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Bücherberg

Reinhold Messner: Der Eispapst

Biographie

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„Wie im richtigen Leben“: Ein Drama um „Eifersucht, Neid und Rivalität“ unter Bergsteigern. Wieder einmal steigt Reinhold Messner tief ein in die Frühgeschichte des Himalaya-Bergsteigens und verrät dabei viel über sich selbst. „Das Narrativ zum Bergsteigen ist ebenso wichtig wie das Bergsteigen selbst“, mit dieser steilen Behauptung beschließt Reinhold Messner sein jüngstes Buch. Tatsächlich hat die Menge der Publikationen, in denen der inzwischen Fünfundsiebzigjährige selbst vom Bergsteigen erzählt, längst die Höhe eines respektablen Bücherberges angenommen, den er nun mit dem „Eispapst“ um eine weitere Erzählung vergrößert.   Rund um die Person des Münchner Bergsteigers Willo Welzenbach, der 1934 am Nanga Parbat umkam und in dem Messner, nicht ganz zu Unrecht, einen Vorgänger und Gleichgesinnten sieht, entfaltet der Südtiroler ein Schauspiel von nahezu shakespearschen Ausmaßen. In diesem stehen sich Welzenbach und Paul Bauer gegenüber, beide zunächst Seilpartner bei schwierigen alpinen Unternehmungen und Mitglieder im elitären Akademischen Alpenverein München.   Durch die Erstbegehung zahlreicher eisgepanzerter Nordwände in den Alpen hatte sich Welzenbach zum „größten deutschen Bergsteiger der Zwischenkriegszeit“ entwickelt. Seine Veröffentlichungen, 1935 gesammelt und herausgegeben vom AAVM, gestaltet Messner über lange Strecken des Buches und mit einigen schriftstellerischen Freiheiten um zu lebhaften Vortragsreden. Bauer indes, der den 1. Weltkrieg als Offizier miterlebt hat, sieht im alpinistischen Tun einen „Kampf für Deutschlands Ehre“, dem er seine ganze Energie widmet. Die Bergfreundschaft zwischen den beiden Männern wird schließlich überrollt von einer tödlichen Lawine aus „Eifersucht, Neid und Rivalität“. Auf dem Höhepunkt des Dramas droht Bauer gar damit, Welzenbach zu vernichten bzw., ganz im Stil der Zeit, ihn „an die Wand zu quetschen“. Etwas geschraubt stellt Messner fest: „Liberaler Humanismus und evolutionäres Übermenschengehabe stehen sich also auch im Himalaya diametral gegenüber.“   Wie konnte es dazu kommen? Wesentlichen Anteil daran haben die Zeitläufte, deren Spuren bis in das ferne Berlin reichen und die Messner seitenlang in aller Breite, darin liegt der besondere Reiz des Buches, dokumentiert. Heutige Zeitgenossen können darüber wohl nur den Kopf schütteln. Angeregt durch die Aktivitäten der Briten am Everest, wollten auch die deutschen Bergsteiger der Zwanziger am Ringen um die Achttausender teilhaben. Einige von ihnen glaubten gar, auf diese Weise die Sieger des Weltkrieges auf dem bergsteigerischen Felde übertrumpfen zu können. Zu ihnen zählte Paul Bauer, der 1929 eine leidlich erfolgreiche Expedition zum Kantsch geführt hatte und diese zwei Jahre später fortsetzen wollte.   Demgegenüber verfolgte Welzenbach ganz andere Ziele. Sein Können und seine Erfahrungen im Eis verrieten ihm, der eher sportlich als national dachte, dass der Nanga Parbat das lohnendere und aussichtsreichere Ziel sei. Wenn man nicht auf die finanzielle Unterstützung des Alpenvereins verzichten wollte oder konnte, die im Angesicht einer Weltwirtschaftskrise sowieso nur zögernd und spärlich floss, so waren zwei gleichzeitige Expeditionen zu verschiedenen Bergen völlig ausgeschlossen. Außerdem blockierte das Auswärtige Amt die Unternehmungen, weil man bei den Verhandlungen um die Reduzierung der Reparationsforderungen auf die Zahlungsunfähigkeit der Deutschen setzte und diesen Eindruck nicht durch kostspielige Reisen gefährden wollte. Nicht zuletzt sahen es wohl auch einige britische Kolonialherren nicht ein, warum sie auf ihre Jagdausflüge und Regierungsreisen in die Himalayaberge nur deshalb verzichten sollten, weil ihnen deutsche Bergsteiger wieder einmal die besten Träger und auch die raren Lebensmittel wegschnappten.   So musste Welzenbach, der das große Intrigentheater, das Bauer gegen seine Pläne in Szene setzte, erst spät durchschaute, mehrfach in den sauren Apfel beißen, sich im Kampf um das Geld geschlagen geben und auf eine eigene Expedition verzichten. Erst 1934 gelangte er dann endlich an sein Traumziel, den Nanga Parbat. Allerdings musste er sich dafür der Führerschaft des wenig geeigneten Willy Merkl unterwerfen und eine von ihm eher abgelehnte Aufstiegsroute sowie einen ungünstigen Zeitplan akzeptieren. Diese misslichen Umstände macht Messner für die Katastrophe am langen Grat des Nanga Parbat verantwortlich, wo Merkl, Welzenbach und sieben weitere Bergsteiger starben. Eigentlich ist es müßig, zu fragen, wie Messner es am Ende tut, was passiert wäre, wenn der Alpenverein sofort die Qualitäten Welzenbachs erkannt und ihm alleine, wie zunächst vereinbart, ohne die Zeit mit Querelen zu vergeuden, den Diamir-Zugang zum „Schicksalsberg der Deutschen“ ermöglicht hätte, anstatt opportunistisch auf Bauer und dessen Kantsch-Pläne zu setzen. Immerhin machen die Dokumente das Dilemma der Verantwortlichen deutlich. Messner will daher auch nicht von der Schuld des Vereins sprechen, sondern das Bewusstsein wecken „für diese seine Verantwortung, das ihn stark macht.“   Viele der Dokumente, die Messner heranzieht, sind bekannt. In einigen Teilen kann er jedoch auf eine „Akte Welzenbach“ zurückgreifen, die aus dem Nachlass von Welzenbachs Mutter (1876-1970) stammt und über Anton Schwembauer an den Autor gelangt ist. Was über persönliche Beileidsbekundigungen hinaus aus dieser „Akte“ stammt, bleibt unklar, weil Messner, wie er betont, „keine wissenschaftliche Arbeit“ schreiben wollte und daher konsequent die Herkunft all seiner Quellen verschweigt. Auf dieser etwas heiklen Quellenlage, überwiegend mit Datum versehenen, mehr oder weniger offiziellen Schreiben, beruhen allerdings die Täterprofile, die Messner erstellt.   Während die Äußerungen des umtriebigen Bauer eindeutig seine verschrobene, nationalsozialistische (Beitritt zur NSDAP 1933), denunziatorische, ja antisemitische Gesinnung enttarnen, bleiben echte Charaktermerkmale Welzenbachs eher unscharf und oberflächlich: „Welzenbach war in erster Linie Bergsteiger, kein Vereinsmeier. Seine Freunde waren Alpinisten, keine Intriganten.“ „Gerechtigkeit ist ihm heilig.“ Oder etwas moderner: „Neben großem Kletterkönnen bei den technischen Schwierigkeiten waren Erfahrung und Risikomanagement Voraussetzungen für seinen Erfolg sowie ein außergewöhnliches körperliches Leistungsvermögen.“ Und wenn man liest: Welzenbach „möchte Ideen umsetzen, bergsteigen, davon erzählen, darüber schreiben. Ihm geht es nicht um Macht, er sucht das Abenteuer“, dann meint man, Messner über sich selbst reden zu hören. Wir wissen nicht, was die Zuhörer dachten, als man dem toten „Eispapst“ nachrief: „Er starb für Deutschlands Geltung und Ruhm.“ Heute wissen wir allerdings, dass sie diese und ähnliche Phrasen noch bis zum Überdruss vernehmen mussten, und sind damit gewarnt vor der Vereinnahmung für falsche Ziele. 

