logo-dav-116x55px

Bergwald in Gefahr: Humusschicht nimmt ab

12.08.2016, 10:53 Uhr

Die Wälder der Alpen sind bedroht. In den letzten drei Jahrzehnten hat die Humusschicht in den bayerischen Bergwäldern um 14 Prozent abgenommen, wie eine Studie der Technischen Universität München (TUM) nachweist.

Die Autoren der Studie untersuchten die Veränderungen in 35 Wäldern und auf Almwiesen. „Überraschend war für mich, dass die Humusvorräte der Waldböden in nur drei Jahrzehnten derart stark und statistisch signifikant abgenommen haben“, sagt Professor Jörg Prietzel vom Lehrstuhl für Bodenkunde der TUM.

Schuld an der Situation habe der Klimawandel. Der fruchtbare, wasserspeichernde Humus reagiert sehr empfindlich auf eine wärmere Witterung. Geht er weiter zurück, verlieren die Bergwälder auch mehr und mehr ihre Funktion als Speicher von Kohlendioxid.
Wetterphänomene wie Trockenheit oder Starkregen setzen der Humusschicht stark zu. In der Folge des Klimawandels sind diese Extreme jedoch häufiger zu erwarten. Besonders betroffen seien die Alpen im Berchtesgadener Land. Dort ist die mittlere Lufttemperatur in den Sommermonaten deutlich angestiegen. In Böden aus Kalk- oder Dolomitgestein konnte der größte Rückgang von Humus festgestellt werden: Diese büßten im Durchschnitt knapp ein Drittel ihrer Humusmasse ein. Gerade die Humusschicht könnte die Gefährung des Waldes durch Wetterextreme wiederum abmildern. Denn sie speichert Wasser für die Bäume und die alpine Flora und reduziert damit gleichzeitig die Gefahr von Hochwasser nach Starkniederschlägen.

 

 

 

Dichte Mischwälder können helfen

Immerhin gibt es auch eine gute Nachricht: Im Gegensatz zu den Waldböden verloren die untersuchten Almwiesenböden in den Berchtesgadener Alpen in den vergangenen 30 Jahren keinen Humus. Sie sind allerdings sowieso ärmer an Humus die Böden unter Wald.

Wie kann der Verlust von Humus gestoppt werden? Wichtig seien stabile Gebirgswälder, in denen möglichst verschiedene Baumarten wachsen. Denn die Bäume liefern das Material, aus denen sich Humus entwickeln kann: Blätter, Nadeln, Wurzeln oder Reisig. Erosionen durch Starkregen, Schneegleiten oder Lawinen würden verhindert. Außerdem garantiert ein dichter Baumbestand ein konstant kühles Waldklima - das hilft, den Abbau von Humus durch Mikroorganismen zu verlangsamen.

Publikation: Jörg Prietzel, Lothar Zimmermann, Alfred Schubert and Dominik Christophel: Organic matter losses in German Alps forest soils since the 1970s most likely caused by warming, 13. Juni 2016. 

 

Mehr Infos unter www.tum.de