Vorsorge statt Überraschung
Wer an Bettwanzen denkt, denkt meist zuerst an Hotels. Doch auch auf Berghütten können die kleinen Blutsauger eingeschleppt werden – schließlich wechseln viele Gäste auf mehrtägigen Touren von Hütte zu Hütte. Um einen möglichen Befall frühzeitig zu erkennen, setzt der Deutsche Alpenverein auf regelmäßiges Monitoring. Unterstützt wird er dabei unter anderem von Bettwanzenspürhund Linus und seiner Hundeführerin Laura Pannasch aus dem Chiemgau.
Mit der Nase "sieht" Linus mehr als wir mit den Augen.
Laura, du warst mit deinem Bettwanzenspürhund Linus auf dem Schneibsteinhaus unterwegs. Wie läuft so ein Monitoring auf einer Alpenvereinshütte ab?
Grundsätzlich genauso wie in Hotels oder Privatwohnungen. Wir arbeiten Zimmer für Zimmer ab. Damit Linus zwischendurch motiviert bleibt, verstecke ich an einer Stelle, an der sicher keine Bettwanzen vorkommen – zum Beispiel im Dusch- oder Stiefelraum – ein kleines Trainingsröhrchen. Anschließend sucht er systematisch alle Schlafräume ab. Wenn ich merke, dass ein Bereich nicht gründlich genug abgesucht wurde, gehen wir ihn einfach noch einmal durch. Parallel kontrolliere ich mit den Augen und einer Taschenlampe mögliche Verstecke. Oft liegen diese aber hinter Holzverkleidungen oder an Stellen, an die wir gar nicht herankommen. Genau dort spielt Linus seine Stärke aus.
Warum können gerade Berghütten betroffen sein?
Berghütten haben einen hohen Gästewechsel. Viele Wandernde übernachten auf mehrtägigen Touren jede Nacht in einer anderen Unterkunft. Dadurch können Bettwanzen unbemerkt mit Gepäck oder Kleidung eingeschleppt werden – genauso wie in Hotels oder Ferienwohnungen.
Was macht Hunde wie Linus zur perfekten Unterstützung beim Bettwanzen-Monitoring?
Hunde verfügen – je nach Rasse – über bis zu 300 Millionen Riechzellen. Wir Menschen haben dagegen nur etwa fünf Millionen. Bettwanzen sind perfekte Versteckkünstler und gerade im frühen Entwicklungsstadium so klein, dass wir sie mit bloßem Auge kaum entdecken können. Linus kann ihren Geruch sogar hinter Holzverkleidungen oder Tapeten wahrnehmen und die Stelle sehr genau lokalisieren. Trotzdem muss man ehrlich sagen: Auch ein Hund ist keine Maschine und kann keine hundertprozentige Sicherheit garantieren.
Wie wird ein Bettwanzenspürhund ausgebildet?
Die Ausbildung dauert in der Regel mindestens ein Jahr. Dabei lernt der Hund, den Geruch sicher zu erkennen, unterschiedlichste Verstecke abzusuchen und einen Fund eindeutig anzuzeigen. Gleichzeitig wird seine Ausdauer trainiert, denn auch längere Suchaufträge verlangen viel Konzentration.
Linus habe ich ganz bewusst für diese Aufgabe ausgesucht.
Wie bist du überhaupt zu dieser Arbeit gekommen?
Ausgerechnet durch eine Hüttenwanderung. Nach einer mehrtägigen Tour hatte ich zu Hause plötzlich sehr viele Bisse. Damals wusste ich noch gar nichts über Bettwanzen. Erst durch ein Gespräch mit einer Bettwanzenspürhundeführerin kam ich auf das Thema. Ich wollte ohnehin einen Hund aus dem Tierschutz aufnehmen und gleichzeitig etwas Sinnvolles mit ihm machen. Gemeinsam haben wir dann Linus ausgesucht – heute ist er genau für diese Aufgabe im Einsatz.
Was fasziniert dich an der Arbeit am meisten?
Vor allem die Zusammenarbeit mit dem Hund. Es ist unglaublich, wozu Hunde mit ihrer Nase fähig sind. Gleichzeitig ist die Suche für Linus eine artgerechte Beschäftigung. Er liebt diese Arbeit – und ich finde es faszinierend, was wir als Team gemeinsam leisten können.
Viele Menschen verbinden Bettwanzen mit mangelnder Sauberkeit. Warum stimmt das nicht?
Das ist eines der größten Missverständnisse. Bettwanzen fühlen sich in einem Fünf-Sterne-Hotel genauso wohl wie in einer einfachen Unterkunft. Sie interessieren sich nicht für Sauberkeit, sondern werden meist unbemerkt mit Gepäck eingeschleppt. Deshalb kann eine Unterkunft heute völlig frei von Bettwanzen sein und morgen durch einen Gast dennoch einen Befall haben.
Warum ist das Monitoring auf Hütten so wichtig?
Je früher ein Befall entdeckt wird, desto besser. Bettwanzen können sich schnell vermehren. Durch regelmäßige Kontrollen lässt sich verhindern, dass aus einem kleinen Befall ein großes Problem wird. Gleichzeitig schafft das Vertrauen bei den Gästen.
Was passiert, wenn Linus tatsächlich Bettwanzen findet?
Dann informiere ich die Hüttenwirtin oder den Hüttenwirt und empfehle, professionelle Schädlingsbekämpfer oder -bekämpferinnen einzuschalten. Wer versucht, Bettwanzen selbst zu bekämpfen, riskiert oft, dass sie sich noch weiter ausbreiten.
Einfach die Hinweise der Hütten beachten.
Was können Hüttengäste selbst tun?
Am wichtigsten ist, die Hinweise der Hütte ernst zu nehmen. Dazu gehört beispielsweise, Rucksäcke möglichst nicht mit ins Lager zu nehmen oder Kleidung in den vorgesehenen Beuteln aufzubewahren. Wer den Verdacht hat, Bettwanzenkontakt gehabt zu haben, sollte das den Hüttenwirtsleuten mitteilen. Zuhause empfiehlt es sich, Kleidung möglichst heiß zu waschen und das Gepäck zunächst getrennt aufzubewahren.
Sind Berghütten für euch ein besonderer Einsatzort?
Definitiv. Schon die Anreise mit Geländefahrzeug oder Seilbahn ist außergewöhnlich. Dazu kommen enge Lager, Stockbetten und wenig Platz. Nicht jeder Hund würde das mitmachen. Für uns ist das zwar aufwendiger als ein normaler Auftrag, macht aber auch besonders viel Spaß.
Zum Schluss: Was möchtest du DAV-Mitgliedern und Hüttengästen mit auf den Weg geben?
Ich wünsche mir, dass Bettwanzen niemanden davon abhalten, auf Alpenvereinshütten zu übernachten. Gerade Hütten, die regelmäßig kontrollieren und vorbeugend handeln, zeigen, dass sie das Thema ernst nehmen. Mit ein paar einfachen Vorsichtsmaßnahmen ist das Risiko gering. Und eines sollte man nicht vergessen: Bettwanzen übertragen nach aktuellem Wissensstand keine Krankheiten. Beim Bergsteigen gibt es viele andere Risiken, auf die man deutlich mehr achten sollte.
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