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Sachsens Felsampel steht in den Startlöchern

27.03.2019, 11:42 Uhr

Fast jeder, der im berühmt-berüchtigten Elbsandsteingebirge schon einmal Klettern war, weiß auch um die Anfälligkeit der Felsen gegenüber Niederschlägen. Klettern an nassem Fels gefährdet die empfindlichen Sandsteinformationen und bringt gleichzeitig die Kletterinnen und Kletterer in Gefahr. Gründe dafür sind einerseits die verminderte Reibung der Felsoberfläche und andererseits die Wasserlöslichkeit des Bindemittels im Sandstein. Der damit verbundene Festigkeitsverlust lässt sich nur mit viel Erfahrung oder oftmals überhaupt nicht einschätzen.


Die strengen sächsischen Kletterregeln und die Nationalparkverordnung verbieten daher das Klettern an nassem oder feuchtem Gestein. Doch wann ist der Fels eigentlich nass oder feucht? Wann sollte man lieber die Finger vom Sandstein lassen und Kletterschuhe gegen Wanderschuhe tauschen?

 

Um dieser Problematik zu begegnen, hat der Sächsische Bergsteigerbund im Jahr 2015 eine ehrenamtliche Projektgruppe ins Leben gerufen. Mit der sogenannten „Felsampel“ sollte eine Entscheidungshilfe anboten werden, ob und wann nach Niederschlägen wieder geklettert werden kann. Nach über vier Jahren Entwicklungszeit, ein wissenschaftliches Forschungsprojekt und eine Menge Herzblut später steht eine erste Version.

 

Die sächsische Felsampel basiert auf einem weltweit einzigartigen Feuchtemodell, welches eigens für die sensiblen Sandsteinfelsen entworfen wurde. Im Augenblick wird es von mehreren Wetterstationen in Echtzeit gespeist, um den Feuchtegrad der Felsen auf Klettergebietsebene abzubilden. Ferner wird das Modell mit meteorologischen Prognosedaten für eine 4-Tage-Prognose versorgt.

 

Dem Namen entsprechend wird die Klettereignung in den Ampelfarben dargestellt, was eine intuitive Bedienung erlaubt. Darüber hinaus sieht eine Detailkarte für sonnige und schattige Bereiche eine Einteilung in Tallage, mittige Lage und exponierte Lage der Gipfel vor.

 

Interessant für Gebietskenner: Ein Online-Fragebogen ermöglicht die Eingabe der subjektiven Felsfeuchte-Empfindung, womit im Laufe der Zeit eine größere Detailtiefe erreicht werden soll. Der SBB betont jedoch, dass die Felsampel nie ihren Empfehlungscharakter verlieren wird. Durch das Zusammenspiel von wissenschaftlichen Messungen und persönlichen Erfahrungen wird die Felsampel nie eine rechtlich belastbare Objektivität entfalten. Der Einzelne trägt nach wie vor das Risiko, das beim Bergsport immer bestehen wird!

 

Die Felsampel ist erreichbar unter