Birgit Lutz: Heute gehen wir Wale fangen

Biographie

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Grönland ist ein Land zwischen zwei Welten – dem alten Leben und der digitalen Moderne. Birgit Lutz besucht das faszinierende Land und seine Menschen. In ihrem Buch nimmt sie den Leser mit auf ihre Reise in eine andere Welt. „Wie kann ein Mensch, der hier aufwächst, je anderswo glücklich und eins mit sich sein? In einem Büro? In einer Stadt? Und nicht deshalb, weil es in einem Büro in einer Stadt nun einmal nicht so schön ist. Sondern weil man hier so nah an der Erde lebt. Hier spielt nichts Künstliches mehr eine Rolle, alles ist echt, der Wind, die See, das Eis, das Blut das nach der Robbenjagd über die Felsen läuft.“   Als Birgit Lutz bei einer Expedition das erste Mal nach Grönland kommt, ist sie fasziniert. Sie kehrt mehrere Male zurück in den kalten Norden. Grönland ist ein Land, in dem viele Bewohner noch in Erdhäusern aufgewachsen sind. Doch die Insel hat sich in den letzten Jahren rasant verändert. Auf ihrer Reise begegnet sie Jugendlichen, die zwischen Tradition und Moderne schweben und keinen Platz im Leben finden. Ihr wird deutlich, welche Auswirkungen die schnelle Modernisierung auf das stille Volk hat – das nie gelernt hat, sich zu wehren. Überall sind die Probleme der Insel präsent: Alkohol, Gewalt und Selbstmorde. Birgit Lutz lässt sich tief auf die Grönländer ein. Sie redet mit ihnen über das besondere Leben am entlegensten Ort der Welt. Macht aber auch eigene Erfahrungen mit dem Land. Mit ebenso mitreißenden wie einfühlsamen Beschreibungen und vielen Fotografien vermittelt sie dem Leser die Faszination des Ortes. Das Buch ist nicht nur ein Buch über Grönland, es schildert auch Menschen, die ihre Identität suchen. 

Bernadette McDonald: Die Kunst der Freiheit

Biographie

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„Leben und Berge“ von Voytek Kurtyka verspricht der Untertitel dieses Buches. Geliefert werden faszinierende Geschichten aus einer goldenen Zeit des Superalpinismus – und Zugang zu einer außergewöhnlichen Persönlichkeit. „Ich glaube aus tiefstem Herzen, dass das Klettern den Kletterer zu körperlichem und geistigem Wohlbefinden, ja zu Weisheit erheben kann, dass aber Preise und Ehrungen den Kletterer zu Eitelkeit und Egozentrik verführen. Wo Preise und Ehrungen regieren, endet die wahre Kunst.“ Mit diesen Worten lehnte Voytek Kurtyka die Einladung in die Jury des Alpinismus-Oscars „piolet d’or“ ab. Schließlich sei der Versuch, Leistungen im großen Alpinismus zu vergleichen, so sinnlos wie die Frage, ob Sex oder Weihnachten besser sei.   Als ihm später der Preis selbst angetragen wurde, zur Würdigung seiner alpinen Lebensleistung, schrieb er: „Unsere Erlebnisse grenzen manchmal an eine Art Erleuchtung, die unser Leben zutiefst prägt … Ich möchte diese kostbaren Momente unberührt belassen.“ Irgendwann gab er dann doch nach, akzeptierte die Auszeichnung und freute sich, bei der Zeremonie alte Freunde und Partner wiederzusehen.   Verdient hatte der charismatische Pole den Preis wie wenige andere: Seine Touren – unter anderem am Changabang, an der „Shining Wall“ des Gasherbrum IV, am Trango Tower, in Seilschaft an Achttausender-Neurouten – sind noch heute bewunderte Marksteine der Alpingeschichte. Seinen Lebensweg von Kindheit und Jugend bis zum (fast) ruhigen Alter (er wurde 1947 geboren) zeichnet Bernadette McDonald mit Empathie und Feingefühl nach; kongenial übersetzt von Robert Steiner, lektoriert von Daniel Anker – ein Dreamteam für eine der inspirerenderen Biographien der letzten Jahre. Die neben packenden Action-Schilderungen vom Berg und philosophischem Tiefgang auch amüsante Zeitgeschichte bietet, etwa zur polnisch-nepalischen Korruptions-Kooperation. 

Andy Kirkpatrick: Ungekannte Freuden

Biographisches Lesebuch

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„Über das Leben, den Tod, das Klettern und alles dazwischen“ verspricht der Untertitel: die besten Blogs des Extrem-Menschen Andy Kirkpatrick. Tough stuff, vor allem aus dem Dazwischen. Andy Kirkpatrick ist einer der stärksten alpinen Schreiber unserer Zeit. Das wurde bei seinem Erstling „Psychovertical“ deutlich, in dem er seinen persönlichen Gang zum Extremalpinismus und vom Legastheniker zum Autor mit einer haarsträubenden Schilderung eines Bigwall-Solos am El Capitan verschränkte. In seinem dritten Band versammelt er ausgewählte Geschichten, die teilweise in Magazinen, teils in seinem Blog erschienen sind. Die Erlebnisse am Berg sind manchmal (scheinbar) primäres Thema, manchmal nur unterschwelliges Fundament – es geht ihm hier vor allem um Menschliches: Angst und Überwindung, Liebe und Scheitern, Tod und Gesellschaft. In prägnanter Offenheit erzählt er von privaten Emotionen, von seinen Kindern und Beziehungen, von Lebensentwürfen und gesellschaftlichen Abwegen.   Natürlich finden Berg-Aficionados auch Hardcore Erlebnisschilderungen, etwa ein typisches Kirkpatrick-Epic am Frendopfeiler, frostige Freuden in der Trollwand, bedrückende Betrachtungen über unzuverlässige Abseilstände oder vom Vater-Tochter-Ausflug am El Capitan. Immer aber geht es ihm um die Begegnungen mit Menschen, mit ihren Werten und Problemen, und oft stehen sie im Vordergrund seiner Texte, wie etwa Chongo, die Slackline-Legende aus dem Yosemite Valley, der sein Leben an der Grenze zwischen (sozialem) Absturz und Berühmtheit tanzt. 

Holzer/Haselböck: Berg und Sinn

Biographie

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Dass Berge eine Metapher fürs Leben sind, ist eine alte Weisheit. Der Psychotherapeut Viktor Frankl hat seine Erfahrungen aus Berg und Leben in eine weltweit bedeutende Theorie verarbeitet – dieses Buch macht alles lebendig nachvollziehbar. „Man muss sich ja nicht alles von sich gefallen lassen. Man kann auch stärker sein als die Angst“, schrieb Prof. Dr. Viktor Frankl, Psychologe und Erfinder der Logotherapie. Was er als „Trotzmacht des Geistes“ als eine der stärksten Ressourcen der Persönlichkeit definierte, hatte er beim Klettern kennengelernt – es half ihm, vier Konzentrationslager samt Fleckfieber zu überleben.   Obwohl ihn die Höhenangst schüttelte, als er als siebzehnjähriger Gymnasiast erstmals am oberen Rand der Mizzi-Langer-Wand stand, eines Trainingsfelsens bei Wien, sagte er Ja zum Klettern. Es wurde ihm tragende Lebensleidenschaft. Mit Erinnerungen an vergangene und Träumen von künftigen Klettereien überstand er die Tage und Nächte im KZ, wo seine ganze Familie ermordet wurde. Und diese Freiheit: die Perspektive auf das, was einem das Leben vorsetzt, selbst zu wählen, machte er zur zentralen Botschaft seiner Psychotherapie-Methode. 

