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Ursache der Wetterlage
Im Sommer 2026 gab und gibt es kaum ergiebige Regenfälle durch Tiefdruckgebiete, weil stabile Blockade-Hochdruckgebiete über Mitteleuropa dominieren. Diese großen Hochs wirken wie eine Schutzmauer. Sie lenken atlantische Regenfronten und Tiefdruckgebiete weit um uns herum oder schwächen sie vorher ab. Zudem verändert der Klimawandel die Luftströmungen in der Atmosphäre, sodass solche trockenen Hochdrucklagen oft tagelang oder wochenlang ortsfest sind. Der für Mitteleuropa wichtige „Jetstream“, durch den Hoch- und Tiefdruckgebiete nach Mitteleuropa getrieben werden, zeigt in diesem Sommer phasenweise eine ausgeprägte Schwäche und neigt zu starkem Schlingern. Dies begünstigt oben erwähnte Blockadelagen, bei denen sich stationäre Hochdruckgebiete und langanhaltende Hitze- oder Dürrephasen über Europa festsetzen.
Die folgenden Listen (mit jeweils konkreten Beispielen) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
Starke Eis- und Steinschlagaktivitäten
Die anhaltend hohen Temperaturen wirken sich besonders deutlich auf Hochtouren aus. Schnee- und Eisflächen schmelzen stark ab, Gletscher apern aus und auftauender Permafrost kann Felsbereiche destabilisieren. Die Folge: Die Gefahr durch Stein- und Eisschlag nimmt zu und klassische Routen können innerhalb kurzer Zeit deutlich schwieriger oder zu gefährlich werden.
Dass bekannte Hochtouren offiziell gesperrt werden beziehungsweise von Besteigungen abgeraten wird, ist im Hochsommer kein völlig neues Phänomen. Solche Sperrungen gab es bereits im Hitzesommer 2006 rund um Chamonix. Nicht selten werden auch die jahrzehntelang üblichen Normalanstiege verlegt. In diesem Sommer sind jedoch auch besonders bekannte Berge betroffen. Anbei weitere prominente Beispiele:
Wie ernst die Situation derzeit ist, zeigt der Mont Blanc. Seit dem 11. August sind die Hütten Tête Rousse und Goûter auf der Normalroute über die Aiguille du Goûter geschlossen. Grund sind die schlechten Bedingungen auf der Route, insbesondere die hohe Steinschlaggefahr. Auch die anderen klassischen Routen auf den Mont Blanc bieten nach Angaben von La Chamoniarde derzeit keine akzeptablen Bedingungen und stellen somit keine Ausweichmöglichkeit dar.
Wegen starker Felssturz- und Steinschlagaktivität durch tauenden Permafrost am Piz Cambrena wurde der Normalweg zum Piz Palü (Bernina Gruppe) Anfang August Richtung Westen durch den Gletscherbruch verlegt.
Auch am Lagginhorn (Wallis) wurde der Normalweg wegen zu hoher Steinschlaggefahr verlegt. Seit August gibt es eine neue Variante über den Lagginhorngletscher, welche die gefährlichste Steinschlagzone umgeht.
Nach einem massiven Felssturz an der Südseite des Matterhorns (Wallis) ebenfalls Anfang August hat der italienische Bergführerverein von Breuil-Cervinia die Besteigungen des Matterhorns mit Kundschaft ausgesetzt.
Am 18. und 19. Juli brach auf der Normalroute über den Nordostsporn am Piz Kesch (Albula Alpen) ein Volumen von etwa hundert Kubikmetern Fels aus. Die Route war nach Angaben des SAC zwar weiterhin begehbar, erfordert jedoch erhöhte Vorsicht.
Und auch die Nördlichen Kalkalpen sind betroffen: so gab es am 17. Juli zwei massive Felsstürze am Hochkönig (Berchtesgadener Alpen). Da kein Anstieg in dem Bereich liegt, waren keine Bergsteiger*innen betroffen.
Der Ortler gehört zu den bekanntesten Hochtourenbergen der Ostalpen. Im Zuge des Klimawandels wird ein Teil des Normalwegs, das sogenannte Bärenloch, zunehmend schwieriger zu passieren. Eine bereits länger diskutierte Alternative wurde nun umgesetzt: Ein neuer An- und Abstieg führt über die Schulter, auf der sich auch die Biwakschachtel befindet. Damit soll der Normalweg besser und sicherer begehbar bleiben.
