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Von CO2-Äquivalenten bis zum Verursacherprinzip

Ein Glossar zur Emissionsbilanzierung

02.02.2022, 10:39 Uhr

Deutschland soll bis spätestens 2045 klimaneutral sein, der DAV hat sich dieses Ziel für 2030 gesetzt, manche Unternehmen oder Produkte gelten schon jetzt als klimaneutral. Was bedeutet das denn eigentlich? Und was steckt dahinter? Unser Glossar soll ein wenig mehr Licht in den Dschungel der Begrifflichkeiten bringen.


Bevor wir uns mit einzelnen Begriffen befassen, müssen wir erst einmal erklären, warum wir schon gleich zu Beginn des Textes die Klimaneutralität in den Raum werfen, obwohl es laut Überschrift doch um Bilanzierung gehen soll. Ganz einfach: Ohne Bilanzierung ist Klimaneutralität kaum möglich. Klimaneutralität bedeutet nämlich, dass Emissionen gar nicht erst entstehen oder kompensiert werden. Um zu wissen, wo Emissionen entstehen und wie sie reduziert und vermieden oder kompensiert werden müssen, ist eine Emissionsbilanzierung notwendig. Diese zeigt dann auch, wie viel kompensiert werden muss.

Jetzt, wo das geklärt ist, kommen wir zu den Begriffen, die im Kontext der Bilanzierung wichtig sind. Sie werden immer wieder fallen, wenn von Klimaschutz und Klimaneutralität die Rede ist. In unserem Glossar gibt es kurze Erklärungen und für alle, die es ganz genau wissen wollen, weiterführende Links.

 

  • Emissionen
    Meist ist im Kontext von Emissionen und Klimawandel von CO2, also Kohlenstoffdioxid, die Rede. Eigentlich gemeint sind aber Treibhausgasemissionen (THG-Emissionen). CO2 ist in diesem Fall eine (nicht ganz korrekte) Abkürzung von CO2-Äquivalenten (CO2e). Das bedeutet, dass die Emissionen verschiedenster Gase in Äquivalente umgerechnet werden. So bekommt man einen Emissionswert, der verschiedene Treibhausgas-Emissionen gleichzeitig abbilden kann.
     
  • Emissionsfaktoren
    Emissionsfaktoren geben an, wie viele CO2-Äquivalente pro Maßeinheit ausgestoßen werden. Am Beispiel der Heizung: Gehen wir von einer Ölheizung aus. Der Emissionsfaktor von Heizöl liegt bei 3,10 kg CO2e/l (Kilogramm CO2-Äquivalente pro Liter; direkt und indirekte Emissionen). Um die Emissionen zu berechnen, multipliziert man den Emissionsfaktor mit den Litern Heizöl, die verbraucht wurden.
 

  • Greenhouse Gas Protocol (GHG Protocol)
    Das Greenhouse Gas Protocol schafft einen umfassenden globalen, standardisierten Rahmen für die Messung und das Management von Treibhausgasemissionen aus dem privaten und öffentlichen Sektor, aus Wertschöpfungsketten und aus Minderungsmaßnahmen. Dabei werden fünf Prinzipien zugrunde gelegt: Relevanz, Vollständigkeit, Konsistenz, Genauigkeit und Transparenz.
    Auch die Emissionsbilanzierung im DAV stützt sich auf das Greenhouse Gas Protocol und dessen Prinzipien.
     
  • Scope
    Der Bilanzierungsstandard nach dem Greenhouse Gas Protocol umfasst verschiedene sogenannte Scopes. Damit sind verschiedene Bereiche gemeint. Scope 1 umfasst die direkten Emissionen, Scope 2 die indirekten Emissionen durch Energiebedarf und Scope 3 weitere indirekte Emissionen. Das macht die Sache noch nicht wirklich klarer, oder? Hier ein paar Beispiele, was zu welchem Scope zählt:
    • Scope 1: Emissionen, die durch sektionseigene Anlagen entstehen, z.B. durch den Sektionsbus verursacht werden oder auch das Heizöl, das verbraucht wird
    • Scope 2: Emissionen, die durch Energiebereitstellung von Versorgungsunternehmen entstehen, z.B. der Stromverbrauch in der Geschäftsstelle, Kletterhalle oder Hütte oder auch Fernwärme
    • Scope 3: Emissionen, die durch die Sektionsaktivitäten entstehen, z.B. die Mobilität bei Sektionsausfahrten, die Anreise von Mitarbeitenden, der Papierverbrauch in der Geschäftsstelle oder auch der Versand der Mitgliederzeitschrift

      ​​​Übrigens gelten die gleichen Scopes auch für den Bundesverband und die Landesverbände, nicht nur für die in den Beispielen genannten Sektionen.
 