Mario Casella: Die Last der Schatten

Lesebuch

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Darf man Alpinisten glauben? Soll oder muss man es tun? Was, wenn ihre Angaben sich als unwahr herausstellen? Aber was, wenn sie als Lügner gelten, aber die Wahrheit gesagt haben? Ein Buch aus der Schattenwelt der Bergesherrlichkeit. „Die Geschichte des Bergsteigens ist und muss in jeder Hinsicht „rein“ bleiben, vor allem insofern, jedem einen guten Willen zu unterstellen; sonst wird die Gefahr, dass jedes Unternehmen in den Dreck gezogen wird, unvermeidbar.“ Diese Sätze stammen ausgerechnet von Cesare Maestri, der heute von der Mehrheit der Experten als Lügner eingeschätzt wird. Was aber, wenn er damals, 1959, tatsächlich zusammen mit Toni Egger den Cerro Torre erstbestiegen hätte? „Es bleiben die Schatten, die … immer länger werden – wie eine Gefängnisstraße ohne Urteil, gegen das man Revision einlegen könnte.“ Das schreibt der italienische Journalist und Extrembergsteiger Mario Casella über einen anderen Fall, über Tomo Cesens Solo-Erstdurchsteigung der Lhotse-Südwand 1991, die mittlerweile auch von weiten Kreisen angezweifelt wird. Eine ähnlich faszinierende Großtat war Ueli Stecks Alleingang in der Südwand der Annapurna 2013, an dem ebenso Zweifel geäußert wurden.   Je inspirierender die Leistung, desto schmerzlicher der Verdacht, sie könne nur „Fake News“ sein. Der Luftballon der Bewunderung platzt, wenn Christian Stangl zugibt, er habe seine K2-Besteigung nur „visionalisiert“. Seit jenem Fall sind die Ansprüche an Dokumentation bergsteigerischer Spitzenleistungen gestiegen – Kamera und GPS-Plot machen’s möglich. Und dennnoch ist der Glaube an die Aussagen von Bergsteigern eine Basis der alpinistischen Gemeinschaft, vergleichbar der Verlässlichkeit des Seilpartners. Lügen rauben der Alpingeschichte ihr Fundament. Trotzdem gab es sie immer wieder. Manche sind belegt, um andere Fragen wird immer der Zweifel kreisen, der mit dem Tod der Akteure (wie im Fall von Ueli Steck) unsterblich wird. Es hat etwas von inquisitorischer Logik: Nur durch das Geständnis der Lüge könnte sich der Beschuldigte freisprechen – was aber, wenn er wirklich oben war? 

Ruhland/Jorda: Bergmenschen

Interviews

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Bergmenschen: Das müssen nicht nur alpine Spitzensportler*innen sein. Dieser Band sammelt Interviews aus dem „Bergsteiger“ – auch mit Politikern, Künstlern und Wissenschaftlern; eine bunte, anregende Mischung. „Natürlich habe ich Ängste. Natürlich habe ich Zweifel. Es gib die Angst vor dem Fallen und die vor dem Scheitern, mit der wir alle im normalen Leben zu tun haben. Sie ist es, die uns davon abhält, großartige Dinge zu tun. … Aber es ist so wichtig, … Gründe zu finden, warum es möglich ist.“ Wenn Adam Ondra ganz freimütig über seine Ängste redet, dann ist das genau so geistreich wie sein gesamtes Auftreten. Nur: Die Frage danach muss man erst mal stellen, damit der Interviewpartner die Möglichkeit bekommt, auszupacken.   „Die Interviews gehen ans Eingemachte, an das, was Menschen in ihrem Innersten ausmacht“, schreibt der Autor Michael Ruhland im Vorwort zu seinem Buch, das Interviews sammelt, die er als Chefredakteur für den „Bergsteiger“ gemacht hat – manchmal stellten auch Kollegen die Fragen. Nicht jeder Interviewpartner lässt richtig viel raus, erzwingen kann man das auch nicht. Dennoch sind die Unterhaltungen meistens deutlich mehr als nur ein Nachvollziehen aktueller Spitzenleistungen, fragen nach Hintergründen, Einstellungen, persönlichen Wertungen. Und oft kommen tatsächlich inspirierende Aussagen, wie etwa von Ines Papert: „Ich sehe es mittlerweile nicht mehr als Scheitern, sondern als Stärke, wenn ich es schaffe, nicht einzusteigen. Ein „vielleicht geht’s gut“ ist zu wenig. Ich muss mir sicher sein.“   Die Interviews entstanden im Lauf mehrerer Jahre. Es liegt in der Natur der Welt und des Sports, dass nicht mehr alle Gesprächspartner am Leben sind. Heiner Geißler starb einen natürlichen Tod, David Lama, Hansjörg Auer und Ueli Steck kamen nicht mehr von ihren Bergzielen zurück. Das gibt manchen Antworten eine ganz neue Dimension, etwa wenn Auer sagte: „Ich hoffe, dass ich mit 50, 60 nicht unbedingt noch vom Alpinismus leben muss, dass ich dann nicht mehr von Sponsoren abhängig bin und vielleicht auch ruhiger werde. Nicht mehr so extreme Sachen mache. Denn es ist ja immer Risiko dabei. Aufhören geht aber nicht, weil es deine Leidenschaft ist; das, was dich zum Leben motiviert.“ Oder bei Ueli Steck: „Irgendwann reicht es einfach nicht mehr, man will mehr. Und mehr, und mehr. Und das endet – wie bei einer Droge – tödlich. Da muss man rechtzeitig den Absprung schaffen.“ 

Für Schnee und Fels

Führer Skitour und Klettern

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Die einen freuen sich, wenn der Winter Schnee bringt und neue Tourenziele möglich werden. Andere sind eher happy, wenn der Fels trocken bleibt – auf der Alpensüdseite, für die eine ganze Reihe neuer Führer den Schwerpunkt dieser Vorstellung bilden, ist ma

Reliefkarten Alpen

3D-Reliefkarten Alpen

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Alpenbogen im Maßstab 1: 500 000: Die drei Reliefkarten Alpen, Alpen Ost und Alpen West stehen für sich oder können wunderbar als schmückendes Wand-Ensemble kombiniert werden.     

Fels für Alle!

div. Kletterführer

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Die ganzen Alpen sind erobert? Von wegen! Noch immer finden fleißige Erschließer Neutouren und machen den Führerautoren Arbeit. Hier ein gutes Dutzend gelungene Sammlungen neuer Ziele.     

