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Obere Isar bekommt einmalige Chance

13.08.2020, 14:45 Uhr

2030 steht für das Walchenseekraftwerk die Neuvergabe der Konzession zur Energieerzeugung an. Eine einmalige Chance endgültig die Weichen zu stellen für mehr Natur, Artenvielfalt und naturnahe Flusslandschaften an der Isar.

Wildnis und Artenvielalt in Bayern

Die Obere Isar ist einer der letzten naturnahen Wildflüsse Deutschlands. Zwischen Mittenwald und Sylvensteinspeicher liegt eine der naturschutzfachlich wertvollsten Flächen Bayerns und Deutschlands. Seltene Flusslebensräume, die durch die europäischen Richtlinien Natura 2000 und Wasserrahmenrichtlinie geschützt sind, und mehr als 200 Rote-Liste-Arten zeigen die große Bedeutung des Flussabschnitts für die Natur in Bayern.

 

Konzession läuft aus - Große Chance für die Isar

Doch seit fast hundert Jahren verursacht das Walchenseekraftwerk erhebliche Schäden an diesen einzigartigen Ökosystemen, da ein Großteil des Wassers zur energetischen Verwertung in den Walchensee abgeleitet wird. 2030 läuft nun diese Konzession zur Energieerzeugung aus, das heißt für Art und Umfang der zukünftigen Nutzung der Isar zur Energieerzeugung muss eine neue Rechtsgrundlage geschaffen werden. Eine einmalige Chance für die Isar: Die Obere Isar sollte wesentlich besser vor den negativen Auswirkungen der Wasserkraftnutzung geschützt werden, um aus naturschutzfachlicher Sicht eine positive Entwicklung der Isar zu ermöglichen.

 

 

Naturschützer und Naturnutzer mit gemeinsamen Zielen

12 Vereine und Institutionen - darunter auch der DAV - haben sich deshalb zusammengeschlossen, um einen offenen Planungsprozess einzufordern, Forderungen an den künftigen Betrieb zu stellen und die zur Neukonzession erforderlichen Prozesse zu begleiten. Der Deutsche Alpenverein ist mit dabei und wird sich aktiv und konstruktiv dafür einsetzen. 

In einem ersten Schritt werden die Verbände gemeinsam konkrete Forderungen an das ausstehende Konzessionierungsverfahren und zum künftigen Kraftwerksbetrieb vorlegen. Dies werden Forderungen zur Steigerung der Dynamik sein, ebenso wie Forderungen, welche Untersuchungen aus Sicht des Naturschutzes erforderlich sind, um besser beurteilen zu können, wie der künftige Betrieb gestaltet sein muss, um weitere Schäden am Wildfluss-Ökosystem der oberen Isar zu verhindern bzw. bei der Neugenehmigung solche Schäden zu beheben oder auf andere Weise Verbesserungen zu erzielen. So wie die Forderungen der Verbände rein naturschutzfachlich orientiert sind, müssen auch das Genehmigungsverfahren und der künftige Betrieb in jedem Fall die Anforderungen von Natura 2000 und der Wasserrahmenrichtlinie in vorbildlichem Umfang erfüllen.

 

Diese Initiative ist Teil der Maßnahme „Walchensee-Dialog“ des Hotspot-Projekts „Alpenflusslandschaften – Vielfalt leben von Ammersee bis Zugspitze“. In diesem Projekt haben sich 18 Partner aus Naturschutz, Kommunen, Wirtschaft und dem Sozialbereich zusammengeschlossen. In einem Zeitraum von sechs Jahren setzen sich die Partner mit vereinten Kräften dafür ein, den Menschen die besonderen Naturgüter ihrer oberbayerischen und schwäbischen Heimat, mit besonderem Schwerpunkt auf den Alpenflüssen, näherzubringen. Umfangreiche Informationen zum Projekt erhalten Sie unter: http://www.alpenflusslandschaften.de/

 

Weitere Infos in der Pressemitteilung als Download.

 

Kein Zurück mehr: Pumpspeicherkraftwerk bei Kühtai wird gebaut

Pressemitteilung vom 25. Juni 2020

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Baustelle im Hochgebirge: Bei Kühtai geht ein komplettes alpines Hochtal verloren, sechs alpine Wildbäche werden für immer abgeleitet. In der allerletzten Instanz hat der Verwaltungsgerichtshof in Wien die Revision der Alpenvereine gegen den Baubescheid der „Erweiterung der Kraftwerksgruppe Sellrain-Silz“ abgewiesen. Ein entsprechendes Schreiben ist beim Deutschen Alpenverein am 22. Juni eingegangen. Nach mehr als neun Jahren Verfahrenszeit sind alle rechtlichen Mittel ausgeschöpft und der Bau des neuen Pumpspeicherkraftwerks im Längental ist nicht mehr aufzuhalten. „Selbstverständlich akzeptieren wir diese höchstrichterliche Entscheidung,“ sagt DAV-Vizepräsident Manfred Sailer. „Im Hinblick auf ein Gelingen der Energiewende halten wir diese Entscheidung trotzdem für falsch und appellieren an alle Verantwortlichen, bei zukünftigen Verfahren die Relation von Naturzerstörung und energetischem Nutzen im Auge zu haben.“

Buchvorstellung

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Vielfalt in Natur und Kultur Tosende Wasserfälle, geheimnisvolle Schluchten, reißende Stromschnellen, weite Flussauen: Die Landschaften der Alpen sind wesentlich von Fließgewässern geprägt und die menschliche Nutzung des Alpenraums ist eng mit den Flüssen verbunden. Dieses Buch bietet erstmalig eine umfassende Dokumentation der vielfältigen Bedeutung der Alpenflüsse aus zahlreichen fachlichen Blickwinkeln: Von Geologie, Wasserhaushalt und Morphologie über Flora und Fauna, bis hin zu Mythologie und künstlerischer Reflexion werden Entstehung und Funktion von Flüssen beschrieben, sowie deren ökologische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Bedeutung in Geschichte und Gegenwart. 

Video: Wasserkraft bedroht Wildflüsse

Wassersportler kämpfen für den Erhalt der Wildwasserstrecken

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Wasserkraftwerke dringen in die sensible und teilweise geschützte alpine Landschaft vor. Bernhard Steidl, Inhaber einer Kayakschule, kämpft für den Erhalt der Wildwasserstrecken.