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Klimawandel: Pflanzen erklimmen Gipfel

05.04.2018, 08:25 Uhr

Je wärmer das Klima, desto mehr Pflanzen findet man auf Berggipfeln. Eine neue Studie zeigt, dass heute deutlich mehr Pflanzenarten in den hochalpinen Regionen wachsen als noch vor hundert Jahren.

Ausbreitung fremder Arten schreitet immer schneller voran

Zum Beispiel am Piz Linard (3410 m) im Unterengadin: Fand der Erstbesteiger Oswald Heer im Jahr 1835 dort nur eine einzige Pflanze, so konnten Forscher in den letzten 20 Jahren bereits 16 Arten zählen, darunter solche, die noch nie in diesen Höhen auftraten.

Die Studie des WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF und der Universität Erlangen weist zum ersten Mal einen direkten Zusammenhang zwischen dem Temperaturanstieg und der Artenvielfalt auf. Die Forscher untersuchten die Vegetation auf insgesamt 302 Gipfeln in Europa – in den Alpen wie auch den Pyrenäen, Karpaten oder den skandinavischen Gebirgen. Durch den Vergleich mit historischen Aufzeichnungen kann nun eine Zeitspanne von 145 Jahren betrachtet werden.

Neben der Erkenntnis, dass die Anzahl der Arten auf Europas Gipfeln zugenommen hat, konnten die Forscher auch nachweisen, dass diese Zunahme in den letzten Jahren immer schneller erfolgt ist – parallel zum Anstieg der Temperaturen.

Ist diese neue Artenvielfalt nicht positiv zu sehen? Durch die gestiegenen Temperaturen breiten sich in den höheren Regionen nun Pflanzen aus, die hier früher nicht überleben konnten. 

 

Gefahr: Angestammte Arten werden verdrängt

Die neuen Bewohner sind im Durchschnitt größer und konkurrenzstärker als die herkömmlichen Arten. „Es besteht deshalb die Gefahr, dass mit der Zeit kältetolerante Spezialisten von wärmeliebenderen Generalisten verdrängt werden. So würde das Verbreitungsgebiet typischer alpiner Arten in immer größere Höhen gedrängt und die Besonderheit der alpinen Flora geschmälert“, wie die Forscher erklären. Vor diesem Konkurrenzkampf am besten geschützt seien jene Arten, die im Felsschutt wachsen. Denn die meisten Pflanzen aus den tieferen Regionen finden auf dem instabilen Untergrund weder Halt, noch genügend Nährstoffe und Wasser. Wie sich in Zukunft die Flora auf den Gipfeln durch die Klimaerwärmung weiter verändern wird, werden die nächsten Jahrzehnte zeigen.

 

Mehr unter www.wsl.ch