DAV: Servus Helena. Eine schnelle Frage zum Einstieg: Wenn du dich entscheiden müsstest – nur noch Sommer oder nur noch Winter – was wäre es und warum?
Schwierige Entscheidung. Ich mag Winter und Sommer eigentlich gleich gern. Aber wenn ich mich entscheiden müsste: Winter – ich bin einfach Wintersportlerin und das ganze Jahr irgendwie auf den Winter ausgerichtet. Ich bin also schon eher ein Winterkind.
Bei dir läuft es gerade richtig gut, du bist international auf hohem Niveau unterwegs. Gab es für dich einen Moment, wo du gemerkt hast: Skimo ist mehr als ein Hobby – das geht Richtung Leistungssport?
Ja, eigentlich schon in meiner ersten Saison. Da bin ich im März im Jugendweltcup in der U18 einmal Zweite und einmal Dritte geworden. Da wusste ich: Das will ich auf jeden Fall weitermachen, weil es mir so gut gefallen hat. Und die vergangene Saison war auch sehr erfolgreich – da habe ich gemerkt, dass ich jetzt wirklich durchstarten will. Ich habe sogar die Schule gewechselt, um mich neben der Schule voll auf den Sport konzentrieren zu können. Und jetzt bin ich mittendrin in der Saison.
Es sind nur noch ein paar Wochen. Wie aufgeregt bist du wegen der Spiele – auf einer Skala von 1 bis 10?
Momentan ist es vielleicht eine 5 von 10. Aber je näher es kommt, desto aufgeregter wird man natürlich. Man weiß aus dem Weltcup auch, mit welchen Leuten man am Start steht – das gibt dann schon ein Kribbeln im Bauch. Man merkt einfach, wie hoch das Niveau ist.
Was müsste passieren, damit es eine 10 von 10 wird?
Die Spiele müssen einfach nur noch näher kommen. Ich glaube, wenn man anreist, ist es schon eine 7 von 10 – und am Renntag dann 10 von 10 auf jeden Fall.
In Bormio wird es Sprint und Mixed-Staffel geben. Skimo hat aber noch andere Formate. Was ist deine Lieblingsdisziplin – und warum?
Mein Favorit ist eigentlich – unabhängig davon, wo ich am besten bin – das Individual. Ich mag lange Rennen mit technischen Abfahrten, vor allem wenn es richtig ins Gelände geht. Aber Sprint ist natürlich auch ein sehr cooles Format. Und Mixed Relay auch, weil man im Team füreinander kämpft – das hat nochmal einen ganz anderen Spirit.
Gibt es eine Disziplin, die du beim Wettkampf am liebsten „skippen“ würdest?
Eigentlich nicht. Mein Ziel ist sogar, mich nicht zu 100 Prozent auf Sprint zu spezialisieren, sondern wirklich in mehreren Disziplinen stark zu sein.
Was fasziniert dich am ganzen Spektrum der Disziplinen?
Ich finde es krass, wie abwechslungsreich Skimo ist und wie unterschiedlich die konditionellen Anforderungen sind. Sprint ist brutal: sehr hart, sehr schnell, und man muss das auch wieder schnell abbauen. Bei Individual oder allgemein in den längeren Rennen brauchst du wieder eine ganz andere Ausdauerbasis. Das ist gar nicht so leicht zu vereinen – und genau diese Breite macht es spannend und zur Herausforderung.
Wenn wir beim Sprint bleiben: Was ist für dich der Schlüssel – Start, Wechselzone oder Abfahrt?
Es ist eine Mischung aus allem. In der Abfahrt passiert oft nicht mehr so viel – das meiste passiert im Anstieg. Da ist es wichtig, am Start nicht ganz hinten drin zu sein, damit man nicht ausgebremst wird. Gleichzeitig darf man am Anfang nicht überziehen, damit zum Schluss nicht die Körner fehlen. Wichtig ist: schnell los, Tempo konstant halten – und natürlich saubere Wechsel.
Was ist ein Detail, das Zuschauerinnen und Zuschauer oft nicht sehen, das aber wichtig ist?
Dass man sich auch einen Sprint einteilen muss. Man kann in drei Minuten zu schnell starten – und dann eingehen.
Was bedeutet es für dich, bei den Spielen dabei zu sein?
Es ist eine riesige Ehre – vor allem, weil Skibergsteigen das erste Mal olympisch ist. Ich bin dann eine der ersten Skibergsteigerinnen, die bei Olympia dabei sind. Und weil ich noch so jung bin, ist das ein ganz besonderes Ereignis, aus dem man extrem viel mitnehmen kann. Für mich ist es eine riesige Chance und Ehre.
Welche Signalwirkung hat es für den Skimo-Sport nach außen, dass es olympisch wird?
Ich glaube, das ist ein riesiges Sprungbrett. Man merkt jetzt schon: Es gibt viel mehr Aufmerksamkeit. Bei Rennen in Berchtesgaden kenne ich viele Leute, die extra zum Zuschauen kommen. Und man bekommt es auch im Radio mit: Skimo ist olympisch. Dadurch interessieren sich einfach viel mehr Leute dafür. Das ist eine riesige Chance, den Sport bekannter zu machen.
Du bist vermutlich eine der jüngsten – vielleicht die jüngste – Teilnehmerinnen. Was ist der Vorteil daran?
Für mich sind die Olympischen Spiele erstmal zum Reinschnuppern. Ich muss ehrlich sagen: Die Medaillenchancen sind bei mir wahrscheinlich eher gering, weil die Weltspitze noch fitter ist. Aber ich kann Erfahrungen sammeln. Und in vier Jahren schaut das vielleicht schon ganz anders aus – da bin ich vielleicht Medaillenkandidatin. Mal schauen.
Und zum Schluss: Was würde passieren, wenn du deine Ski irgendwann gar nicht mehr sehen könntest?
Dann würde ich ganz viel Radfahren – das mache ich im Sommer eigentlich am liebsten.
Helenas bisherige Erfolge
2. Platz Individual Youth Worldcup 2023 (U18)
3. Platz Vertical Youth Worldcup 2023 (U18)
Dreifache Deutsche Meisterin (U18)
8. Platz WM