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Genehmigung erteilt: Skigebietsverbindung St. Anton und Kappl könnte bald Realität werden

03.02.2016, 15:10 Uhr

 

Noch zum Ende des Jahres 2015 gab es ein frühes Weihnachtsgeschenk der Tiroler Landesregierung an den Tiroler Skitourismus: St. Anton (Teilgebiet Rendl) und Kappl im Paznauntal haben die offizielle Genehmigung für den skitechnischen Zusammenschluss erhalten.

 

Die Erteilung der Baugenehmigung dieses Mammut-Projekts ist ein herber Rückschlag für den Naturschutz und aus naturschutzrechtlicher Sicht unverständlich. Umweltschutzverbände in Österreich haben bereits Beschwerde gegen die Baugenehmigung eingereicht.

 

 

Genehmigt: der Zusammenschluss von St. Anton/Rendl und Kappl im Paznauntal soll durch Moostal und Malfontal erfolgen
Genehmigt: der Zusammenschluss von St. Anton/Rendl und Kappl im Paznauntal soll durch Moostal und Malfontal erfolgen

 

 

 

Genehmigung schwer nachvollziehbar

Die Genehmigung steht im Widerspruch zum geltenden Naturschutzrecht und dem „Tiroler Seilbahn – und Skigebietsprogramm“. Darin sind Neuerschließungen, d.h. die Erschließung neuer Gebirgskämme bzw. - täler, verboten.

Obwohl in diesem Fall zwei neue Geländekammern erschlossen werden und mehr als ein Gebirgskamm überschritten wird, wurde die Genehmigung erteilt. Die Ausnahme bestätigt die Regel: dieses Projekt soll zur wirtschaftlichen Förderung kleiner Skigebiete beitragen, und erhält damit eine großzügige Ausnahme vom Gesetz.

 

Unverständnis aus ökologischer Sicht: durch die Maßnahmen wird die ökologische Qualität vieler Fließgwässer von sehr gut um mindestens eine Qualitätsstufe herabgestuft. Dies widerspricht der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie, die ein Verschlechterungsverbot auferlegt.

 

Unverständnis auch aus geotechnischer Sicht: Gutachten belegen mehrere, teilweise sogar tiefgreifende, aktive Hangbewegungen im Gebiet (insbesondere Rossfallscharte). Eine dauerhafte Betriebssicherheit konnten die Gutachter dem Vorhaben nicht bescheinigen. Trotzdem dieser wenig nachhaltigen Aussicht, kam die Genehmigung.  

 

Rückschlag für den Naturschutz in den Alpen

Die Erteilung der Genehmigung ist aus Sicht des Naturschutzes, als auch aus naturschutzrechtlicher Sicht, schockierend. Die Region ist bereits in besonders starkem Maße von Skitourismus geprägt: zwischen Serfaus-Fiss-Ladies, See, Kappl, Ischgl und St. Anton verbleiben nur noch wenige Räume ohne starke Prägung menschlicher Aktivität. Mit der Realisierung dieses Vorhabens, gehen auch diese letzten unerschlossene Geländekammern (Malfontal, Rossfallwinkel) mit wertvollen Wildtierhabitaten verloren, Skibergsteigerinnen und Skibergsteiger verlieren einen Erholungsraum und die ursprüngliche alpine Landschaft erhält noch einmal mehr einen Stempel menschlicher intensivtouristischer Aktivität.

 

Erschließungsdruck im Paznauntal wird weiter verschärft

Diese Erschließung muss auch als ein weiterer Motor für weitere Erschließungen in der Region gesehen werden. Der Anschluss des kleinen Skigebietes Kappl an einen großen Skizirkus lässt nun ein weiteres Familienskigebiet alleine dastehen: See im Paznauntal wird ohne Zweifel seine Bemühungen um einen Zusammenschluss mit Fiss-Serfaus-Ladis forcieren, um im Konkurrenzkampf mit Kappl-St. Anton und Ischgl bestehen zu können.  Es droht also noch mehr Verlust alpiner Wildnis und Landschaft an den Skitourismus.