Berghütte mit Holzfassade steht vor einer steilen Felswand, umgeben von felsiger Landschaft und blauem Himmel.
Riemannhaus in den Berchtesgadener Alpen. Foto: Riemannhaus
DAV-Hüttenwirtsleute ziehen Bilanz

Ein Rückblick auf die Sommersaison 2026

Der Sommer neigt sich dem Ende zu, die Hütten schließen nach und nach ihre Türen und bereiten sich auf die Winterruhe vor. Für die Hüttenwirtsleute und -verantwortlichen ist es an der Zeit, einen Blick zurück auf die Saison 2026 zu werfen, mit all ihren guten, schlechten und eindrücklichen Momenten. Bei allem, was die Bergsaison so gebracht hat, ist die einstimmige Meinung: es war ein Bergsommer der Extreme - erfreuliche aber auch belastende!

Nach einem schneearmen Winter begann die Sommersaison 2026 zeitig. Viele Übergänge waren früh im Jahr machbar, was die Hüttengäste gerne nutzen. So starteten die Wirtsleute hervorragend in den Frühsommer, der von gutem Wanderwetter geprägt war. Ende Juli begann für manche jedoch das große Zittern: Wenig Schnee, geringe Niederschläge und anhaltende Hitze setzten den Wasserreserven auf einigen Hütten stark zu. Um den Betrieb überhaupt aufrechterhalten zu können, mussten zügig weitreichende Maßnahmen zum Wassersparen umgesetzt werden. Erst im August trugen lokale Gewitter dazu bei, dass sich die Situation auf so mancher Hütte wieder entspannte. Anschließend konnten die Wirtsleute und Gäste einen überaus sonnigen, buchstäblich goldenen Herbst genießen.

Welche Bilanz ziehen die Hüttenverantwortlichen beim DAV?

Die Sommersaison 2026 hat wegen des wenigen Schnees sehr früh begonnen, auch im Hochgebirge. Das warme und trockene Wetter hat den Alpenvereinshütten bereits im Frühsommer zahlreiche Gäste beschert. Zur Freude unserer Hüttengäste war die Tourenplanung wegen weniger Niederschläge in diesem Sommer entspannt. Das fehlende Nass wurde Ende Juli aber zum Leid mancher Hütte: Quellen wurden schwächer, Wasserspeicher gingen zur Neige und je nach Region mussten manche Wirtsleute mit extremem Wassermangel umgehen und Lösungen für den Hüttenbetrieb finden. Denn die Gäste zog es bei der Hitze auch weiter ins erfrischende Gebirge.
Der Sommer 2026 wird uns in jedem Fall als Hitzesommer in Erinnerung bleiben und er hat uns neue Herausforderungen für die kommenden Sommer aufgezeigt.
- Robert Kolbitsch, DAV-Ressortleiter Hütten und Wege

Was ist das Fazit der Hüttenwirtsleute?

Greizer Hütte, Zillertaler Alpen

Greizer Hütte in den Zillertaler Alpen. Foto: Greizer Hütte/Lukas Zimmermann
Dieses Jahr hat sich vieles um das Wasser gedreht. Im August hat es an zwei Tagen so viel geregnet, wie in der ganzen Saison nicht. An diese kurzen und heftigen Entladungen werden wir uns gewöhnen müssen und vorsorgen. Uns hat da auf der Greizer Hütte so etwas wie ein Speicher gefehlt.
- Christian, Hüttenwirt der Greizer Hütte

Der Start in die Sommersaison verlief auf der Greizer Hütte schneller und intensiver als üblich. Die Übergänge des Berliner Höhenwegs waren früh machbar und wurden gerne begangen. Die Hütte benötigt Wasser nicht nur zur Versorgung mit Trinkwasser, sondern auch zur Stromversorgung. Doch schon Ende Juni war das Wasserangebot so stark zurückgegangen, dass bei hervorragendem Wetter und anhaltend hohen Gästezahlen an einigen Tagen das Notstromaggregat in Betrieb genommen werden musste. Den Hüttenbetrieb auf diese Weise aufrechtzuerhalten entspricht nicht den Vorstellungen von Halie und Christian, in diesem Sommer war es jedoch unumgänglich.

Die beide gehen davon aus, dass der Wassermangel künftig eher die Regel als die Ausnahme sein wird. Sie wünschen sich deshalb, mit mehr Photovoltaik und Wasserspeichern besser vorzusorgen. Erst im Spätsommer ließ die Anspannung nach: Es gab wieder Niederschläge und weil die Hütte weiter gut besucht war, blicken Halie und Christian auf einen angenehmen Saisonausklang zurück.

Die Greizer Hütte hat für dieser Jahr bereits geschlossen. Halie und Christian begrüßen euch gerne wieder ab Juni 2027.

