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Von den Bergen bis ins Meer – Mikroplastik

Mikroplastik ist in aller Munde. Auch als Bergsteigerinnen und Bergsteiger leisten wir leider unseren Beitrag dazu. Die Kampagne #machseinfach möchte daher über das Thema aufklären und zeigen, wie wir unseren Plastik-Abdruck in der Umwelt verringern können.

Mikroplastik – was ist das eigentlich?

Plastik lässt sich aus unserem Alltag nicht mehr wegdenken, vor allem bei Verpackungen, aber auch als synthetische Fasern unserer (Outdoor-)Kleidung. Als Mikroplastik werden Teilchen bezeichnet, die kleiner als fünf Millimeter und aus festen, wasserunlöslichen Kunststoffpartikeln sind. Unterschieden wird dabei zwischen primärem und sekundärem Mikroplastik. Primäres Mikroplastik wurde als extra kleines Teilchen hergestellt. Es wird in vielen Hygieneartikeln wie Peelings oder Zahnpasta, aber auch in Waschmittel eingesetzt. Sekundäres Mikroplastik entsteht, wenn größere Teilchen zerkleinert werden, z.B. beim Waschen von Kleidung aus Polyester, beim Zerfall von Plastikverpackungen oder durch den Abrieb von Reifen.

 

Mikroplastik in der Umwelt

Plastik zersetzt sich nur sehr langsam. Einige Studien gehen davon aus, dass eine Zersetzung bis zu 2.000 Jahre dauert. Primäres Mikroplastik gelangt über die Industrie in die Abwässer und damit auch in unsere Flüsse. In Kläranlagen setzt sich Mikroplastik aber auch mit anderen Feststoffen ab und wird als Klärschlamm auf den Feldern verteilt.

Sekundäres Plastik gelangt beim Waschen in unsere Abwässer. Durch Reibungsprozesse in der Waschmaschine werden Kunststofffasern zerstört. Auch in der Natur sieht man oft Plastikmüll am Wegesrand liegen. Durch UV-Strahlung, Salz, Bakterien oder mechanische Einwirkungen werden größere Teilchen (sogenanntes „Makroplastik“) zu Mikroplastik zersetzt. Je nach Umgebungsbedingungen verläuft der Prozess unterschiedlich schnell. Auch diese Partikel gelangen früher oder später ins Meer. Dort treiben sie im Wasser und werden von Meerestieren mit Nahrung verwechselt. Mikroplastik reichert sich so in der Nahrungskette an und gelangt auch auf unsere Teller.

 

Was hat Mikroplastik mit Bergsport zu tun?

Gerade als Bergsportler tragen wir zur Anlagerung von Mikroplastik im Meer bei, denn 35 % des Mikroplastiks stammt aus synthetischen Textilien. Unsere Funktionskleidung besteht meist aus Polyamid oder Polyester und hält uns zum Beispiel als Fleecepullover warm. Beim Waschen lösen sich jedoch kleinste Fasern und Partikel und gelangen so ins Abwasser. Über den globalen Wasserkreislauf gelangt somit Mikroplastik nicht nur in die Meere. Erste Untersuchungen des Alfred-Wegener-Instituts lassen vermuten, dass sich Mikroplastik auch über die Luft verteilt und so bis zu den Gletschern gelangt. Auch direkt am Berg lassen wir ungewollt Plastik zurück. Durch den Abrieb unserer Schuhe am Fels gelangen ebenfalls kleinste Partikel in die Umwelt.

 

Umdenken ist gefragt

Wissenschaftler der Universitäten von Mailand haben auf Gletschern im italienischen Val di Sole große Mengen an Mikroplastik entdeckt. Die Berghütten in der Umgebung verzichten daher seit diesem Jahr komplett auf Plastikprodukte wie Strohhalme oder Ketchup-Tüten. Das EU-weite Verbot von Einweggeschirr und Strohhalmen aus Plastik ab 2021 ist ebenfalls ein Schritt in die richtige Richtung.

 

Der DAV-Partner VAUDE setzt auf neue Technologien und entwickelt Kunststoffe aus nachwachsenden Rohstoffen wie Biobaumwolle, Brennnessel oder Hanf. Aus Holzfasern lassen sich beispielsweise Fleece-Materialien entwickeln. Besonders spannend ist sicher auch die Verwendung von Materialien aus recyceltem Kaffeesatz. Weitere Infos gibt der Nachhaltigkeitsbericht von VAUDE.

 

Tipps für weniger Mikroplastik

Mit einfachen Tricks kann jede und jeder ihren/seinen Beitrag zur Vermeidung von Mikroplastik leisten.

