Drei Bergsteigende mit Ausrüstung wandern über einen schneebedeckten Gletscher vor einer Kulisse von schroffen Bergen und blauem Himmel.
Mangelware in immer heißeren Sommern: gute Bedingungen für Hochtouren. Foto: DAV/Franz Güntner
Auswirkungen auf den Alpinismus

Hitzesommer 2026

Bereits bis Anfang August gab es mehrere Wochen, in denen die Null-Grad-Grenze über 4000 Meter lag. An manchen Tagen stieg sie fast auf 5000 Meter. Auch wenn oder gerade weil der Sommer noch nicht vorbei ist, werfen wir jetzt, Mitte August, einen Rückblick auf die bisherigen Auswirkungen in den Bergen, die auch für die weitere Tourenplanung bis Mitte September bedeutsam sein können.

Ursache der Wetterlage

Im Sommer 2026 gab und gibt es kaum ergiebige Regenfälle durch Tiefdruckgebiete, weil stabile Blockade-Hochdruckgebiete über Mitteleuropa dominieren. Diese großen Hochs wirken wie eine Schutzmauer. Sie lenken atlantische Regenfronten und Tiefdruckgebiete weit um uns herum oder schwächen sie vorher ab. Zudem verändert der Klimawandel die Luftströmungen in der Atmosphäre, sodass solche trockenen Hochdrucklagen oft tagelang oder wochenlang ortsfest sind. Der für Mitteleuropa wichtige „Jetstream“, durch den Hoch- und Tiefdruckgebiete nach Mitteleuropa getrieben werden, zeigt in diesem Sommer phasenweise eine ausgeprägte Schwäche und neigt zu starkem Schlingern. Dies begünstigt oben erwähnte Blockadelagen, bei denen sich stationäre Hochdruckgebiete und langanhaltende Hitze- oder Dürrephasen über Europa festsetzen.

Der Sylvensteinspeicher südlich von Lenggries ist im August 2026 gerade noch etwa halbvoll, die flacheren Abschnitte sind komplett trocken. Foto: Philipp Radtke

Die folgenden Listen (mit jeweils fünf konkreten Beispielen) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Wasserknappheit auf Hütten

Weit vor Saisonende geht diesen Sommer auf vielen Hütten das Wasser aus, so dass diese den Betrieb einschränken oder gar früher schließen müssen.

Ein Firnfeld an der Westseite der Dahmannspitze sorgt dafür, dass das Brandenburger Haus trotz Wasserknappheit voraussichtlich bis zum Saisonende geöffnet bleiben kann. Foto: Michael Pröttel
  1. An der Tölzer Hütte (Karwendel) war der Wasserstand Ende Juli so niedrig, dass die Hütte für einen Tag geschlossen wurde. Der Hüttenwirt baute ein improvisiertes Auffangbecken für die Klospülung.

  2. Auf der Blaueishütte (Nationalpark Berchtesgaden) reichte Anfang August das Wasser nicht mehr aus. Damit der Hüttenbetrieb weiterlaufen konnte, musste Trinkwasser per Hubschrauber eingeflogen werden. Die Waschräume wurden geschlossen. Trinkwasser wurde nur noch in PET-Flaschen verkauft. Laut der Vorsitzenden der DAV-Sektion Berchtesgaden gab es bislang noch nie den Fall, dass die Quellen nicht schütteten.

  3. Am Watzmannhaus (Nationalpark Berchtesgaden) wurden ebenfalls ab Anfang August die Waschräume nur noch morgens und abends für jeweils zwei Stunden geöffnet. An den Toiletten standen seitdem Desinfektionsmittel, während die Wasserhähne abgedreht wurden.

  4. Auch am Brandenburger Haus (Ötztaler Alpen) wurde Anfang August die Wasserlage knapp. Zum Glück entdeckten die Pächterinnen ein größeres Firnfeld an der Westseite der Dahmannspitze. Mit dorthin verlegten Rohren hofft man bis zum Saisonende Mitte September durchhalten zu können.