  • Treibhauseffekt
    Der Treibhauseffekt ermöglicht das Leben auf der Erde, wie wir es kennen. Denn einige Treibhausgase, wie CO2 und Wasserstoff, kommen natürlicherweise in unserer Atmosphäre vor. Sie sorgen dafür, dass ein Teil der Wärmestrahlung in der Erdatmosphäre absorbiert wird und sich so die Temperatur auf der Erde erwärmt. In natürlichem Umfang geht man dabei von einer mittleren Erwärmung um 33°C aus – ohne Treibhausgase würde die Durchschnittstemperatur auf der Erde also bei -18°C liegen.
    Problematisch wird der Treibhauseffekt erst, wenn durch menschliche Einflüsse die Konzentration der Treibhausgase so stark zunimmt, wie es seit der Industrialisierung der Fall ist. Durch die hohe Konzentration wird mehr Wärmestrahlung absorbiert und die Erde erwärmt sich. Die Folgen (Extremwetter, tauender Permafrost, schmelzende Gletscher, Artensterben etc.) kennen wir – und versuchen, sie durch Klimaschutzmaßnahmen und die Reduktion und Vermeidung von Treibhausgasemissionen abzuschwächen.
 

  • Treibhausgase
    Welche Gase zu den Treibhausgasen zählen (und damit in Form von CO2-Äquivalenten in die Bilanzierung einfließen), wurde vom Weltklimarat IPCC und im Kyoto Protokoll festgelegt. Zu den Treibhausgasen zählen Kohlenstoffdioxid (CO2), Methan (CH4), Distickstoffmonoxid (N2O), Fluorkohlenwasserstoffe (FKWs), Perfluorcarbone (PFCs) und Schwefelhexafluorid (SF6). Seit 2015 wird auch in Deutschland Stickstofftrifluorid (NF3) mit einbezogen.
    Auch Wasserstoff ist ein nicht unbedeutendes Treibhausgas, das allerdings kaum einen Einfluss auf den menschengemachten Klimawandel hat.
     
    • Kohlenstoffdioxid CO2
      Kohlenstoffdioxid ist ein natürlicher Bestandteil unserer Atemluft. Aber – und das ist ein sehr großes aber – nicht in dem Umfang, wie er heute in unserer Luft zu finden ist.
      Ausgestoßen wird CO2 zum Beispiel durch die Verbrennung fossiler Rohstoffe (also zum Beispiel bei einer Ölheizung oder einem Verbrennerauto).
      Gebunden wird CO2 unter anderem in Bäumen. Und im Permafrost – taut dieser auf, werden große Mengen des Treibhausgases frei.
      Um mittels CO2-Äquivalenten einen Emissionswert ermitteln zu können, wurde das Treibhauspotential von Kohlenstoffdioxid mit 1 festgelegt.
       
    • Methan CH4
      Vor allem die Viehzucht – und hier insbesondere die Rinder – sind als Methan-Emittenten bekannt. Weniger bewusst ist vielen, dass auch der Reisanbau eine große Menge Methan verursacht. Doch nicht nur im Lebensmittelsektor wird Methan ausgestoßen, auch der Energiesektor schlägt zu Buche: Methan ist einer der Hauptbestandteile von Erdgas. Außerdem wird Methan bei der Energiegewinnung durch die Fracking Methode freigesetzt, oder auch beim Energietransport, z.B. durch Lecks an Pipelines.
      Methan hat ein Treibhauspotential von 28.
       
    • Distickstoffmonoxid N2O, auch als Lachgas bekannt
      Lachgas kennen die meisten wohl als früher verwendetes Narkose- bzw. Schmerzmittel oder aus den kleinen Kapseln für Sahnespender. Tatsächlich wird ein recht großer Anteil von Distickstoffmonoxid natürlich freigesetzt, zum Beispiel über die Ozeane oder Böden. Aber das Distickstoffmonoxid in unserer Atmosphäre kommt nicht nur aus natürlichen Quellen, sondern beispielsweise auch durch die Verbrennung von Biomasse oder durch den Einsatz von Stickstoffdüngern, insbesondere beim intensiven Rapsanbau.
      N2O bzw. Lachgas hat ein Treibhauspotential von 298.
       
    • Fluorkohlenwasserstoffe (FKWs)
      Fluorkohlenwasserstoffe sind sozusagen die Nachfolger der Flourchlorkohlenwasserstoffen (FCKW) im Bereich der Kältemittel. Auch die Perfluorcarbone (PFCs) gehören zu den Fluorkohlenwasserstoffen. Sie kommen beispielsweise in Kühlschränken und Klimaanlagen zum Einsatz. Der Vorteil der FKWs gegenüber der FCKWs ist, dass sie die Ozonschicht nicht angreifen. Doch die FKWs haben mitunter ein sehr hohes Treibhauspotential: Für die derzeit noch üblichen Kältemittel rangiert der Wert etwa zwischen 1500 und 4000.
      Deshalb haben die Vereinten Nationen 2016 beschlossen, die Verwendung der klimaschädlichen Gase schrittweise zu beenden.
       
