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Stausee-Pläne in der Schweizer Trift

Umwelt- versus Klimaschutz?

16.07.2020, 10:26 Uhr

Wild schäumende Bachläufe, Schluchten, Alpwiesen, schroffe Felsen, Wald, ein natürlicher See und ein frisches, dynamisches Gletschervorfeld – die Trift ist eine der letzten unberührten Landschaften der Schweiz, gelegen im Berner Oberland.

Bagger, Flutungen, Zerstörung, Staumauern – im Namen von Klimaschutz und Energiewende. Die Kraftwerke Oberhasli (KWO) planen den Bau eines neuen Stausees in der Trift mit der Folge, dass hochwertige Lebensräume in diesem versinken, Wildbäche verschwinden und so das ökologische Gleichgewicht massiv gestört wird.

 

„Wie schon beim Projekt Pumpspeicherkraftwerk bei Kühtai plädieren wir dafür, die Relation von Naturzerstörung und energetischem Nutzen kritisch zu betrachten. Klima- und Naturschutz dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden“, so Steffen Reich, Leiter des Ressorts Naturschutz beim DAV.

 

Energiewende auf Kosten der Natur?

Klar ist, wir brauchen die Energiewende, um das Klima zu schützen! Doch wie groß dürfen die Eingriffe in die Natur sein, die man dafür in Kauf nimmt? Zum Schutz des Schweizer Gebirgstals hat sich ein Komitee gebildet. Dessen Manifest: Die Trift ist keine Einöde; Klimaschutz darf in diesem Fall nicht auf Kosten des Naturschutzes erfolgen; Zu viele wertvolle Gebirgslandschaften in der Schweiz wurden bereits der Wasserkraft geopfert; Für die Winterenergie ist das Projekt schlicht nicht nötig; Zahlreiche grüne Alternativen wie Photovoltaik stehen zur Verfügung; Das Trift-Projekt ist ökonomisch unsinnig.

 

Um die Zerstörung der Trift zu verhindern, sind Natur- und Umweltinteressierte dazu aufgerufen, dem Komitee beizutreten. Zusätzlich planen die Verantwortlichen von Rettet die Trift am 15. und 16. August 2020 eine Protestvisite in der Trift, um auf die Schönheit dieser unberührten Wildnis hinzuweisen.

 

Kein Zurück mehr: Pumpspeicherkraftwerk bei Kühtai wird gebaut

Pressemitteilung vom 25. Juni 2020

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Baustelle im Hochgebirge: Bei Kühtai geht ein komplettes alpines Hochtal verloren, sechs alpine Wildbäche werden für immer abgeleitet. In der allerletzten Instanz hat der Verwaltungsgerichtshof in Wien die Revision der Alpenvereine gegen den Baubescheid der „Erweiterung der Kraftwerksgruppe Sellrain-Silz“ abgewiesen. Ein entsprechendes Schreiben ist beim Deutschen Alpenverein am 22. Juni eingegangen. Nach mehr als neun Jahren Verfahrenszeit sind alle rechtlichen Mittel ausgeschöpft und der Bau des neuen Pumpspeicherkraftwerks im Längental ist nicht mehr aufzuhalten. „Selbstverständlich akzeptieren wir diese höchstrichterliche Entscheidung,“ sagt DAV-Vizepräsident Manfred Sailer. „Im Hinblick auf ein Gelingen der Energiewende halten wir diese Entscheidung trotzdem für falsch und appellieren an alle Verantwortlichen, bei zukünftigen Verfahren die Relation von Naturzerstörung und energetischem Nutzen im Auge zu haben.“