Mountainbiken mit Kinderanhäger
Mit dem Kinderanhänger am Mountainbike in den Bergen unterwegs. Foto: Philipp Radtke
Mountainbike & Kinderanhänger

Mountainbiken mit den Kleinsten

Mit Bike und Kleinkindern in die Berge! Die Kombination aus Mountainbike und Kinderanhänger macht das möglich und wenn ein paar Sachen beachtet werden, können so alle Beteiligten auf ihre Kosten kommen.

Welche Kinderanhänger eignen sich für MTB-Touren?

Für den Einsatz abseits asphaltierter Wege eignen sich ausschließlich Anhänger mit Federung. Zwei Konstruktionstypen lassen sich unterscheiden:

Zweispurige Anhänger

(je ein Rad links und rechts)

Der klassische, zweispurige Kinderanhänger ist weit verbreitet. Illustration: Georg Sojer

Vorteile:

  • Schiebebetrieb mit kleinen Buggy-Rädern vorne im Alltag

  • Schiebebetrieb mit luftgefülltem Rad vorne in der Mitte zum Joggen

  • Einfaches Zerlegen und geringes Packmaß

  • Viel zusätzlicher Stauraum dank Gepäcktasche

Nachteile:

  • Ungünstiges Kippverhalten wegen der seitlichen Deichsel, v.a. bei erhöhtem Tempo in Rechtskurven und Überrollen von kleinen Hindernissen mit dem rechten Rad

  • Problem bei schmalen Wegen und Pfaden

  • Einfache Federung, mehr Laufruhe in der Abfahrt nur durch Erhöhung der Nutzlast

Einspurige Anhänger

(nachlaufendes Rad in der Mitte)

Der einspurige Kinderanhänger ist vor allem auf schmalen Wegen im Gelände im Vorteil. Illustration: Georg Sojer

Vorteile:

  • Stabile Kurvenlage: Kabine kann sich zusammen mit dem nachlaufenden Rad neigen

  • Wendigkeit – auch auf schmalen Wegen und Pfaden

  • Dämpfung mit fein einstellbarer Zugstufe trotz geringen Leergewichts

  • Stabiler Ständer & konstruktionsbedingt mehr Staubschutz

Nachteile:

  • Geringe Alltagstauglichkeit, kein Schiebebetrieb

  • Ungünstiges Packmaß

  • Sehr wenig Stauraum für zusätzliches Gepäck

Welche Mountainbikes eignen sich für den Betrieb mit Kinderanhängern?

  • Sowohl Hardtails als auch Fullys! Von Ultraleichtbauversionen mit Carbon-Ausfallenden ist abzuraten.

  • Die Verbindung von Anhänger und MTB erfolgt bei zweispurigen Anhängern mittels Kupplung an einer speziellen Steckachse für das Hinterrad. Zu empfehlen sind hier Verbindungssysteme, die im Betrieb kein zusätzliches Werkzeug erfordern (z.B. Robert-Axle-Project)

  • Einspurige Anhänger werden meist über eine Manschette mit der Sattelstütze (nicht aus Carbon!) des MTBs verbunden. Probleme gibt es teilweise bei MTBs mit tiefliegendem Sattelrohr und verstellbaren Vario-Sattelstützen, da können die Geometrie des Anhängers und die Lauffreiheit des Hinterrades beeinträchtigt sein.

  • Um steile Passagen mit Anhänger zu meistern, ist ein besonders leichter Gang gefragt. Dafür muss man eventuell die Übersetzung modifizieren (großer Zahnkranz hinten, kleines Kettenblatt vorne).

  • Je größer die Bremsscheibe am MTB, desto größer die Bremskraft. Wer kleine Scheiben mit zum Beispiel 160 mm Durchmesser montiert hat, sollte wegen des Zusatzgewichts im Anhängerbetrieb eine Umrüstung erwägen. 200er, bzw. 203er Scheiben sind sicher nicht übertrieben.

Wie lässt sich der Komfort für die Kinder im Anhänger erhöhen?

  • Bequemer Sitz & bequeme Sitzposition (Soll das Kind schlafen oder wach bleiben?)

  • Korrekte Anpassung der Federung an das Gewicht des Kindes (Skala am Federelement)

  • Eher wenig Luftdruck in den breiten Reifen

  • Schutz vor Insekten, kleinen Steinen und Schmutz durch feinmaschiges Netz (häufig Serienausstattung)

  • Bei zweirädrigen Anhängern: Montage eines Schaumstoffschildes mit Gummibändern auf der Außenseite der Kabine am Fußende als Staub- und Spritzschutz

  • Schutz vor Schlamm und Regen mittels Folie (häufig Serienausstattung)

  • Wahl eines Modells mit gut funktionierendem Lüftungssystem

  • Sonnenschutz am Kabinenrahmen (häufig Serienausstattung)

  • Stofftiere, Pixi-Hefte, etc.