Der Hauptgipfel des Zuckerhütls wird durch den Gletscherrückgang und das Abschmelzen des Permafrosts immer instabiler. Im Sommer ist daher vermehrt mit Steinschlag zu rechnen und auch die Gefahr einen Felssturzes ist erhöht.
Die lokalen Bergführer empfehlen daher im Sommer als Alternative den Anstieg auf den Westgipfel/Pfaffenschneide.
Für Bergsteiger*innen bedeutet das: Gerade bei Hochtouren sollten die aktuellen Verhältnisse unmittelbar vor der Tour geprüft und die Planung gegebenenfalls angepasst werden. Auch der Verzicht auf eine geplante Tour oder die Wahl eines alternativen Ziels kann notwendig sein.
Wasserknappheit auf Hütten
Weit vor Saisonende geht diesen Sommer auf vielen Hütten das Wasser aus, so dass diese den Betrieb einschränken oder gar früher schließen müssen.
An der Tölzer Hütte (Karwendel) war der Wasserstand Ende Juli so niedrig, dass die Hütte für einen Tag geschlossen wurde. Der Hüttenwirt baute ein improvisiertes Auffangbecken für die Klospülung.
Auf der Blaueishütte (Nationalpark Berchtesgaden) reichte Anfang August das Wasser nicht mehr aus. Damit der Hüttenbetrieb weiterlaufen konnte, musste Trinkwasser per Hubschrauber eingeflogen werden. Die Waschräume wurden geschlossen. Trinkwasser wurde nur noch in PET-Flaschen verkauft. Laut der Vorsitzenden der DAV-Sektion Berchtesgaden gab es bislang noch nie den Fall, dass die Quellen nicht schütteten.
Am Watzmannhaus (Nationalpark Berchtesgaden) wurden ebenfalls ab Anfang August die Waschräume nur noch morgens und abends für jeweils zwei Stunden geöffnet. An den Toiletten standen seitdem Desinfektionsmittel, während die Wasserhähne abgedreht wurden.
Auch am Brandenburger Haus (Ötztaler Alpen) wurde Anfang August die Wasserlage knapp. Zum Glück entdeckten die Pächterinnen ein größeres Firnfeld an der Westseite der Dahmannspitze. Mit dorthin verlegten Rohren hofft man bis zum Saisonende Mitte September durchhalten zu können.
Auch in eigentlich sehr regenreichen Regionen ist Wasserknappheit ein Thema. So wurde an der Geltenhütte (Berner Alpen) die Situation bereits Mitte Juni kritisch. Was so noch nie vorgekommen war und die Schließung der Duschen zur Folge hatte. In der größten Not soll wieder das Plumpsklo zum Einsatz kommen.
Schwitzende Gletscher
Heuer haben die Gletscher außergewöhnlich früh die Firnauflage des vergangenen Winters verloren. Das führte zu deutlich anspruchsvolleren Tourenbedingungen, was Schneebrücken in den Spaltenzonen, Anstiege im Blankeis oder die Überwindung der Randklüfte betrifft.
Am 29. Juni war auf den Schweizer Gletschern das komplette „Winterpolster“ an Firn bereits abgeschmolzen. So früh passierte das seit Beginn der Messungen erst ein einziges Mal. Der Winter brachte viel zu wenig Schnee, mancherorts lagen 50 bis 75 Prozent weniger als üblich. Fehlt die Schneedecke, brennt die Hitze ungebremst aufs blanke Eis.
An der Wildspitze (Ötztaler Alpen) stürzte am 5. August ein Alpinist auf dem Taschachferner rund zwanzig Meter tief in eine verdeckte Gletscherspalte und musste per Hubschrauber geborgen werden. Das war von Mai bis Anfang August bereits das sechste Spaltensturz-Ereignis in Österreich.
Am 1. August brach ein Bergsteiger am Ködnitzkees (Glocknergruppe) auf dem Normalweg zur Erzherzog-Johann-Hütte durch eine dünne Schneebrücke. Der Mann stürzte vier Meter in eine Gletscherspalte. Somit sind auch viel begangene Normalwege von den anspruchsvollen Verhältnissen betroffen.
