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Ist der Holzberg noch zu retten?

Natur und Klettern in Gefahr

14.02.2020, 13:52 Uhr

Dem beliebten Klettergebiet in einem ehemaligen Steinbruch nahe Leipzig droht das Aus. Eine Baufirma könnte das Gebiet als Deponie nutzen. Mit der Verfüllung des Geländes würde auch ein "Hotspot" der Artenvielfalt zerstört werden.

Lebensraum für geschützte Tierarten

Der Steinbruch Holzberg in den Hohburger Bergen, 35 km östlich von Leipzig, ist mit mehr als 120 Kletterrouten an bis zu vierzig Meter hohen Wänden ein bedeutendes Kletterziel in Mitteldeutschland. Aber nicht nur für Kletterer ist das Gebiet nahe der sächsischen Großstadt ein Paradies: Im Laufe der Zeit hat sich auf dem Gelände ein Lebensraum für viele geschützte Tierarten entwickelt, etwa für Juchtenkäfer, Schlingnatter oder Knoblauchkröte. Der Holzberg gilt damit als positives Beispiel, dass Natur und Klettern gut koexistieren können. 2018 kaufte eine örtliche Firma den Steinbruch, um ihn als Erdstoffdeponie zu nutzen. Dafür würde das Gelände mit Baumaterial zugeschüttet werden. Für diese „Verfüllung“ liegt bereits seit 1997 eine Genehmigung vor.

 

Wie lange kann noch geklettert werden?

Nähme die Firma das Vorhaben auf, würde dies in jedem Fall das Ende des Feuchtbiotops bedeuten, welches sich an der Sohle des Steinbruchs entwickelt hat. Aber auch die Kletterer könnten davon betroffen sein. Mit einer umgehenden Initiative hat die DAV-Sektion Leipzig vorerst eine Zusage erwirkt, dass zumindest die Kletterrouten nicht verfüllt werden – diese ist aber jederzeit kündbar und steht damit auf wackeligen Füßen.

Wegen der naturschutzfachlichen Bedeutung des Areals lehnt der Deutsche Alpenverein die Verfüllung komplett ab. Ein artenschutzrechtliches Gutachten, vom Betreiber selbst beauftragt, beschreibt den Steinbruch als Artenschutz-„Hotspot“ für die Region. Vertreter von DAV und IG Klettern haben sich zur Gruppe der Holzbergfreunde zusammengeschlossen und kämpfen seit über einem Jahr gegen die Verfüllung, gemeinsam mit einer örtlichen Bürgerinitiative und anderen Naturschutzverbänden.

 

Suche nach alternativen Standorten

Trotz aller Kritik, für die Kletterer und Umweltschützer sind die wirtschaftlichen Interessen für die Region auch nachvollziehbar. Deshalb haben die Unterstützer des Protests 15 alternative Standorte für die Deponie vorgeschlagen. Diese liegen im zuständigen Landratsamt zur Prüfung. Bisher gibt es jedoch noch keine Rückmeldung. Die Holzbergfreunde sprachen ebenfalls mit dem Umweltministerium. Der grüne Umweltminister Wolfram Günther hatte sich vor seiner Wahl im August 2019 klar gegen die Verfüllung gestellt. Der öffentliche Druck nimmt also zu. Ob sich aber Naturschutz und Natursport gegen die Wirtschaft durchsetzen können, bleibt ungeklärt.

 

Mehr unter www.holzbergfreunde.de