Riemannhaus, Berchtesgadener Alpen

Riemannhaus in den Berchtesgadener Alpen. Foto: Riemannhaus
Extrem viele Gäste, extrem gutes Bergwetter, extrem wenig Wasser! - Die Saison 2026 war in vielerlei Hinsicht extrem, wir glauben, dass solche Sommer künftig häufiger werden. Deshalb muss die Hütte dafür gerüstet sein. Dazu müssen Hüttenwirte, Sektion, Alpenverein und Gäste an einem Strang ziehen.
- Laura und Jeremy, Wirtsleute des Riemannhauses

Mitte Mai haben Laura und Jeremy, die Wirtsleute des Riemannhauses die Hütte aus dem Winterschlaf geholt. Um die Hütte lag wenig Schnee, damit stand weniger Schmelzwasser zur Verfügung, um die Wasserspeicher für den Hüttenstart im Juni zu füllen. Der Juli bot perfektes Wanderwetter aber zu wenig Niederschlag für die Hütte. So mussten die Wirtsleute zusehen, wie der Wasserstand in den Tanks täglich sank. Mitte Juli wurde aus "wir sollten Wasser sparen" ein "wir müssen jetzt deutlich einsparen", um eine Hüttenschließung zu verhindern. An einem gut besuchten Tag wurden alleine 3.000l Wasser für die Toilettenspülung benötigt. Da für die jährliche Almer Wallfahrt ohnehin mobile Toiletten benötigt werden, wurden die Toiletten bereits Ende Juli zur Hütte geflogen. Für die Toiletten im Haus und auch die Waschräume wurden Nutzungszeiten beschränkt. Statt die Flaschen der Gäste direkt zu füllen, wurden Wasserflaschen per Seilbahn geliefert. Auch das Hüttenteam hat streng gespart: gespült wurde per Hand, geduscht maximal einmal pro Woche und die Wäsche ging ins Tal. Das war arbeitsintensiv und logistisch aufwendig. Mit den Sparmaßnahmen sank der Wasserverbrauch auf rund 40% am Tag und trotzdem war Mitte August nur noch Wasser für zwei Tage im Tank. Mit wenigen Niederschlägen ging es bis Mitte September auf und ab. Schließlich haben Laura und Jeremy das Riemannhaus eine Woche früher als üblich geschlossen und mit dem verfügbaren Restwasser die Hütte für die nächste Saison in Schuss gebracht.

Viele Hüttengäste zeigten Verständnis für die Einschränkungen. Es gab aber auch schwierige Diskussionen, die die Wirtsleute führen mussten. Der größte Dank der beiden gilt dem Hüttenteam, das viel mitgetragen und selbst auf einiges verzichtet hat.

Für diese Saison hat das Riemannhaus bereits geschlossen. Die Wirtsleute Laura und Jeremy freuen sich auf euren Besuch ab Juni 2027.

Tegernseer Hütte, Bayerische Voralpen

Tegernseer Hütte in den Bayerischen Voralpen. Foto: Sektion Tegernsee/ Carolin Machl
Es war eine wirtschaftlich schwierige Saison: Zu viel Hitze, wenig Wasser und im Herbst dann eine defekte Seilbahn!
- Andi, Hüttenwirt der Tegernseer Hütte

Auch auf der Tegernseer Hütte war der Sommer 2026 eine Herausforderung. Für Andi Hauber, der die Hütte in der zweiten Saison betreibt, war der Saison wirtschaftlich schwierig, dennoch bleibt er gelassen. Zum Saisonstart lag auf der Tegernseer Hütte 20 cm Schnee, weshalb nur ein Sechstel der angemeldeten Gäste kamen. Das ist kein guter Start. Leider kommt es immer häufiger vor, dass Gäste eine Übernachtung buchen und ohne Absage nicht erscheinen. Auch bei der großen Hitze blieben die Gäste teilweise aus. Nur während den Ferienzeiten hatte die Hütte zwischen Roß- und Buchstein außergewöhnlich viel Besuch. Da die Tegernseer Hütte ausschließlich mit Regenwasser wirtschaftet, war die geringere Auslastung in diesem Jahr allerdings von Vorteil und man kam mit sparsamen Umgang und dem wenigen verfügbaren Wasser über die Runden. Auf der Hütte sind bereits Komposttoiletten im Einsatz, so dass kein wertvolles Nass direkt in die Toilette fließt. Der goldene Herbst hätte die Saisonbilanz der Tegernseer Hütte noch retten können, dann kam ein Defekt an der Materialseilbahn. Andi und sein Team müssen nun sämtliches Material und die benötigten Lebensmittel zu Fuß zur Hütte tragen. Für den Rest der Saison gibt es daher nur eine eingeschränkte Speisekarte.

Die Tegernseer Hütte hat noch bis 7. November geöffnet und freut sich über euren Besuch.

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