  5. Auch in eigentlich sehr regenreichen Regionen ist Wasserknappheit ein Thema. So wurde an der Geltenhütte (Berner Alpen) die Situation bereits Mitte Juni kritisch. Was so noch nie vorgekommen war und die Schließung der Duschen zur Folge hatte. In der größten Not soll wieder das Plumpsklo zum Einsatz kommen.

Starke Eis- und Steinschlagaktivitäten

Dass bekannte Hochtouren offiziell gesperrt beziehungsweise von Besteigungen abgeraten wird, ist im Hochsommer kein brandneues Phänomen. Solche Sperrungen gab es beispielsweise im Hitzesommer 2006 rund um Chamonix. Nicht selten werden auch die jahrzehntelang üblichen Normalanstiege verlegt. Heuer sind aber auch besonders bekannte Berge betroffen. Fünf prominente Beispiele:

  1. Wegen starker Felssturz- und Steinschlagaktivität durch tauenden Permafrost am Piz Cambrena wurde der Normalweg zum Piz Palü (Bernina Gruppe) Anfang August Richtung Westen durch den Gletscherbruch verlegt.

  2. Auch am Lagginhorn (Wallis) wurde der Normalweg wegen zu hoher Steinschlaggefahr verlegt. Seit August gibt es eine neue Variante über den Lagginhorngletscher, welche die gefährlichste Steinschlagzone umgeht.

  3. Nach einem massiven Felssturz an der Südseite des Matterhorns (Wallis) ebenfalls Anfang August hat der italienische Bergführerverein von Breuil-Cervinia die Besteigungen des Matterhorns mit Kundschaft ausgesetzt.

  4. Am 18. und 19. Juli brach auf der Normalroute über den Nordostsporn am Piz Kesch (Albula Alpen) ein Volumen von etwa hundert Kubikmetern Fels aus. Die Route war nach Angaben des SAC zwar weiterhin begehbar, erfordert jedoch erhöhte Vorsicht.

  5. Und auch die Nördlichen Kalkalpen sind betroffen: so gab es am 17. Juli zwei massive Felsstürze am Hochkönig (Berchtesgadener Alpen). Da kein Anstieg in dem Bereich liegt, waren keine Bergsteiger*innen betroffen.

Schwitzende Gletscher

Mehr Wasser als Eis? Aktuelle Lage am Kesselwandferner unterhalb vom Brandenburger Haus. Foto: Michael Pröttel

Heuer haben die Gletscher außergewöhnlich früh die Firnauflage des vergangenen Winters verloren. Das führte zu deutlich anspruchsvolleren Tourenbedingungen, was Schneebrücken in den Spaltenzonen, Anstiege im Blankeis oder die Überwindung der Randklüfte betrifft.

  1. Am 29. Juni war auf den Schweizer Gletschern das komplette „Winterpolster“ an Firn bereits abgeschmolzen. So früh passierte das seit Beginn der Messungen erst ein einziges Mal. Der Winter brachte viel zu wenig Schnee, mancherorts lagen 50 bis 75 Prozent weniger als üblich. Fehlt die Schneedecke, brennt die Hitze ungebremst aufs blanke Eis.

  2. An der Wildspitze (Ötztaler Alpen) stürzte am 5. August ein Alpinist auf dem Taschachferner rund zwanzig Meter tief in eine verdeckte Gletscherspalte und musste per Hubschrauber geborgen werden. Das war von Mai bis Anfang August bereits das sechste Spaltensturz-Ereignis in Österreich.

  3. Am 1. August brach ein Bergsteiger am Ködnitzkees (Glocknergruppe) auf dem Normalweg zur Erzherzog-Johann-Hütte durch eine dünne Schneebrücke. Der Mann stürzte vier Meter in eine Gletscherspalte. Somit sind auch viel begangene Normalwege von den anspruchsvollen Verhältnissen betroffen.

  4. Auf dem Theodulgletscher (Wallis) wurde der reguläre Sommerskibetrieb wegen anhaltender Hitze und schlechter Schneeverhältnisse seit Ende Juli 2026 vorübergehend eingestellt.