Volkhard Hofer: Iceland Graphics

Bildband

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Die Gletscher, Basaltsäulen und Wasserfälle Islands sind beliebte Reise- und Fotomotive. Aber so wie Volkhard Hofer ihre Details und Strukturen einfängt, hat man sie noch nicht gesehen. „Der isländischen Natur bin ich im höchsten Maße zu Dank verpflichtet. Nirgends ist die Vereinigung aller Elemente so hautnah erlebbar wie auf dieser Insel im Nordatlantik. Die Urgewalten werden hier spürbar und erweiterten von Reise zu Reise meine fotografische Wahrnehmung.“ Mit der Kamera ist Volkhard Hofer noch gewandter als mit dem Wort: Der Fotografie-Professor hat viele Bildbände herausgegeben, zuletzt das faszinierende „Magic Rocks“.   Mit „Iceland Graphics“ huldigt er nun Island. Die Vulkaninsel beim Polarkreis hat er achtzehnmal bereist, seit er vor vierzig Jahren vom „Islandvirus“ befallen wurde. Doch er zeigt nicht ihre malerischen Landschaften, struppige Ponies in nordischer Weite. Er zeigt diese Welt, in der vulkanische Kräfte ständig neues Land erschaffen, als kreative Künstlerin. Nur in Ausnahmefällen ist der Himmel zu sehen auf seinen Aufnahmen, oft klären erst die informativen und anregenden Bildunterschriften, was da eigentlich abgebildet ist. Mal ist die Struktur nicht größer als die Buchseite, mal ist eine ganze Landschaft dargestellt. Und trotz der Erklärung ist es nicht immer einfach nachzuvollziehen, woher besipielsweise eine lebendige Riffelstruktur kommt, ob es Wellen sind oder Dünen im Lavasand, in welche Richtung hier etwas fließt und woher es seine außerirdischen Farben bekommt. Und selbst wenn man einmal versteht: Aha, von unten brandet das Meer an die Küste, der Gischt von der Sonne bestrahlt, und überflutet den von Oxiden ockergefärbten Fluss, der durch blauschimmernde Sandflächen strömt – selbst dann bleibt es unfassbar.   In zehn „Facetten“ gliedert Hofer seine Beobachtungen: Gletscher, Flüsse, Islandrocks, Sedimente, Landschaften, Flechten, Wasserfälle, Heiße Quellen, Wolkenbilder, Eisbilder. Und in jeder Facette lässt er durch die grafische Abstraktion die bezaubernde Schönheit, die archaische Wucht der Landschaftsformen zu einer ergreifenden Wahrheit werden. Er zeigt Landschaften mit einer Vielfalt von Strukturen und Farben, wie sie kaum ein Künstler erfinden könnte. Seengruppen in sämtlichen Blautönen. Eine schwarze Sandbank, von grünem Wasser und weißem Schaum überspült. Grand Canyons aus goldrotem Rhyolitgestein. Vernarbte Vulkankrater, überwuchert von gelbem Schwefel oder grünen Algen. Basaltsäulen, glühende Lava, von Schwefeldämpfen giftgelb leuchtender Fels. Von der Brandung polierte Basaltbecken und -kiesel, glatthäutig wie Robben. Silbriggrau schimmernde Sedimente, die Schuppen und Rippen wie Dinosaurier bilden, feinste Höhenlinienstrukturen oder glänzende Kuppen wie erstarrtes Blei. Gelb und rot leuchtende Flechten in messerscharfem Detailreichtum. Wasserfälle, die über Felsen strömen und ihre Formen nachzeichnen, oder die in wilden Kaskaden gischtsprühend durch die Luft stürzen. Heiße Quellen, die tiefblau aus ungeahnten Tiefen heraufströmen oder die in grauem Schlamm explodieren. Und selbst die Wolkenbilder, von denen Alpinisten ja auch einiges gewohnt sind, haben auf dieser Insel eine besondere Macht. 

Bernd Römmelt: Heimat

Bildband

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Der Fotograf Bernd Römmelt zeigt mit diesem hymnischen Bildband, wie seine Heimat das Zuhause der Seele ist – und wie ungeahnt großartig die vermeintlich altbekannten Bayerischen Voralpen sein können. „Als ich die ersten großen und langen Reisen ins Ausland unternommen habe, merkte ich plötzlich, wie mir das Vertraute fehlte“, schreibt der Autor im Vorwort – das Vertraute einer der „schönsten Regionen Deutschlands, wenn nicht gar ganz Europas“, der Voralpen südlich von München, wo er aufgewachsen ist. Und als er 2018 komplett ohne große Reise verbrachte und nur zuhause fotografierte, erlebte er „vielleicht das fotografisch wertvollste Jahr meiner Fotografenlaufbahn“, die immmerhin schon fast 20 Jahre dauert.   Nicht nur Bilder von 2018 sammelt der Bildband „Heimat“: Es sind die Highlights aus einem Leben in einer Landschaft, wo Römmelt rund 300 Tage pro Jahr mit der Kamera auf Motivsuche ist. Und sie lassen das Wort in seiner tiefen Bedeutung hautnah erfahrbar werden: Heimat, einen Begriff, der von Extremisten des Egoismus derzeit politisch wieder missbraucht wird. Und der doch von Harmonie singt, vom Einswerden mit der Welt, vom Geborgensein zuhause.   In acht Kapitel gliedert Römmelt seine Heimat-Erforschung: Am Berg, Am Wasser, Morgenstund hat Gold im Mund, Wenn andere nach Hause gehen (Schlechtwetterbilder), Mit Adleraugen unterwegs (Drohnen-Aufnahmen), Im Laufe der Zeit (Jahreszeiten), Begegnungen (mit Tieren) und Augenblicke. Zu jedem erzählt er von seinen Erfahrungen und auch von dem Engagement, das gute Landschaftsfotografie erfordert: Da muss man schon mal in den Schnee liegen, um treibende Kristalle im Gegenlicht einzufangen; steht vor Tag und Licht auf, um das erste Schimmern zu erleben; sitzt Donner und Sturm aus (wenn auch im Auto), um Gewittergüsse und Blitzbahnen abzulichten.   Doch die Ergebnisse lohnen den Aufwand. Da leuchtet ein Regenbogen über einer sonennbestrahlten hellgrünen Waldlandschaft unter nachtblauem Gewölk. Die Morgensonne beleuchtet dramatische Wolkenburgen über dem silbervernebelten Tiefgrün einer morgendlichen Wiese, während über blauen Vorbergen das Zugspitzmassiv aufflammt. Sonnenfinger greifen durchs Geäst eines Baumes oder brechen durch Unwetterwolken. Die Drohne fängt Farbenspiele von Flüssen, Seen und Wäldern ein, Stimmungen wie am Äquator oder in Skandinavien – und macht aus Landschaften grafische Abstraktionen. 

Christoph Ruhsam: Frozen Latitudes

Bildband

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Eine Liebeserklärung an die Eiswelten Grönlands und der Arktis zeigt in poetisch großzügigen Bildern die Schönheit einer Landschaft, deren Jahre wahrscheinlich gezählt sind. Vor rund 30 Jahren war Dr. Christoph Ruhsam zum erstenmal in Grönland; seither hat er immer wieder die Arktis aufgesucht, zu Fuß, mit Ski und per Hundeschlitten. Dieser Fine Art Fotoband ist eine Hommage an die Landschaft seiner Leidenschaft, eine künstlerische Huldigung der nördlichen Eiswelten und ihrer Bewohner.   Ruhsams Fotos zeigen die endlos weiten Landschaften Grönlands und der Inseln von Franz-Joseph-Land, oft im großen Querformat, das das Gefühl der Weite und Ausgesetztheit nachvollziehen lässt. Riesige Gletscherflächen, dazwischen Hügelkämme, teils mit steilen Felswänden, manchmal großartige Berggestalten, Burgen und Dome aus Fels und Eis. Er zeigt aber auch das Leben der einheimischen Inuit: Bunte Holzhäuser in der Mitternachtssonne; Friedhöfe mit weißen Kreuzen und Plastikblumen unter dem grünen Leuchten des Nordlichts. Schlittenhunde und ihre Führer in pluderigen Hosen aus Eisbärfell. Und er hat Details von Naturschönheiten in dieser kargen Landschaft eingefangen: symmetrisch gestaffelte Sechsecksäulen aus Basalt, zu Walrossköpfen geschmolzene Eisberge, ein Streifen eines schneebedeckten Felskegels zwischen den Grauflächen von Wolkenhimmel und Meer. Metergroße Geoden: perfekt gerundete Felskugeln. Blumen, die durch den Schnee brechen. Eisbären, die von Scholle zu Scholle hüpfen, um sicheres Land zu erreichen.   In begleitenden, zweisprachig gedruckten Textkapiteln schildert er das Leben der Inuit-Bevölkerung, das Lebensgefühl im Eis. Teils geradezu poetisch, etwa wenn er das Wechselspiel der Polarlichter beschreibt oder das Strahlen der Milchstraße im klaren Nachthimmel. Die Texte sind getragen von Herzenswärme und Begeisterung, zeigen aber auch einen klaren Blick für Veränderungen. 