  • Die Verwendung der eigenen Trinkflasche spart nicht nur Geld, sondern schont auch noch Umwelt und Gesundheit. In Mehrwegpfandflaschen wurde mittlerweile Mikroplastik gefunden. Leitungswasser kann nach einer Studie der World Health Organization (WHO) plastikfrei getrunken werden.
  • Die Bergbrotzeit wird am besten in der wiederverwendbaren Brotzeitbox, in Bienenwachstüchern oder in der praktischen Snacktüüt verpackt. Lebensmittel kauft man am besten unverpackt und achtet auf deren Herkunft. Weitere Infos dazu gibt´s hier.
  • Müll vom Wegesrand unbedingt mit ins Tal nehmen und dort entsorgen. Mülltüten am besten selbst mitbringen und so seinen Beitrag zur Aktion „Saubere Berge“ leisten.
  • Beim Kauf von Kosmetik sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass diese frei von Mikroplastik ist. Baumbuszahnbürste und Zahnputztablette lassen sich auch ohne Probleme auf die nächste Hüttentour mitnehmen.
  • Vor allem beim Thema Bergsportbekleidung kann einiges beachtet werden. Generell sollten Ausrüstung und Co. natürlich so lange wie möglich verwendet werden, denn auch bei der Produktion entsteht viel Mikroplastik. Tipps zur richtigen Pflege und zum Thema nachhaltige Ausrüstung gibt die DAV-Kampagne #machseinfach.
 

Richtig Waschen

Auch beim Waschen können einige Punkte beachtet werden:

  • Je weniger desto besser, meist reicht schon gutes auslüften
  • Wer bei niedrigen Temperaturen wäscht, schont nicht nur das Produkt und die Umwelt, sondern spart auch noch Energie und Wasser
  • Kleinere Flecken können auch mit einem Lappen entfernt werden
  • Waschmaschinen möglichst voll beladen, denn bei geringer Beladung sind die Teile größerer Belastung ausgesetzt, mehr Mikroplastik wird frei
  • Synthetische Kleidung gibt man vor dem Waschen am besten in den Guppyfriend. Mikroplastik kann so nicht mehr ins Abwasser gelangen, sondern wird nach dem Waschen dem Recycling zugeführt.

Weitere Tipps hat der DAV-Partner VAUDE zusammengefasst.
 

 

Fehlt noch was?

Weitere Ideen zum Thema Mikroplastik, werden unter natur@alpenverein.de gesammelt.

Die Kampagne #machseinfach ist Teil des Projekts „Bergsport mit Zukunft“, das durch das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz (StMUV) und Globetrotter gefördert wird.

 

DAV-Partner unterstützt Kampagne

Unterstützt wird die Kampagne von VAUDE, dem offiziellen Ausrüster des DAV.

 

Aus Alt mach Neu – Upcycling im Bergsport

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Upcycling – Was ist das eigentlich? Wie können Bergbegeisterte damit einen Beitrag zum Ressourcenschutz leisten? Die Antwort auf diese und weitere Fragen gibt euch unsere Kampagne #machseinfach. Upcycling ist heute in aller Munde, obwohl es eigentlich nichts Neues ist. Schon unsere Großeltern haben gebrauchte Dinge wieder- und weiterverwertet. So wurde beispielsweise aus alter Kleidung neue gemacht. Die Lebensdauer von Produkten zu verlängern oder Kaputtes zu reparieren, sollte immer der erste Schritt sein. Wie das geht, haben wir in unserem Artikel „Ressourcenschutz - Reparieren statt wegwerfen“ gezeigt. Denn es gilt immer: der beste Müll ist der, der gar nicht erst entsteht.   Der Begriff Upcycling kommt von den Wörtern „Up“ (nach oben) und „Recycling“ (Wiederverwerten). Dabei werden alte, nicht mehr zu gebrauchende Produkte aufgewertet und in eine neue Form gebracht. Auch wenn der Materialwert gleich bleibt, hat das neue Produkt einen größeren Wert für seinen Nutzer. Es braucht nur etwas Mut und Kreativität. 

#machseinfach – auch beim DAV

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Ohne Werbebanner und Flaggen findet heute keine DAV-Veranstaltung statt. Um die Entsorgung der alten und kaputten Materialien zu vermeiden, wurde ein Projekt zum Upcycling initiiert – ganz nach dem Motto #machseinfach!

Geht es auch ökologisch, fair und sozial?

Klimafreundlicher Konsum

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Längst ist die Frage der Nachhaltigkeit auch in der Outdoor-Branche verankert. Einerseits haben Hersteller festgestellt, dass Kunden zunehmend auf ökologische und soziale Aspekte bei der Herstellung von Outdoor-Produkten achten. Andererseits ist insbesondere der Einsatz giftiger Chemikalien (z. B. per- und polyfluorierte Chemikalien – PFC) bei der Produktion nach wie vor ein großes Streitthema. Die problematischen Stoffe können nicht abgebaut werden und sind deshalb vom Umweltbundesamt als nicht umweltverträglich eingestuft.