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4 Mobilität

4809 Meter misst der Mont Blanc, höchster Gipfel der Alpen. Ein unüberwindbares Hindernis? Keinesfalls!

Zahlreiche Passstraßen, Tunnel, Wanderwege und Flüsse durchziehen den Alpenraum. Am Fuße des höchsten Bergmassivs Europas, den Alpen, liegen große Wirtschaftszentren und Wohnorte wie Wien, Mailand, München oder Ljubljana und zwischen ihnen erstrecken sich kilometerlange Verkehrswege. Weitere Infos zum Thema Transitverkehr und den Forderungen der CIPRA könnt ihr auf der Website der CIPRA nachlesen.

 

4.1 Mobilität in den Alpen

Verkehrssysteme sind eine Voraussetzung dafür, dass sich der Alpenraum zukunftsfähig entwickeln kann. Die Alpen ziehen jährlich Millionen Reisende an. In den engen Tälern nutzen Urlauberinnen und Urlauber oft die gleichen Verkehrswege wie der Güterverkehr. Doch nicht nur die Anzahl der Autos und LKWs macht den Alpen zu schaffen: In den Tälern zwischen den Bergen bleiben Lärm und Abgase hängen. Das führt dazu, dass hier die Verschmutzung viel stärker ist. Auf dem flachen Land können sich Verkehrslärm und Abgase besser verteilen, so dass die Belastung der Umwelt schneller abnimmt.

 

4.2 Klimawandel und Mobilität

Eine Hauptursache für die stetige und schnelle Erwärmung des Klimas ist die hohe Menge an Treibhausgasen in der Atmosphäre, die den natürlichen Treibhauseffekt verstärkt. Werden fossile Energieträger, zum Beispiel das Erdöl im Treibstoff von Autos, in mechanische Energie umgewandelt, gelangen durch den Verbrennungsvorgang Schadstoffe und Treibhausgase in die Atmosphäre. Ungefähr 20% des Treibhausgasausstoßes in Deutschland entfallen auf den Verkehr. Die Mobilität mit dem Auto oder dem Flugzeug drastisch einzuschränken, scheint aber keine Alternative für die bestehende Situation zu sein. Individuell und uneingeschränkt mobil zu sein, ist für die meisten von uns eine Selbstverständlichkeit. Es braucht kluge Lösungen und attraktive (Verkehrs-)Alternativen, um den Ausstoß von Schadstoffen und Treibhausgasen zu verringern.

 

4.3 Die Geschichte der Mobilität im Alpenraum

Über kleine Wege wurden schon früh zum Beispiel Salz, Silber oder Wein über die Alpenpässe transportiert. Da diese Wege oft zu schmal und steinig für große Fuhrwerke waren, wurden die Güter mit Eseln, Pferden oder Maultieren transportiert. Diese Art des Gütertransports heißt Säumerei. Mittlerweile ist das Verkehrsnetz in den Alpen gut ausgebaut, es gibt Tunnel, große Verkehrsachsen und Flughäfen. Die Säumerei wird nur noch von wenigen Menschen als Hobby betrieben.

Ab etwa der Mitte des 19. Jahrhunderts verdrängte der Bau von Straßen und Eisenbahnstrecken den bäuerlichen Saumverkehr. Allgemein stieg zu dieser Zeit das Verkehrsaufkommen aufgrund der voranschreitenden Industrialisierung an und es wurde notwendig, die großen Wirtschaftszentren im Alpenraum miteinander zu verbinden. Der Ausbau der Infrastruktur kam auch der touristischen Entwicklung in den Alpen zugute. Immer mehr Menschen konnten bequem mit der Bahn und später mit dem eigenen PKW in die Berge reisen. Seilbahnen erleichterten den Aufstieg und machten auch die Gipfel für die Massen zugänglich. Alpines Skifahren wird möglich.

Im Laufe der Zeit wurden die Straßen, vor allem die Transitachsen, weiter ausgebaut. Entlegenere Gebiete geraten zusehens ins Abseits. Mit der Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft, dem Fall des Eisernen Vorhangs und der Gründung des europäischen Binnenmarkts hat der Nord-Süd-Transitverkehr über die Alpen zugenommen. Seit den 1990er Jahren ist die Beliebtheit von Outdoortourismus und Sportarten wie Mountainbiken oder Klettern spürbar angestiegen. Immer mehr Menschen zieht es in die Alpen. So viele, dass es immer wieder zu Protesten der Einwohnerinnen und Einwohner und kontrovers geführten Debatten kommt.

Was die Zukunft in Sachen Verkehr den Alpen bringt, wissen wir nicht. Fest steht, dass es Lösungen braucht, die sowohl jede Einzelne und jeden Einzelnen in die Verantwortung nehmen, aber auch die Politik als große Entscheidungsträgerin nicht aus dem Blick lassen.

 

Glossar

  • Bergmassivzusammengehörende Berggruppe, die eine Einheit in der Landschaft bildet
  • CIPRA: internationale Alpenschutzkommission CIPRA (französisch für Commission Internationale pour la Protection des Alpes)
  • Europäische Wirtschaftsgemeinschaft: Zusammenschluss europäischer Staaten mit dem Ziel einer gemeinsamen Wirtschaftspolitik
  • fossile Energieträger: in Lagerstätten vorkommende Energierohstoffe wie Torf, Kohle, Erdöl oder Ergas, die nur begrenzt zur Verfügung stehen
  • IndustrialisierungEntwicklung eines Staates vom Agrar- zum Industriestaat mit der maschinellen Erzeugung von Gütern und Dienstleistungen
  • Säumerei: Transport von Lasten auf dem Rücken von Lasttieren
  • Treibhauseffekt: Erwärmung der Atmosphäre durch Treibhausgase, die natürlichen oder anthropogenen Ursprungs sind
  • Treibhausgase: Gase, die zum Treibhauseffekt beitragen und natürlichen oder anthropogenen Ursprungs sind
 

Was hast du dir gemerkt?

Bei der folgenden Frage können mehrere Antworten richtig sein!

 

5 Alm/Bergwiese

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Die Almwirtschaft ist die traditionelle Form der Landwirtschaft in den Alpen. Im Sommer, wenn das Gras auf den Bergwiesen saftig und nährstoffreich ist, ziehen die Landwirtinnen und Landwirte mit ihren Tieren in höher gelegene Gebiete. Auf der Alm (in Österreich heißt sie auch Alpe oder Alb) können sich die Tiere ordentlich den Bauch mit leckeren Kräutern vollschlagen. Während dieser Zeit produzieren die Sennerinnen und Senner, die sich um die Tiere kümmern, Milch, Käse und Butter. In den Sommermonaten muss auf der Alm auch der Heuvorrat für den Winter eingebracht werden. Wenn es im Herbst in den höheren Lagen langsam kälter wird, werden die Tiere zur Überwinterung ins Tal getrieben. Verlief der Sommer ohne Verlust eines Tieres, ziehen die Kühe mit prachtvollem Kopfschmuck zurück in ihren Stall.