Philippe Bourseiller: Eis

Lesebuch

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Eis – ob in Alpengletschern oder Polargebieten – ist von der Klimakrise bedroht. Ein französischer Fotograf huldigt seiner vielfältigen Schönheit. Eis ist weiß, so viel ist klar, oder? Im Gegenteil! Jede Doppelseite dieses Buches zeigt andere Farbspiele und Konstellationen: schimmerndes Gold, tausendfältiges Blau, zarte Rosétöne. Quasi farblose Bergkämme in Grau, vom Abendlicht gerötete Triebschneefahnen über nachtblauen Gletscherrillen, von der Mitternachtssonne vergoldete Eisberge, die sich im Polarmeer spiegeln.   Philippe Bourseiller, fünffacher Preisträger des World Press Award, hat auf der ganzen Welt fotografiert. In diesem Band zeigt er die Vielfalt der „Kryosphäre“ – jener Teile der Erde, in denen Wasser in gefrorener Form vorliegt. Die endlosen Packeisflächen der Arktis, Gletscher- und Gipfelwelten der Antarktis, vergletscherte Gebirge von Alaska bis zu den Alpen, In Seen kalbende Hängegletscher Patagoniens, den gefrorenen Baikalsee mit seinen bizarr-filigranen Eisstrukturen, im Eis eingeschlossene Methangasblasen auf kanadischen Seen, kilometergroße Gletscherströme und zentimeterfeine Eiskristalle. 

Munier/Ballesta: Adelie. Eismeer – Eisland

Bildband

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Die schwarzbefrackten Pinguine gehören zu den amüsantesten Tieren. Aber so großartig wie in diesem zweigeteilten Bildband hat man sie noch selten gesehen. Wie stille Genießer stehen sie da, im Schneetreiben der Antarktis. Von Kälte und Wind unbekümmerte dunkle Silhouetten im eisigen Grau. Dann plumpsen sie ins Wasser – und werden zu schwerelosen Projektilen, eleganten Tänzern des Eismeers.   Pinguine sind Wanderer zwischen zwei Welten: Plumpe Watschvögel an Land, geschmeidige Schwimmer unter Wasser. Für diesen ungewöhnlichen Bildband haben sich zwei großartige Fotografen zusammengetan und die Tiere in ihren zwei Lebensräumen porträtiert.   „Adelie Eisland“ heißt das weiß gebundene Buch von Vincent Munier. Es zeigt das, was jeder Besucher sehen könnte. Aber was nur sieht, wer mit dem Herzen schaut. Graue Figuren, ins Nichts gepflanzte Hydranten, neben umnebelten Felsbrocken. Kolonien von dutzenden oder hunderten Pinguinen, wie Kirchgänger oder Demonstranten zusammengedrängt, die Umrisse lösen sich auf im Treiben des Schnees; nur hier und da blitzt der goldene Halsfleck oder der rosa Schnabel auf, gelegentlich geben Felskämme, Eisberge oder das gewellte Meer den Gruppenaufstellungen einen Widerpart. Hier und da mischt sich auch einmal das Bild einer Robbe darunter, oder die Eisformen dürfen für sich sprechen. Die Bilder machen es keinen Deut verständlicher, wie diese Tiere im Eisland überleben können. Und doch zeigen sie eine Harmonie zwischen Kreatur und Chaos, die sich in Struktur und Rhythmus auflöst.   Laurent Ballesta ist den Tieren ins „Adelie Eismeer“ gefolgt, in die Schwärze unter den Packeisplatten, bis hinunter zum felsigen Grund. Wie Torpedos gleiten sie durchs Blau, Spuren leuchtender Luftblasen hinter sich herziehend. Schwerelos erforschen sie diese Gegenwelt, in der sie Robben und Tintenfischen, leuchtenden Seesternen, Spinnen und Quallen begegnen. Die Eisschollen über ihnen bilden federflaumige Eiskristalle oder kugelige Strukturen wie Haufenwolken, von farbigen Algen überwuchert und von der Sonne durchstrahlt. Eine mal monochrom blaue, mal märchenhaft bunte Welt, durch die schwerelos die Frackträger gleiten – vielleicht noch mehr in Harmonie als über Wasser. 

Dotter/Wedrac: Der hohe Preis des Friedens

Sachbuch Geschichte

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Marion Dotter und Stefan Wedrac dokumentieren die Teilung Tirols 1918-1922 und erzählen von den Folgen für die Bevölkerung. Wer heute von Südtirol spricht, denkt dabei kaum mehr an ein „Land im Leid“, wie noch der linksliberale Journalist Claus Gatterer sein Herkunftsland bezeichnete. Bereits im Vorwort kommen die Autoren des vorliegenden Bandes zu dem Schluss, dass Österreich und Italien hundert Jahre nach der Teilung Tirols „die Schwierigkeiten der Südtirolfrage letztlich überwunden (haben). Man fand, wie der Vergleich mit den jüngsten Autonomieproblemen anderer Staaten zeigt, zu einer zufrieden stellenden, vernünftigen Lösung.“ Die gut und ausführlich dokumentierte Darstellung, die als Ableger des von drei österreichischen Universitäten und der Österreichischen Akademie der Wissenschaften initiierten Forschungsprojekts „Die rechtliche Bedeutung des Vertrags von St. Germain“ entstanden ist, berücksichtigt neben den großen politischen und militärischen Zusammenhängen der Jahre 1918 bis 1922 besonders auch die alltagsgeschichtlichen Aspekte der Teilung. Bei allem sind die Autoren um eine ausgeglichene Wertung der Vorgänge bemüht.   Zunächst werden das Kriegsende und die Besetzung Nordtirols durch Bayern und Italiener gewürdigt. Offizielle Berichte über die erbarmungswürdige Lage der k.u.k. Armee in den letzten Kriegstagen wirken jeder möglichen Dolchstoß-Legende entgegen: „Es fanden sich Leute, die ohne Hose und Unterwäsche, nur mit einem kurzen Mantel bekleidet auf Posten stehen mussten.“ Nach dem Waffenstillstand führte die Auflösung bzw. Rückführung der Armee zu anarchischen Zuständen. Plünderungen und andere Gewalttaten waren an der Tagesordnung. Um der Gefangennahme durch die Italiener zu entgehen, sprangen Soldaten auf fahrende Züge: „Allein um Innsbruck fand man bis zum 6. November 1918 entlang der Brenner-Bahn 237 Leichen.“   Die knapp zweijährige Besetzung Nordtirols durch Italien wird als relativ friedlich und moderat beschrieben und dies auf die liberale und demokratische Regierung im Nachkriegsrom zurück geführt. Von den Ergebnissen der Pariser Friedensverhandlungen waren jedoch beide Seiten bitter enttäuscht. Hatten sich vor allem die Österreicher von den Versprechungen des amerikanischen Präsidenten Wilson einen gerechten Frieden erhofft, vertrauten die Italiener darauf, die im Londoner Vertrag vom 26. April 1915 zugesicherten Gebiete, u.a. Istrien und Dalmatien sowie Tirol bis zur Brenner-Grenze, zu erhalten, weswegen sie überhaupt erst in den Krieg gegen ihren (ehemaligen) Verbündeten eingetreten waren. Wilson war in Paris geneigt, Italien die Brenner-Grenze zuzugestehen, wenn es seinerseits auf eine Gebietserweiterung in der Adria verzichtete, um den neu geschaffenen Staat Jugoslawien nicht zu verprellen. Vergebens bat die österreichische Delegation darum, davon abzusehen, „das Land Andreas Hofers zu zerstückeln und Südtirol endgültig der Fremdherrschaft zu unterwerfen“, vergeblich bot sie die militärische Neutralisierung Tirols an. Für die Brenner-Grenze bzw. die alpine Wasserscheide argumentierte Italien vor allem strategisch, und das umso mehr, als Tirol im Nachkriegsösterreich bestrebt schien, sich wie das übrige Deutschösterreich dem Deutschen Reich anzuschließen, womit dem fragilen italienischen Nationalstaat ein mächtiger Nachbar entstanden wäre. Einige Ultra-Nationalisten, wie der Proto-Faschist Ettore Tolomei, verwiesen auf die Ausdehnung des Römischen Reiches oder auf das Königreich Italien unter Napoleon.   

