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Dramatische Gletscherschmelze – Forscher kartieren erstmals den Eisverlust in den gesamten Alpen

03.07.2020, 14:28 Uhr

Rund 5.000 Gletscher zählt das Alpengebiet aktuell, davon fünf in Deutschland. Wer vor einem der eisigen Riesen steht, kommt aus dem Staunen nicht mehr raus – doch Gletscher weisen auch lebensnotwendige Funktionen für Mensch, Tier und Natur auf. Umso erschreckender die Ergebnisse, die Forscher der Uni Erlangen kürzlich im Fachmagazin Nature Communications veröffentlichten.

Minus 17 Prozent Eisvolumen

Ein Verlust von 17 Prozent des Eisvolumens innerhalb von 14 Jahren – so lauten die alarmierenden Ergebnisse des Forscherteams. Dies entspricht mehr als 22 Kubikkilometern. Im Schnitt führt die globale Erderwärmung zu einem Rückzug der Gletscher von 38 Quadratkilometern und einem Verlust der Eisdecke zwischen 0,5 und 0,9 Metern pro Jahr. Besonders betroffen sind die Gletscher in der Schweiz. In ihrer Studie haben die Wissenschaftler zwischen dem Jahr 2000 und 2014 den Rückgang des Gletschereises erstmals für den kompletten Alpenraum untersucht.

Dafür kam ein breites Datenfeld von Radarsatelliten und optischen Satellitenaufnahmen zum Einsatz, wodurch über 93 Prozent des alpinen Gletschervolumens abgedeckt werden konnte. Dank dieser Messtechniken konnten Fläche und Höhe der Gletscher gemessen werden.

 

Hier erfahren Sie mehr über die Studie.

 

Fieberthermometer der Erde

Gletscher gelten als das Gedächtnis unserer Klimageschichte, kaum irgendwo lässt sich die Entwicklung des Klimas deutlicher ablesen. Das Abschmelzen der Gletscher hat Auswirkungen auf verschiedenen Ebenen: Abflussmengen erhöhen sich, was zu Hochwassern und Überschwemmungen in den Tälern führt. Der Meeresspiegel steigt an. Die Gefahr von gewaltigen Felsstürzen steigt massiv, da der vorher komprimierte Fels zu bröckeln beginnt, wenn der Druck der Gewichtslast der Gletscherzungen fehlt. Die ganzjährige Wasserversorgung wird durch den Gletscher-Rückgang gerade in trockenen Gebieten erschwert, da der beständige Schmelzwasserstrom in Kürze versiegen wird. Gründe genug, in den Klimaschutz zu investieren. Anregungen gibt's hier

 

Keine guten Zeiten für Alpengletscher

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„Das Gletscherhaushaltsjahr 2017/2018 ist erneut als sehr gletscherungünstig zu charakterisieren“, so beginnt der aktuelle Gletscherbericht des Österreichischen Alpenverein. Demnach ziehen sich die österreichischen Gletscher nahezu ausnahmslos zurück.

Bis 2100 wahrscheinlich keine Alpengletscher mehr

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Gegen Ende des Jahrhunderts könnten Eisflächen und Gletscherzungen in den Alpen der Vergangenheit angehören: 94% des heutigen Eisvolumens der Gletscher ist dann wahrscheinlich abgeschmolzen.

Alpengletscher: Vor 120.000 Jahren bis heute

Erstaunliche Animation

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Früher war mehr Eis: Mit Hilfe eines speziellen Computermodells rekonstruiert diese Animation den Vorstoß und Rückgang der Alpen-Gletscher in der Zeit vor 120000 Jahren bis heute.