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Der Preis des Nichtstuns – Quellen

Was kosten uns die Klimaschäden?

11.05.2021, 14:26 Uhr

Woher kommen die hohen Zahlen rund um die Kosten der Klimaerhitzung? Hier sind einige interessante Quellen zum Nachlesen.

Kosten des Klimawandels (Bundeszentrale für politische Bildung, 2013)

Diese schon etwas ältere (2013) Information der Bundeszentrale für politische Bildung bezieht sich auf eine Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Ein Fazit:

Ohne stärkere Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels könnten sich die Kosten seiner Auswirkungen in Deutschland bis 2050 auf ges. knapp 800 Mrd. Euro belaufen. Davon 330 Mrd. direkte Kosten durch Klimaschäden, 300 Mrd. erhöhte Energiepreise, 170 Mrd. für Anpassungsmaßnahmen.

Dass Zahlen bei unterschiedlichen Studien und Szenarien differieren können, liege in der Komplexität der Zusammenhänge – die Tendenzen seien jedoch klar:

„Die Aufgabe von ökonomischen Klimamodellen liegt aber auch nicht darin, punktgenaue Kosten vorherzusagen, sondern Erkenntnisse über Zusammenhänge und mögliche finanzielle Dimensionen zu erlangen. Aus den grundlegenden Tendenzen (Nettokosten oder Nettonutzen) und den Größenordnungen sind die richtigen politischen Schlüsse zu ziehen.

Viele Studien machen deutlich, dass der Klimawandel zu volkswirtschaftlichen Schäden in nahezu allen Sektoren in allen Ländern der Welt führen wird. Die Mehrzahl der Studien und Modellergebnisse geht davon aus, dass die Kosten des Klimawandels ohne ausreichende klimapolitische Maßnahmen immens hoch sein werden. Sie zeigen auch, dass es wichtig ist, frühzeitig in den Klimaschutz einzusteigen, da die Nettokosten höher werden, je später begonnen wird. Das Fazit lautet daher: Die Bekämpfung des Klimawandels wird zwar teuer – Nichtstun aber deutlich teurer!“

 

Klimaschäden-Kosten, die zweite

Kosten des Klimawandels könnten in die Billionen gehen

Hier wird eine Studie des University College London und der Nichtregierungsorganisation „Carbon Disclosure Project“ vorgestellt. Sie prognostiziert für 2070 bei 2°C Erwärmung 1,8 Billionen Dollar Schäden durch die Folgen des Klimawandels. Bei einem „Weiter so“, wenn also das Zweigradziel nicht erreicht wird, steigen die Schäden auf 5,4 Billionen Dollar. Und das ist nur die Reparatur von Katastrophenwirkungen. Umweltschäden wie der Verlust an Biodiversität sind dabei nicht berücksichtigt, weil schwierig in Geldwert auszudrücken.

 

Klimaschäden-Kosten, zum dritten

Klimakrise wird viel teurer als bisher angenommen – klimareporter

Die hier zugrundeliegende Studie stammt vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) und dem Mercator Research Institute for Global Commons and Climate Change (MCC)

Nach ihr kosten Klimaschäden im Jahr 2100 bis zu 14 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung. Damit korrigiert diese neue Studie den berühmten „Stern-Report“ von 2006 drastisch nach oben; er hatte die Schäden auf 5% der Wirtschaftsleistung geschätzt.

Für die Studie wurden 1500 Regionen in 77 Ländern weltweit ausgewertet. Arme Regionen leiden am stärksten, vor allem in den Tropen. Aber auch „in Europa gibt es keine Gewinner“, heißt es, „am größten sind die Schäden hier in Ländern, in denen es heute schon heiß ist, vor allem am Mittelmeer.“

Auch die Autoren dieser Studie weisen darauf hin, dass die wahren Schäden viel größer sind als das, was sich in Geld messen lässt: „Wir beziffern nur ökonomische Schäden. Außen vor bleibt auch, dass der Klimawandel Ökosysteme zerstört, die Biodiversität vermindert und die Wahrscheinlichkeit von gewaltsamen Konflikten erhöht.“