Helma Schimke: Über allem der Berg

Biografie

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Nach dem Lawinentod ihres Mannes blieb Helma Schimke dem extremen Bergsteigen treu, obwohl sie drei Kinder aufzuziehen hatte. In diesem sehr persönlichen Buch wird ihr „Warum“ verständlich. Die winterliche Watzmann-Ostwand bildet den Rahmen dieses ungewöhnlichen Bergbuchs. Das erste Drittel schildert, wie der Salzburger Richter Konrad Schimke mit zwei Seilpartnern aufbricht, um für eine Expedition zu trainieren; wie er nicht zum vereinbarten Abendessen zuhause zurück ist; wie seine Frau und ständige Bergpartnerin die Bergrettung alarmiert; wie Dutzende Menschen im Schneesturm am Berg wühlen, während Helga zum Zuschauen verdammt auf der Wimbachgrieshütte wartet; wie allmählich die Hoffnung nachlässt, bis sich die Gewissheit verdichtet, dass die drei in einer Lawine gestorben sind.   Im Rest des Buches schildert Helma Schimke, wie sie als alleinerziehende Mutter dreier Kinder und Architektin ihr Leben weiterlebt. Die Berge spielen darin weiterhin eine zentrale Rolle, trotz des Traumas, mit dem sie sie gezeichnet haben. Weiterhin ist sie mit den großen Bergsteigern ihrer Zeit gemeinsam unterwegs, auf Augenhöhe am Seil, findet Geborgenheit in dem Netz dieser Freundschaften und tiefe Freude im Erlebnis am Berg. Bis sie auf den letzten Seiten selbst durch die winterliche Ostwand steigt und erkennt: „Immer wieder ist es wie ein Wunder. Je öfter man zum Berg kommt, umso mehr liebt man ihn. Es ist jedes Mal wie eine Rückkehr in die Heimat. Wie ein Jasagen zu sich selbst.“ 

Mark Synnott: Free Solo im Yosemite

Dokumentation

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Als Alex Honnold den „Free Rider“ (900 m, IX+) am El Capitan ohne Sicherung kletterte, schockierte und faszinierte er die Kletterszene weltweit. Der Autor des Buchs zur Tat hat ihn jahrelang begleitet. Ist dies das Buch zum Film? Zum oskargekrönten „Free Solo“? Jedenfalls ist es ein Gegenstück, denn es kommt – ungewöhnlich für ein heutiges Bergbuch, und doch merkt man es erst überrascht im Rückblick – ohne ein einziges Foto aus (abgesehen vom Titelbild). Nein, es ist nicht das Buch zum Film. Beides sind selbständige Werke, die faszinieren können und die ihre eigene Logik haben. Das Kino-Dokumentar-Epos des Ehepaars Chin folgt dem Protagonisten Alex Honnold hautnah, bis hinein in seinen Wohnwagen und in die Beziehung zu seiner Freundin, und dann auf Fingerspitzennähe in der Wand – so eng, dass man im Kino den Chalkbag vermisst. Im Buch nehmen die 3:56 Stunden von Honnolds Free Solo im „Free Rider“ etwas mehr als zehn Seiten (von 480) ein, und selbst dabei geht es mehr um Hintergründe und Wenn+Aber der einzelnen Stellen als um eine Schilderung von Bewegungen, die man ohnehin im Internet anschauen kann.   Mark Synnott, selbst einer der profiliertesten Bigwallkletterer und Alpinisten der USA, war als Reporter für „National Geographic“ über viele Jahre hinweg mit Alex Honnold unterwegs; spätestens als dieser zum ersten Mal davon redete, einen großen Bigwall am El Capitan free solo zu klettern, war das Langzeitprojekt auch für das Medienunternehmen geboren. So schildert er mit dem Verständnis eines Experten den Werdegang dieses Ausnahmetalents und zeichnet nach, wie viel Vorbereitung, Abwägung und Planung hinter dieser Begehung stand, die die Kletterszene weltweit fasziniert und erschreckt hat. 

Christoph Hainz: Nur der Berg ist mein Boss

Auto-Biografie

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Der Südtiroler Bergführer und Extremalpinist Christoph Hainz erzählt von den Grundlagen seines Lebens und seiner alpinistischen Leistungen. In den umfangreichen Auszügen aus Christoph Hainz Tourenbüchern, die unter vielen anderen zahlreiche Erstbegehungen an den Drei Zinnen verzeichnen, weshalb Hainz den Beinamen „Der Zinnenmann“ trägt, finde ich auch den Eintrag: 2015 Mieminger Berge, Erstbegehung mit Thomas Engel: „Take it easy“ IV-. Mit dieser Bescheidenheit ist der Ton angeschlagen, der das nunmehr zweite Erinnerungsbuch des Südtirolers prägt. Hier geht es dem 1962 geborenen Extremkletterer und Bergführer nicht um die Auflistung seiner sensationellen alpinistischen Taten, sondern um eine ehrliche Standortbestimmung. Er beleuchtet seine bäuerlich einfache Herkunft, erzählt seinen reich bebilderten Lebensweg, beschreibt, was ihm Halt und Sicherheit verleiht, und begründet seine Entscheidung für den Bergführerberuf und gegen eine Existenz als professional climber. Die Freiheit, welche die Berge versprechen, findet er im Umgang mit Freunden und Gästen, unter ihnen Bundespräsident Steinmeier, und zunehmend direkt vor der Haustür. 

Kinder, Senioren und Tiere

Wanderführer

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Die Berge haben Platz für viele. Diese Führer sprechen spezielle Zielgruppen an: Familien, Senioren, Hundebesitzer und „Konditionstiere“.

Thomas Käsbohrer: Am Berg

Lesebuch

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Bedrohliche Bergunfälle, dramatische Rettungsaktionen, nüchtern beschrieben. Diese Mini-Reportagen packen in ihrer scheinbaren Schlichtheit und könnten inspirieren zu einem bewussteren Umgang mit Unsicherheit am Berg. Ein Mensch steckt drei Wintertage lang kopfüber in der Schneeüberdeckung eines Baches und überlebt trotz schwerer Unterkühlung. Zwei Bergwachtler sind ohne Seil am Gletscher unterwegs und verlieren einen Ski in der Spalte. Ein Höhlenforscher bekommt tausend Meter unter der Erdoberfläche einen Stein an den Kopf.   Es sind spektakuläre Unfälle, teilweise aber auch scheinbar unauffällige Szenarien, die dieses Buch versammelt. Wer es aus Lust am Mitgruseln oder gar in voyeuristischem Überlegenheitsgefühl liest, ist aber falsch beraten. Denn in jeder Unfallgeschichte steckt auch die Lehre, wie wenig es braucht vom entspannten Berggenuss zur (Beinahe-)Katastrophe, und wie leicht man selber in solch eine Situation kommen könnte. 

Dani Arnold, Petra Jörg: Warum das alles?

Lesebuch

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Warum reden gerade Spitzenbergsteiger gerne von der „Kunst des Umkehrens“? Das versteht, wer sich von Dani Arnold von den High- und Lowlights seines Lebens als Profibergsteiger erzählen lässt. Extrembergsteiger: Das sind doch die, die für ihre Sponsoren und einen guten Instagrampost ihr Leben aufs Spiel setzen? Von wegen! Der Schweizer Dani Arnold ist durch seine Rekordzeit in der Eiger-Nordwand (Heckmairroute in 2:28 Std.) einem größeren Publikum bekannt geworden und hat seither immer wieder mit starken Aktionen nachgelegt. Nun hat er zusammen mit Petra Jörg ein Buch geschrieben – und es ist keine Selbstbeweihräucherung in Heldenpose. Im Gegenteil: Seine Leistungen nimmt Arnold als Aufhänger, um darzustellen, was dahinter steckt. Vorbereitung und Planung, Versuch und Scheitern, Risiko und Umgang mit der Angst. Ehrlich und hautnah erzählt er auch davon, was alles schief gehen kann, wie wichtig Sicherheitspuffer sind und dass man letztlich ohne eine gewisse Portion Glück trotzdem auch Pech haben kann. Insofern kann man das Buch geradezu als Lehrschrift nutzen: Hier gibt jemand, der sehr viel im Alpinismus erlebt und nachgedacht hat, Tipps aus erster Hand, die jedem helfen können, der die Berge auch als Playground für die persönliche Grenze sieht. 

