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Was ist Bouldern?

Bouldern bedeutet Klettern ohne Seil in Absprunghöhe – also einer Höhe, aus der noch ohne Verletzungsgefahr abgesprungen werden kann. Weichbodenmatten sollen bei einem eventuellen Sturz vor Verletzungen schützen. Das Bouldern ist eine eigene Disziplin des Sportkletterns und hat in den vergangenen Jahren eine rasante Entwicklung durchlaufen. Bei dieser Kletterdisziplin geht es darum, Probleme zu lösen, also Boulder richtig zu lesen.

Im Wettkampf müssen komplexe Einzelzüge und komplizierte Bewegungsabläufe in einer vorgegeben Zeit bewältigt werden: Ziel ist es, den Topgriff, also den obersten Griff, mindestens drei Sekunden lang stabil zu halten. Beim Bouldern ist vor allem Maximalkraft gefragt. Diejenigen Kletterinnen und Kletterer, die an der Weltspitze dabei sein wollen, brauchen darüber hinaus ein hohes Maß an Athletik, eine sehr gute Beweglichkeit und ein ausgeprägtes Koordinationsvermögen. Akrobatische Bewegungsabläufe, Sprünge oder ungewöhnliche Körperpositionen gehören mittlerweile zum abgefragten Repertoire bei den Wettkämpfen. Durch seine spektakulären Bewegungen, viel Action in kurzer Zeit sowie dem zuschauerfreundlichen Modus hat das Wettkampfbouldern in den vergangenen Jahren zunehmend an Anziehungskraft gewonnen. Zu dem diesjährigen Boulderweltcup in München, bei dem der deutsche Starter Jan Hojer Bronze gewann, kamen mehr als 5000 Besucherinnen und Besucher.

 

Wertung beim Bouldern

Jede Starterin und jeder Starter hat pro Boulder ein gewisses Zeitkontingent. Wie lang das ist, hängt vom Wettkampf und der Wertungsrunde ab. Im Weltcup Finale haben Teilnehmer zum Beispiel vier Minuten Zeit, sich an einem Boulder zu versuchen.

 

Bei jedem der Boulderprobleme gibt es einen markierten Zonen- und Topgriff. Der Zonengriff ist ein durch eine Plakette markierter Griff in etwa der Mitte des Boulderproblems – er dient als Art Zwischenwertung. Der Topgriff bildet hingegen das Ende der Route – er ist ganz oben angeschraubt. Optimal ist es, einen Boulder zu flashen, also sowohl den Zonengriff, als auch den Topgriff im ersten Versuch zu halten. Dies wird in den Wertungen als „1t1z 1 1“ dargestellt, also ein Top (t) und eine Zone (z) im ersten Versuch („1 1“). Bei der Zone reicht das kontrollierte Halten mit einer Hand, für das Top ist eine stabile Körperposition notwendig. Je mehr Tops geklettert werden können, umso besser. Doch auch die Zonen-Griffe sind wichtig: Nicht jeder Boulder wird von jedem Kletterer bewältigt, die Zone gilt daher als eine Art Zwischenwertung, die in der Praxis überaus entscheidend ist.

 

Mit der Wertung „4t4z“ bei einem Finale eines Weltcups würde eine Athletin beziehungsweise ein Athlet ziemlich unangefochten an erster Stelle stehen: Er oder sie hätte alle vier Boulderprobleme, die man in einem Weltcup-Finale klettern muss, geschafft – was allerdings angesichts der Schwierigkeit der Boulder nur sehr wenigen Talenten gelingt.

 

Liegen zwei oder mehr Teilnehmer nach der Anzahl der Top-Begehungen gleichauf, ist die Zahl der gehaltenen Zonen entscheidend. Herrscht auch hier Gleichstand, werden als nächstes die Versuche gewertet, die gebraucht wurden, das Boulderproblem zu klettern. Ein „Versuch“ gilt als begonnen, wenn die Athletin oder der Athlet mit dem gesamten Körper den Boden verlassen hat. Unzulässige Wandkontakte werden als Versuch gewertet – das gilt auch, wenn sie oder er andere als die erlaubten und markierten Startgriffe und Starttritte berührt.

 

Als drittes Kriterium zählen also die Versuche, die man für das Erreichen des Zielgriffes benötigt. Sie werden im Anschluss miteinander addiert und als Zahl ausgegeben. Hat ein Athlet sich vergeblich bemüht, das Ziel zu erreichen, fließen seine Versuche an dieser Route natürlich nicht in die Gesamtwertung mit ein. Gleiches gilt für die Zone. Die Zonenversuche bilden die vierte und letzte Grundlage des Rankings. Jeder Teilnehmer und jede Teilnehmerin bekommt also vier Nummern „4t4z 4 4“. Das bedeutet: Vier Tops und vier Zonen zu insgesamt je vier Versuchen. Im Klartext hieße das in diesem Fall: Jeder Top wurde im ersten Versuch geschafft (Flash), bravo!

