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Berglandwirtschaft

Entwicklung und Bedeutung

Die traditionelle Form der Landwirtschaft in den Alpen, die Almwirtschaft, hat das Landschafts- und Erscheinungsbild der Alpen massiv geprägt. Ein Artikel über die Entwicklung und Bedeutung der Berglandwirtschaft.


Bereits im 5. Jahrtausend v. Chr. wurden die Weideflächen oberhalb der Waldgrenze der Südalpen genutzt. Jäger und Sammler wurden sesshaft, sie dehnten durch Brandrodungen die Weideflächen aus und drangen von oben kommend in die mittleren Höhenlagen vor. Die weglosen Täler waren vernässt und mussten, mit Ausnahme der Schuttkegel, erst mühsam nutzbar gemacht werden. Im 7. Jahrhundert n. Chr. begannen dann der Auf- und Ausbau der Berglandwirtschaft und der Almwirtschaft mit unterschiedlichen Schwerpunkten (Viehhaltung/Ackerbau) in der uns bekannten Form. Strukturwandel und die stete Verkleinerung der landwirtschaftlichen Flächen durch Realerbteilung führten in den Südalpen ab dem 19. Jahrhundert zur ersten massiven Aufgabe der Berglandwirtschaft.

 

Rückgang traditioneller Landwirtschaftsformen

Auch im restlichen Alpenraum äußerten sich sozialer und ökonomischer Strukturwandel in einem beginnenden Rückgang der traditionellen Landwirtschaftsformen am Berg. Gegen Ende der 1960er Jahre und in den 1970er Jahren verzeichnete die Almwirtschaft dauerhaft starke Rückgänge, sowohl in Bezug auf die Betriebszahl als auch auf die Flächengröße. Durch die relativ geringe Ertragsfähigkeit, verbunden mit erschwerten Arbeits- und Bewirtschaftungsbedingungen, wurde die alte Wirtschaftsform zunehmend unrentabel. Die Förderung durch die öffentliche Hand stoppte diesen Rückgang in einigen Regionen. Sie ist jedoch durch den allgemeinen Rückgang der Viehhaltung gefährdet und kann dadurch in einigen Gebieten nicht mehr flächendeckend erhalten werden.

 

Der Erhalt garantiert Biodiversität und touristische Attraktivität

Diese Entwicklung ist bedauerlich. Durch das jährliche Abweiden der Vegetation werden Flächen offengehalten, die ein stark strukturiertes, durch den Menschen äußerst positiv wahrgenommenes und bereicherndes Landschaftsbild ergeben. Auch deshalb hat die Almwirtschaft heute in der Bevölkerung einen sehr hohen Stellenwert. Man hat erkannt, dass sie – neben der Erweiterung der Futterflächen und der Verbesserung der Tiergesundheit – auch sehr positive Auswirkungen auf den Tourismus hat.

Das Offenhalten der Flächen und die damit geschaffene attraktive Landschaft in ruhiger Lage oberhalb des Siedlungsraums, aber auch die Anwesenheit des Almpersonals und die damit verbundene Almkultur machen die Almen zu attraktiven Ausflugszielen für Erholungssuchende. Almwege werden so von Wanderern, Mountainbikern und Rodlern genutzt.

 

Bergwald ist Schutzwald

Bergwaldbewirtschaftung

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Die Wälder in den Alpen haben eine wechselhafte Geschichte hinter sich. Im Mittelalter erlebte der Schutzwald im Alpenraum erste Beeinträchtigungen durch den Menschen. Für das Befeuern der Brennöfen für die Eisen- und Salzproduktion wurde viel Holz benötigt, außerdem wurde der Wald für neue Siedlungen und zur Gewinnung von Weideland gerodet. Im 19. Jahrhundert war der Bergwald im Alpenraum bereits stark dezimiert und von ausgedehnten Kahlschlägen geprägt. Umwelteinflüsse wie Stürme, Lawinen- und Murenabgänge setzten dem geschwächten Wald weiter zu. Als Reaktion darauf wurden staatliche Maßnahmen zum Erhalt des Schutzwalds und dem sogenannten Waldumbau eingeführt. Ziel war und ist es, die überalterten Bestände standortfremder Monokulturen abzubauen und die dadurch frei werdenden Flächen zunehmend in eine stabile, standortgerechte Waldstruktur zu überführen. Denn die Täler und der Siedlungsraum der Alpen wären heute ohne einen funktionsfähigen Schutzwald nicht nutz- und bewohnbar. Der DAV greift den Bemühungen um den Bergwald mit der Aktion Schutzwald unter die Arme.