Wanderführer Mittelgebirge

Wanderführer

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Gerade im Frühling und Spätherbst, wenn die Berge noch nicht oder nicht mehr zugänglich sind, entfalten die deutschen Mittelgebirge einen besonderen Reiz. Und ihren Anwohnern sind sie ganzjährige Wanderheimat. 16 Vorschlagssammlungen, die in jüngerer Zeit erschienen sind.

Nicholas Mailänder: Er ging voraus nach Lhasa

Biographie

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Einblicke in ein Entdeckerleben aus dem vordigitalen Zeitalter und eine notwendige Ergänzung zu einem Weltbestseller liefert diese gründlich recherchierte Biographie. Nico Mailänders Aufschnaiter-Biographie „Er ging voraus nach Lhasa“ ergänzt und korrigiert Heinrich Harrers Helden-Mythos „Sieben Jahre in Tibet“ und gewährt Einblicke in das Leben eines Mannes, der im Auftrag der Nazis den Himalaya bereiste und dort als Entdecker und Entwicklungshelfer weiter lebte.   Eigentlich wusste man es schon längst, dass Heinrich Harrer nicht alleine in Tibet unterwegs gewesen war. Seinem bislang in der Öffentlichkeit kaum bekannten Begleiter Peter Aufschnaiter, 1899 in Kitzbühel geboren und nach seinem Tod 1973 dort begraben, hat Nico Mailänder jetzt eine umfangreiche Biographie gewidmet, die in ihrem Titel behauptet, dass der Tiroler den Weg der beiden nach Lhasa vorangegangen sei. Die generelle Vorgängerrolle zu untermauern, dazu ist Mailänder wie kaum ein anderer berufen. Er hat tief in den Archiven gegraben und Bibliotheken und Zeitzeugen besucht, wie er es bereits faktenreich und meinungsstark in seiner „Geschichte Münchens als Bergsteigerstadt“ („Im Zeichen des Edelweiß“) aus dem Jahre 2006 praktiziert hat, auf die er auch hier ausführlich zurückgreift.   Einen zentralen Bestandteil der chronologisch angelegten Biographie bilden die 1983 von Martin Brauen herausgegebenen Schriften Aufschnaiters „Mein Leben in Tibet“. Darüber hinaus kommt Aufschnaiter umfangreich in seinen Tagebuchnotaten zu Wort, die allerdings in ihrer Detailverliebtheit bisweilen eine anstrengende Lektüre bieten. Der überaus Sprachbegabte beschäftigte sich schon seit seiner Gymnasialzeit in Kufstein, angeregt durch die Reiseberichte Sven Hedins, „mit dem Studium der indischen Sprache Hindi, des Nepali und des Tibetischen“. Nach kurzem Kriegseinsatz an der Presanella-Front absolvierte Aufschnaiter in den Zwanzigern an der TU München ein Landwirtschaftsstudium und trat dem Akademischen Alpenverein München bei. Hier trafen sich Jungakademiker, die sich nicht nur für Berge begeisterten, sondern auch für einen völkisch-revanchistischen Nationalismus. In Paul Bauer fand Aufschnaiter einen lebenslangen Freund.   Bauer war es auch, der den Bergkameraden 1929 zu einer Expedition zum Kangchenjunga einlud, mit der er den deutschen Wettstreit um die Erstbesteigung der Achttausender eröffnete. Gleichzeitig wies er den zukünftigen Unternehmungen die politische Richtung: „Der Kampf um die Gipfel des Himalaja fügt sich ein in die Reihe der Taten, die das Recht und die Fähigkeiten der weißen Rasse, die fernen Erdteile zu beherrschen, dem Nachdenklichen beweisen.“ Obwohl dieser und der 1931 nachfolgenden Expedition kein Gipfelerfolg beschieden war, gelangte Aufschnaiter doch in jene Weltgegend, die ihm zum Schicksal werden sollte. Im April 1933 trat Aufschnaiter der in Österreich im Untergrund wirkenden, illegalen NSDAP bei, während sein Freund Bauer in Deutschland eifrig die Gleichschaltung des Alpenvereins betrieb.   Seine zunächst nur bedingt erfolgreichen Bemühungen erreichten 1936 einen Höhepunkt mit der Gründung der „Deutschen Himalaya-Stiftung“, de facto „nichts anderes als die für Auslandsfahrten zuständige Abteilung des nationalsozialistischen Fachamtes für Bergsteigen“. Dessen Geschäftsführung übernahm Peter Aufschnaiter. In dieser Funktion leitete er 1939 eine vierköpfige Erkundungsfahrt zur Diamirflanke des Nanga Parbat, an der auch der Grazer „Eigerwandbezwinger“ Heinrich Harrer, SA-Mitglied seit 1933, teilnahm. Bei ihrer Rückkehr wurden die Vier in Karachi vom Ausbruch des Krieges überrascht und von den Engländern in verschiedenen Lagern interniert. Von dort gelang Aufschnaiter und Harrer 1944 die Flucht über den Himalaya ins neutrale und gerade daher für Ausländer verbotene Tibet, von wo aus man die japanische Einflusssphäre zu erreichen hoffte. Damit nähern wir uns dem Hauptteil der Biographie, der wesentlich von den Aufzeichnungen Aufschnaiters getragen wird. 

Rudi Palla: In Schnee und Eis

Alpinismus-Geschichte

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Wie funktionierte das Reisen und Bergsteigen im Himalaja Mitte des neunzehnten Jahrhunderts? Ein lebendig geschriebenes Buch über die Expedition der Brüder Schlagintweit lässt es nachvollziehen. Die dreijährige Reise (1854-57) der Brüder Hermann, Adolf und Robert von Schlagintweit durch den Himalaja ist eine der berühmtesten Expeditionen aus der Frühzeit des Alpinismus. Viele Besucher sahen die Ausstellung dazu im Alpinen Museum des DAV. Was es aber wirklich bedeutete, sich in dieser Welt zu bewegen, das lässt der Autor Rudi Palla in journalistischer Erzählung lebendig werden. Wie Alexander von Humboldt als Drahtzieher in England die Finanzierung und Beauftragung klarstellte; wie die Brüder zwischen Blutegel-Dschungeln, Gletschern und viktorianischen Herrschaftshäusern pendelten und unzählige wissenschaftliche Sammelstücke anhäuften; wie Wissenschaft, Politik und Alpinismus auf den höchsten Bergen aufeinandertrafen. 

Stefan Glowacz: Grönland Coast to Coast

Expeditionsbericht/Bildband

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Auch wenn er zum Teil scheitert, liefert Stefan Glowacz große und eindrucksvolle Bil-der von harten Männern und hohen (Wellen- und Eis-) Bergen Natürlich ist Stefan Glowacz ein begnadeter Markenbotschafter und Selbstvermarkter. Das sind heute notwendige Eigenschaften, um die ganz großen Abenteuer unserer Zeit überhaupt finanzieren zu können. Tatsächlich reichen grenzenloser Ehrgeiz und maximales sportliches Können oft nicht aus, wenn man ein anspruchsvolles Ziel by fair means, also mit geringst möglicher Umweltbelastung erreichen will. 