Der CO2-Preis muss angehoben werden, schlussfolgern die Forscher. Pro Tonne, die im Jahr 2020 emittiert wird, entstünden wirtschaftliche Schäden in Höhe von 76 bis 148 Euro, im Mittel also 112 Euro. Eine von der Weltbank und dem IWF unterstützte Kommission zum CO2-Preis hatte 2017 rund 100 Dollar (85 Euro) pro Tonne gefordert, das deutsche Umweltbundesamt (UBA) errechnete sogar Schäden von 180 Euro.

 

Was kostet guter Klimaschutz?

Dazu finden sich einige Aussagen auf der Webseite des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung:

Deutschland verstärkt Engagement für Anpassung an den Klimawandel – BMZ

So gibt Deutschland 2020 + 2021 rund 500 Mio. Euro Entwicklungshilfe für den Ausbau erneuerbarer Energien. Für weitere Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel gibt es 220 Mio. Euro an die am wenigsten entwickelten Länder (teils als Kredite).

Insgesamt investiert Deutschland jährlich 4 Mrd. Euro für globalen Klimaschutz. Damit erfüllt es seine Zusage zur internationalen Verpflichtung der Industrieländer, bis 2020 jährlich 100 Mrd. Dollar Klimafinanzierung zu mobilisieren.

Die weltweiten Schäden durch Naturkatastrophen wurden für 2020 auf 210 Mrd. Dollar geschätzt. Und es gab etwa 20 Mio. „Klimaflüchtlinge“; die Weltbank schätzt, dass es „in wenigen Jahren 140 Mio. Menschen“ werden.

 

Klimaschutz amortisiert sich

McKinsey-Studie: EU kann Nullemissionsziel bis 2050 kostenneutral erreichen – McKinsey & Company

Die Wirtschaftsberatungsfirma McKinsey hat in der Studie „Net-Zero Europe“ festgestellt: Die EU kann bis 2050 klimaneutral werden. Das kostet zusätzlich 180 Mrd. Euro / Jahr (knapp 1000 statt 800 Mrd.). Es wird aber durch Einsparungen überkompensiert, z.B. sind weniger Rohölimporte nötig. Und es entstehen 5 Mio. neue Arbeitsplätze netto: 6 Mio. gehen verloren, z.B. in der Kohleindustrie, 11 Mio. Arbeitsplätze entstehen neu in Zukunftsbranchen. Wenn ganz Europa seine Maßnahmen abstimmt, wird das Ziel Klimaneutralität einfacher, weil gemeinsame Mittel dort eingesetzt werden können, wo sie am meisten bewirken. Und „Haushalte mit geringerem und mittlerem Einkommen würden sogar etwas entlastet.“

 

Wir schaffen das

Im Auftrag des Bundesumweltministeriums hat das Öko-Institut untersucht, wie ein 2°C-Klimaziel bis 2050 zu erreichen ist – und dass die dafür notwendigen Veränderungen unser Leben sogar interessanter und gesünder machen können.

Öko-Institut e.V.: Maßnahmen zum Klimaschutz: So erreichen wir die Klimaziele bis 2050 (oeko.de)

 

Kann Kernkraft helfen?

Kann Kernkraft helfen?

Interessant ist ein Blick auf das Budget des Bundesministeriums für Umweltschutz, Naturschutz und Nukleare Sicherheit:

Bundesmilliarden für den Umweltschutz

Für Klimaschutz stehen dort 540 Mio. Euro zur Verfügung; allein der Posten „Zwischenlagerung und Endlagerung radioaktiver Abfälle“ beansprucht mit 983 Mio. Euro fast doppelt so viel. Kernkraft mag zwar ohne CO2-Emission erzeugt werden; die Folgekosten sollte man aber nicht aus dem Blick verlieren – abgesehen von den Sicherheitsproblemen einer zehntausendjährigen Endlagerung und der statistischen Wahrscheinlichkeit weiterer GAUs.