis untersuchten. 

Arved Fuchs: Das Eis schmilzt

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Einer der bekanntesten Polarreisenden schildert eindringlich die Folgen des Klimawandels – und zeigt, wie wir noch etwas dagegen tun können. „Es geht um nicht mehr und nicht weniger als um einen ökologischen und ökonomischen Neuanfang.“ Das ist das Fazit, das Arved Fuchs am Ende seines Buches zieht – und auch die Lehre aus seiner Lebenserfahrung. Als Reisender immer neugierig, lernte er von den kanadischen Inuit das Gespür für Schnee und Eis und bereiste Jahrzehnte lang die Polarregionen der Erde mit seinem Segelschiff Dagmar Aaen. „Das Eis schmilzt“, so lassen sich seine Wahrnehmungen zusammenfassen; es ist der Titel des Buchs. Eklatantes Beispiel aus erster Hand: Die Nordwest- und Nordostpassage, die er als Pionier ohne Eisbrecherbegleitung durchschiffte, sind heute planbare Ziele für Luxuskreuzfahrten.   Dass diese Eisschmelze aber nur das vielleicht deutlichste Symptom der Klimakatastrophe ist, und dass diese die Lebensgrundlagen der ganzen Menschheit (und der Ökosphäre überhaupt) bedroht, dagegen möchte der von der 68er- und der Anti-AKW-Bewegung der 1970er Jahre geprägte Abenteurer mobil machen. „Es ist die Pflicht des Chronisten, sich einzumischen und zu berichten.“   Das Buch ist eine unterhaltsame Mischung aus Reisebericht, Faktensammlung und politischem Manifest, garniert mit begeisternden, motivierenden und erschütternden Fotos. Sympathisch erzählt Fuchs von seinen Erlebnissen in den großartigen polaren Landschaften. Liefert ordentlich recherchierte Hintergründe, etwa zur Umweltbilanz von Offshore-Windkraftanlagen: Tote Vögel, aber weniger als an Hausfassaden oder durch Klimawandel-Folgen; Störungen der Meeresfauna beim Bau, die aber durch technische Maßnahmen reduziert werden; und dass die künstlichen Inseln im Meer Ansatzpunkt für neues Leben werden, auch durch reduzierten Verkehr und Fischereiverbot. Und er schildert Best-Practice-Beispiele, wo Menschen die Zeichen der Zeit erkannt und ihre Lebensweise und Energieversorgung zukunftstauglich gemacht haben: Die dänische Insel Samsö, die mehr als energieautark ist; das Dorf Hausbay bei Koblenz, das von und mit gemeinsamer Ökoenergieerzeugung bestens lebt; Stadtwerke wie in Oerlinghausen, die in Kraft-Wärme-Kopplung Strom und Wärme aus Biomasse liefern; Island mit einem Komplettmix aus Wind-, Wasserkraft und Geothermie, daraus erzeugtem Methanol und CO2-Bindung an Tiefengestein. Er belegt damit: Es ist möglich, dass wir die Kurve kriegen – wenn wir es wirklich wollen. 

Horvath, Grote, Weiss-Tuider: Expedition Arktis

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Über ein Jahr lang driftete das Schiff Polarstern durch die Arktis, um die Wirkung des Klimawandels auf das vermeintlich ewige Eis zu erforschen. Ein eindrucksvoller Bildband dokumentiert die „historisch größte Arktis-Forschungsreise“. Wir konnten nur sehen, was im Scheinwerferlicht des Schiffes lag oder im Lichtkegel unserer Stirnlampen“, sagt die Autorin und Fotografin Esther Horvath. Vier Monate lang begleitete sie das deutsche Forschungsschiff Polarstern auf seiner Reise im arktischen Eis. Eine wissenschaftliche Reise, die es in solcher Dimension im 21. Jahrhundert nicht gegeben hat. Ein Jahr lang ließen sich Forscherinnen und Forscher aus 20 Nationen, eingeschlossen in einer dicken Eisschicht, von der natürlichen Bewegung des Eises und der Strömung über den Nordpol driften, nahmen Proben und machten Tests, die helfen sollen, den globalen Klimawandel besser zu verstehen.   Abgeschieden von jeglicher Zivilisation begleitet die Fotografin Esther Horvath die MOSAiC-Expedition auf der Polarstern für den ersten von drei Forschungsabschnitten. Ohne Handy- oder Internetempfang und ohne die Möglichkeit schnell noch etwas besorgen zu können, kommt es bei einer solchen Reise auf durchdachte Vorbereitung und absolute Genauigkeit an. Eisige Kälte (sehr) weit unter dem Gefrierpunkt macht den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Expedition zu schaffen, die Fotografin kämpft für jedes einzelne Bild gegen die Temperaturen an, die die Akkus und sogar die Kamera selbst zeitweise lahmlegen. Aber nicht nur die technische Ausrüstung stößt an ihre Grenzen, auch die persönliche Ausrüstung, wie dicke Handschuhe und Schneeschutzbrille, verlangt eine Portion Kreativität, um scharfe Bilder zu bekommen. 

Lässig durch den Sommer

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