  5. Auf vergleichsweise flachen Gletschern, wie dem Kesselwandferner (Ötztaler Alpen), waren die Bedingungen Anfang August noch vergleichsweise gut. Dennoch rannen hier täglich ab dem späten Vormittag unzählige kleine Gletscherbäche bergab.

Starkniederschläge

Während es in großen Teilen Deutschlands keinen Regen gab, sorgten in den Alpen Unwetter für gewaltige Niederschlagsmengen. Diese sorgten gerade zusammen mit Gletscherbächen, die wegen der Hitze nachmittags teils sehr viel Wasser führen, für einige Zerstörungen.

  1. Bei Rofenhöfen nahe Vent (Ötztaler Alpen) verlegte am 30. Juli eine Mure eine Straße. Rund dreißig Personen mussten in Sicherheit gebracht werden. Auch viele andere Teile der Gemeinde Sölden waren von dem Ereignis betroffen.

  2. Im Kaunertal (Ötztaler Alpen) führte ein heftiges Unwetter Ende Juni im Bereich des Röstizkogels zu mehreren Muren, die die Kaunertaler Gletscherstraße verschütteten und zum Teil wegrissen. Rund zweihundert Menschen waren im hinteren Tal eingeschlossen und mussten per Hubschrauber ausgeflogen werden.

  3. Beim Anstieg zum Hochjochhospiz (Ötztaler Alpen) wurde Mitte Juni die Brücke über den Gletscherbach des Vernagtferners zerstört; sie musste durch eine neue (provisorische) ersetzt werden. Der Hüttenwirt ist sich sicher, dass für die weitere Zukunft eine Hängebrücke notwendig sein wird.

  4. In der Nacht zum 7. August wurde die Straße im Ahrntal (Zillertaler Alpen) nach zwei Murabgängen meterhoch verschüttet. Das hintere Tal war abgeschnitten. 120 Personen wurden in Sicherheit gebracht, verletzt wurde zum Glück niemand.

  5. Am gleichen Tag gingen in Tux und Brandberg (Zillertaler Alpen) mehrere Muren ab. Besonders groß war ein Abgang im Bereich der Marchklamm. Dort ergoss sich eine Mure auf einer Breite von rund zwanzig Metern und einer Höhe von rund fünf Metern auf die Schlegeisstraße.

Mitte Juni wurde die Brücke über den Gletscherbach des Vernagtferners zerstört – wie lange das Provisorium halten wird, steht in den Sternen. Foto: Michael Pröttel

Weitere Folgen beim Bergsteigen: Kreislaufprobleme durch Hitze

Ein überwiegender Teil der tödlichen Bergunfälle ist auf Herz-Kreislauf-Versagen zurückzuführen, also auf eine Überforderung des Körpers. Dieses Risiko ist an heißen Sommertagen größer. Bereits Ende Juni ließ das hochsommerlich-heiße Wetter die Einsatzzahlen der Bergwacht in die Höhe schnellen. Wie die Bergwacht Berchtesgaden mitteilte, bewältigte sie im Juni 24 Einsätze, zum Beispiel wegen Erschöpfung. Für den gesamten Sommer 2026 liegen die finalen, konsolidierten Unfallstatistiken allerdings noch nicht vor, da diese in der Regel erst nach Saisonende im Spätherbst ausgewertet werden.

Ausblick für den Restsommer

Wie geht es weiter? Das Blockadehoch über dem Atlantik und Grönland wird (Stand 9. August 2026) angeblich schwächer, wodurch kühlere Luftmassen polaren Ursprungs über dem östlichen Kanada in Richtung Neufundland gelangen und die atlantische Frontalzone in Gang setzen können. Entscheidend für den weiteren Verlauf des Hochsommers wird dann aber sein, wie kräftig die Tiefdruckgebiete wirklich sind und ob sich eine Tiefdruckrinne Richtung Mitteleuropa aufbaut, die den Hochsommer und die Hitze beendet.