Auf Tour mit dem Kinderanhänger gibt es einiges zu beachten: Auf Passagen ohne Schatten braucht's Sonnenschutz, an Steilstücken eventuell eine Schiebehilfe. Zum Gipfel geht es zu Fuß, auf der Abfahrt ist moderates Tempo angesagt. Ganz wichtig: Pausen zum Spielen an spannenden Stellen. Illustration: Georg Sojer

So sind die Kids im Anhänger sicher

Die gesetzlichen Vorgaben der europäischen Länder lassen sich einfach recherchieren oder bei Fahrradvereinen erfragen. Wer sich auf MTB-Touren mit der reinen Pflichterfüllung der StVZO begnügt, macht es sich allerdings zu einfach. Folgende Aspekte sind wichtig:

  • Der Fünf-Punkte-Gurt muss passend eingestellt und stets verschlossen werden, damit es dem Kind bei geöffnetem Anhänger unmöglich ist, an das Hinterrad des Fahrrads zu greifen. Kinder sollten besser ein Schlauchhalsband tragen, als einen Schal, dieser könnte sich in den Rädern verhängen. Bei zu locker sitzenden Gurten ist außerdem die schützende Funktion des Anhängers als Überrollkäfig beeinträchtigt.

  • Die Polsterung dient zuallererst der Stabilisierung des Kopfes: Dieser ist bei Kindern im Verhältnis zu Gesamtkörpergewicht und Nackenmuskulatur sehr schwer. Gleichzeitig wirken aber u.U. hohe Beschleunigungskräfte auf ihn ein. Eine Helmpflicht im Anhänger – wie z.B. in Österreich – ist vor diesem Hintergrund umstritten. Auch die Wirbelsäule sollte gut geschützt sein: Gerade bei sehr kleinen Kindern empfiehlt sich die Montage einer Babyschale.

  • Für ihre Modelle und der darin verbauten Sitzvorrichtungen geben viele Hersteller das erforderliche Mindestalter der Kinder an. Die Empfehlungen reichen von wenigen Monaten bis zu einem Jahr. Für MTB-Touren sollte mit dem Transport im Anhänger gewartet werden, bis das Kind selbständig den Kopf halten kann.

  • Entscheidender als Altersangaben und Entwicklungsstadien ist eine defensive Fahrweise. Dazu zählt ein reduziertes Tempo genauso wie eine sorgsame Tourenauswahl, die auch Untergrundbeschaffenheit und Verkehr berücksichtigt.

  • Bei sehr steilen Auffahrten wird eine Hilfestellung notwendig. Denn schnell versagen die Kräfte. Wer im Steilen unerwartet absteigen muss, kann oft das gesamte Gespann nicht mehr ordentlich halten.

  • Wenn möglich, im Stand Feststellbremse des Anhängers arretieren!

  • Kein Essen, kein hartes oder kleinteiliges Spielzeug für die Kids – Verletzungsgefahr!

Tipps

  • Gerade bei Abfahrten gilt: Runter vom Gas, die 25 km/h sollten nicht überschritten werden. Deshalb ist auch die Kombination S-Pedelec mit Kinderanhänger verboten.

  • Eine zusätzliche Begleitung ist hilfreich, sie bietet z.B. Hilfestellung in Steilstücken, öffnet und schließt Weidegatter und sorgt nach hinten für Schutz vor überholendem Verkehr.

  • Bei Umfang und Anspruch der Tour gilt: Weniger ist mehr!

  • Kurze, robuste Gummibänder dienen der Arretierung der Bremshebel am Lenker. Zusammen mit der Feststellbremse am Anhänger verhindern sie das Entgleiten des geparkten, angelehnten Gespanns.

  • Vor allem die Montage der unterschiedlichen Sitzeinbauten bedarf etwas Geschick, der spezialisierte Fachhandel hilft (z.B. fernengel.de).

Wie viel kosten Kinderanhänger – und wie viel wiegen sie?

Kosten und Gewicht hängen oft zusammen: Leichter ist teurer. Ohne Sonderausstattung bewegen sich die unterschiedlichen Modelle zwischen ca. 10 Kilogramm und ca. 20 Kilogramm und preislich zwischen ca. 800 Euro und ca. 1400 Euro. Da lohnt es sich, nach gebrauchten Modellen zu suchen und sie – falls nötig – einer Generalüberholung zu unterzieh

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