Alexandra David-Neel: Briefe aus Tibet

Reisebericht

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Die ungewöhnliche Reise einer starken Frau in die verbotene Stadt – beschrieben aus ihrer eigenen Live-Perspektive. So wird eine Legende lebendig und greifbar. „Würde man mir eine Million bieten, damit ich das Abenteuer unter denselben Bedingungen wiederhole, dann würde ich wohl ablehnen.“ So schreibt Alexandra David-Néel (1868-1969) über ihren dreijährigen Fußmarsch, der sie, gemeinsam mit einem jungen Mönch, als wohl erste weiße Frau ins verbotene Lhasa führte und quasi zu einer französischen Nationalheldin machte. In „Mein Weg durch Himmel und Höllen“ hat sie die legendäre Reise beschrieben, nun liegen ihre Briefe vor, in denen sie ihrem Mann von unterwegs berichtet. In klaren, meist nüchternen Worten, aber mit einer Prise Humor und genau beobachtet. Sie berichtet freizügig von ihrem rigorosen Umgang mit den „Wilden“, von der Angst vor Räubern, von Krankheit, Kälte und Mühsal – und legt damit eindrucksvoll Zeugnis ab, „was der Wille einer Frau vermag.“ 

Kriemhild Buhl: „Papa Lalalaya“

Familien-Biographie

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Wie lebt man als Frau oder Tochter eines Extrembergsteigers? Vor allem, nachdem er tödlich abgestürzt ist? In packender Ehrlichkeit schildert die Tochter von Hermann Buhl den Weg ihrer Familie. „Ist es nicht viel heldenhafter, den Alltag mit Würde zu bewältigen, ohne zu fallen?“ Diesen Gedanken legt Kriemhild Buhl ihrer Mutter „Generl“ in den Mund – er trägt uns Leser durch ihr Buch „Papa Lalalaya“. So nannte das Mädchen seinen Vater Hermann Buhl. Hautnah, ja bis unter die Haut gehend, schildert sie seine „Familiengeschichte“: die große Liebe zweier junger Menschen; ein strahlendes Paar im Glanz des Nanga Parbat; eine einsame Witwe mit drei kleinen Mädchen. Ehrlich und tiefschürfend, packend und humorvoll, poetisch und ergreifend erzählt sie von Leben, Liebe und Tod. 

Matthias Schickhofer: Schwarzbuch Alpen

Umwelt-Sachbuch

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Befunde und Therapievorschläge: Schickhofer legt nahe, dass die Alpen wieder wilder werden könnten, ohne arm zu werden, und dass beheizte Sessel im Lift nicht die Herzen wärmen. Verursacht das drohende Aus fürs Skifahren durch warme Winter nun eher ein Chaos in der Tourismusbranche oder bedeutet es eine Chance? In Schwarzbüchern werden gewöhnlich Missstände gesammelt und Illegales aufgedeckt. In dieser Hinsicht gehört der Titel eher zu den weniger borstigen Exemplaren. Denn seine Anklage ist weit mehr als eine bloße Schimpfrede. Schickhofer beschreibt zwar einerseits sachkundig und mit Details versehen Kraftwerksplanungen mit zweifelhaftem Allgemeinnutzen und Seilbahn-Ausbaupläne für eine Klientel, die seiner Analyse zufolge schwindet wie die Gletscher um sie herum. 

Marktgemeinde Bad Hindelang (Hrsg): Kühe. Menschen. Berge

Kulturerbe-Doku

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Sie sind kulturelles Welterbe und Projektionsfläche blasser Städter: Die Kuhweiden nördlich und südlich von Bad Hindelang sind bis heute Kleinbetriebe, mit geographischer Schräglage, aber nicht in wirtschaftlicher. Diese Aufstellung zählt jede Kuh. Das, was in vielen Gebieten der Alpen die Almen sind, heißt im Allgäu Alpe. In der Mehrzahl Alpen, was zur Verwirrung beitragen kann. Vermutlich entstammt der Name des Gebirges dieser Bezeichnung. 

Christian Zott (Hrsg.): Heimat? Ammertal!

Tal-Monografie

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Ein Unternehmer finanziert ein Buch über sein Herkunftstal. Ist das ein Ausdruck von Heimatliebe? Oder eines schlechtes Gewissens, fortgegangen zu sein? Vordergründig geht es ums Ammertal. Aber dann doch um Christian Zott, der mit 50 Jahren aus der Führungsposition seines Unternehmens zurücktrat und seinerzeit als Teilzeit-Geschäftsführer durch Europa wanderte. Der in seinem eigenen Verlag diesen Titel in Auftrag gab. Als Autor beauftragt er den Hamburger "World Press Award"-Fotografen Hans-Joachim Ellerbrock, während eines Jahres das Tal und Protagonisten in Wort und Bild zu portraitieren. 

David Boyd: Die Natur und ihr Recht

Umweltplädoyer

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267 Seiten Reportage zum Naturrecht: David Boyd gibt Flechten bis Füchsen mit juristischer Expertise eine Stimme und erläutert anhand von bisherigen Umwelt-Gerichtsverfahren, dass Naturrechte tatsächlich einklagbar sind. David Boyds Fazit ist vorhersehbar und es ist klar: Pflanzen und Tiere besitzen ein Lebensrecht. Das sollte in der Rechtsprechung verankert werden und auf lange Sicht sei das auch für alle Menschen gut.   Es wäre jedoch verkehrt, diese Forderung als Gefühligkeit eines kanadischen Outdoor-Enthusiasten herunterzuspielen. Boyd ist Umweltexperte und Professor der Rechtswissenschaften an der University of British Columbia. Sein Wort hat Gewicht bei Regierungen und seine sauber recherchierten Beispiele wiegen schwer bei jenen, die Menschen als privilegierte Lebewesen der Erde betrachten. 

Werner Bätzing: Die Alpen. Das Verschwinden einer Kulturlandschaft

Illustrierte Dokumentation

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Der "Alpenprofessor" Werner Bätzing als Fotograf - diese Kombination hatte man bisher kaum auf dem Schirm. Doch mit diesem Bildband zeigt er in detailreichen Abbildungen, dass wissenschaftliche Dokumentation anschaulich und spannend sein kann. Dreifaches Alphorntrööt! Die Berge bezwingen? Das machen nicht nur Alpinisten, das ist auch ein Trend in der Hochalpinismus-Architektur. Hütten und hochgelegene Seilbahnstationen wurden über Jahrzehnte mit Natursteinen gebaut oder wenigstens verblendet. Neuerdings werden alpine Bauten als Fremdkörper ins Gebirge gepflanzt. Werner Bätzing dokumentiert diese Entwicklung. Er belegt sie mit zurückhaltenden Fotografien. Er beobachtet die Veränderung in den Alpen seit langem aufmerksam, er ist der kluge Kenner der Kulturlandschaft, erläutert detailliert in ausführlichen Bildlegenden, aber immer so verständlich wie möglich. 

V. Borkmann, S. Rief, S. Strunck: Der Alpentourismus der Zukunft

Sachbuch

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Alpenhotelvisionen 2030: Szenarien für eine künftige Alpenvermarktung aus dem Tourismuslabor. Mehr Chichi statt Ski, mehr Individualität statt Interrrail-Mentalität? Wenn die Bank für Tirol und die Explorer Hotels Entwicklungs GmbH eine Studie in Auftrag geben, dann stellen verständlicherweise Hotelkonzepte das Ergebnis der Untersuchung dar, nicht Zeltplätze. Es bringt aber nichts, solche Partnerschaften zu bejammern. Vielmehr sollten sie und ihre Resultate kritisch zur Kenntnis genommen werden.   In den vorgestellten Szenarien ist glücklicherweise nicht von berggroßen neuen Hotelkomplexen die Rede. Die neuen Hotels heißen "Y", offenbar in Anlehnung an die Zielgruppe, die Generation Y, das bezeichnet die Geburtsjahrgänge 1980 bis 2000, aber auch Menschen, die den Begriff "offline" mit "scheintot" gleichsetzen. 

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