Tipps für Wintertouren
Defensive Tourenwahl in Anspruch und Länge
Zeit und Können mit Puffer planen
Verhältnisse vor Ort und auf Tour beachten
Tourenwahl und Tourenplanung
Zwei Welten stoßen in schneearmen Wintern aufeinander: apere Hänge und milde Temperaturen an südlich ausgerichteten Bergflanken und in niedrigen Höhenlagen. Schnee, Eis, Lawinengefahr und frostige Temperaturen in Nordexpositionen und höheren Lagen. Wer Schneekontakt weitestgehend vermeiden und durchgängige Schneehänge mit Schneebrettgefahr ausschließen möchte, wählt niedrige (Gipfel-)Ziele mit sonnenexponierten Auf- und Abstiegen (Südost-Südwest-Seite). Rundtouren (Abstieg ist nicht gleich Aufstieg) sind dabei nur möglich, wenn „böse Überraschungen“ im Abstieg ausgeschlossen werden können. Je höher es hinauf geht, umso eher liegt in beschatteten Bereichen sowie in Rinnen und Mulden Schnee. Hier verfestigt sich die Schneedecke auch bei milden Temperaturen den ganzen Winter. Anstiege über breite, waldfreie Rücken und Grate sind dagegen oft bis weit hinauf schneefrei und besonders vorteilhaft.
Ein genauer Blick auf die Karte ist daher unverzichtbar! Dort sind freies Gelände an der weißen Einfärbung und waldige Passagen an der grünen Einfärbung erkennbar. In Lagen bis 1800 Meter sind Waldgürtel selten vermeidbar, idealerweise begeht man diese über breite Forstwege oder Steige. Mit Vereisung, rutschigem Untergrund oder dicker Laubschicht ist immer zu rechnen. Daher: Vorsicht vor steilen Steigen mit Absturz- oder Abrutschpotenzial!
Zeitplanung und Ausrüstung
An kurzen Wintertagen ist es wichtig, einen Zeitpuffer von ein bis zwei Stunden bis zum Einbruch der Dunkelheit einzuplanen. Beim Winterwandern können Probleme mit Gelände und Orientierung, das An- und Ablegen von Grödeln oder Gamaschen den Zeitplan deutlich verzögern. Neben der Standard-Wanderausrüstung inklusive Biwaksack und Erste-Hilfe-Set sind Wanderstöcke, Grödel oder Spikes (alternativ Leichtsteigeisen), Gamaschen, Mütze, Handschuhe, eine isolierende Bekleidungsschicht und eine Thermoskanne mit heißem Getränk unverzichtbar. Eine Stirn- oder Taschenlampe muss ebenfalls mit ins Gepäck! Ist die Begehung längerer, durchgängiger Schneehänge geplant, wird die Beurteilung der Lawinengefahr relevant. Die entsprechende Lawinennotfallausrüstung (LVS-Gerät, Schaufel, Sonde) und die richtige Bedienung ebenso wie die Kompetenz in der Beurteilung der komplexen Materie Schnee und Lawine (Lawinenlagebericht lesen und verstehen, Lawinenprobleme, Geländekenntnis) sind dann unerlässlich. Viele DAV-Sektionen bieten LVS-Trainings und Kurse zu Lawinenkunde an.
Technik und Durchführung
Gut geplant ist nur halb gewonnen. Die in der Planung berücksichtigten Tourenbedingungen müssen mit den realen Verhältnissen abgeglichen werden. Hat es mehr Schnee als angenommen? Ab welcher Höhenlage liegt Schnee? Wie sind die Temperaturen und das aktuelle Wetter? Ist der Verlauf der Route zu erkennen? Ist die geplante Tour realisierbar? Nicht alle diese Fragen lassen sich am Ausgangspunkt vollumfänglich beantworten. Essenziell ist es deshalb, die Annahmen während der Tour weiter zu präzisieren und den eigenen Zeitplan im Auge zu behalten.
Darauf ist besonders zu achten:
Erschwerte Orientierung: Der Wegverlauf von kleineren Steigen kann durch Schnee oder Laub verdeckt und nicht mehr erkennbar sein.
Auf Wegzeichen (Punkte) und -spuren achten. Überlegen, wie ein logischer Wegverlauf aussehen könnte. Vorsicht: Ist der Weg nicht mehr zu finden, rechtzeitig umkehren! Vereisung: Vereiste Passagen sind nicht immer gut erkennbar.
Aufmerksam gehen!
Darauf achten, ob kleine Wasserläufe oder nasse (dunkle) Passagen neben oder auf dem Weg lauern. Mit den Füßen oder Stöcken solche Passagen ertasten.
Idealerweise am Rand umgehen oder bei längeren Passagen Grödel anlegen. Schnee: Lässt sich die Gefahr eines Schneebretts ausschließen?
Kleine (weniger 10 x 10 m) verschneite Passagen, verschneite Forstwege, Schnee in dichtem Wald oder flache Schneefelder (deutlich unter 30°) sind hinsichtlich Lawinengefahr in der Regel vernachlässigbar.
Fehlt die Beurteilungskompetenz, dann gilt Verzicht! Schneefelder entweder umgehen (möglich?) oder direkt begehen.
In hart gefrorenem Firn auf Abrutschgefahr achten (Grödel, Stöcke, Handschuhe).
Bei weichem Schnee ist bedächtiges Spuren und Komprimieren nötig (Gamaschen, Stöcke, Handschuhe, ggf. Schneeschuhe).
Bestehende Fußspuren sind oft hart vereist und schlechter zu begehen als eine eigene Spur.
Skispuren – falls vorhanden – unbedingt vermeiden.
Vorsicht
Neben der Schneebrettgefahr kann es hin und wieder Situationen geben, in denen größere Nass- oder Gleitschneelawinen aus hohen Einzugsbereichen in schneefreies Gelände vorstoßen. Solche Situationen beschränken sich aber auf wenige Tage pro Saison und werden in den Lawinenlageberichten meist gut und deutlich beschrieben.
Wer im Winter auf Wandertour unterwegs ist, sollte die Tour auf das eigene Können im Verhältnis zu den herrschenden Bedingungen und komplexen Anforderungen abklopfen: Bin ich dem Gelände gewachsen? Kann ich Passagen auch sicher wieder absteigen? Im Zweifel sollte man auf die Tour verzichten und auf einen Plan B ausweichen. Eine gute Alternative kann sein, auf bekannte, bereits begangene Touren zurückzugreifen. So lassen sich böse Überraschungen leichter vermeiden und Erfahrung und Können schrittweise steigern.
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