Auf dem Theodulgletscher (Wallis) wurde der reguläre Sommerskibetrieb wegen anhaltender Hitze und schlechter Schneeverhältnisse seit Ende Juli 2026 vorübergehend eingestellt.
Auf vergleichsweise flachen Gletschern, wie dem Kesselwandferner (Ötztaler Alpen), waren die Bedingungen Anfang August noch vergleichsweise gut. Dennoch rannen hier täglich ab dem späten Vormittag unzählige kleine Gletscherbäche bergab.
Aktiv gegen die Klimakrise
Hitzewelle und Klimakrise
Können wir überhaupt noch was tun?
Die kurze Antwort: ja, können wir! Die lange Antwort gibt es in diesem Artikel, in dem wir uns die Klimapfade des IPCC und die aktuellen Daten aus der Klimaforschung ansehen.
Starkniederschläge
Während es in großen Teilen Deutschlands keinen Regen gab, sorgten in den Alpen Unwetter für gewaltige Niederschlagsmengen. Diese sorgten gerade zusammen mit Gletscherbächen, die wegen der Hitze nachmittags teils sehr viel Wasser führen, für einige Zerstörungen.
Bei Rofenhöfen nahe Vent (Ötztaler Alpen) verlegte am 30. Juli eine Mure eine Straße. Rund dreißig Personen mussten in Sicherheit gebracht werden. Auch viele andere Teile der Gemeinde Sölden waren von dem Ereignis betroffen.
Im Kaunertal (Ötztaler Alpen) führte ein heftiges Unwetter Ende Juni im Bereich des Röstizkogels zu mehreren Muren, die die Kaunertaler Gletscherstraße verschütteten und zum Teil wegrissen. Rund zweihundert Menschen waren im hinteren Tal eingeschlossen und mussten per Hubschrauber ausgeflogen werden.
Beim Anstieg zum Hochjochhospiz (Ötztaler Alpen) wurde Mitte Juni die Brücke über den Gletscherbach des Vernagtferners zerstört; sie musste durch eine neue (provisorische) ersetzt werden. Der Hüttenwirt ist sich sicher, dass für die weitere Zukunft eine Hängebrücke notwendig sein wird.
In der Nacht zum 7. August wurde die Straße im Ahrntal (Zillertaler Alpen) nach zwei Murabgängen meterhoch verschüttet. Das hintere Tal war abgeschnitten. 120 Personen wurden in Sicherheit gebracht, verletzt wurde zum Glück niemand.
Am gleichen Tag gingen in Tux und Brandberg (Zillertaler Alpen) mehrere Muren ab. Besonders groß war ein Abgang im Bereich der Marchklamm. Dort ergoss sich eine Mure auf einer Breite von rund zwanzig Metern und einer Höhe von rund fünf Metern auf die Schlegeisstraße.
Kreislaufprobleme durch Hitze
Ein überwiegender Teil der tödlichen Bergunfälle ist auf Herz-Kreislauf-Versagen zurückzuführen, also auf eine Überforderung des Körpers. Dieses Risiko ist an heißen Sommertagen größer. Bereits Ende Juni ließ das hochsommerlich-heiße Wetter die Einsatzzahlen der Bergwacht in die Höhe schnellen. Wie die Bergwacht Berchtesgaden mitteilte, bewältigte sie im Juni 24 Einsätze, zum Beispiel wegen Erschöpfung. Für den gesamten Sommer 2026 liegen die finalen, konsolidierten Unfallstatistiken allerdings noch nicht vor, da diese in der Regel erst nach Saisonende im Spätherbst ausgewertet werden.
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Ausblick für den Restsommer
Wie geht es weiter? Das Blockadehoch über dem Atlantik und Grönland wird (Stand 9. August 2026) angeblich schwächer, wodurch kühlere Luftmassen polaren Ursprungs über dem östlichen Kanada in Richtung Neufundland gelangen und die atlantische Frontalzone in Gang setzen können. Entscheidend für den weiteren Verlauf des Hochsommers wird dann aber sein, wie kräftig die Tiefdruckgebiete wirklich sind und ob sich eine Tiefdruckrinne Richtung Mitteleuropa aufbaut, die den Hochsommer und die Hitze beendet.
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