    • Schwefelhexafluorid SF6
      Schwefelhexafluorid ist mit einen Treibhauspotential von 22.800 laut IPCC das stärkste bekannte Treibhausgas. Da die Konzentration sehr gering ist, gilt der Effekt auf die Erderwärmung dennoch als nicht besonders stark.
      Emittiert wird Schwefelhexafluorid insbesondere in der Elektro- und der Halbleiterindustrie.
       
    • Stickstofftrifluorid NF3
      Stickstofftrifluorid ist das „neueste“ erfasste Treibhausgas. Erst seit 2015 berichtet Deutschland der UN Daten zur Höhe der Stickstofftrifluorid-Emissionen. Dass das Treibhausgas neu mit aufgenommen wurde, ist hauptsächlich auf die steigenden Emissionen zurückzuführen. Denn es wird insbesondere in der Elektroindustrie ausgestoßen, zum Beispiel bei der Herstellung von LCD- und OLED-Bildschirmen, und bei der Produktion von Solarzellen. Ist Solarenergie also gar nicht geeignet, um Emissionen zu senken? Doch, denn eine Solarzelle hat sich laut Umweltbundesamt nach ein bis zwei Jahren amortisiert.
      Das Treibhauspotential von Stickstofftrifluorid liegt bei 17.200.

 

 

  • Treibhauspotential
    Um den Einfluss der verschiedenen Treibhausgase vergleichbar zu machen, wird für alle Gase ein CO2-Äquivalent berechnet. Dafür gibt es für jedes Treibhausgas einen Wert, der das Treibhauspotential abbildet. Das Treibhauspotential gibt an, um welchen Faktor das Gas stärker auf die Erderwärmung einwirkt als CO2 als „Ausgangsgas“ mit dem Faktor 1.
    Nimmt man das Beispiel Methan mit dem Treibhauspotential 28, so wirkt ein Kilo emittiertes Methan 28 Mal stärker auf die Erderwärmung ein als ein Kilo Kohlenstoffdioxid.
 

  • Verursacherprinzip
    Nach dem Verursacherprinzip fließen entstehende Emissionen in die Bilanzierung des Verursachers ein. Das bedeutet zum Beispiel, dass bei einer Sektionsveranstaltung die Sektion Verursacher der anfallenden Emissionen ist und damit Emissionen von Strombedarf, Essen usw. von der Sektion erfasst werden.
 

Weiterführende Links

 

Ziel des DAV: Klimaneutralität bis 2030

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Klimaneutral bis 2030! Das ist das Ziel, das sich der DAV in seiner Klimastrategie und im Klimaschutzkonzept setzt - beides wurde am 29./30. Oktober 2021 auf der Hauptversammlung in Friedrichshafen verabschiedet. Aber was genau bedeutet klimaneutral eigentlich? Wie kann das erreicht werden? Und warum erst 2030?

Die persönliche Klimastrategie

Klimaschutz – jeder Beitrag zählt

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Im Klimaschutz zählt jeder Beitrag, auch der eigene. Doch es gibt keine vorgefertigte Klimaschutzstrategie, die auf alle passt. Jeder muss für sich eine ganz eigene Strategie entwickeln. Doch wo fange ich an?   Deutschland hat sich bis 2050 ehrgeizige Klimaziele gesetzt. Das ist auch bitter nötig, denn durchschnittlich emittiert jeder Deutsche jährlich 11,17 Tonnen CO2. Damit liegen deutsche Durchschnittsbürger*innen deutlich über dem globalen Mittel, und auch deutlich über dem jährlichen EU-Wert von acht bis neun Tonnen CO2 pro Person. Doch warum ist unsere pro Kopf Emission so hoch? Zum einen liegt das am Konsumverhalten. „Unser ganzer Konsum ist sehr stark auf der Verbrennung von Kohle, Öl und Erdgas ausgerichtet“, sagt Michael Bilharz, Experte für nachhaltigen Konsum beim Umweltbundesamt (UBA). Außerdem sind Fleischkonsum und die damit verbundene Methanemissionen in Deutschland überdurchschnittlich hoch.   Um die Ziele des Pariser Klimaabkommens zu erreichen und um die Erderwärmung bis 2050 auf unter zwei Grad zu halten, müssten die Emissionen auf 0 bis maximal 2 Tonnen CO2 pro Kopf und Jahr sinken.   Bis dahin muss also noch viel passieren. Politische Maßnahmen und unternehmerische Lösungen sind wichtige Bausteine in diesem Prozess, aber auch die „persönliche Klimaschutzstrategie“ jeder*s Einzelnen kann viel dazu beitragen, Treibhausgasemissionen zu senken und die Ausmaße des Klimawandels zu begrenzen. 

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Das sensible Ökosystem Alpen ist besonders stark vom Klimawandel betroffen. Schon heute sind die weitreichenden Veränderungen zum Teil deutlich sichtbar – das rasante Abschmelzen der Gletscher ist dabei zum Sinnbild des Klimawandels im Alpenraum geworden. Der Klimawandel verändert aber nicht nur das Landschaftsbild der Alpen, sondern auch dessen Wasserhaushalt, Ökologie und Wirtschaftsstruktur.