 

Ablauf eines Wettkampfs

Nominierung: Bei internationalen Wettkämpfen werden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer durch die Bundestrainer nominiert. Beziehungsweise haben sich bei Qualifikationswettkämpfen einen Platz für den Start bei einem Weltcup gesichert. Anders ist das auf nationaler Ebene: Bei der Deutschen Meisterschaft sind die Athletinnen und Athleten des Bundeskaders automatisch startberechtigt. Auch sind die deutsche Meisterin sowie der deutsche Meister aus dem Vorjahr gesetzt. Dazu kommen noch jeweils acht Starterinnen und Starter aus den drei Regionen Nord-Ost, Süd und West, diese müssen sich bei den jeweiligen Landesmeisterschaften qualifizieren.

 

Qualifikation: Damen und Herren starten nicht gemeinsam, sondern zeitversetzt in zwei verschiedenen Wettkämpfen. In der Regel sind durch die großen Teilnehmerzahlen die Geschlechter nochmal in zwei Gruppen aufgeteilt. Das heißt, es gibt eine Reihe an Bouldern für Gruppe A und Gruppe B der Herren und Gruppe A und B bei den Frauen.

 

Die Startreihenfolge ergibt sich aus dem Ranking. Das heißt, diejenigen, die im Vorjahr beziehungsweise in der laufenden Saison die vorderen Plätze belegt haben, dürfen zunächst an die fünf Boulder. Das hat den Vorteil, dass sie nicht stundenlang in der Isolations-Zone (Iso) verbringen müssen und die Griffe noch nicht „schmieren“, also rutschig sind. Jeder Wettkämpfer hat für einen Boulder fünf Minuten Zeit, dann muss er wieder in die Iso, hat dort fünf Minuten Pause, bis er wieder beim nächsten Boulder an der Reihe ist. Für die nächste Runde, das Semifinale, qualifizieren sich bei den Damen und Herren die jeweils besten 20 Kletterinnen und Kletterer aus der Qualifikation. Wird in Gruppen gestartet, kommen die besten 10 aus Gruppe A und die besten 10 aus Gruppe B weiter. In allen Runden muss „onsight“ geklettert werden, das bedeutet, dass sich die Starter nicht gegenseitig beobachten und auch die Routen nicht vorher gesehen haben dürfen. Dafür gibt es die „Iso“. Hier müssen alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer vor den Wettkampf hinein und ihre Handys abgeben. Erst dann werden die Boulderprobleme dem Publikum gezeigt, bzw. an die Wand geschraubt. Dadurch ist es keinem Athleten möglich, einen Informationsvorsprung zu bekommen. Im Wettkampf selbst ist die Anzahl der Versuche unbegrenzt, Tops werden aber nach Ablauf der vorgegeben Zeit nicht mehr gewertet.

 

Semifinale: Im Semifinale, das am Tag nach der Qualifikation stattfindet, gibt es vier Boulder. Hier ist die Reihenfolge anders: Der Zwanzigste nach der Quali ist der erste Starter im Halbfinale, der Erste der letzte Starter. Auch im Semi hat jede Kletterin und jeder Kletterer fünf Minuten Zeit, um einen Boulder zu machen. Die sechs Besten aus dieser Runde sind dann im Finale dabei. Auch hier gilt: je mehr Boulder in möglichst wenigen Versuchen gemacht werden, umso besser ist das für das Ergebnis. Damen und Herren starten parallel.

 

Finale: Auch hier gibt es wie im Halbfinale vier Boulder. Diese dürfen vor dem Beginn gemeinsam zwei Minuten lang besichtigt werden. Der Sechstplatzierte nach dem Halbfinale ist dann als Erster am Start. Maximal vier Minuten hat er dann Zeit, um einen Boulder möglichst zu toppen, dann muss er wieder in die Zwischenisolation. Erst wenn alle sechs Starter an der Reihe waren, geht es weiter zum nächsten Boulder. Das Damenfinale und das Herrenfinale finden getrennt voneinander statt.

 

Bei den fünf Weltcups in diesem Jahr war Jan Hojer (DAV Frankfurt / Main) der erfolgreichste deutsche Teilnehmer. Er belegte in München den dritten Platz, war in Wujiang (China) Sechster und in Vail (USA) Vierter. Erfolgreichste deutsche Teilnehmerin war Afra Hönig (DAV Landshut) mit vier Halbfinal-Teilnahmen (Meiringen / Schweiz, Moskau / Russland, München / Deutschland und Vail / USA).

 

Amtierende Deutsche Meister im Bouldern sind bei den Damen Alma Bestvater (DAV Weimar) und bei den Herren Yannick Flohé (DAV Aachen). Beide werden bei der diesjährigen Deutschen Meisterschaft in Dortmund am letzten Juni-Wochenende wieder am Start sein.

 

Was ist Speed-Klettern?

Die Sportart als Wettkampf

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Wie es der Name sagt: beim Speed geht es um Schnelligkeit. Also darum, eine weltweit genormte Route, bei der die Länge und Neigung der Wand sowie die Größe, Form und Position der Griffe und Tritte immer identisch sind, schnellstmöglich nach oben zu klettern. Gesichert wird beim Speed mit Seilsicherung von oben, also im Toprope. Die Athletinnen und Athleten müssen am Ende der Route auf einen Buzzer schlagen, dann wird die Zeit gestoppt. Die Speedtour ist bei Wettkämpfen 15 Meter hoch, hängt fünf Grad über und hat einen Schwierigkeitsgrad von UIIA 7+. Da es sich immer um die gleiche Griffabfolge handelt, können sich die Kletterinnen und Kletterer optimal vorbereiten. Sie prägen sich bei unzähligen Gos den Bewegungsablauf so ein, dass sie ihn verinnerlicht haben und genau wissen, welchen Griff sie wie nehmen beziehungsweise wohin sie ihren Fuß setzen müssen. Beim Speedklettern ist neben einer hohen Schnell- und Maximalkraft deshalb auch eine große Greif- und Trittpräzision notwendig. Außerdem sind im Wettkampf, der über mehrere Runden geht, bei höchster Geschwindigkeit Schnellkraftausdauer und Nervenstärke erforderlich. 

Was ist Olympic Combined?

Das neue Wettkampfformat

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Im Sommer 2016 beschloss das Internationale Olympische Komitee (IOC) die Aufnahme von Sportklettern in das Olympische Programm. Bei den Olympischen Sommerspielen in Tokio 2020 wird die Premiere stattfinden. Der Wettkampfmodus für Tokio ist ein neu geschaffenes Kombinationsformat, das Olympic Combined, das sich aus den drei Disziplinen Lead, Bouldern und Speed zusammensetzt. Der Wettkampf bei Olympic Combined läuft über zwei Runden: Qualifikation und Finale, die an unterschiedlichen Tagen stattfinden. Jede Athletin und jeder Athlet muss in allen drei Disziplinen starten. Die Abfolge ist festgelegt: Begonnen wird mit Speed, danach kommt Bouldern und als letzte Disziplin Lead.   Die Ergebnisse aus der Qualifikationsrunde werden multipliziert und daraus ein Ranking erstellt. Kletterer A hat beispielsweise in den drei Disziplinen die Platzierungen 2, 5 und 10, die multipliziert eine Punktezahl von 100 ergeben. Kletterer B landet in allen drei Disziplinen auf Platz 6 und erhält 216 Punkte. Kletterer A hat weniger Punkte, landet in der Gesamtwertung also vor Kletterer B und hat bessere Chancen, ins Finale einzuziehen. Die acht Athleten mit der niedrigsten Punktezahl werden dort starten. Im Finale werden die drei Disziplinen mit kurzer Pause direkt hintereinander geklettert. 

Was ist Lead-Klettern?

Die Sportart als Wettkampf

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Lead, also das Klettern mit Seil, wird auch als Vorstiegs- oder Schwierigkeitsklettern bezeichnet. Es ist die traditionellste Disziplin des Kletterns. Hier geht es darum, eine definierte Route in einer vorgegeben Zeit möglichst sturzfrei zu durchklettern – beziehungsweise höher als die anderen Starterinnen und Starter zu kommen. Seit mittlerweile über 30 Jahren hat sich das Leadklettern als Wettkampfsportart etabliert – 1989 ging der erste Weltcup über die Bühne. Zu Beginn fanden die Wettkämpfe noch am Fels statt, beim „Rockmaster“ im italienischen Arco beispielsweise, einem der ältesten Sportkletterwettkämpfe überhaupt. Inzwischen aber werden Wettkämpfe in Hallen an bis zu 20 Meter hohen Kunstwänden durchgeführt. Für diese Disziplin ist vor allem Ausdauer und Kraft nötig. Daneben sind eine ausgefeilte Technik und eine gute Taktik gefragt, um an der Weltspitze mitklettern zu können. Zunehmend sieht man bei den Leadwettkämpfen aber auch spektakuläre Sprünge oder Bewegungen, wie die „Figure Four“, bei dem mangels Tritt das Bein über den Unterarm gehängt und aus dieser Position weitergezogen wird.   Das Niveau beim Leadklettern ist mittlerweile sehr hoch, bei den Deutschen Jugendmeisterschaften beispielsweise sollte die männliche Jugend A den 9. UIAA-Grad beherrschen. Bei der Deutschen Meisterschaft der Senioren liegen die Schwierigkeiten bereits bei UIAA 10/10+, international sogar noch höher: Bei den Weltcups werden Touren bis zum UIAA-Grad 11-/11 geklettert.